Montag, 17. Dezember 2018

Skandal oder Service? Facebook schaltet automatische Gesichtserkennung frei

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Rhein-Neckar, 09. Juni 2011 (red) Facebook geistert als Datenschutz-Problemfall mal wieder durch die Presse. Nicht ganz zu unrecht, aber wie so h├Ąufig endlos ├╝bertrieben. Was in keiner Zeitungsmeldung steht: Facebook wird von Zeitungen als Bedrohung wahrgenommen – zu recht. Das gr├Â├čte soziale Netzwerk der Welt w├Ąchst rasant, w├Ąhrend Zeitungsauflagen schrumpfen. Aktuell wird die automatische Gesichtererkennung kritisiert – Sie erfahren von uns, ob diese problematisch ist und wie Sie diese abschalten k├Ânnen.

Von Hardy Prothmann

Die S├╝ddeutsche Zeitung schreibt:
„Facebook setzt Software zum Gesichtsscan ein, um Freunde auf Fotos einfacher zu identifizieren. Das weckt viele ├ängste… Gesichtserkennung: Kein Wort verst├Ârt Internetnutzer mehr, h├Ârt sich so sehr nach der Komplett├╝berwachung und Demaskierung an.“

Unbelegte Gefahren

Einen Beleg bleibt die Zeitung schuldig. Welche Ängste? Bei wem? Vor was? Warum?

Facebook-Nutzer stellen bestimmt keine Bilder in das Netzwerk ein, damit diese nicht gesehen werden. Facebook hei├čt auf deutsch „Gesichtsbuch“ – die Funktion der Gesichtserkennung ist also eher eine folgerichtige Erweiterung der Software.

Die Gesichtsmarkierung ist nicht neu

Schon in der Vergangenheit konnte man auf Fotos Personen markieren und Facebook-Namen zuweisen. Die neue Funktion erm├Âglicht nun eine „automatische“ Zuordnung.

Das kann man nun als Skandal verstehen oder einfach als Service, der in jedem guten Fotoverwaltungsprogramm enthalten ist. Ganz sicher ist es ├Ąrgerlich, dass Facebook diese Funktion einfach eingeschaltet hat ohne die Nutzer zu fragen. Man k├Ânnte sich in der autonomen Verwaltung gest├Ârt f├╝hlen oder aber auch sagen: Hey, netter Service.

Ganz so „unerwartet“ macht Facebook das aber nicht. Die neue Funktion wurde bereits im Dezember 2010 angek├╝ndigt. Und ganz so automatisch ist der Ablauf auch nicht – die Sofware „scant“ die Bilder. Findet sie Gesichter, die auf anderen Bildern schon mit einem Namen versehen worden sind, macht Facebook einen Vorschlag, eine Markierung vorzunehmen.

Achten Sie auf Ihre Informationen

Und hier sollten grunds├Ątzliche ├ťberlegungen anfangen, ob die Nutzer das wollen oder nicht. Insbesondere bei Kindern sollten die Eltern darauf achten, dass diese nicht „zu viele“ Informationen preisgeben oder „problematische Bilder“ einstellen.

Erwachsene selbst sind gut beraten, dass sie nur ver├Âffentlichen, was sie auch vertreten k├Ânnen. Privatpersonen sind gut beraten, wenn sie Kontaktdaten nicht zug├Ąnglich machen – auch nicht Freunden. Die haben in aller Regel email, Adresse und Telefonnummer. Wenn nicht, k├Ânnen diese Daten per email schnell nachgefragt werden. Dann wei├č man aber, wer sich daf├╝r interessiert und stellt sie nicht einfach so „├Âffentlich“.

Klick-klick-klich: Abgeschaltet

Wer die Funktion abschalten will gelangt ├╝ber „Konto-Privatsph├Ąren-Einstellungen“ zum Men├╝ und w├Ąhlt hier (etwa in der Mitte des Bildschirms) „Benutzerdefinierte Einstellungen“. Im weiten Teil des Folgemen├╝s sehen Sie „Dinge, die andere Personen teilen“ und dort die Option „Freunden Fotos von mir vorschlagen“. W├Ąhlen Sie hier „Einstellungen“ und sperren Sie die Funktion.

Mit ein paar Klicks ist die Gesichtererkennung gesperrt. Quelle: Facebook

Ansonsten sollten Sie lieber auf Termine achten, die von der Presse fotografiert werden. Denn die in der Zeitung oder im Fernsehen ver├Âffentlichten Fotos sind nicht nur f├╝r „Freunde“ sichtbar, sondern je nach Auflage und Reichweite f├╝r hunderttausende oder Millionen von Menschen.

Hier haben Sie aber keine „Sperrfunktion“ und keinerlei Kontrolle. ├ťber diese Gefahren berichten die Zeitungen und Fernsehstationen aber nicht.

Stellen Sie sich vor: Sie werden mit ihrer Liebschaft fotografiert – als Teil einer Gruppe, was presserechtlich erlaubt ist, f├╝r Sie aber im Zweifel f├╝r viel ├ärger sorgt. Oder Sie sitzen mit dem n├Ąchten Chef von der Konkurrenz an einem Tisch, um ├╝ber einen Arbeitswechsel zu sprechen. Oder Sie sind krank gemeldet, gehen f├╝r einen „Kuchen“ auf ein Fest, ihr Chef erkennt sie und feuert sie. Das sind Gefahren, die tats├Ąchlich existieren.

Im Gegensatz zu Zeitungsberichten über die Facebook-Gesichtererkennung haben wir damit die Fragen beantwortet: Welche Ängste? Bei wem? Vor was? Warum?

Der Teufel Facebook

Aus Sicht von Zeitungsverlagen ist die Aufmerksamkeitsmaschine Facebook des Teufels – je mehr Zeit Menschen hier verbringen und sich nicht nur unterhalten, sondern auch informieren (lassen), umso weniger brauchen sie die Zeitung. Allein aus diesem Grund m├╝ssen Facebook und andere Dienste „schlecht geredet“ werden. Sie glauben nicht, dass die Zeitungensmacher so denken? Dann suchen Sie mal in n├Ąchster Zeit Artikel, die beschreiben, was an Facebook & Co. toll und n├╝tzlich ist und warum Sie sich unbedingt mit Facebook besch├Ąftigen sollten. Sie werden solche Artikel nicht finden.

├ťbrigens: Ich habe die Funktion abgeschaltet. Nicht aus Angst. Sondern aus Prinzip. Ich schalte prinzipiell alle Funktionen ab, die ich nicht brauche oder ├╝ber die ich noch keine rechte Meinung habe. Und ich gebe nur die Informationen frei, die ich freigeben will. Im Zweifel schalte ich die Freigabe ab.

Das ist wie Autofahren – auch hier sollte man die grunds├Ątzlichen Funktionen kennen und bedienen k├Ânnen. Sonst l├Ąsst man das Auto lieber stehen.