Sonntag, 24. September 2017

Error, no Ad ID set! Check your syntax!
Recherchefragen an die Weinheimer Nachrichten bleiben ohne Antwort

Wie kommen eigentlich Originalzitate in die Zeitung?

Print Friendly, PDF & Email

Weinheim, 08. M√§rz 2013. (red/pro) Die Tageszeitung Weinheimer Nachrichten ist ein sehr besonderes Medium. Der Redaktion gelingt das Unm√∂gliche: Sie berichtet mit einer Vielzahl von w√∂rtlichen Zitaten aus der vergangenen Gemeinderatssitzung – und dass, obwohl kein Mitarbeiter der Redaktion zugegen war. Ist das Voodoo, Zauberei? Oder verf√ľgen die Mitarbeiter dieses Provinzblatts √ľber ganz au√üerordentliche investigative F√§higkeiten? Wir wollten das gerne genauer wissen und haben nachgefragt. Das Ergebnis: Intransparentes Schweigen.

Von Hardy Prothmann

Wie kann man jemanden wörtlich zitieren, den man nicht hat sprechen hören? Diese Frage möchte die Zeitung nicht beantworten. Quelle: Weinheimer Nachrichten

Verbraucher wollen wissen, was im Essen ist. Welche Farbstoffe, Geschmacksverst√§rker, Zusatzstoffe. Sie wollen kontrollierte Qualit√§t erhalten und haben ein Recht darauf, dass die Kennzeichnungen auf Produkten verl√§sslich sind. Auch f√ľr andere Produkte gelten Qualit√§tskriterien und Normen. Und die Zeitungen behaupten von sich, „Qualit√§tsjournalismus“ zu liefern. Das kann nun alles hei√üen. Doch ein transparenter Umgang mit „Inhaltsstoffen“ sollte auch f√ľr¬† Medien gelten: Woher kommen welche Informationen? Wie hat man sie erhalten? Wie verarbeitet?

Klar – manchmal muss man Quellen auch sch√ľtzen. Aber das ist selten der Fall. Ein transparenter Umgang mit Informationen erh√∂ht aber deutlich die Glaubw√ľrdigkeit von Medien. Die Weinheimer Nachrichten haben wir schon mehrfach kritisch besprochen, weil diese Zeitung wie viele andere auch, ihre Leser/innen t√§uscht. T√§glich erscheinen eine Vielzahl von Artikeln, die so aussehen, als seien sie redaktionell-journalistisch von der Zeitung erarbeitet. Tats√§chlich handelt es sich aber um zugesandte Informationen. Der einzige Hinweis ist ab und an ein vorzugsweise im Nebensatz versteckter Hinweis: „wie xy in einer Pressemitteilung schreibt“. Nicht erkennbar ist, ob sich das auf den gesamten Text, den Absatz oder nur den Hauptsatz bezieht.

Aktuell hat die Zeitung einen Bericht veröffentlicht, bei dem sie mehrere Gemeinderatsmitglieder umfangreich wörtlich zitiert. So, als hätte ein Mitarbeiter der Zeitung diese Zitate mit eigenen Ohren gehört und sei dabei gewesen. Tatsächlich war aber kein Mitarbeiter mehr anwesend, als zum Thema verhandelt worden ist.

Das ist mehr als kurios. Wir haben deshalb einen der Redaktionsleiter, Carsten Propp, angeschrieben, um das Rätsel zu lösen. Nachdem wir vier Tage keine Antwort erhalten haben, veröffentlichen wir die Anfrage und eine frei erfundene Antwort.

Unsere email-Anfrage vom 02. März zu dubiosen Zitattechniken

Sehr geehrter Herr Propp,

in der Ausgabe der Weinheimer Nachrichten findet sich am 1. März ein Bericht:

„Gemeinderat: Gemeinschaftsschule in Hemsbach erg√§nzt Angebot“

Darin werden verschiedene Gemeinderäte wörtlich zitiert. Beispiel:

Wolfgang Metzeltin (SPD) und Cornelia M√ľnch-Schr√∂der (GAL) lobten das Projekt und freuten sich, dass es in Hemsbach eine solche Schule geben soll. Dies sei eine optimale Erg√§nzung zur Weinheimer Schullandschaft, wo man keinen Bedarf nach einer Gemeinschaftsschule gesehen hatte. ‚ÄěMit einem Angebot in der Nachbarschaft ist auch dieses Spektrum nun abgedeckt‚Äú, freute sich Metzeltin. ‚ÄěDass die Sch√ľlerinnen und Sch√ľler l√§nger gemeinsam lernen, das w√ľnschen wir uns schon lange‚Äú, erg√§nzte M√ľnch-Schr√∂der.

