Donnerstag, 14. Dezember 2017

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Weinheim plant "Willkommenssituation" für 200 Asylbewerber

Schutz für Menschen ist eine Selbstverständlichkeit

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(von links) Landrat Stefan Dallinger (CDU) und Oberbürgermeister Heiner Bernhard (SPD) informierten über die geplante Unterbringung von 200 Asylbewerbern in Weinheim ab Herbst 2015.

 

Weinheim, 03. Dezember 2013. (red/ld) Mit der Zusage, das Grundstück an der Heppenheimer Straße dem Landkreis für ein Asylbewerberheim zu verpachten, hilft Oberbürgermeister Heiner Bernhard dem Landrat Stefan Dallinger aus der Klemme: Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich die Anzahl der Asylbewerber im Landkreis verdoppelt. Und die müssen irgendwo unterkommen. Der Oberbürgermeister bereitet schon jetzt darauf vor, fordert eine „Willkommenssituation“. Doch die Widerstände sind vorprogrammiert.

Von Lydia Dartsch

Während die Asylbewerberzahlen im vergangenen Jahrzehnt eher niedrig waren, sind seit 2012 starke Zuwächse zu verzeichnen. In vielen Ländern dieser Welt herrschen Krieg, Chaos und Vertreibung: Syrien, Afghanistan oder Tschetschenien beispielsweise. Die Menschen werden in ihren Heimatländern unterdrückt und viele müssen um ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder fürchten. Millionen Menschen sind auf der Flucht: Sie lassen ihre Heimtat zurück. Ihre Freunde, ihre Wurzeln. Hab und Gut. Und suchen Schutz in Ländern der Europäischen Union. In Deutschland, aber die allermeisten in den Grenzländern Griechenland, Italien oder Ungarn.

Steigende Asylbewerberzahlen

Über 100.000 Menschen haben in diesem Jahr in der Bundesrepublik einen Asylantrag gestellt. Sie werden vom Bund auf die Länder verteilt. Diese weisen den Landkreisen zu, wie viele untergebracht werden müssen. Das setzte den Landrat Stefan Dallinger (CDU) noch bis zum Sommer unter Druck, denn der Kreis hat zu spät reagiert – es fehlten Unterkünfte: Bis zum Ende des Jahres muss der Landrat 700 neue Asylbewerber untergebracht haben. Ganz gleich ob in Wohnungen, Hotels oder Sammelunterkünften. Im vergangenen Jahr waren es rund 400 Asylbewerber gewesen. Angesichts der weltpolitischen Lage geht man im Rhein-Neckar-Kreis nun davon aus, dass die hohe Zahl in den kommenden Jahren stabil bleiben wird.

Die Stadt Weinheim hat nun mit einem Gelände Unterstützung angeboten. 200 Plätze für Asylbewerber sollen auf einem städtischen Grundstück entstehen, das der Landkreis dafür pachten wird. Oberbürgermeister Heiner Bernhard sieht sich in der Verantwortung. Er sagt:

Als größte Stadt des Landkreises ist das eine Selbstverständlichkeit. Diese Menschen brauchen Schutz.

Erst im Herbst 2015 sollen die Asylbewerber in den Neubau in der Heppenheimer Straße einziehen. Aber schon jetzt wird die Maßnahme bekannt gegeben: Man bereite sich frühzeitig darauf vor. Es gebe Gespräche mit den Kirchenvertretern und den Vereinen, wie Pro-Asyl Weinheim. Man wolle, dass die Menschen, die kommen, eine „Willkommenssituation vorfinden“ und setze dabei auf ehrenamtliches Engagement, sagte der Oberbürgermeister. Eine weitere Unterkunft wird derzeit in Wiesloch gebaut und soll ab Herbst 2014 eröffnet werden.

Unterbringungs-Jonglage

Bisher ähnelte der Umgang mit der Situation eher einer Jonglage: Die alte Martinsschule in Ladenburg mit rund 160 Bewohnern und die Containerlösung in Schwetzingen mit rund 200 Personen sind nur als Übergangslösungen gedacht. Die Bewohner der Martinsschule müssen bereits Ende des Jahres nach Schwetzingen umziehen. Im neuen Jahr sollen in der Martinsschulle einige hundert Schüler/innen des Carl-Benz-Gymnasiums unterrichtet werden, solange das Schulgebäude saniert wird. Die Container in Schwetzingen sollen dann Ende 2015 dicht gemacht werden.

