Donnerstag, 25. Mai 2017

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Werner-Heisenberg-Gymnasium spielt Shakespeares "Viel LĂ€rm um nichts"

Modern im Schein – zeitlos im Sein

Weinheim, 07. Juli 2014. (red/ms) Augenscheinlich hat es kaum noch etwas mit Shakespeares Jahrhunderte altem Klassiker zu tun, wenn plötzliche laute Rockmusik ertönt und 30 Schauspieler in Tenniskleidung nach und nach zusammenbrechen. Oder wenn wichtige Charaktere ein anderes Geschlecht als im Original haben. Oder einfach weggelassen werden. Doch im Wesentlichen ist die AuffĂŒhrung eine mutige, innovative und liebevolle Hommage: Im Werner-Heisenberg-Gymnasium spielte die Theater AG „Viel LĂ€rm um Nichts“ – Oder besser gesagt: Eine Ă€ußerst eigenwillige Interpretation davon, die gelungen den Charakter und die bedeutsamen Botschaften des Originals beibehĂ€lt, und behutsam moderne Elemente einbindet. 

Von Minh Schredle

Heutzutage erlangt Ruhm nicht, wer siegreich Schlachten schlÀgt, sondern wer im Sport seine Gegner bezwingt. Daher sind Don Pedro, Claudio und Benedikt am Werner-Heisenberg-Gymnasium auch keine Krieger, sondern Tennisprofis.

Der Einstieg ins StĂŒck ist gewagt: Knapp 30 Schauspieler in Sportkleidung betreten die BĂŒhne. Sie verharren eine Weile lang ruhig. Plötzlich ertönt laute Rockmusik und alle springen hin und her.

Zu „Franki goes to Hollywoods“ Kulthit „War“ simulieren die Schauspieler mit verbitterten Minen TennisaufschlĂ€ge – bis sie der Reihe nach zusammenbrechen.

Gemischte GefĂŒhle wandeln sich zur allgemeinen Euphorie

Bei den gut hundert Zuschauern löst diese Szene gemischte GefĂŒhle aus: Gerade die jĂŒngeren sind hin und weg, mĂŒssen grinsen und wippen mit dem Kopf zum Rhythmus. Die Ă€lteren wirken etwas perplex, runzeln die Stirn und wirken wie festgefroren. Doch bald ist auch bei ihnen alle anfĂ€ngliche Skepsis verflogen und die allgemeine Begeisterung deutlich anzusehen. Am Ende wirkt niemand mehr unzufrieden – und das obwohl wirklich sehr frei mit der Vorlage umgegangen wurde.

Bei einigen Figuren wurden die Geschlechter vertauscht. Ein paar Charaktere einfach weggelassen. Dann wird plötzlich Musik eingespielt und es folgen Minuten lange Tanzeinlagen. Oder die Schauspieler singen selbst. Das alles hat augenscheinlich wenig mit dem Original zu tun – doch im Wesentlichen ist es eine liebevolle Hommage an den Klassiker: Die Motive und Konflikte, Shakespeares geschickte Beobachtungen und seine bedeutsamen Botschaften wurden beibehalten und brillant umgesetzt.

 

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Claudio (Alexander Keller) versucht seinem Freund Benedikt (Rico Molaro) zu entlocken, dass es sich bei Hero um eine begehrenswerte Frau handelt. Doch Benedikt gibt sich unbeeindruckt: FĂŒr ihn seien alle Frauen ĂŒberhaupt nichts wert und heiraten sei das letzte, was ihm in den Sinn komme. Noch verkennt er seine Liebe zu Beatrice.

 

Claudio ist vom Anblick der hĂŒbschen Hero so angetan, dass er sie direkt heiraten möchte. Seinen Freund Benedikt belustigt das: FĂŒr ihn ist heiraten das allerletzte und keine Frau ist begehrenswert – vor allem nicht Beatrice.

Beatrice sagt das Gleiche ĂŒber Benedikt – aber beide denken ganz anderes: In Wirklichkeit sind sie in einander verliebt. Doch damit sie sich das selbst und einander eingestehen können, bedarf es einiger Einwirkung von außen.

Geschickt werden die UnfĂ€higkeit und der Widerwillen, offen GefĂŒhle auszudrĂŒcken, lustig gemacht. Und zwar so sehr, dass das Publikum im Minutentakt lauthals loslacht und nach jedem Aufeinandertreffen der beiden Szenenapplaus zu hören ist. Miriam FlĂŒchter (Beatrice) und Rico Molaro (Benedikt) spielen ihre Rollen perfekt.

Der Antagonist ist eine Antagonistin

Aus dem Antagonisten Don Juan wurde am Werner-Heisenberg-Gymnasium Donna Juanna. Sie ist unglaublich neidisch auf ihren erfolgreichen Halbbruder Don Pedro und schmiedet ihre Intrigen, um das GlĂŒck der anderen zu zerstören.

Die Art, wie ihr Charakter dargestellt wird, ist platt, eindimensional und stumpf – aber ungemein belustigend und vergnĂŒglich: Ihre Freude am Unfrieden ist mit solch schelmenhafter Lust zur Schau gestellt, dass man unweigerlich selbst beginnt, verstohlen zu grinsen, wenn sie sich ausmalt welchen Schaden ihre PlĂ€ne anrichten werden.