Mal abgesehen davon, ob die Zitate korrekt sind – welche Mitarbeiter der Weinheimer Nachrichten hat die notiert? Sie haben die Sitzung vor 19 Uhr verlassen und Ihr Kollege gegen 20 Uhr. Die Debatte zum Thema fand so gegen 20:40 Uhr statt.

Eventuell haben Sie sich die Zitate ja berichten lassen. Doch von wem? Von Stadtr√§ten? Im Bericht Ihrer Zeitung ist leider wie √ľblich keine anst√§ndige Quellenangabe vorhanden. Vielmehr erweckt der Bericht den Eindruck, als habe ein Mitarbeiter Ihrer Zeitung die Debatte verfolgt und Zitate notiert.

Können Sie mir erklären, wie das sein kann?

Weiter fehlen ganz wesentliche Elemente der Debatte: Beispielsweise Nachfragen des CDU-Stadtrats Thomas Bader an den Oberb√ľrgermeister Heiner Bernhard und ein ideologischer und vollkommen √ľberzogener Angriff des Gr√ľnen-Stadtrats Hans-Ulrich Sckerl auf Herrn Bader, der nur fragte, ob der Schulzweckverband eventuell in Zukunft hohe Kosten f√ľr die Stadt mit sich bringt.

Wieso wird ein so zentraler Teil der Debatte in der Zeitung nicht berichtet?

Sie erkennen, ich habe sehr wesentliche Fragen an Sie, die absolut relevant f√ľr die Weinheimer √Ėffentlichkeit sind, die sicherlich sehr interessiert ist, wie ein Medium, dem die Menschen vertrauen m√∂chten, tats√§chlich arbeitet und wie Berichte zustande kommen. Sie wissen schon – Transparenz ist das Stichwort.

Sie pers√∂nlich stehen ja f√ľr Qualit√§tsjournalismus ein. Zum 25-j√§hrigen Jubil√§um der Initiative Tageszeitung, einem Zusammenschluss von engagierten Zeitungsmachern, waren Sie wie ich auch in Berlin zur Feier (ich bin kein Mitglied, ich vermute aber, Sie sind eins oder die Weinheimer Nachrichten). Als Teilnehmer im Zuschauerraum haben Sie sich √ľberzeugen k√∂nnen, das ich als Podiumsteilnehmer der Diskussion um die Zukunft der Zeitung ein vehementer Verfechter des Qualit√§tsjournalismus bin – wenn ich auch nicht davon √ľberzeugt bin, dass dieser gedruckt sein muss. Wir ziehen also an einem Strang – also in Sachen Qualit√§t hoffe ich – insofern bin ich √ľberzeugt, dass Sie f√ľr Aufkl√§rung sorgen und meine Fragen umfassend beantworten und Nachfragen aufgeschlossen sind.

In diesem Zusammenhang w√ľrde mich auch sehr interessieren, wieso die Weinheimer Nachrichten immer nur „versteckt“ die Herkunft von Informationen „transparent“ machen. Sicher, in einem Halbsatz wird meistens etwas in der Art geschrieben „wie die Stadt in einer Pressemitteilung bekannt gibt“ – aber der Rest liest sich so, als sei er redaktionell erarbeitet worden. Kein Wunder, der Pressesprecher der Stadt, Roland Kern, ist ein fr√ľherer Journalist und versteht sein Handwerk.

Wir √ľbernehmen h√§ufig seine Presseinformationen, weil sie „den Kern“ der Sachen schildern und wir dankbar sind, unseren Leser/innen Informationen anbeiten zu k√∂nnen, die wir sonst personell nicht leisten k√∂nnten. Aber wir w√ľrden niemals auf die Idee kommen, so zu tun, als seien diese Fremdinformationen Produkte unserer Redaktion. Wir schreiben immer die Quelle dazu und kennzeichnen die Texte als Zitat. Die Weinheimer Nachrichten hingegen verwenden das K√ľrzel WN. Der unbedarfte Leser muss meinen, es handle sich um einen Bericht der Weinheimer Nachrichten.

