Dienstag, 22. August 2017

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Geprothmannt: Ich lass mir das Essen nicht vermiesen

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Esst Gurken - sie sind lecker und gesund. Seit 2009 darf man in Deutschland auch solch krumme Gurken kaufen. Bild: Garitzko/wikipedia

Rhein-Neckar/Deutschland, 06. Juni 2011 (red) Die EHEC-Angst geht um. Warum? Weil ein Haufen verantwortungsloser Medien Panik bei den Menschen sch├╝rt. Und jede Menge falsche Informationen unters Volk bringt. Wer klug ist, durchschaut die Berichte ├╝ber die angebliche Seuche – die wahre Seuche ist die Sensationsgier vieler Medien.

Von Hardy Prothmann

Am Anfang waren es ein paar EHEC-F├Ąlle. Dann waren es ein paar mehr. Dann sollen spanische Gurken schuld gewesen sein, dann Gem├╝se aus Norddeutschland – die Deutsche Presse Agentur (dpa) hatte aus einem „in Norddeutschland“ ein „aus Norddeutschland“ gemacht. Die Folge: Massive ├Âkonomische Sch├Ąden f├╝r Gem├╝seproduzenten, sprich Landwirte. In Spanien. In Norddeutschland.

Jetzt sollten es „Killerkeime“ – Spr├Â├člinge gewesen sein.

├ťberall im Land bleiben die Gurken und Tomaten und jetzt Spr├Â├člinge liegen. Die meisten Kantinen bieten eher Krautsalate an, denn frische Kost.

Niemand muss vor dem Verzehr von Gem├╝se Angst haben – denn das Bakterium sitzt wenn, auf dem Gem├╝se und nicht drin. Wer Gem├╝se vor dem Verzehr ordentlich reinigt, w├Ąscht die Erreger ab.

Noch besser sind die dran, die ihr Gem├╝se im eigenen Garten ziehen – die wissen, wie es behandelt und gezogen wurde.

Die Erwartung der ├ťberallverf├╝gbarkeit ist das Problem.

Tats├Ąchlich erwartet unsere Gesellschaft eine ├ťberallverf├╝gbarkeit von allem zu jeder Zeit. Deswegen reist Gem├╝se um die Welt und Erreger und Verschmutzungen mit.

Sicher, die Spanier, Belgier, Niederl├Ąnder sind in diesem Fall offensichtlich nicht schuld an EHEC. Sie sind aber sehr wohl schuld an einer Verzerrung des Marktes mit minderwertigen Produkten. Die EU mag bis 2009 eine Gurkenkr├╝mmungsverordnung gehabt haben – ob die Gurken aber auch schmecken, ist nicht verordnet worden.

So gibt es jede Menge Gurken, Tomaten und anderes Gem├╝se, dass auf Glanz gez├╝chtet ist, alles in Reih und Glied gleich „attraktiv“ aussieht, aber doch nach nichts schmeckt. Aber der Preis, der stimmt. Sch├Ân billig eben.

Und vermutlich wird herauskommen, dass wegen des Preises irgendwo in der Nahrungsproduktionskette geschlampt worden ist. Ob dioxinverseuchte Industriefette, die dem Tierfutter beigemischt werden, ekelerregende Massentierhaltung, BSE – nichts davon ist „nat├╝rlich“, alles ist industriell systembedingt „erzeugt“ worden.

EHEC ist der eine Erreger – Panik der andere.

Hinzu kommt die Erzeugung von Panik. Denn so wie die Gem├╝seproduktion industriell gesteigert wird und zwar gut aussehende, aber geschmacklose Ware erzeugt wird, so erzeugen Medien scheinbar wichtige Nachrichten, die aber „kernlos“ gez├╝chtet werden. Das Ziel ist wie beim Billig-Gem├╝se die Steigerung des Absatzes.

Es geht hier l├Ąngst nicht mehr um Angebot und Nachfrage. Fr├╝her war ausverkauft, wenn ausverkauft war – heute soll immer weiter nachgeliefert werden. Auch die Kunden sind mit schuld, wenn sie selbstverst├Ąndlich immer alles zu erhalten erwarten. Deswegen wird produziert, was das Zeug h├Ąlt. Wird diese „Kette“ unterbrochen, ist das Geheule gro├č. Besonders bei gewissen Medien, ob erwartungsgem├Ą├č bei Bild oder auch bei scheinbar seri├Âseren Auftritten wie Spiegel online. Sitzt der „Erreger“ erstmal auf der Nachricht, verbreitet er sich ebenso rasend schnell.

