Samstag, 19. August 2017

Error, no Ad ID set! Check your syntax!
Gabis Kolumne

Wie war das noch Mal mit der Emanzipation?

Print Friendly, PDF & Email

//

Guten Tag

Rhein-Neckar, 02. Mai 2011. In der groĂźen Politik wird ĂĽber die Frauenquote in der Wirtschaft diskutiert. Aber Gabi interessiert sich mehr fĂĽr die Emanzipation bei den „normalen“ Frauen.

Ursula von der Leyen: Spitzenpolitikerin mit sieben Kindern. Keine Ahnung, wie das geht. Quelle: wikipedia/Dirk VorderstraĂźe

 

Ich finde es ist mal wieder an der Zeit, etwas zur Emanzipation zu sagen. In der Politik wird erneut groß über die Frauenquote in den Spitzenpositionen der Wirtschaft diskutiert und Frau Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, ist bekennend dafür und Familienministerin Kristina Schröder, gerade schwanger, dagegen.

Aber letztendlich sind die beiden Damen mir auch egal. Sie sind Spitzenpolitikerinnen, mit Spitzengehältern, in Spitzenpositionen und wie Ursula von der Leyen bei sieben Kindern diese Karriere machen konnte, ist mir schlichtweg ein Rätsel, das ich auch gar nicht lösen möchte.

Mir geht es um die Emanzipation bei den „Normalfrauen“

Ich erinnere mich noch gut als der Erzeuger meines Erstgeborenen das Goldstück in Anwesenheit meiner Eltern und Großeltern erstmals wickelte. Ein Schrei der Bewunderung aus aller Munde. „Nein, schaut doch bloß, wie er das kann“, rief meine Großmutter und beifälliges Gemurmel begleitete den Wickelakt.

Hatte ich etwas verpasst? Kein Mensch zollte meiner Wickelkunst Beachtung oder gar Bewunderung. Haben Frauen denn ein Wickel-Gen und hatte ich das im Biologieunterricht nur nicht mitbekommen?

Das alles liegt Gott sei Dank schon weit hinter mir und mein Sohn benötigt heute mit seinen 17 Jahren in dieser Beziehung keine Hilfestellung mehr.

Als ich meinen Mann kennenlernte war er emanzipiert, kochte, ging einkaufen, organisierte seinen Haushalt und wusch die Wäsche – und das schon seit Jahren. In der ersten Zeit unserer Beziehung wurde ich immer wieder von meinen Freundinnen beneidet, wie gut ich-€™s hatte, wenn ich von der Arbeit kam, stand meist schon das Essen auf dem Tisch und die Vorräte waren immer aufgefĂĽllt. Gerne ĂĽbernahm ich dafĂĽr das Waschen und Putzen.

Doch mit der Zeit kamen immer häufiger wichtige geschäftliche Termine dazwischen und der Kühlschrank blieb schon mal leer und der Herd kalt.

Dafür kümmerte er sich ja um die Autos, den Garten und alle möglichen Reparaturen.

„So gesehen, hast du dich doch emanzipiert.“

Doch die geschäftlichen Termine wurden immer wichtiger und mehr, ich fing an die Hecke zu schneiden, die Toilettenspülung zu reparieren und die Getränke herbei zu schleppen. „Was beschwerst du dich“, fragte eine Freundin. „So gesehen hast du dich doch emanzipiert.“

Und es sei doch klar, dass er an diesem Status Quo, der ihm ja genügend Freiraum für seine wirklich wichtige Arbeit gab, nichts verändert wollte. Dies gab mir zu denken.

Von einem schönen Experiment erzählte mir dieser Tage eine gute Bekannte. Ihr Mann, ein Paradeexemplar der Spezies „Macho“, beschwerte sich zum wiederholten Mal darüber, dass sie so viel Zeit und so viel Geld für den wöchentlichen Einkauf verwende. Das sei alles eine Frage der Organisation, erklärte er ihr.

„Irgendwann hat-€™s mir gereicht und am nächsten Samstag bat ich ihn, mich beim Einkauf zu begleiten, damit ich mir mal abschauen könnte, wie man Einkaufen zeit- und kostenoptimiert.“

„Wir sind in einer guten halben Stunde zurück“, rief er den Kindern zu. „Rechnet mit uns nicht in den nächsten zwei Stunden“, ergänzte meine Freundin.