 

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Donna Juanna (Bianca Johnson) und ihr Kumpane Borachio (Sebastian Wagner) bei dem Gedanken, welches Unheil ihre Intrige anrichten könnte.

 

Abgesehen von diesen herausragenden Leistungen sind auch die anderen Figuren beeindruckend dargestellt: Man merkt den jungen Schauspielern ihre Liebe fĂŒrs Theater an. Hin und wieder können sie sich ein leicht deplatziertes LĂ€cheln nicht verkneifen.

Diese Momente sind allerdings die einzigen, in denen sie kurz aus ihren Rollen fallen – und sie stören ĂŒberhaupt nicht: Es passt sogar gut zu der spielerischen Leichtigkeit mit der das bedeutungsschwere Original in die Moderne portiert wurde.

 

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Donna Juanna inszeniert ein Schauspiel, um Claudio glauben zu machen, Hero sei untreu: In Heros Zimmer lieben sich zwei andere – Claudio sieht allerdings nur zwei Schatten und ist ĂŒberzeugt, seine Verlobte ginge ihm fremd.

 

Daneben ist das StĂŒck gespickt mit wohldurchdachten Metaphern und belustigenden Hyberbeln: Es ist einfach lĂ€cherlich, wie leicht sich die Charaktere von ihrem Wunschdenken verblenden lassen und eigentlich offensichtliche TĂ€uschungen nicht erkennen.

Vieles wurde verĂ€ndert im Vergleich zur Vorlage – die AuffĂŒhrung beweist eindrucksvoll, dass die Details durchaus austauschbar sind, um ein etwas philosophisches, ziemlich psychologisches und vor allem ungemein unterhaltsames StĂŒck spielen zu können.

 

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Als Claudio Hero Untreue vorwirft, sind alle entsetzt. Einzig Donna Juanna erfreut sich an ihrer gelungenen Intrige.

 

Wenn man die Theater AG spielen sieht, fĂ€llt es einem schwer zu glauben, dass es sie erst seit zwei Jahren gibt – Respekt an die Schauspieler und auch an Christian Maul, der das Projekt leitet und Regie gefĂŒhrt hat.

Am Werner-Heisenberg-Gymnasium wurde „Viel LĂ€rm um Nichts“ nur am vergangenen Mittwoch und Donnerstag gezeigt. Am 22. Juli wird es eine weitere AuffĂŒhrung im Zwinger3 in Heidelberg geben.

 

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Offensichtlicher könnte Borachio (Sebastian Wagner) Don Pedro (Simon Syckhoff) und Claudio (Alexander Keller) nicht belauschen. Da diese jedoch zu sehr in ihr GesprÀch vertieft sind, bemerken sie ihn zunÀchst nicht. Als sie ihn irgendwann doch entdecken und ihn fragen, was er da macht, behauptet Borachio zu putzen und sie glauben ihm.

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Claudio (Alexander Keller) singt fĂŒr seine geliebte Hero (Julia Kadel). Auch die musikalische Einlage ist gelungen. Er schwört ihr seine angeblich „unsterbliche Liebe“ – als Hero dann vermeintlich stirbt, ist er allerdings auch bereit, ihre fast gleich aussehende Nichte zu heiraten.

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Beatrice (Miriam FlĂŒchter) als sie erfĂ€hrt, dass Benedikt sie liebt. Das T-Shirt wird zu einer simplen, aber genialen Metapher: Solange sie allein ist, stellt sie es offen zur Schau – in Gesellschaft – und vor allem wenn Benedikt dabei ist – verbirgt sie es unter einer Jacke.

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Obwohl Beatrice und Benedikt sich ihre GefĂŒhle fĂŒreinander schon gestanden haben, biedern sie sich weiterhin an.

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Als Claudio Hero Untreue vorwirft, sind alle schockiert. Einzig Donna Juanna ist begeistert. Hero fÀllt in Ohnmacht. Beatrice und die Pfarrerin tÀuschen ihren Tod vor.

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FĂŒr Benedikt sind Hochzeiten ein tolles Spektakel. Deswegen nimmt er mit einem Popcorn-Becher in Publikum Platz, wĂ€hrend sich Claudio und Hero gerade das Ja-Wort geben. Neben ihm sitzt Gerald Kiefer, der Schulleiter.

Im Origninal wird die Intrige durch die dĂŒmmlichen Wachen Holzapfel und Schlehwein aufgelöst. Diese beiden Charaktere kommen in der AuffĂŒhrung nicht vor. Stattdessen gestehen Donna Juannas Komplizen, Borachio (Sebastian Wagner) und Cora (Melissa Schimkat) die Tat aus schlechtem Gewissen.

Im Origninal wird die Intrige durch die dĂŒmmlichen Wachen Holzapfel und Schlehwein aufgelöst. Diese beiden Charaktere kommen in der AuffĂŒhrung nicht vor. Stattdessen gestehen Donna Juannas Komplizen, Borachio (Sebastian Wagner) und Cora (Melissa Schimkat) die Tat aus schlechtem Gewissen.

Endlich können Beatrice und Benedikt ihre Liebe akzeptieren. Dann singen und tanzen alle.

Nachdem die Intrige aufgelöst wurde, liegen sich alle in den Armen. Endlich können auch Beatrice und Benedikt ihre Liebe akzeptieren. Spontan heiraten sie ebenfalls.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.

  • Surfingo

    Wow! Beatrice!