Freitag, 26. Mai 2017

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Stadtwerke Weinheim mit solider Bilanz

„2013 war ein Klasse Geschäftsjahr“

Weinheim, 06. August 2014. (red) Die Stadtwerke Weinheim präsentierten in der vergangenen Woche gute Geschäftszahlen. Zwar ging der Gewinn um 10,5 Prozent zurück, obwohl der Umsatz um gut 6 Prozent gesteigert werden konnte, doch das waren außerordentliche Effekte. Insbesondere die Umstellung des Buslinienkonzepts hat für höhere Kosten gesorgt. Die Zahlen für 2014 werden nicht so gut werden, da ein milder Winter erheblich niedrigere Verbrauche bei Strom und Gas mit sich brachte – den beiden Umsatzbringern des städtischen Unternehmens.

Von Hardy Prothmann

Geschäftsführer Peter Krämer freut sich:

Das war ein klasse Geschäftsjahr.

Beim Strom steigerten die Stadtwerke ihren Umsatz von 36,294 Millionen Euro auf 38,698 Millionen Euro, beim Gas von 15,703 Millionen Euro auf 16,733 Millionen Euro und bei der Wärme nahm der Umsatz am deutlichsten mit +16,5 Prozent zu und erreichten 1,462 Millionen Euro.

Unterm Strich bleibt ein Gewinn von 2,3 Millionen Euro (Vorjahr 2,57 Millionen Euro). Die Stadtkasse erhält eine Gewinnausschüttung von 823.000 Euro, Anteilseigner EnBW von 1,146 Millionen Euro, 300.000 wandern in die Rücklage für strategische Zukäufe. Knapp 30.000 Euro gehen an die Gemeinde Gorxheimertal, die einen kleinen Anteil an den Stadtwerken hält.

Solide Zahlen

Der neue Elektrosmart der Stadtwerke Weinheim – Ökostrom treibt ihn an. Im Bild: Oberbürgermeister Heiner Bernhard und Stadtwerke-Chef Peter Krämer nach ihrer Probefahrt.

Die Geschäftsführung freut sich insbesondere vor dem Hintergrund der Energiewende über die soliden Zahlen. Laut Peter Krämer stände in den kommenden Jahren jedes fünfte Stadtwerk vor der Insolvenz – eine aktuelles Beispiel seien die Stadtwerke Gera.

Verluste brachten die Webu, insbesondere durch das neue Buslinienkonzept und das städtische Bad Hawei, das 2013 mit knapp 100.000 Besuchern diese Zahl halten konnte. Für dieses Geschäftsjahr rechnet Peter Krämer mit weiteren Verlusten von 150-200.000 Euro bei der Webu. Die Anfangsschwierigkeiten seien behoben, trotzdem müsse noch ein wenig nachgebessert werden.

Erfreulich entwickelt sich Lützelsachsen Ebene. Rund 120 der 400 Grundstücke seien bebaut, 100 versorgen die Stadtwerke ganz überwiegend mit Biogas-Wärme. Eine Quote von rund 87 Prozent. 31 Prozent seien besiedelt, ab 60 Prozent ergibt sich eine Wirtschaftlichkeit im Gebiet. Die Wärmeversorgung Rippenweier GmbH, an der die Stadtwerke beteiligt sind, konnte mittlerweile 44 Kunden gewinnen – ab 50 rentiert sich die Investition. Hier wird Wärme über eine Holzhackschnitzelheizanlage erzeugt. Das klimaneutrale Gasprodukt „Woinemer Gas Zero“ konnte erfolgreich im Markt platziert werden.

2014 haben die Stadtwerke sich auch an der KomKo Wind GmbH mit 2,8 Prozent beteiligt, die an 17 Standorten in Deutschland Windenergie erzeugt. Bis Jahresende soll es eine weitere Beteiligung im Bereich erneuerbarer Energien geben.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die Geschäftsführung allerdings mit deutlich niedrigeren Umsätzen:

So kalt kann kein Winter werden, um das wieder aufzuholen,

sagte Peter Krämer, der den Umsatzrückgang auf 20-25 Prozent schätzt. Wie sich das auf den Gewinn und vor allem die Ausschüttung an die Stadt auswirken wird, ließ er offen.

Erfreulich entwickle sich die Urbania GmbH – ein Gemeinschaftsunternehmen mit den Stadtwerken Schwetzingen, die mit MeineStadtEnergie in der Metropolregion günstigen Strom verkauft. Hier gibt es bereits 2.000 Kunden. Zum Vergleich: Die Stadtwerke haben 40.000 Kunden und einen rund 85-prozentigen Marktanteil im Versorgungsgebiet.

Zu schleppende Energiewende

Ärgerlich zeigte sich Peter Krämer über die Politik: 50 Prozent der Stromkosten seien Steuern und Abgaben, 20 Prozent Netznutzungsentgelte – nur 30 Prozent seien durch die Stadtwerke beeinflussbar: „Wie man hier von einem „freien Markt“ sprechen kann, ist mir schleierhaft.“ Überhaupt werde die Energiewende zu langsam vorangebracht. Als Beispiel nannte er Elektrofahrzeuge: „Da tut sich viel zu wenig.“ Und im Versorgungsgebiet gebe es mittlerweile 700 subventionierte Einspeiser.

Im Bereich Tulla-, Herzstraße haben die Stadtwerke ein Grundstück erworben – hier soll ein neues zentrales Lager entstehen. Der Platz am Firmenstandort in der Stadt reicht nicht mehr aus.

Peter Krämer und seine beiden Prokuristen Andreas Ernst und Helmut Röder zeigen sich trotz des erwarteten Umsatzeinbruchs optimistisch. Gas und Wärme boomen, die Wechselquote bei den Stromkunden liege deutlich unter Durchschnitt und über weitere Beteiligungen diversifiziere man das Geschäft. Im Geschäftsjahr 2013 habe man 3,9 Millionen Euro investiert (Lützelsachsen Ebene), die Eigenkapitalquote liege bei soliden 42 Prozent, Kredite mussten nicht aufgenommen werden, im Gegenteil wurden Tilgungen in Höhe von 1,1 Millionen Euro geleistet.

Die Zahl der Mitarbeiter wurde mit 131 (2012: 134) wurde nahezu gehalten und die Stadtwerke zeigen sich als soziales Unternehmen: 18 Mitarbeiter haben einen Behinderungsgrad von über 50 Prozent, 4 Mitarbeiter über 30 Prozent. Insgesamt gibt es 8 Auszubildende.

 

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.