Samstag, 16. Dezember 2017

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Zeitung lÀsst haufenweise menschenverachtende Kommentare zu

Rassisten toben sich bei WNOZ aus

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brauen sosse

Kommentarauszug von der Facebook-Seite der Weinheimer Nachrichten. Solche und andere widerliche Kommentare werden von der Redaktion als „MeinungsĂ€ußerung“ zugelassen. Zum Zeitpunkt des Screenshots heute um 14:11 Uhr war dieser Kommentar schon fĂŒnf Stunden alt und wurde nicht gelöscht.

 

Weinheim, 04. Dezember 2013. (red) Social Media wie Facebook ist unter UmstĂ€nden problematisch. Insbesondere dann, wenn es um „sensible“ Themen geht, beispielsweise Asylbewerber. Die Weinheimer Nachrichten haben gestern einen Text zur geplanten Unterbringung von 200 Asylbewerbern ab Herbst 2015 gepostet – und der Mob darf sich auskotzen – weitestgehend ohne redaktionelle Moderation.

Von Hardy Prothmann

Am Abend werden die EintrĂ€ge auf der Facebook-Seite der Weinheimer Nachrichten immer heftiger. Vorurteile gegen Asylbewerbern werden geschĂŒrt. Sie werden pauschal mit Drogen und schweren Verbrechen in Verbindung gebracht, es wird unterstellt, dass Vergewaltigungen in den meisten LĂ€ndern „wo die herkommen“ einfach „normal“ sei. Das ĂŒbliche „nehmen-die-ArbeitsplĂ€tze-weg“ wird kommentiert – eine redaktionelle Richtigstellung, dass dies doppelt dumm ist, weil es erstens nicht stimmt und zweitens Asylbewerber keine Arbeitserlaubnis haben? Fehlanzeige.

Jede Menge rassistischer und fremdenfeindlicher MĂŒll wird eifrig gepostet, teils voller Hass. So widerlich, dass einzelne Weinheimer BĂŒrger ihre Abscheu ĂŒber solche „Kommentare“ zum Ausdruck bringen. Der CDU-Stadtverbandssprecher Dr. Thomas Ott beispielsweise postet unter seinem privaten Facebook-Account:

Unglaublich was fĂŒr einen MĂŒll manche hier schreiben. Und die @wnoz Redaktion schaut zu.

Eine FB-Nutzerin schreibt:

Also, wenn ich mir so die Kommentare durchlese schĂ€me ich mich Weinheimerin zu sein… Toleranz, Anteilnahme, MitgefĂŒhl – schon mal was davon gehört? Wir sollten stolz und dankbar sein, dass unsere Stadt nicht nur Hilfe in Aussicht stellt sondern tatsĂ€chlich etwas tut. Ich finde dieses Vorhaben toll. Erschreckend, wie manche von Euch denken…

Auch andere BĂŒrger zeigen sich entsetzt. Eine redaktionelle Moderation ist bis zum spĂ€ten Abend nicht zu erkennen. Irgendwann macht wohl jemand einen Redakteur der Zeitung auf die „Debatte“ aufmerksam und es werden einige wenige Kommentare gelöscht. Eindeutige Stellungnahmen und Aufrufe bei Androhung von Konsequenzen gibt es kaum. Die Redaktion schreibt sogar:

Hier wird es zunehmend langweilig, denn das eigentliche Thema rĂŒckt in den Hintergrund. Schade. Weinheim wird jedenfalls 2015 etwa 200 FlĂŒchtlinge aufnehmen und beweisen, dass nicht alle BĂŒrger so denken, wie es viele im Rahmen dieser Diskussion getan haben.

Langweilig? So kann man die dutzendfachen menschenverachtenden Kommentare natĂŒrlich auch bewerten. Meinung ist immer auch eine Sache der Perspektive.

Der Regensburger Journalist Stefan Aigner (Partner von Weinheimblog.de) wird auf die „Diskussion“ aufmerksam und schreibt:

Keine Ahnung von Fakten, Zahlen oder sonstwas, aber groß rumtönen. Das neidhammlerische Rassistenpack in Höchstform.

Und die Weinheimer Nachrichten reagieren immer noch nicht. Auch ich kommentiere sehr intensiv, weil man dem Rassistenpack etwas entgegensetzen muss. Mein Engagement interpretiert die Zeitung als „Selbstdarstellung“ und kommentiert:

Und es freut uns wirklich sehr, dass Sie bei uns die Aufmerksamkeit bekommen, die Ihnen anderswo untersagt bleibt.

