Montag, 24. September 2018

Matthias Bente: Architekt der Feuerwehrfusion

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Guten Tag!

Weinheim, 02. Februar 2011. (pm) Matthias Bente tritt am Freitag als Abteilungskommandant LĂŒtzelsachsen/Hohensachsen ab. Als „Architekt“ des Zusammenschlusses setzte er vor zehn Jahren die „Fusion“ der Abteilungen Hohensachsen und LĂŒtzelsachen um.

Von Roland Kern

Bevor Matthias Bente das „U-Wort“ in den Mund nimmt, zögert er kurz. Manchmal wird er nĂ€mlich fĂŒr diesen Vergleich auch kritisiert. Dann sagt er es aber doch: „Eine Feuerwehr ist im Grunde auch nicht anders zu fĂŒhren als ein Unternehmen.“ Das ist eine klare Linie.

Aber Bente, seit elf Jahren Feuerwehr-Kommandant und seit zehn Jahren Kommandant der exakt mit Beginn seiner Amtszeit gegrĂŒndeten Weinheimer Feuerwehrabteilung LĂŒtzelsachsen/Hohensachsen, ist damit immer gut gefahren. Als „Noigeplackter“ mit neutralem Blick war der gebĂŒrtige Niedersachse vor zehn Jahren genau der richtige Mann, um die Fusion der beiden Abteilungen Hohensachen und LĂŒtzelsachsen umzusetzen. Wohlgemerkt: Weder in Weinheim noch im ganzen Rhein-Neckar-Kreis ist es – außer bei den beiden Weinheimer Sachsen-Ortsteilen – bislang gelungen, zwei selbststĂ€ndige Abteilungen zu einer einzigen zu verschmelzen.

Matthias Bente: KĂŒhles GemĂŒt und eifriger Schaffer fĂŒr die Feuerwehr. Bild: Stadt Weinheim

In „Weinheim SĂŒd“ ist daher unter der Ägide Bentes ein Vorzeigeprojekt entstanden, so dass der jetzt 42-jĂ€hrige Kommandant aus beruflichen GrĂŒnden zwar schweren Herzens aber mit gutem GefĂŒhl die Spitze der Abteilung verlassen kann.

Der Stabwechsel soll am Freitag (4. Februar, 19 Uhr, Feuerwache SĂŒd) im Rahmen der Jahreshauptversammlung erfolgen. Auch fĂŒr Bentes Stellvertreter Thomas Paul und Markus Kratzer endet die Amtszeit. Thomas Paul will sich ebenfalls zurĂŒckziehen, Markus Kratzer hat weiter Ambitionen. Matthias Bente, IT-Experte in FĂŒhrungsposition bei einem großen Automobilzulieferer, nimmt als „Architekt“ der bislang einzigen Feuerwehrfusion eine fast schon historische Rolle ein.

Dabei war es mit der Einheit nicht immer so leicht, wie er sich erinnert. Zwar war mit dem Bau der „Feuerwache“ SĂŒd nahe der Ortsgrenze zwischen LĂŒtzelsachsen und Hohensachsen im Jahr 1980 buchstĂ€blich schon der Grundstein gelegt fĂŒr eine effiziente Kooperation der beiden Abteilungen, aber noch lange nicht wuchs zusammen, was heute zusammengehört. Ältere Kameraden erzĂ€hlen heute noch von den Zeiten, in denen der Maschinenraum der Feuerwache durch ein MĂ€uerchen geteilt werden sollte. Hohensachsen auf der einen, LĂŒtzelsachsen auf der anderen Seite…

Im Jahr 2000 ist Bente zunĂ€chst Kommandant in LĂŒtzelsachsen geworden; erst vier Jahre nach seinem Zuzug aus Niedersachsen – wo er seit Kindesbeinen bei der Feuerwehr war – und seinem Eintritt in die Weinheimer Wehr.

Als vielleicht mitunter etwas distanzierterer Norddeutscher hat er die Ressentiments mancher Kameraden nie verstanden – und daher nie ĂŒberbewertet. „Es ging mir um den rein sachlich-fachlichen Aspekt der grĂ¶ĂŸtmöglichen Einsatzkraft der Wehr“, beschreibt Bente heute, „der Feuerwehrdienst muss auch von Ehrenamtlichen so professionell wie möglich geleistet werden“.

Jedenfalls: Bente war die ausgleichende FĂŒhrungsperson, die im Rahmen des Fusionsprozesses nötig war. Schon 2001 gingen beide Ortsteil-Wehren zusammen. Bente wurde der erste – und bislang einzige – Kommandant fĂŒr ganz „Weinheim SĂŒd“. Mittlerweile gibt es keine skeptischen Stimmen mehr, lediglich die Altersmannschaften treffen sich noch separat, immer mehr Aktive kommen jetzt schon aus einer ebenfalls vor zehn Jahren fusionierten Feuerwehrjugend. 64 Mann stark waren damals beide Wehren zusammen – exakt diese TruppenstĂ€rke konnte bis heute bewahrt werden.

Eine Einheit fĂŒr „Weinheim SĂŒd“ sei auch erforderlich, bekrĂ€ftigt Bente, der auch ohne Kommandanten-Posten seiner Wehr erhalten bleibt. Schließlich sei der Einzugsbereich mit rund 8000 Bewohnern, der Bahnstrecke und einigen neuralgischen Punkten heikel, und rund 80 EinsĂ€tze im Jahr erfordern eine schlagkrĂ€ftige Wehr, die sich als Einheit versteht. FĂŒr RivalitĂ€ten bleibt da keine Zeit. „Ich habe versucht“, sagt der scheidende Vereiniger, „das in die Mannschaften hineinzutragen“. Wie es aussieht, ist es ihm gelungen.

Anmerkung der Redaktion:
Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim