Dienstag, 12. Dezember 2017

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Franziska Brantner ist Europaabgeordnete und Mutter.

Organisation ist alles

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Die Europaabgeordnete Franziska Brantner ist Mutter und Politikerin.

Die Europaabgeordnete Franziska Brantner ist Mutter und Politikerin. Den Arbeitsalltag zwischen BrĂŒssel, Straßburg und Heidelberg meistert sie mit Organisation und Effizienz.

 

Straßburg/Rhein-Neckar, 07. Juni 2013. (red/ld) Wenn ihre Tochter sie braucht, ist Franziska Brantner Mutter. Wenn die EU-Politik sie braucht, ist sie Abgeordnete. Die GrĂŒnen-Politikerin arbeitet im EuropĂ€ischen Parlament an einer Lösung fĂŒr die Finanzkrise oder an der Durchsetzung von Frauenrechten. Im September will die 33-JĂ€hrige in den Bundestag gewĂ€hlt werden.

Von Lydia Dartsch

Franziska Brantner lĂ€chelt in ihr Telefon. Auf Ihrem Schoß liegt eine geöffnete Aktenmappe:

Die Kleine hat beschlossen, dass jetzt FrĂŒhling ist? Und sie keine Strumpfhose mehr anziehen braucht? Und was hast Du gemacht?

Am Telefon ist ihre Mutter und erzĂ€hlt von der dreijĂ€hrigen Tochter. Franziska schaut aus dem verregneten Fenster. Die Landschaft zieht vorbei. Sie sitzt in einem schwarzen Mercedes des Fahrdienstes des EuropĂ€ischen Parlaments. Gestern um 06:00 morgens hat sie ihre Wohnung in BrĂŒssel verlassen und ist nach Straßburg gefahren, nach Edingen-Neckarhausen und nach Heidelberg. Erst ĂŒbermorgen wird sie ihre Tochter wiedersehen.

Per Telefon hÀlt die Abgeordnete Kontakt. Sie erfÀhrt, dass die Tochter dann doch noch die Strumpfhose angezogen hat und ist beruhigt. Dann legt sie auf.

Das iPhone klingelt erneut. Es ist ihr BĂŒroleiter:

Hallo Jonas. Wer ist denn alles bei dem Zehn-Uhr-Termin dabei? Hast Du den Plan gerade vor Dir?

Franziska Brantner hört zu, macht Notizen, stellt Fragen.

Die Unterlagen fĂŒr einen Arbeitstag am EuropĂ€ischen Parlament ist morgens schon vorbereitet.

Die Unterlagen fĂŒr einen Arbeitstag am EuropĂ€ischen Parlament. Vorbereitung ist alles.

 

Dann erledigt sie erste BĂŒroarbeit, liest Texte in ihren Unterlagen, schreibt Anmerkungen dazu und greift wieder zu ihrem iPhone, das sie verflucht:

Ich hatte immer Handys mit Tasten. Mit dem hier kann ich nicht richtig arbeiten.

Ein neuer Blackberry ist schon bestellt. Das Handy ist das mobile BĂŒro der 33-jĂ€hrigen GrĂŒnen-Politikerin. Damit schreibt sie emails, Whatsapp-Nachrichten und SMS, redigiert Texte, gibt Interviews und telefoniert mit Mitarbeitern, Kollegen und ihrer Familie; meistens sitzt sie dabei nicht am Schreibtisch, sondern im Zug, im Auto oder im Parlament. Wieder ein Anruf:

Ja, schick mir das gleich. Ich habe jetzt noch eine halbe Stunde mit dem Auto, in der ich den Text ĂŒberarbeiten kann.

Ihr Blick geht zum RĂŒckspiegel, der Fahrer schaut zurĂŒck und nickt. Sie werden pĂŒnktlich ankommen, was nicht immer selbstverstĂ€ndlich ist. Vor allem, wenn sie Bahn fĂ€hrt, was sie meistens tut.

Wie ein geschmeidiges Getriebe

Die zierliche Frau ist effizient. Strukturiert. Auf Schminke legt sie keinen Wert. Ihr Ehering ist der einzige Schmuck, den sie trĂ€gt. Und die große grelle Nerd-Brille: altmodisch braune Hornoptik vorne. An den Seiten neon-grĂŒn. Die Brille zieht den Blick auf ihre Augen und die schauen aufmerksam in und auf die Welt.

Alles um sie herum ist organisiert, lÀuft wie ein geschmeidiges Getriebe, auf das sie sich verlÀsst.

Weil sie wegen der vielen Termine ihre kleine Tochter nicht mit nach Straßburg nehmen kann, ist Franziska Brantners Mutter aus Freiburg nach BrĂŒssel gefahren, um sich um diese zu kĂŒmmern, wenn die Mutter auf Tour ist.