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Pressekonferenz im Rathaus.

 

Bis dahin bleiben viele Fragen offen: Wie viele Asylbewerber kommen? Woher kommen die Menschen? Welchen kulturellen Hintergrund bringen sie mit? Werden die neu geschaffenen 200 Plätze ausreichen oder werden doch mehr benötigt? Die Antwort auf diese Fragen sind schwer zu finden – Menschen fliehen dann, wenn die Gefahr unerträglich wird. Keiner bucht seine Flucht als Weltreise zwei Jahre im voraus.

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Das Kreuz zeigt das Gelände, wo die vierteiligen Wohnheim-Komplexe gebaut werden sollen.

 

Fest steht bereits jetzt, dass der Landkreis auf dem 4.436 Quadratmeter großen Gelände zwischen dem Gewerbegebiet und der Wohnsiedlung an der Viernheimer Straße einen vierteiligen Gebäudekomplex bauen wird, um dort 200 Asylbewerber unterzubringen. Nach den ab 2015 geltenden Bestimmungen sind für jeden von ihnen mindestens 7 Quadratmeter (statt bislang 4,5) Wohnfläche vorgesehen. Dazu kommen Gemeinschafts- und Verwaltungsräume. Die Gebäude werden höchstens zweistöckig – keine Containerlösung. Das Grundstück pachtet der Kreis von der Stadt für zehn Jahre, mit Option auf eine Vertragsverlängerung. Genaue Pläne zu der Bauweise, den Kosten und der Finanzierung gibt es derzeit nicht – das muss ein vorhabenbezogener Bebauungsplan ändern.

Willkommenssituation

Die Stadt fordert von ihren Büger/innen, eine Willkommenssituation herzustellen, und die Asylbewerber schnell zu integrieren. Dabei sollen Sprachförderangebote, Hausaufgabenbetreuung und die Nähe zum Wohngebiet helfen. Bei der Umsetzung setzt Oberbürgermeister Bernhard auf das ehrenamtliche Engagement der Kirchen und Vereine wie Pro-Asyl.

Doch Widerstand ist vorprogrammiert: Einige Besitzer der umliegenden Wohnhäuser könnten durch die Nachbarschaft zu der Unterbringung sinkende Immobilienpreise befürchten. Umliegende Gewerbebetriebe könnten sich Sorgen um das „Bild“ machen. Das wird die Stadt ernsthaft zu prüfen haben und viel offensive Aufklärungsarbeit muss geleistet werden.

Angesichts der Aktivitäten der NPD in den vergangenen Monaten in der Region ist zu erwarten, dass die Diskussion durch rechtspopulistische Argumentation durchsetzt sein wird. Sorgen der Bürger werden im rechtsextremen Lager als ideale Chance gesehen werden, um durch Ressentiments und Ängste auf sich aufmerksam zu machen. Die Stadt Sinsheim ist ein gutes Beispiel mit über 400 Asylbewerbern. Hier hat sich die Stimmung schon teils so negativ aufgeladen, dass die Stadt sich nach unseren Informationen nun Hilfe von Experten sucht. Und die NPD plant, mit einer Liste bei der Kommunalwahl 2014 anzutreten.

Die frühzeitige Information durch Stadt und Kreis ist richtig und notwendig. Denn Unruhe wird aufkommen, das wissen alle Verantwortlichen. Es bleibt aber viel Zeit, um Ruhe einkehren zu lassen, bis die Menschen hier ankommen.

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Ansicht vom Ende der Heppenheimer Straße vom Bolzplatz auf das Gelände, wo die Unterkünfte entstehen sollen.

 

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Das Grundstück befindet sich zwischen Gewerbegebiet Viernheimer Straße und der angrenzenden Wohnbebauung.

 

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Zur Zeit ist das Gelände von Brombeeren und anderen Sträuchern überwuchert.

 

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Blick vom Weg hinter der Wohnbebauung Richtung „Hela-Baumarkt“.

 

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.