Wir gehen bei unserem Bem√ľhen um Transparenz noch weiter und zollen Respekt: Herr Kern schreibt immer mal wieder sehr sch√∂n lesbare Autorenst√ľcke. In Absprache mit ihm nennen wir ihn mit „Von Roland Kern“ als Autor. Am Ende des Artikels informieren wir unsere geneigten Leser/innen dar√ľber, dass Herr Kern Pressesprecher der Stadt ist. Die Leser/innen k√∂nnen dann selbst entscheiden, ob es sich um eine „unabh√§ngige“ Berichterstattung handelt oder nicht. Aus unserer Sicht ist sie auf jeden Fall eine dokumentarische. Damit haben wir kein Problem.

A propos Problem. Wie uns zugetragen worden ist und was wir in einer Anfangsrecherche bestätigt gefunden haben, sind Sie, Herr Propp, nicht nur Redaktionsleiter der Weinheimer Nachrichten, sondern gleichzeitig Pressesprecher eines großen Sportvereins in Weinheim. Diese Doppelfunktion ist aus unserer Sicht sehr erstaunlich.

F√ľr mich dr√§ngt sich hier nat√ľrlich sofort die Frage auf, was diese Doppelfunktion f√ľr die journalistisch Berichterstattung bedeutet. Schreiben Sie als Pressesprecher Texte, die die Weinheimer Nachrichten dann mit einem kurzen Hinweis auf eine Pressemitteilung des Vereins verklausuliert als redaktionelle Berichterstattung darstellen? Ist so etwas tats√§chlich vorstellbar?

Oder verh√§lt es sich anders: Sie wechseln den Hut des Redakteurs durch den des Sportfunktion√§rs und lassen sich von einem kritischen Kollegen (sorry, unabh√§ngigen Zeitungsjournalisten der Lokalpresse Weinheimer Nachrichten) interviewen und stehen f√ľr Ausk√ľnfte bereit?

Das ist sehr verwirrend und ich glaube, ich sollte die Initiative Tageszeitung befragen, ob eine Doppelfunktion dieser Art f√ľr die Zukunft des Qualit√§tsjournalismus f√∂rderlich sein kann.

Ich habe Ihnen jetzt einen langen, freundlich-interessierten Brief geschrieben, Herr Propp. Sie verzeihen, wenn ich auf den „Kollegen“ vorerst verzichte.

Zusammenfassend:

Woher stammen die wörtlichen Zitate aus der Gemeinderatssitzung?
Wieso zeigen die Weinheimer Nachrichten nicht transparent ihre Quellen auf?
Wie vereinbaren Sie Ihre Funktionen als verantwortlicher Redakteur einer Tageszeitung mit der des Pressesprechers eines Vereins, √ľber den oft in der Zeitung berichtet wird.

Ich freue mich auf Ihre Antworten.

Sch√∂ne Gr√ľ√üe
Hardy Prothmann

In Ermangelung einer Antwort veröffentlichen wir eine frei erfundene, satirische Antwort.

Sehr geehrter Herr Prothmann,

k√∂nnen Sie nicht einfach wieder dahin zur√ľckgehen, wo Sie hergekommen sind?

Kein Mensch braucht Ihre blöden Fragen und dieses nörglerische Getue von wegen Transparenz, Wahrhaftigkeit und diesem Mist.

Was in der Zeitung steht, ist die Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben.

F√ľr wen halten Sie sich eigentlich? Glauben Sie im Ernst, dass irgendjemand die Wahrheit interessiert?

Ich bin kein popeliger Pressesprecher, sondern sogar Vorstand f√ľr √Ėffentlichkeitsarbeit der TSG Weinheim und sogar im gesch√§ftsf√ľhrenden Vorstand. Wo bleibt Ihr Respekt? Investigativer geht’s doch gar nicht. Besser ich schreibe die Artikel und suche die Informationen zusammen als irgendso ein Vereinsdepp und einer von uns muss den M√ľll dann m√ľhevoll in ein annehmbares Deutsch zur√ľck√ľbersetzen. Das nennt sich Synergie, Win-Win, Sie Wichtigtuer.