Kein Hinweis, dass dieser Kommentarthread vollstĂ€ndig aus dem Ruder lĂ€uft, scheint die Zeitung zu erreichen. Hier freut man sich ĂŒber die „Aufmerksamkeit“ und lĂ€sst dem brauen Mob den Raum, um Menschen zu verdĂ€chtigen und zu verunglimpfen.

Auf der Website weist man sogar noch extra auf diese „Debatte“ hin:

Hier www.facebook.com/wnoz.de auf unserer Facebook-Seite, gab es gestern Abend schon eine lange Debatte zum Thema.

„Debatte“? Eine Debatte hat durch die Kommentatoren und Freunde der WNOZ ĂŒberwiegend nicht stattgefunden, sondern eher menschenverachtende Hetze. Die Stadt Weinheim und diejenigen, die den Asylbewerbern helfen wollen, werden jede Menge zu tun haben, damit diese durch die Zeitung zugelassene rassistische Stimmung nicht irgendwann gesellschaftsfĂ€hig wird und die Zeitungsredaktion versteht, dass man diesen Rassisten keine Plattform gibt. Aber vielleicht entspricht diese Sichtweise nicht der redaktionellen Überzeugung der Redaktion der Weinheimer Nachrichten.

Man darf gespannt sein, ob die gesellschaftlichen Gruppen in Weinheim, also Parteien, der Gemeinderat, der OberbĂŒrgermeister und Vereine auf diese Art von „Meinungsbildung“ den Rassisten auf der Plattform der Weinheimer Nachrichten das Feld ĂŒberlassen oder gegenĂŒber der Redaktion unmissverstĂ€ndlich ihren Unmut zum Ausdruck bringen.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.

  • weinheimerin

    Witzig ist ja der Hinweis, dass Prothmann keine Aufmerksamkeit kriegt. Er hat mehr davon in Weinheim, also manchem hier lieb ist …

    • nightwatch

      Meine Rede. Prothmann muss weg aus dem Kaff Heddesheim und nach WH!! Die WN brauchen endlich eine kompetente Alternative

  • Maternus Stein

    Ich verstehe ja, dass man diese Ansichten nicht teilen muss. Aber jetzt sagen das genau Leute mit solchen Gedanken ihre Meinung nicht Ă€ußern dĂŒrfen ist quasi wie damals als anderepolit. Meinungen nicht zugelassen wurden… unser GG sagt auch, dass man seine Meinung frei Ă€ußern darf, solange man nicht jmd damit verletzt.

    P.S. Viel Spaß bei der Zensur durch die Moderation ;), denn dass wird eh nicht gepostet

  • Tobias Z.

    Lieber Herr Prothmann,

    in der Sache gebe ich ihnen grĂ¶ĂŸenteils Recht. Ich habe die Diskussion im Stillen mitverfolgt und war erstaunt, wie dort Vorurteile, Halbwahrheiten und blanker Unsinn gepaart mit Fremdenhass zutage treten. Nicht zustimmen kann ich ihnen allerdings beim Thema Zensur. Ich bin der Meinung, dass auch solche Ansichten durchaus in einer Diskussion erlaub sein mĂŒssen. So lassen sie sich auf argumentativer Basis mit Zahlen und Fakten als das entlarven was sie sind: Geistiger DĂŒnnpfiff. Eine vitale Demokratie muss auch mit extremen Ansichten und den bekannten Stammtischparolen klar kommen. Ob die WNOZ ihre Moderationsaufgabe in der Diskussion gut oder schlecht erfĂŒllt hat, sein einmal dahingestellt.

    Ob es allerdings ihrer eigenen Argumentation dienlich ist, andere Nutzer als Zitat „DummschwĂ€tzer“ zu bezeichnen, die „kleine Eier“ haben, wage ich doch ernsthaft zu bezweifeln. Aus emotionaler Sicht mögen solche Äußerungen verstĂ€ndlich sein, sie schwĂ€chen jedoch nur ihre Position und machen sie angreifbar, wenn sie sich auf ein solches Niveau begeben. Schlechter Stil sind sie ohnehin. Sie sollten sich das ihrer Glaubhaftigkeit zuliebe ersparen.

    Tobias Z.

    • hardyprothmann

      Guten Tag,

      Zustimmung – „deutliche Ausdrucksweisen“ können verschieden aufgefasst werden. Ich verwende das durchaus als Provokation, um Menschen, die andere Menschen durchgehend beleidigen vorzufĂŒhren, wie sich das anfĂŒhlt. DafĂŒr wĂ€hle ich DummschwĂ€tzer als Tatsachenbehauptung fĂŒr dumme Menschen, die dummes Zeugs schwĂ€tzen und „kleine Eier“ fĂŒr die geistige Impotenz.

