Dienstag, 18. Juni 2019

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sorgt für "großes Entsetzen"

„Odenwaldhölle“: Landrat Wilkes fordert Richtigstellung zu „bodenloser Frechheit“

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Matthias Wilkes

Matthias Wilkes, Landrat Kreis Bergstraße. Foto: Landratsamt

Kreis Bergstraße/Rhein-Neckar, 03. Januar 2014. (red/pm) Landrat Matthias Wilkes zeigt sich „entsetzt“ und hat schnell auf den Schmäh-Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung reagiert. Er fordert die Chefredaktion zu einer „Klarstellung“ auf und bietet der Berliner Redaktion „Hilfe“ in Form von „fundierten und wahrheitsgetreuen Informationen zur Verfügung“. Wir dokumentieren das Schreiben.

Brief an die Chefredaktion Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 02. Januar 2014

Artikel „Dieses Stück Germany“ von Antonia Baum aus der FAS (Feuilleton) vom 29.12.2013

„Sehr geehrter Herr Seidl,

mit großem Entsetzen habe ich den Artikel „Dieses Stück Germany“ der Redakteurin Antonia Baum aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 29.12.2013 gelesen.

Nachdem dieser Bericht in unserem Kreis für große Aufregung und Empörung bei den Bürgern, Pressejournalisten, Bürgermeistern und auch bei mir sorgt, sehe ich mich als Landrat der besagten Kommunen zwischen „Birkenau und Rimbach“ verpflichtet, zu reagieren.

Sicherlich ist das Empfinden von Heimat eine sehr subjektive Einstellung und der ungewollte Wohnortwechsel als Kind für Frau Baum ein einschneidendes und wahrscheinlich auch schmerzhaftes Erlebnis gewesen, was ich ihr in keinster Weise absprechen möchte.

Einen Ort oder eine Region, die nachweisbar zu den schönsten Mittelgebirgen und den beliebtesten Urlaubsregionen und Ausflugszielen Deutschlands zählt, als zum „Tode geweihte, für den Kopf lebensgefährliche Region mit ausnahmslos hässlichen Häusern und scheußlichsten Ort der Welt“ zu titulieren grenzt jedoch an eine Ungeheuerlichkeit.

Regionale Landstriche und deren Bewohner durchweg als Alkoholiker und Dumme zu bezeichnen an eine Diffamierung. „Als heranwachsender Mensch war es das Todesurteil. Es blieb nichts anderes übrig, als im Alter von elf Jahren das Rauchen anzufangen, zu kiffen, bis man nichts mehr sah, und zu klauen, um sich irgendwie zu unterhalten“, eine Aussage die jeglichen Spottes gleicht. Das Bild zu erwecken Kinder und Jugendliche aus dem Odenwald stammend müssten aufgrund der beschriebenen Trostlosigkeit in der Betrachtung von Frau Baum zu Kriminellen werden oder den Freitot als letzten Ausweg wählen, um der Einöde zu entkommen, eine bodenlose Frechheit.

Es ist für mich in keinster Weise nachzuvollziehen, dass die FAZ als eine der renommiertesten Redaktionen Deutschlands einen derart diffamierenden und haltlosen Artikel veröffentlicht.

Aus diesem Grund fordere ich Sie auf, den Artikel in Ihrer nächsten Ausgabe richtig zu stellen. Gerne stelle ich Ihnen hierfür fundierte und wahrheitsgetreue Informationen zur Verfügung.“

Hinweis der Redaktion: Kommentare von Leser/innen finden Sie auch auf unserer Facebook-Seite zum Thema.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.