Das machen wir als hochprofessionelles Medium √ľberall so. Wir nehmen die Text der Stadtverwaltung Weinheim und setzen Sie in die Zeitung mit dem K√ľrzel WN. Schlie√ülich haben wir Arbeit damit, wir drucken das und liefern es aus. Also geh√∂rt diese Leistung uns. Das ist demn√§chst sogar gesetzlich als Leistungsschutzrecht gesch√ľtzt. Wie √ľbrigens auch das von Ihnen verwendete Zitat – in Zukunft bekommen Sie daf√ľr von uns eine saftige Rechnung.

Unsere Leser m√ľssen nur das wissen, was wir objektiv wollen. Und wir wissen, was unsere Parteivertrauten, vor allem aus der SPD, sagen, was wir wissen und zu schreiben haben. Ebenso von den Anzeigenkunden. Die wissen schlie√ülich am besten, was f√ľr die jeweilige Klientel das Beste ist. Und das machen schlie√ülich alle so. Das ist ein bew√§hrtes System.

Das war schon immer so und nur weil Sie das st√∂rt, werden wir daran noch lange nichts √§ndern. Und solche Leute wie der Bader, der schon ewig keine Anzeigen mehr bei uns schaltet – wieso sollte der vorkommen? Geht’s noch? Glauben Sie, wir machen das alles nur aus einer „Verpflichtung der √Ėffentlichkeit“ gegen√ľber? Auf welchem Stern leben Sie denn?

Und was meinen Sie mit unbedarfte Leser? Ist uns doch egal, wer der Leser ist, Hauptsache, das Abo ist bezahlt. Und zwar p√ľnktlich.

Sie mit Ihrem ganzen Gedöns von Qualität sind doch nur ein Selbstdarsteller, den keine Zeitung haben wollte. Genausowenig wie Zeitungen dieses Idioten-Internet brauchen.

Und damit Sie es wissen: Wir werden Sie einfach weiter ignorieren. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass wir auch nur einem unserer Leser zumuten, seine bislang gewohnte Sicht der Welt zu verändern?

Selbst der Oberb√ľrgermeister spricht immer nur von Zeitungen und nicht von Bl√∂dmann-Blogs. Reicht Ihnen das als Antwort?

Mit genervten Gr√ľ√üen

C.P.

P.S. Diese Nachricht ist streng vertraulich und nicht f√ľr die √Ėffentlichkeit bestimmt.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.

  • weinheimerin

    Enttäuschend und beschämend, dass Propp zwar jeden Tag die Zeitung vielschreibt, aber hier keine Antwort zustandebringt.

    Beim Thema Doppelfunktion muss sich Herr Prothmann allerdings selber an die Nase fassen, war er doch lange Gemeinderat in Heddesheim, √ľber den er parallel dann auch als Journalist kritisch berichtet hat. Wer im Glashaus sitzt…

    • Redaktion

      Guten Tag!

      Das beantworte ich Ihnen gerne persönlich. Ihr Vergleich ist nicht zutreffend.

      Ich habe in meiner dreij√§hrigen Funktion als partei- und fraktionsfreier Gemeinderat in Heddesheim weder Fremdtexte als eigene Produkte ver√∂ffentlicht, noch als Mitglied des Gemeinderats Presse- und √Ėffentlichkeitsarbeit f√ľr die Gemeinde gemacht – wenn man den Gemeinderat mit einer Art „Vereinsvorstand“ vergleichen m√∂chte.

      Ganz im Gegenteil habe ich bei Berichten zum Gemeinderat immer transparent gemacht, dass ich diesem als ehrenamtliches Mitglied angehöre und gleichzeitig verantwortlicher Redakteur bin. Sie können gerne versuchen an Texten zu belegen, ob ich nicht transparent vorgegangen bin. Sie werden nichts finden.

      Wenn ich nicht eindeutig journalistisch ver√∂ffentlicht habe, habe ich die Kolumne „Der gl√§serne Gemeinderat“ benutzt: http://www.heddesheimblog.de/category/nachrichten/artikel/politik-wirtschaft/der-glaserne-gemeinderat/

      Trotzdem ist die Doppelfunktion grunds√§tzlich heikel und erfordert ein hohes Ma√ü an Selbstdisziplin, um die Ebenen nicht „zu verwechseln“. Als ich das Mandat wegen Umzugs aufgeben musste, habe ich das gegen√ľber meinen W√§hler/innen nicht gerne getan, andererseits hat sich aber eine zul√§ssige Fragw√ľrdigkeit damit erledigt.