Der Gutenachtkuss fĂŒr die Tochter

Die Familie sieht sich nicht oft, aber Zeit fĂŒr ihre Tochter ist in ihrem Kalender genauso fest eingeplant, wie die Sitzungen mit der Fraktion oder die Meetings mit anderen Abgeordneten.

Heute ist der Zeitplan wie so oft wieder mal straff. Sie kommt pĂŒnktlich um 09:00 Uhr an, fĂ€hrt mit dem Aufzug in den fĂŒnften Stock zu ihrem BĂŒro. Ihr BĂŒroleiter hat bereits alle Unterlagen vorbereitet, die sie heute brauchen wird.

Ist das meine Mappe? Ohje!

Das Entsetzen ist nicht wirklich echt, sondern scherzhaft gemeint. Denn die Mappen sind immer dick.

Einer wie Franziska Brantner macht das nichts aus. Sie ist leistungsorientiert. Das war sie schon als SchĂŒlerin: In Freiburg ging sie aufs Deutsch-Französische Gymnasium und war dort an der GrĂŒndung des Jugendgemeinderats beteiligt. In Paris war sie MitgrĂŒnderin einer grĂŒnen Hochschulgruppe.

Viel erreicht, viel vor sich

Mit 17 Jahren trat sie der GrĂŒnen-Jugend bei, wurde noch im selben Jahr in den Landesvorstand gewĂ€hlt. Im Jahr darauf in den Bundesvorstand. FĂŒr die parteinahe Heinrich-Böll-Stiftung arbeitete sie nach dem Abitur in New York und in Tel Aviv. Sie spricht Englisch, Französisch und Spanisch fließend. Sogar etwas hebrĂ€isch.

Politikwissenschaft und Volkswirtschaft studierte sie in Paris an der „Science Po“ und in New York an der Columbia University. In Mannheim promovierte sie ĂŒber die ReformfĂ€higkeit der Vereinten Nationen.

Die Liste ihrer Projekte ist lang: Frauenrechte, die Lösung der Finanzkrise und Friedensvermittlung. In der nĂ€chsten Woche soll eine Konferenz dazu stattfinden, die sie organisiert, bei der sie aber wegen anderer Termine nicht anwesend sein kann. Es wird um die Frage gehen, wie geeignet die EU als Friedensvermittler ist. DafĂŒr mĂŒssen noch GĂ€ste zusagen. Sie telefoniert mit ihrem BĂŒro in BrĂŒssel und fragt nach der Lage, bittet ihre Mitarbeiter, nochmal nachzufragen.

Wieder geht ihr Blick auf den Stapel mit den Unterlagen:

Ich muss mir das kurz durchlesen. Wann ist das Treffen?

fragt sie Jonas Paul.

Um 09:30 Uhr trifft sie den slowakischen Abgeordneten Eduard Kukan an der Members‘ Bar. Um 10:00 Uhr ein Treffen mit den Schattenberichterstattern (siehe Bericht) im Winston-Churchill-GebĂ€ude. Um 11:00 Uhr trifft sie im HĂ©micycle eine Besuchergruppe und geht um 12:00 Uhr zu den Abstimmungen ins Plenum.

Es folgen Gruppentreffen mit Fraktionskollegen aus dem auswĂ€rtigen Ausschuss, dessen Mitglied sie ist, eine weitere Besuchergruppe und noch ein Meeting in der Members‘ Bar, bevor die Fraktionssitzung beginnt. Um 21:00 Uhr ist heute das Terminprogramm zu Ende.

Die Fraktionssitzung der europĂ€ischen GrĂŒnen ist der letzte Termin des Tages. Aufmerksam hört die Abgeordnete Franziska Brantner zu.

Die Fraktionssitzung der europĂ€ischen GrĂŒnen ist der letzte Termin des Tages. Aufmerksam hört die Abgeordnete Franziska Brantner zu.

 

Am nĂ€chsten Morgen geht es um 08:00 Uhr mit einem Termin beim Zahnarzt los. Dann das ĂŒbliche Programm. Dann fĂ€hrt sie nach Ladenburg, in den den Wahlkreis, fĂŒr den sie im Herbst bei der Bundestagswahl antritt. Sie will von den BĂŒrgermeistern wissen, welche Probleme es vor Ort gibt.

Die Wahrscheinlichkeit, in den Bundestag gewĂ€hlt zu werden, ist groß. Sie tritt auf Platz 09 der Landesliste an. Von den GrĂŒnen-Abgeordneten kommen elf aus Baden-WĂŒrttemberg.

Ihr Schwerpunkt wird die EuropĂ€ische Finanzkrise sein. Sie freut sich auf den Wechsel von BrĂŒssel nach Berlin:

Ich werde die internationale AtmosphĂ€re hier vermissen. Aber wenn es um die Lösung der Finanzkrise geht, kann ich in Berlin mehr erreichen. Deutschland spielt darin gerade die grĂ¶ĂŸte Rolle.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.