Zunächst ließ sie ihn das gesamte Leergut ins Auto tragen, was in einer Stadtwohnung ohne eigenen Parkplatz vor der Tür schon recht anstrengend werden kann. Dann fuhren sie gemeinsam zum Supermarkt „Hol doch schon mal einen Wagen und bring-€™ dann die Flaschen weg“, wies sie ihn an. Völlig entrüstet kam er schon nach wenigen Sekunden zurück, „da brauch-€™ man ja eine Münze oder einen Chip“, beschwerte er sich.

Vor der Leergutrückgabe hatte sich eine Schlange gebildet, „das kannst du ja beim nächsten Mal machen“, warf er ein. Aber sie erklärte ihm, dann wäre ja im Auto leider kein Platz für den Einkauf.

„Hier hast du die Liste, was wir alles brauchen“, sagte meine Bekannte und schlenderte bewusst unbeteiligt durch den Supermarkt. Schon beim Obst und Gemüse wirkte er leicht gestresst, an den Regalen überfordert und spätestens an der Wursttheke war er vollkommen abgenervt. „Wie soll man denn da vernünftig die Preise vergleichen, wenn überall unterschiedliche Mengen drin sind“, motzte er vor sich hin.

An der Kasse trat ihm der Schweiß auf die Stirn, das erste Mal, als er es kaum schaffte bei dem Tempo, das die Kassiererin vorgab, mitzuhalten und beim zweiten Mal, als er die Summe hörte.

„Knapp zwei Stunden später waren wir wieder zu Hause. Leider fanden wir keinen Parkplatz vor der Haustür.“ „Ruf doch schon mal die Jungs“, habe er gesagt, „die können das Auto ausräumen.“ Doch auch hier blieb meine Freundin unerbittlich, schließlich seien die vormittags, wenn sie einkaufe, in der Schule, da müsse man jetzt schon die echten Bedingungen nachempfinden, erklärte sie ihm.

„Immerhin habe ich mich erweichen lassen, zwei Tüten in den zweiten Stock zu schleppen, den Rest habe ich ihm überlassen.“

Nach zwei Stunden und fünf Minuten waren die Einkaufstüten in der Küche und die Getränkekisten im Keller. Inzwischen war er schweißgebadet. „So, und jetzt musst du noch alles verräumen“, habe sie ihn angewiesen.

Die Aktion war äußerst heilsam

„Das Resultat der Aktion war äußerst heilsam, er hatte fast das Doppelte ausgegeben und war insgesamt zwei ein halb Stunden beschäftigt.“ „Und macht er jetzt weiterhin den Einkauf“, wollte ich wissen. „Wo denkst du hin, natürlich nicht, aber immerhin macht er mir keine Vorhaltungen mehr, dass ich schlecht organisiert sei“, meinte sie.

Soweit so gut, dachte ich, dieses Experiment hat zumindest diesem „Macho“ die Augen geöffnet, wenn auch das Thema Arbeitsteilung dadurch nicht wirklich zur Sprache kam.

Mein Mann beschwert sich weder darĂĽber, dass ich zu viel Geld ausgebe, noch, dass ich fĂĽr meine „hausfraulichen Pflichten“ zu viel Zeit brauche. Aber es ist nun mal so, dass ich alles mache – „aber doch nur so lange ich beruflich so stark eingebunden bin“, argumentiert er, und zwar seit ĂĽber zwei Jahren.

Ein Ende ist nicht wirklich in Sicht, mutmaße ich und lass-€™ es auf einen handfesten Krach ankommen. Tagelang habe ich mir Argumente zurecht gelegt, meine Stunden, die ich bei der Arbeit, im Haushalt und mit der Organisation der Kinder verbringe, addiert und das sich ergebende Sümmchen, lässt selbst meinen Göttergatten sprachlos sein.

„Du hast Recht, das ist einfach zu viel“, sagt er einlenkend. „Da müssen wir dringend etwas daran ändern, ich finde, du solltest dir eine Putzhilfe organisieren“, meint er mit sich zufrieden, denn damit scheint das Problem aus seiner männlichen Sicht gelöst.

„Ganz ehrlich, Frau von der Leyen, war das auch ihr Lösungsansatz?“, möchte ich fragen, aber sie wird mir vermutlich keine Antwort geben und weiter über die Frauen-Quotenregelung in der Wirtschaft diskutieren.

gabi