Samstag, 21. Juli 2018

Ein Schieferdach ist kein Pappenstiel

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Das Schloss-„GebĂ€ude E“

Weinheim, 5. Dezember 2011. (red/pm) Das Weinheimer SchlossgebĂ€ude „E“ soll denkmalgerecht saniert werden. Die ortsansĂ€ssige Fachfirma Schilling wird die Sanierung der rund 250 Quadratmeter großen DachflĂ€che ĂŒbernehmen. Die hierfĂŒr benötigten Schieferschindeln kommen aus der Eifel.

Information der Stadt Weinheim:

„Wahrscheinlich war der Platz im Schloss zu eng geworden. Die GrĂ€fin Auguste Elisabeth Amalie Waldner von Freundstein hatte 1868 den Mitteltrakt um den NordflĂŒgel mit Festsaal und den neugotischen Turm erweitern lassen. Mit der Schlosserweiterung wuchs die Zahl der Bediensteten und der GĂ€ste.

Womöglich ist so der Wunsch nach einem NebengebĂ€ude enstanden. Gebaut wurde es 1874, ebenfalls zu Freundsteins Zeiten im Weinheimer Schloss, die Obertorstraße entlang hinunter in Richtung St. Laurentiuskirche und Marktplatz.

Es wurde ebenfalls im gotischen Stil gehalten, geriet aber wesentlich schlichter und schmuckloser. Auch die Grafen mussten seinerzeit nach dem Geld schauen. Allerdings: Schieferschindel fĂŒrs Dach, wie auf den anderen SchlossgebĂ€uden, mussten es schon sein. Jeder einzelne auf einer vollflĂ€chigen Holzverbretterung in Handarbeit aufgenagelt.

Der Denkmalschutz hat oberste PrioritÀt

Und so muss es auch bleiben, wenn die Stadt in den nĂ€chsten Wochen die rund 250 Quadratmeter große DachflĂ€che saniert und erneuert – darauf achtet schon der Denkmalschutz.

Auch Peter Zschippig, Leiter der Hochbauabteilung des Amtes fĂŒr Immobilienwirtschaft, und Thomas Baier, Architekt im selben Amt, wissen um die Aufgaben, die ein altes Schloss einer Kommune stellt. Es ist nicht die erste, die sie lösen.

Das SchlossgebĂ€ude „E“, in dem heute ĂŒberwiegend das Standesamt untergebracht ist, aber auch die Telefonzentrale der Stadt sowie ArchivrĂ€ume, bekommt in den nĂ€chsten Wochen ein neues Schieferdach. Wie alt das bisherige ist, weiß niemand so ganz genau.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es in Teilen noch aus dem Jahr 1874 stammt. Das alte Dach wurde in letzter Zeit zum Sicherheitsrisiko. Die NĂ€gel, die den Schiefer hielten, waren durchgerostet. Bei starkem Wind rutschten immer wieder Schindeln vom Dach und knallten auf den Boden. Es war nur GlĂŒck, gibt Peter Zschippig zu Bedenken, dass niemand verletzt worden ist.

Es sei ĂŒbrigens heutzutage nicht leicht, eine Fachfirma zu finden, die noch mit Schiefer arbeiten kann, erklĂ€rt er. Gut fĂŒr die Weinheimer Stadtverwaltung, dass die ortsansĂ€ssige Firma Schilling noch Dachdecker ausbildet, die es können. Die Schindeln kommen ĂŒbrigens aus Deutschland, aus der Eifel.

In den letzten Tagen wurde das GebĂ€ude rundherum eingerĂŒstet und umspannt, damit die Passanten in dem viel frequentierten Bereich der Innenstadt von den Arbeiten nicht gefĂ€hrdet werden können. In dieser Woche beginnen die Dachdecker, die alten Schieferschindeln werden Quadratmeter fĂŒr Quadratmeter abzutragen, dann wird der Unterbau ausgebessert und die neuen Schindeln aufgenagelt.

Eine kunstvolle Kleinarbeit ist fĂŒr die geschwungenen AnschlĂŒsse an den Gauben erforderlich. Wenn es mit dem Frost nicht ganz so schlimm wird, soll die Maßnahme bis Februar nĂ€chsten Jahres abgeschlossen sein, parallel werden nicht mehr benötigte Kamine abgerissen, die Giebelfassade auf der Seite zur Kirche hin neu verputzt, die Fenster werden – ebenfalls denkmalgerecht – saniert und besser isoliert.

Baier und Zschippig gehen davon aus, dass die Sanierungskosten, die im Haushaltsplan mit insgesamt 140 000 Euro veranschlagt sind, fĂŒr das Maßnahmenpaket ausreichen. Die Dachsanierung war eigentlich frĂŒher geplant gewesen, aber die Sanierungsmaßnahmen an den Schulen hatten wĂ€hrend der Sommer- und Herbstferien erstmal PrioritĂ€t.“