      Allerdings ebenso eine bedeutende Einschr√§nkung – wegen der Verschwiegenheitspflicht waren mir journalistisch teils „die H√§nde gebunden“ und der B√ľrgermeister Kessler hat mir mit Ordnungsgeld gedroht, als ich einmal an einer nicht-√∂ffentlichen Sitzung zu einem Thema, √ľber das ich berichten wollte, nicht teilnehmen wollte.

      Weiter habe ich in vielen Texten die Leser/innen immer wieder darauf hingewiesen, dass „objektiver Journalismus“ eine M√§r ist. Journalistische Arbeit ist immer subjektiv.

      Die Berichterstattung war immer kritisch – gegen√ľber allen Fraktionen. Kritik schlie√üt auch positive Darstellungen mit ein.

      Es gibt auch keine Texte, in denen so getan wird, als ob jemand einer Situation beigewohnt h√§tte. Entweder sind ich oder einer meiner Mitarbeiter vor Ort und schildern selbst erlebtes oder es wird die Quelle genannt, sofern diese nicht aus Schutzgr√ľnden nicht genannt werden kann, was nur selten n√∂tig ist. In den wenigen F√§llen, in denen uns ein gravierender Fehler unterlaufen ist, haben wir diesen jeweils aus eigenem Antrieb korrigiert und diese Korrektur kenntlich gemacht.

      Wir schreiben auch keine Texte um und geben diese dann als unsere eigenen aus. Selbstverständlich verwenden wir auch in eigenen Texten fremdes Material, zumindest faktische Informationen, manchmal auch Formulierungen. Hier gibt es ein nachvollziehbares System:

      Sobald ein Text √ľberwiegend ein Fremdtext ist, wird die Quelle vorab genannt. Sie erkennen das an der Zeile „Information von xy“.

      Sobald ein Text zu mehr als der H√§lfte von einem Autoren ist, aber noch einiges an Fremdmaterial erh√§lt, wird es ein Autorentext mit Hinweis auf verarbeitete Quellen. Entweder am Beginn des Textes durch die K√ľrzel wie „pol“ f√ľr Polizei oder durch explizite Erw√§hung am Ende des Textes „mit Material von“.

      Sofern eine Information, egal ob einzelne Fakten oder Zitate von einer Quelle stammen, wird diese jeweils genannt oder ist eindeutig aus dem Umfeld zu erschlie√üen. Wenn ein Text sich √ľberwiegend auf eine Quelle bezieht, wird diese je nach Textl√§nge wiederholt und damit deutlich gemacht, woher die Informationen stammen.

      Mitarbeiter d√ľrfen Parteien oder Vereinen oder sonstigen Institutionen angeh√∂ren. Alle haben dies aber gegen√ľber der Redaktionsleitung anzuzeigen. Dann wird je nach Thema und Relevanz entschieden, ob ein Interessenkonflikt gegeben sein k√∂nnte. Wer ein Amt innehat, darf √ľberwiegend nicht berichten. Jetzt k√∂nnten Sie einwerfen: „Sic! So war das doch in Heddesheim mit Ihnen.“ Richtig. Ich hatte in der Anfangszeit keine Mitarbeiter, die in der Lage waren, √ľber die Sitzungen zu schreiben. Also habe ich die oben beschriebene L√∂sung gew√§hlt. Und man darf mir vielleicht noch anrechnen, dass ich meine Funktion nicht genutzt habe, um mich „beliebt“ zu machen oder irgendeinen sonstigen Nutzen daraus zu ziehen.

      Sch√∂ne Gr√ľ√üe
      Hardy Prothmann

  • … es bleibt eine Unsitte, und bisweilen eine Frechheit hier und da anonym (d.h. ohne Klarnamen) agieren zu wollen.

    Genau hierin besteht auch das von Prothmann aufgezeigte Problem: Die Quelle -der Pressesprecher der Verwaltung- wird nicht angegeben. Und weiter: Der Pressesprecher der Verwaltung gibt nur selektierte Zitate weiter. Welche Zitat Herr Kern von und f√ľr (?) Weinheim Plus ab- bzw. weitergegeben hat – diese Frage ist offen.

    Transparente √Ėffentlichkeitsarbeit oder gar seri√∂ser Journalismus sehen anders aus!

