Donnerstag, 22. Juni 2017

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Oberbürgermeister Bernhard: „Ihre Zivilcourage verdient Respekt.“

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Weinheim, 07. Dezember 2010. (pm) Oberbürgermeister Bernhard und Polizeirevierleiter Jürgen Helfrich ehrten das besonders couragierte Verhalten zweier Weinheimerinnen und lobte deren „Tatkraft und Aufmerksamkeit“. Als Geste der Anerkennung wurden Blumensträuße an die Damen überreicht.

Von Roland Kern

Als Claudia Reusch gemeinsam mit ihrem Freund am diesjährigen Kerwefreitag den Marktplatz überquerte, spürte sie, dass etwas nicht stimmte. Im oberen Bereich des Platzes war aufgeregtes Geschrei zu hören, Schaulustige bildeten eine Menschentraube. Das sah nicht gut aus. „Ich habe nicht lange überlegt, sondern instinktiv gehandelt und habe mich bis nach vorne durchgedrängt“, schilderte die 42-jährige Krankenschwester jetzt im Rathaus dem Weinheimer Polizeichef Jürgen Helfrich und Oberbürgermeister Heiner Bernhard.

Der Eindruck täuschte nicht. Auf dem Marktplatz lag ein Mann bewusstlos am Boden, seine blaue Gesichtsfarbe verriet akute Erstickungsgefahr, es ging um Leben und Tod. Ein weiterer Helfer hatte bereits mit der Herzmassage begonnen. Aber aus ihrer beruflichen Erfahrung am Operationstisch des Viernheimer Krankenhauses wusste Claudia Reusch, was dem Patienten fehlte: Luft!

Fachmännisch setzte sie an der Luftröhre die Beatmungsgeräte ein, die das zwischenzeitlich herbeigerufene Rote Kreuz keine Sekunde zu spät an den Einsatzort brachte. Es hatte auf dem Marktplatz fast kein Durchkommen gegeben. Langsam aber sichtlich bekam der 51-jährige Weinheimer wieder Luft. Claudia Reusch setzte die künstliche Beatmung fort, bis der Mann vom Notarzt übernommen werden konnte.

Revierleiter Jürgen Helfrich, Elke Rutz, Oberbürgermeister Bernhard, Claudia Reusch. Bild: Stadt Weinheim

„Als ich ein paar Tage später die Nachricht erhielt, dass er lebt und keinen Schäden davonträgt, habe ich eine Gänsehaut bekommen“, erzählte die Krankenschwester jetzt im Dienstzimmer des OB. Selbst für die routinierte Fachkraft waren der Einsatzort und die widrigen Umstände der lebenserhaltenden Hilfeleistung eine enorme Stress-Situation. „Ihnen gilt mein großer Respekt und mein herzliches Dankeschön, diese Zivilcourage müsste in jedem von uns wohnen“, lobte Heiner Bernhard.

Die Stadt und die Polizei nutzten die Adventszeit, um sich kurz vor Jahresende bei zwei aufmerksamen und hilfsbereiten Bürgerinnen für besondere Hilfeleistungen im Jahr 2010 zu bedanken. Claudia Reusch, die an der Kerwe einem Mann höchstwahrscheinlich das Leben gerettet hat, war eine davon.

Die andere ist Elke Rutz. Die 54-jährige gebürtige Weinheimerin wohnt am Käsackerweg und wurde in einer Septembernacht Zeugin eines Diebstahls, der dank ihrer Geistesgegenwärtigkeit vereitelt und noch in der gleichen Nacht aufgeklärt werden konnte.

Zwei junge Männer hatten sich auf dem Parkplatz der Firma Naturin an zwei dort abgestellten Motorrollern zu schaffen gemacht. Die benachbart wohnende Elke Rutz hörte verdächtige Geräusche und rief bei der Weinheimer Polizei an, die Telefonnummer 10030 hängt bei ihr auf einer „Notrufliste“ überm Telefon.

„Vorbildlich“, lobte Heiner Bernhard. Innerhalb weniger Minuten war die Polizei vor Ort und konnte die Täter in flagranti ertappen. „Sie haben genau richtig gehandelt“, bescheinigte Polizeichef Jürgen Helfrich, „Sie haben uns sofort informiert, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen“. Die beiden Roller-Diebe waren übrigens keine unbeschriebenen Blätter und hatten schon Schäden in beträchtlicher Höhe verursacht.

So aufmerksame und wachsame Bürger wie Elke Rutz trügen, so Helfrich, „wesentlich zur Sicherheit und zum Sicherheitsgefühl in unserer Stadt bei“.

OB Bernhard lobte die „Tatkraft und Aufmerksamkeit“ der Bürgerin. Dass Weinheim im Vergleich zu ähnlichen Städten weniger Kriminalität aufweisen muss, sei auch das Verdienst solcher Bürger. Helfrich: „Das stimmt und wird vor allem von Tätern, die sich von außerhalb eine Stadt als Ziel suchen, durchaus wahrgenommen.“

Anmerkung der Redaktion:
Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim