Montag, 24. Juli 2017

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Der von den Grünen geforderte Veggie-Day ist vielerorts bereits umgesetzt

Veggie-Debatte: Gemüse lässt Gemüter hochkochen

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Veganer "Fleisch"kuchen. Wikipedia, BY-SA 3.0, Pengo

Veganer „Fleisch“kuchen. Wikipedia, BY-SA 3.0, Pengo

 

Weinheim/Rhein-Neckar, 09. August 2013. (red/ch) Einen Tag in der Woche ohne Fleisch, dazu rufen führende Grüne Bundespolitiker nun auf und wollen das nun auch in ihrem Wahlprogramm verankern. CDU und FDP sind dagegen und sprechen von Bevormundung der Bürger. Dass ein Veggie-Day aber durchaus eine Erfolgsgeschichte sein kann, hat Wolfgang Zotz im März in Weinheim gezeigt. Auch große Firmen haben einen solchen schon längst in ihren Kantinen eingeführt.

Von Christopher Horn

Die Forderung der Grünen nach einem „Veggie-Day“ ist momentan in aller Munde. Vor wenigen Tagen rief die Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt die Büger/innen und Köche dazu auf, einen Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten. „Man muss nicht jeden Tag zwei Burger essen.“ An dem sogenannten Veggie-Day solle einmal pro Woche ausschließlich vegetarisch und vegan gekocht werden“, so Göring-Eckardt am vergangenen Montag in Berlin.

Impulse für das Klima und den Tierschutz

Die Grünen wollen damit Impulse für eine Entlastung des Klimas, eine artgerechtere Tierhaltung, aber auch eine gesündere Ernährung der Deutschen geben. „Ein Veggie-Day ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns mal ohne Fleisch und Wurst ernähren“, so die Parteivorsitzende Renate Künast gegenüber der dpa. Dass die Idee keine ganz neue Erfindung der Partei und der Bundespolitiker ist, zeigt das Beispiel Weinheim.

Dort veranstaltete Wolfgang Zotz gemeinsam mit einer Gruppe ernährungsbewusster Bürger/innen und Verantwortlichen des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) bereits am 14. März den ersten Veggie-Tag in der Stadt. Rund 30 Restaurants, dazu Firmenkantinen, Schulen, Kindergärten, Pflegeheime und andere öffentliche Einrichtungen konnten dazu gewonnen werden, einen Tag auf Fleisch zu verzichten.

Nun fast ein halbes Jahr später fällt das Fazit von Wolfgang Zotz überwiegend positiv aus:

Der Veggie-Day ist in Weinheim gut angelaufen, einige Gaststätten machen auch mit voller Überzeugung mit. Die Tiefe der Idee sei aber noch nicht bei allen durchgedrungen.

Erst wenn die Gastronomen auch begründeten, weshalb sie das tun, sei man in seinen Augen auf dem richtigen Weg. Die Idee eines solchen fleischlosen Tages stammt bursprünglich aus Belgien und wurde vom Deutschen Vegetarier Bund zu uns getragen. „Ich habe mir dann gedacht, was in größeren Städten wie Freiburg und Karlsruhe funktioniert, muss doch auch in Weinheim klappen“, erinnert sich Zotz.

Also sprach er Bekannte an, ein Konzept wurde geschrieben und dieses über die Bürgerstiftung Weinheim verbreitet. Dann wurde begonnen, teilnehmende Restaurants, Caterer und Kantinen, die teilnehmen wollten mit Info-Material und einem Original-Zertifikat zu bestücken.

Das Motto des „Veggie-Tages“ lautete: „Ein Ma(h)l vegetarisch pro Woche:

Schließlich wurden Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard und Landrat Stefan Dallinger als Schirmherren des Projektes gewonnen. Seitdem ist jeden Donnerstag Veggie-Day.

Wolfgang Zotz ist Mitinitiator des Veggie-Days in Weinheim. Foto: privat

Wolfgang Zotz ist Mitinitiator des Veggie-Days in Weinheim. Foto: privat

Zumal moderne Gastronomen auch in Weinheim heute schon um den wachsenden Markt vegetarischer Zubereitung wissen. Als erste Adresse in der Stadt besuchte Zotz die „Woinemer Hausbrauerei“. „Für uns war es selbstverständlich, dabei zu sein“, so Restaurantleiterin Christiane Andreas im März in einer Pressemitteilung der Stadt Weinheim.

„Auch fleischlose Kost schmeckt“

Für Wolfgang Zotz geht es dabei vor allem darum, etwas für den Klima-und Tierschutz zu machen. So verursacht die globale Massentierhaltung jedes Jahr mehr treibhauswirksame Gase als weltweit alle Autos, Schiffe und Flugzeuge zusammen. Durch einen bundesweiten Veggie-Tag könnten jährlich über 140 Millionen Tiere weniger gezüchtet und geschlachtet werden, rechnet die Initiative auf ihrer Homepage vor.

„Und auch für die menschliche Gesundheit ist das Essen von zu viel Fleisch nicht gesund.“ Man wolle daher zeigen, dass auch fleischlose Kost hervorragend schmecken kann, betont Zotz.

Neben der Bürgerstiftung Weinheim und in anderen deutschen Städten bieten mittlerweile auch große Konzerne wie Puma und Siemens in ihren Kantinen regelmäßig fleischfreie Tage an.

Inszenierter „Bild“-Skandal vs. gut gemeinter Idee

Das Echo auf den Vorschlag der Grünen, einen Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten, fiel unterdessen bei den anderen Parteien keineswegs positiv aus. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe warnte in der Bielefelder „Neuen Westfälischen“ vor einer „Grünen Bundes-Verbots-Republik“ und auch Rainer Brüderle (FDP) betonte in der Bild, dass die Menschen klug genug sind, selbst zu entscheiden, wann sie Fleisch und Gemüse essen.“ Auch die Bild-Zeitung sorgte anschließend mit der Schlagzeile für Aufregung:

Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten.

Das das aber keineswegs die Intention ist, machte Katrin Göring-Eckardt dann deutlich und bezeichnete diese Befürchtung als „Unsinn.“ Sie betonte, dass es nicht darum gehe den Fleischkonsum zu verbieten. Auch der Weinheimer Wolfgang Zotz kann die Aufregung nicht so ganz verstehen und betonte, dass „wir und auch die Grünen niemanden bevormunden oder gar zwingen wollen.“

  • Wolfgang Zotz

    Kurz
    gefasst: Der Veggie-Tag in Weinheim ist völlig freiwillig – keine Idee
    aus der Politik, von keiner politischen Partei beeinflusst. Er ist eine
    reine Initiative von Bürgern. Veggie-Tag-Team Weinheim.