Auch das erzeugt „D├╝nnpfiff“ – der aber macht den Kopf und das Herz der Menschen krank, die nur noch Gefahren sehen, obwohl sie in einem Land leben, dass ebenso massenhafte Kontrollverordnungen hat und diese auch weitestgehend umsetzt. Wenn man sich erregen will, dann ├╝ber die dilletantische ├ľffentlichkeitsarbeit der verantwortlichen Politiker.

EHEC und die m├Âglicherweise daraus resultiernde HUS-Erkrankung sind schlimm f├╝r alle Betroffenen – keine Frage. Aber es gibt f├╝r mich auch nicht im Ansatz einen Grund, keine Gurken zu essen. Ganz besonders freue ich mich auf die eigenen – die Pfl├Ąnzchen sind gerade erst geschl├╝pft, es wird also noch ein wenig dauern, bis die leckeren Gurken auf den Tisch kommen.

Und nein – ich werde nichts davon exportieren. Die Erzeugnisse auf dem kleinen Beet sind f├╝r den Eigenbedarf bestimmt. Gute Freunde und Nachbarn bekommen auch was davon ab. Und bislang hat sich noch nie jemand ├╝ber die Qualit├Ąt beschwert.

  • rheinneckarblog

    Guten Tag!

    Offensichtlich f├╝hlt sich die Chefredaktion der Mainpost in W├╝rzburg gen├Âtigt, die eigene EHEC-Berichterstattung zu rechtfertigen:

    http://www.mainpost.de/specials/leseranwalt.artikel/art18771,6180636

    Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
    Das rheinneckarblog

    P.S. In W├╝rzburg liest man unsere Blogs sehr interessiert ­čśë

  • rheinneckarblog

    Guten Tag!

    Vier Tage nach diesem Artikel kam also auch „offiziell“ die Entwarnung.

    Also, ern├Ąhrt Euch gesund und esst Gurken, Salat und Tomaten ­čÖé

    http://www.mlr.baden-wuerttemberg.de/Bund_hebt_Warnung_vor_Rohkost_auf_Sprossen_weiter_kritisch/97871.html

    Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
    Hardy Prothmann

  • rheinneckarblog

    Guten Tag!

    Umfangreiches Interview mit einem Mediziner zu EHEC und dem, was die meisten Medien (nicht) draus machen:

    „Auf die Einordnung kommt es an

    Insofern w├╝rde ich gerade jetzt bei EHEC sagen: Nat├╝rlich ist das beunruhigend f├╝r viele, und nat├╝rlich haben jetzt viele den Eindruck, dass man es nicht so genau wei├č, und dass man nicht wei├č, was man denn tun soll. Doch das ist zum einen nat├╝rlich dem Sachverhalt geschuldet ÔÇô denn man wei├č nun mal bestimmte Dinge tats├Ąchlich nicht ÔÇô und dann wird diese Unsicherheit nat├╝rlich transportiert ÔÇô zum Teil von den Medizinern, zum Teil dann von den Medien. Das kann man denen aber jeweils nicht zum Vorwurf machen. Was die Medien nat├╝rlich vielleicht immer noch ein bisschen st├Ąrker tun k├Ânnten, w├Ąre, es dann in eine Relation zu setzen ÔÇô also, dass es immerhin noch sehr kleine Zahlen sind, und das dann nach den j├╝ngsten RKI-Zahlen vorwiegend sowieso regional begrenzt. In Nordrhein-Westfalen sind das glaube ich einhundert F├Ąlle, und in Hamburg einhundertf├╝nfzig. Das ist bei dieser schweren Form der Erkrankung immer noch im Rahmen, und das k├Ânnten und sollten Medien einordnen.

    Also, zun├Ąchst einmal sind die Medien die ├ťberbringer der schlechten Nachricht, und man kann sie dann zwar f├╝r das ÔÇ×wieÔÇť manchmal k├Âpfen ÔÇô also wie sie es transportieren ÔÇô aber nicht f├╝r den Sachverhalt selbst, wenn der komplex und schwierig und vielleicht auch bedrohlich ist.

    Nochmal: In Relation setzen und einordnen!“

    http://www.medien-doktor.de/sprechstunde/ehec-auf-die-einordnung-kommt-es-an/

    Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
    Das rheinneckarblog