  • konig

    Lieber Herr Prothmann,
    es ist immer wieder erstaunlich mit welchen Themen sie ihre Leser versorgen. Ich pers√∂nlich finde das angesprochene Thema nicht interessant genug um daraus eine solche „Hetze“ zu machen. Propp und andere, vor allem bei den gedruckten Zeitungen, w√ľrden sicher gerne mehr Qualit√§t abliefern. Wie sie aber selbst am besten Wissen haben diese Redaktionen gar keine Zeit Qualit√§t zu liefern. Dies liegt meiner Meinung nach aber nicht an den Mitarbeitern, sondern an der Gesch√§ftsf√ľhrung der Verlage. Die Zeitung muss voll werden. Viele Buchstaben und gro√üe Bilder. Qualit√§t ist zu teuer. Die Auflagen nahezu aller Zeitungen gehen zur√ľck, hier hat man vers√§umt in der Vergangenheit die Weichen richtig zu stellen f√ľr die Zukunft. Das ist aber alles bekannt und wird vielerorts diskutiert. Dass man sich heutzutage besser, schneller und g√ľnstiger bei den Onlineportalen informieren kann ist ebenfalls bekannt. Hier sind die Betriebskosten lange nicht so hoch, Bildergalerien und die √úbersichtlichkeit sind f√ľr den Leser ebenfalls wichtige Gesichtspunkte, warum sie den gedruckten Zeitungen immer mehr den R√ľcken kehren. Es liegt also nicht nur an den Journalisten dass die Qualit√§t der Zeitungen zu w√ľnschen √ľbrig l√§sst. Ich behaupte, dass die Redakteure gerne besser arbeiten w√ľrden, wenn sie denn d√ľrften. Dass, wie in diesem Fall, Herr Propp Zitate ver√∂ffentlicht, obwohl diese erst nach seinem Abgang vom Termin gefallen sind, hei√üt doch noch lange nicht, dass diese gefallen sind. Der Vorteil Ihnen gegen√ľber liegt sicherlich darin, dass die Zeitung, in diesem Fall Herr Propp, wohl nachtelefoniert hat. Das ist doch v√∂llig legitim und auch Qualit√§t. Kann es sein dass es sie nur √§rgert, dass sie diese M√∂glichkeiten nicht haben, weil man ihnen nur ungerne Informationen au√üerhalb √∂ffentlicher Sitzungen mitgibt? Dass dem so ist haben sie sich allerdings selbst zuzuschreiben. Denn Qualit√§tsjournalismus hei√üt nicht auch „Haudrauf-Journalismus“, den sie, mit Verlaub, gerne praktizieren. Fairness geht jedenfalls anders. Sie haben solche Methoden eigentlich auch gar nicht n√∂tig finde ich. Noch dazu ist es doch jeder Zeitung und jedem Portal selbst √ľberlassen ob man Qualit√§t abliefert oder nicht. Sie, und auch kein anderer, haben das moralische Recht sich so auszulassen. Der Leser, speziell der Abonnent, wird selbst entscheiden ob er Qualit√§t bekommt oder nicht und ob ihm diese ausreicht oder nicht. Ich finde es, leider mal wieder, dass sie hier einen guten Stil an den Tag legen. Ich meine, wenn sie in ihren Blogs, teilweise, nur Pressemeldungen von Gemeinden, oder mal zwei, drei Tage gar nichts ver√∂ffentlichen, hat das objektiv gesehen auch nichts mit Qualit√§t zu tun. Es gibt immer etwas zu berichten, in jeder Gemeinde. Aber dazu braucht man Personal, das bezahlt sein will, um diese Sachen zu ber√ľcksichtigen. Das tun sie nicht. Deshalb w√ľrde es uns, als Leser ihrer Blogs, aber auch der Tageszeitung, durchaus freuen wenn sie selbst mehr abliefern w√ľrden. Ich kann jedenfalls nicht auf die Zeitung verzichten, weil ich durch ihren Blog nichtmal ann√§hernd ausreichend informiert werde. Dieser Tatsache m√ľssen sie auch ins Auge sehen. Und nicht nur auf den anderen „rumhacken“.
    M.Konig

  • Redaktion

    Guten Tag M. Konig!

    Sie haben leider den Text nicht verstanden. Lesen Sie ihn einfach nochmal.

