Freitag, 26. Mai 2017

Error, no Ad ID set! Check your syntax!
Ayse Sönmez unterstützt zweisprachiges Vorlesen

Das Vorlesen nährt auch ihre Seele

Weinheim, 02. Juni 2014. (red/pm) Ayse Sönmez unterstützt das Bildungsbüro und Bibliothek beim zweisprachigen Vorlesen am Freitag, 06. Juni.

Asye Sömnez begeistert die Kinder für das Origamibasteln. Foto: Stadt Weinheim

Information der Stadt Weinheim:

„Eigentlich wollte Ayse Sönmez ihre Deutschkenntnisse verbessern. Jetzt liest sie in ihrer Muttersprache mit Begeisterung einmal im Monat beim „Mehrsprachigen Vorlesen“ in der Weinheimer Stadtbibliothek Kindern Geschichten vor. Den deutschen Part übernimmt eine erfahrene ehrenamtliche Lesepatin aus dem Kita- und Grundschulpaten-Projekt des Bildungsbüros Weinheim/Integration Central.

Aber auch das Deutsch von Ayse Sönmez ist durch die Vorbereitung zum Vorlesen immer besser geworden. Frau Sönmez war anfangs wie viele andere der Meinung, dass Vorlesen kein Hexenwerk ist, dass jeder, der lesen kann, auch vorlesen kann. Aber so vorzulesen, dass auch leseungewohnte Zuhörer von der eigenen Freude an Büchern und Geschichten angesteckt werden – dazu braucht es einer besonderen Vorbereitung.

Gefühl für die Geschichte

Ayse Sönmez hat gelernt, dass es am besten ist, wenn man vorher das Buch zu Hause einige Male laut liest, damit man ein Gefühl für die Geschichte bekommt. Erst wenn man sich der Geschichte öffnet, kann man sie auch authentisch hörbar machen. Und natürlich muss eine gute Vorleserin den Text genau kennen, damit sie die Sätze weit im voraus überblicken kann.

Das „Handwerkszeug“ einer guten Vorleserin ist neben der Stimmkraft und dem Sprechtempo eine klare Artikulation, die richtige Tonhöhe und eine überzeugende Mimik und Gestik. All das haben die mittlerweile 20 ehrenamtlichen Lesepatinnen und –paten des Bildungsbüros in vielen Grundlagenseminaren und Fortbildungen geübt und wenden sie einmal in der Woche an ihren Einsatzorten an fünf Weinheimer Grund- und Förderschulen sowie einer Kita an.

Natürlich müssen sie auch verlässlich sein und die Termine mit den Einrichtungen einhalten. Unterstützt werden sie dabei von der Projektverantwortlichen Elke König im Bildungsbüro, die die Einsätze koordiniert, für regelmäßige Austauschtreffen sorgt und interessante Qualifizierungen anbietet Ayse Sönmez hatte in ihrer Jugend keine „Lesevorbilder“, von denen sie hätte lernen können.

Liebe zum Kinderbuch

Sie wuchs als Waise im Kinderheim in der Türkei auf, machte eine Ausbildung zur Krankenschwester und kam vor 19 Jahren zusammen mit ihrem Mann nach Deutschland. Nach „Mama lernt Deutsch-Kursen“ an der Volkshochschule besucht sie im Moment eine Sprachenschule in Heidelberg und beginnt einen Anerkennungslehrgang, der es ihr ermöglicht, hier als examinierte Diplom-Krankenschwester zu arbeiten. Zuhause liest sie mit ihrer 17-jährigen Tochter deutsche und türkische Bücher, am meisten aber liebt sie Kinderbücher: hier kann sie ihre Sprachkenntnisse üben und verbessern.

Das war auch ihr Anliegen, als sie Anfang des Jahres im Bildungsbüro ihre Mitarbeit anbot. Da traf es sich gut, dass das Bildungsbüro gerade mit der Stadtbibliothek eine Kooperation eingegangen war, die zum Ziel hatte, eine mehrsprachige Vorlesestunde einmal im Monat anzubieten. Die Idee hinter dem Gemeinschaftsprojekt ist es, Kindern in Weinheim, die mehrsprachig aufwachsen, die Gelegenheit zu geben, Geschichten in ihrer Muttersprache zu

hören und neben der Zweitsprache Deutsch die mitgebrachte Erstsprache zu fördern. Gleichzeitig erfahren die begleitenden Eltern, wie wichtig das Vorlesen zur Unterstützung von Muttersprachlichkeit und Spracherwerb ist und sehen am praktischen Beispiel, wie sie auch zu Hause eine gute Vorleseatmosphäre schaffen und das Vorlesen ansprechend gestalten können.

Vorlesen verbindet

Ayse Sönmez ist die erste türkischsprachige Ehrenamtliche, die das Bildungsbüro gewinnen konnte. „Sie haben mir eine Chance gegeben und ganz viel Mut gemacht, das zu versuchen“, bedankt sich Ayse.

Sie ist mittlerweile nicht nur eine gute Vorleserin geworden, sondern versteht es auch, mit den Kindern und ihren Müttern ins Gespräch zu kommen und sie für das Origami-Basteln zu begeistern. Diese Vorlesestunden in der Bibliothek machen ihr sichtlich viel Freude, so dass ihr Mann, der sie beim letzten Mal begleitet und beobachtet hat, zu ihr gesagt hat: „Wenn Du das hier machst, ernährst Du Deine Seele.“

Sie freut sich schon auf die nächste Vorlesestunde in der Bibliothek: Am Freitag, den 6. Juni um 15 Uhr liest sie zusammen mit der Ehrenamtlichen Gila Haase das Buch“ Lisa will einen Hund“ oder „Liza bir Köpek Istiyor“. Wie immer freiwillig, unentgeltlich und mit großer Begeisterung.“

Über Alina Eisenhardt

Alina Eisenhardt (23) ist seit 2012 freie Mitarbeiterin bei uns, macht Redaktion, schreibt Texte und ist für "Unsere Metropolregion - Newsletter" verantwortlich. Sie studiert Psychologie.