      Und vielleicht ist es nur eine menschliche SchwÀche, denn ich muss mich dauernd mit diesem Pack (auch das bewusst gewÀhlt) befassen, die unser gesellschaftliches System ablehnen, Rechte einfordern, die Sie anderen nicht erlauben wollen und sich immer an den SchwÀcheren abarbeiten.

      Ich bin nicht Ihrer Meinung, dass man Rassisten mit Argumenten, Zahlen und Fakten beikommt. Sie sitzen da einer durchaus respektablen Sicht auf, die alle, die sich mit Rassisten beschÀftigen, mal gehabt haben. Das sind ideologisch verbrannte Hirne.

      Schauen Sie sich die Aussteigerquote an – die ist lĂ€cherlich. Und vermeintlich „mitfĂŒhlende“ Aussagen wie: „Und wer denkt an unsere armen Rentner“, lohnen keine Debatte, weil man nicht auf derselben Grundlage argumentiert. Ich muss das keinem vernĂŒnftigen Menschen nĂ€her erlĂ€utern.

      Was die Zensur angeht, regelt Art 5. GG sehr richtig, dass keine staatliche Zensur stattfinden darf. Diese findet nicht gegenĂŒber MeinungsĂ€ußerungen statt, sofern diese nicht andere RechtsgĂŒter verletzen, sonst schon.

      Die private Zensur, ob zum Schutz der Jugend, im Betrieb, in Vereinen oder Organisationen ist richtig und immer dann geboten, wenn Grenzen ĂŒberschritten werden. Wir löschen beispielsweise je nach Themenlage sehr intensiv Kommentare – das fĂŒhrt zu weniger Kommentare, weil die Rassisten oder andere Hetzer Lust und Laune verlieren. Das steigert zugleich die QualitĂ€t der Kommentare, die wir freischalten. Dabei geht es nicht um „unsere Meinung“ – Sie können an vielen Stellen nachlesen, dass wir lebhaft mit Leser/innen Argumente aus verschiedenen Positionen austauschen.

      Den Weinheimer Nachrichten werfe ich vor, dass diese auf der Suche nach Aufmerksamkeit Grenzen ĂŒberschreiten und damit ein extrem verantwortungsloses Verhalten zeigen. Ich habe dort bewusst unter meinem Namen und nicht unter Weinheimblog.de kommentiert, weil es mir in der Sache niemals um „Konkurrenz“ geht, sondern den Nazis keinen Raum zu geben – egal wo. Das ist die einzige Sprache, die sie verstehen.

      Bedauerlich finde ich, dass Sie nur „im Stillen mitverfolgt“ haben. Stille ist der beste NĂ€hrboden fĂŒr rassistische Ideologien. Wenn keiner was sagt und wenn keine Grenzen gezeigt werden, werden diese RĂ€ume von Menschen eingenommen, die sich anmaßen, andere als minderwertige Tiere zu brandmarken.

      Nein danke – ich halte gegen.

      • Bernd W.

        Guten Tag,

        als Veganer und TierschĂŒtzer finde ich Ihre Aussage,

        „die sich anmaßen, andere als minderwertige Tiere zu brandmarken“

        unverschÀmt ! Jedes Tier ist ein Lebewesen das genau wie

        ein Mensch einen gleichen Stellenwert hat. Keiner darf sich anmassen Wertungen diesbezĂŒglich abzugeben.

        Es reicht schon das im Koran diese unertrÀglichen

        Wertevergleiche verbreitet werden:

        Sure 8.55:

        “Siehe, schlimmer als das Vieh sind bei Allah die UnglĂ€ubigen,Christen und Juden die nicht glauben.”

        • hardyprothmann

          Guten Tag!

          Sie haben Recht. Tiere sind nicht minderwertig. Ist durchgestrichen.

          Gruß
          Hardy Prothmann

  • hardyprothmann

    „…solange man nicht jemanden damit verletzt“ oder herabwĂŒrdigt oder brandmarkt oder diskriminiert.

    Sehr richtig. Deshalb ĂŒben wir auch Zensur.

  • hardyprothmann

    Schau an, offensichtlich gab es ein wenig „Druck“ bei den WN:

    http://www.wnoz.de/index.php?&kat=113&artikel=110472933&red=27&ausgabe

    • weinheimerin

      Ich finde ĂŒbrigens – bei allen SchwĂ€chen – die WN immer noch lesbarer und hochwertiger als den grottigen MM.