Montag, 22. Januar 2018

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„Kommunale Verantwortung gefragt“

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VHS Kabarett aus Senegal

Weinheim, 6. Dezember 2011. (red/pm) Ab sofort bietet die Volkshochschule Badische Bergstraße in Weinheim interkulturelle Dialoge an. Die Veranstaltungsreihe soll den Absolventen der VHS-Integrationskurse die Möglichkeit bieten, in Kontakt zu bleiben. Die Veranstaltungen werden von der Stadt sowie der Bürgerstiftung unterstützt.

Information der Stadt Weinheim:

„Er kann sprachlich alles, sogar Hochdeutsch. Aber auch Saarländisch und Schwyzerdütsch. Vor allem kann sich der aus Senegal stammende Germanist Ibrahima Ndiaye – ganz undeutsch – auch mal selbst auf den Arm nehmen.

Zum Beispiel bei der Szene, in der er Schweizer Eisenbahn fährt und die Schaffnerin kalauernd fragt, ob er Schwarzfahrer sei. Daraufhin kontert der gebürtige Afrikaner, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt, hintergründig: „Was, Sie wollen mir weismachen, ich sei Schwarzfahrer?“

Mit solchen Erlebnissen aus dem Leben eines Menschen, der auf den ersten Blick deutlich sichtbar einen Migrationshintergrund hat, gestaltet Ndiaye seine Bühnenprogramme: als Geschichtenerzähler, Kabarettist aber auch Moderator bei Integrationskonferenzen.

Der „schwarze Goethe“, wie der Sprachkünstler oft genannt wird, ist ein gefragter Mann – auch eine Gallionsfigur der Integration. Köstlich, wenn er Szenen nachspielt, bei denen er auf echte Saarländer trifft, die definitiv mit dem Hochdeutsch des Afrikaners überfordert sind.

Ndiaye gestaltete jetzt den ersten Interreligiösen Dialog, den die Volkshochschule Badische Bergstraße nun regelmäßig anbietet, vor allem, um den Absolventen der VHS-Integrationskurse auch nach ihrem Abschluss öfter die Möglichkeit zu eröffnen, in Kontakt zu bleiben und die deutsche Sprache zu üben. Die Veranstaltungsreihe wird von der Stadt und von der Bürgerstiftung unterstützt.

VHS-Leiterin Dr. Cristina Ricca betonte eingangs der Auftaktveranstaltung, welche Chance es für jede Gesellschaft sei, die Verschiedenheit unterschiedlicher Kulturen aufzunehmen, um daraus Tolerenz und Offenheit zu schöpfen.

Auch Oberbürgermeister Heiner Bernhard, der schon einige Male Abschlusszeugnisse an die Teilnehmer von Integrationskursen verliehen hat, bekannte: „Ich bin immer wieder begeistert von der Freude dieser Menschen, die einen ersten wichtigen Schritt in Richtung einer gelungenen Integration unternommen haben. Begeistert von dem Elan und dem Ehrgeiz, den sie an den Tag legen. Begeistert von ihren Zielen und Visionen, von ihrem Mut und ihrem Vertrauen in die deutsche Gesellschaft.“

Der OB ging aber auch – zum passenden Anlass – auf die aktuellen politischen Ereignisse in Deutschland ein, und bekannte: „Ich bin dann immer sehr beeindruckt und auch gerührt – aber gerade im Moment auch beschämt.“

Morde durch Neonazis an türkischen Mitbürgern in Thüringen und Sachsen sowie die Vorgänge in den Verfassungsschutzbehörden seien „ein Skandal, der uns alle aufrütteln muss“. Bernhard: „Dass es offenbar wieder deutsche Behörden gibt, die auf dem rechten Auge blind sind, macht mich frösteln. Und es macht mich wütend.“

Alle seien nun aufgerufen, den Menschen, die als Fremde nach Deutschland gekommen sind, „das Vertrauen und die Sicherheit zu geben, die sie bei uns suchen und verdient haben“, forderte Bernhard. Und weiter: „Das Bild, das die letzten Wochen entstanden ist, darf so nicht in den Köpfen bleiben. Wir sollten in der Lage sein, solche Angriffe auf die Grundfeste unserer Gesellschaft und humanistischen Kultur abzuwehren.“

Er sei davon überzeugt, dass eine Schlüsselrolle bei dieser Zurückgewinnung des Vertrauens wie der Integration insgesamt auf der kommunalen Ebene liege. Der OB: „Hier ist die kommunale Verantwortungsgemeinschaft gefragt und verantwortlich.“ Hier vor Ort gebe es die bewährten und engagierten Träger von Integration wie eben die Volkshochschule und andere.

Veranstaltungen wie jene der VHS seien heute umso wichtiger, um den Blick auf Menschen, ihre Besonderheiten und ihre Talente zu legen. Heiner Bernhard: „Neugier, Respekt und Toleranz sind die Basis für Integration.“

Info: Weitere Veranstaltungen im Rahmen der Reihe „Interreligiöser Dialog“ unter www.vhs-bb.de. Eine Teilnahme ist jeweils kostenlos.“