    Sie haben leider auch noch l√§ngst nicht verstanden, dass hinter jedem Text Menschen, also „Pers√∂nlichkeiten“ stecken – die Druckindustrie ist erheblich industrialisiert, aber f√ľr den wahren „objektiven Journalismus“ fehlen leider noch die maschinisierten, zertifizierten Schreibroboter. Die subjektiven, menschlichen, gibt es schon lange.

    Selbstverst√§ndlich ist die Definition von Qualit√§t immer eine subjektiv-individuelle. Peer Steinbr√ľck dringt kein Glas Pinot Grigio unter 5 Euro, andere bezahlen rund 25 Euro f√ľr t√§gliche Nachrichten von gestern und die auch h√§ufig nur „zugeschickt“. Das erinnert an den Italiener, bei dem man essen geht und der eine Portion Lasagne von „gut&g√ľnstig“ f√ľr Sonderpreis 0,89 Cent aufw√§rmt und f√ľr 8,50 Euro verkauft.

    Jeder entscheidet selbst, was er konsumiert.

    Auch von Fairness haben Sie leider eine andere Vorstellung als ich: Fairness unter meiner Leitung heißt Рdie Leser/innen können sich auf unsere Berichte und Quellen verlassen. Um es deutlich zu sagen: Wir verarschen sie nicht.

    Und Fairness heißt auch: Wir sagen, wer Foul spielt. Das machen wir öffentlich Рdas ist unser Job. Das ist unser Verständnis von Journalismus statt Bratwurst.

    Und um auch diesen Teil Ihrer eigenartigen Weltsicht zu ersch√ľttern: Ich habe das recht, moralische Fragen zu stellen, meine Mitarbeiter haben das Recht dazu, die Kommentatoren haben das Recht dazu – jeder hat das Recht dazu.

    Die entscheidenden Fragen sind: Wer will es wem wie Recht machen oder wem weiß machen, was Recht ist?

    Das ist Ihnen bestimmt zu kompliziert, deswegen lesen Sie ja auch Zeitung – das macht Ihre Welt „einfacher“.

    Ich widerspreche Ihne auch bei Ihrer Kritik an unserer Qualit√§t – Sie nutzen diese kostenfrei. Wir sind ein kleines Team, das sehr engagiert arbeitet. Sie bezahlen daf√ľr nichts – vermutlich denken Sie, weil Sie f√ľr ein Zeitungsabo bezahlen, bekommen Sie auch Qualit√§t. Denken Sie mal dr√ľber nach, ob Sie sich selbst auf den Arm nehmen oder gerne von anderen auf den Arm genommen werden. Sie entscheiden √ľber Ihre Meinung selbst

    Richtig ist – wir m√ľssen leider immer wieder Mut zur L√ľcke haben und haben damit kein Problem. Manchmal passiert wenig bis nichts, dann berichten wir auch wenig bis nichts. Formatierte Medien berichten auch nichts, wenn nichts passiert, aber immer im Format von soundsoviel Seiten oder soundsoviel Sendezeit. K√∂nnen Sie das gedanklich durchdringen? Nein? Ein Versuch ist es wert.

    Richtig ist auch – meine Mitarbeiter verdienen im Vergleich zu dem, was andere Medien zahlen mehr. Und das motiviert meine Mitarbeiter neben einem sehr angenehmen Arbeitsklima.

    Richtig ist auch – Sie entscheiden, wie alle anderen selbst, welche Medien Sie konsumieren m√∂chten. Ich freue mich sehr, wenn Sie von uns mehr erwarten – das „mehr“ werden wir auch nach und nach liefern.

    Und richtig w√§re auch, wenn Sie √ľber meinen Kommentar ein wenig nachdenken k√∂nnten und vielleicht Ihre Meinung anpassten, aber das will ich gar nicht erwarten, denn Meinungen sind oft fest und starr und Ihr Kommentar erscheint mir nur vordergr√ľndig offen.

    Deswegen mein Tipp: Zahlen Sie weiter f√ľr die Desinformation der t√§glichen Tageszeitungsberichterstattung. H√§ngen Sie weiter dem Mythos nach, ein informierter B√ľrger zu sein. Ignorieren Sie das Internet, das ist der letzte Dreck. Und machen Sie auf keinen Fall den Fehler, sich auf eine Debatte einzulassen, die Sie nur verlieren k√∂nnen.

    Beste Gr√ľ√üe
    Hardy Prothmann