Donnerstag, 19. April 2018

Landtagswahl: Kandidaten im Netz – alle vertreten, aber…

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Guten Tag!

10. Februar 2011. Die Landtagskandidaten der vier etablierten Parteien prĂ€sentieren sich im Internet – das Internet ist wichtig, das haben sie verstanden. Und jeder Auftritt ist mehr als nur eine „elektronische Visitenkarte“ – aber Luft nach oben haben alle.

Von Hardy Prothmann

Den „Emo-Test“ gewinnt ohne Zweifel Gerhard Kleinböck. Ich zeige meiner Frau die vier Seiten – eine nach der anderen fĂŒr einige Sekunden und dann in umgekehrter Reihenfolge: „Herr Kleinböck wirkt am authentischsten in der Ladenburger Gasse, dann Herr Sckerl, der ist sympatisch, Herr Wacker ist zu glatt und von Frau Dr. Arnold sieht man kaum was.“

Meine PrĂ€ferenz unterscheidet sich: Mir gefĂ€llt „auf den ersten Blick“ das Angebot von Herrn Sckerl am besten, dann von Herrn Kleinböck, dann von Herrn Wacker und Frau Dr. Arnold am wenigsten.

HĂ€tte Herr Wacker nicht eine Extra-Startseite „vorprogrammieren“ lassen, hĂ€tte mir sein Blog vom ersten Gesamteindruck vor der Seite von Herrn Sckerl im Vergleich sogar am besten gefallen.

Zwei Blicke – zwei Sichtweisen. Und ich verstehe, was meine Frau mit „authentisch“ meint. Politik ist immer auch Emotion und das Foto von Herr Kleinböck (SPD) ist nicht so dominant groß wie das von Herrn Wacker (CDU) und nicht zu klein wie das von Frau Dr. Arnold (FDP). Das Bild von Herrn Sckerl (BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) ist verpixelt.

Uli Sckerl, BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen: Mit Abstand am meisten Inhalt.

Soweit zum „ersten Eindruck“. Der zweite Eindruck gilt dem „Aufbau“ der Seiten.

Hier gefĂ€llt mir die Blogseite von Herrn Wacker am besten – sie wirkt aufgerĂ€umt und ĂŒbersichtlich.

„Zu grĂŒn“ findet meine Frau die Seite von Herrn Sckerl, was ich nachvollziehen kann.

Bei Frau Dr. Arnold stört uns die veraltet anmutende Optik. Obwohl eine Sonnenblume Farbe reinbringt, fragen wir uns, was die Sonnenblume mit der FDP zu tun hat? Die Seite ist strukturiert, aber langweilig.

Dr. Birgit Arnold, FDP: Langweilig.

Bei Herrn Kleinböck gefallen die großen Schriften, das ist leicht zu erfassen.

Die Seiten von CDU und SPD arbeiten stĂ€rker als die anderen beiden mit Bildern. Bei diesem Vergleich liegen die GrĂŒnen noch hinter der FDP.

Wenn es ans „Eingemachte“ geht, also an den tatsĂ€chlichen Informationsgehalt, fĂŒhrt die Seite von Uli Sckerl mit einem ganz beachtlichem Abstand vor allen anderen. Man merkt, hier wird informiert, statt nur prĂ€sentiert. Es geht am wenigsten um die Darstellung der Person, sondern um aktuelle Politik und HintergrĂŒnde.

Inhaltlich enttĂ€uscht hingegen auf den ersten Blick die Seite der FDP am meisten, dann die der CDU. Das SPD-Angebot ist auch nicht wirklich ĂŒberzeugend, aber doch „informativer“ als von CDU und FDP.

Gerhard Kleinböck, SPD: Emotional authentisch.

Ganz schwach stellen sich die Angebote in Sachen Wahlkreis dar: Herr Sckerl verlinkt auf die Seiten der Gemeinden. Sonst gibt es keine „Vor-Ort“-Informationen. Herr Kleinböck prĂ€sentiert Texte wie aus einer TourismusbroschĂŒre und verlinkt auf SPD-Angebote.

Herr Wacker hat nur einen kurzen Text zum Wahlkreis, bei Frau Dr. Arnold fehlt der Punkt ganz. Das zeigt insgesamt keine besonders große Verbundenheit. Hier muss man als WĂ€hlerin und WĂ€hler erwarten können, das fĂŒr jeden Ort die wichtigsten Themen dargestellt sind, damit man auch weiß, dass die Kandidaten diese „auf dem Schirm haben“.

Immerhin: Herr Kleinböck bietet auf der Seite ein Facebook-Freunde-Feature auf eine eigene Seite an, die aber mit 60 „Fans“ noch nicht sonderlich frequentiert ist. Die heutigen „Standards“ Facebook und Twitter fehlen bei CDU und FDP ganz – auch hier liegt die GrĂŒne Seite vorne, die alle Dienste im oberen Bereich anbietet. Allerdings nicht personalisiert auf die Person Sckerl, sondern auf die GrĂŒnen Baden-WĂŒrttemberg.

Über die einzelnen „Engagements“ bei Facebook braucht man nicht viel sagen – die sind entweder nicht vorhanden wie bei Herrn Wacker oder nicht ordentlich betreut.

Aber: BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen Baden-WĂŒrttemberg und die SPD im Land haben gut frequentierte Facebook-Seiten – auch hier bleiben CDU und FDP chancenlos.

WĂŒrde man eine Wahlprognose anhand der InternetaktivitĂ€ten abgeben mĂŒssen, wĂŒrden die GĂŒnen klar stĂ€rkste Partei, gefolgt von der SPD. Weit abgeschlagen wĂ€re die FDP, die aber immerhin noch vor der CDU landen wĂŒrde.

Erstaunlich ist bei allen, wie ausbaufĂ€hig die Angebote sind. Gute und informative Internetseiten sind heutzutage kein Hexenwerk mehr. Bis auf die FDP haben die Parteien auch sichtbar Energie in die Auftritte gelegt – leider nicht sehr konsequent.

Georg Wacker, CDU: Eigentlich modern, aber inhaltsleer.

Sehr gut gefĂ€llt die Informationsdichte bei Uli Sckerl. Von der „Nutzbarkeit“ ist aber die Seite von Herrn Kleinböck besser. Herr Wacker gewinnt auf den ersten Blick und fĂ€llt dann stark ab. Frau Dr. Arnold ĂŒberzeugt ĂŒberhaupt nicht, obwohl eigentlich doch ganz ordentlich Informationen angeboten werden. Das Angebot bleibt aber zu steril, zu lustlos, zu wenig engagiert.

Zu aktuellen politischen Themen bieten nur Herr Skerl und Herr Kleinböck wirklich etwas an. Die SPD enttĂ€uscht aber, weil es nicht ĂŒber Statements hinausgeht. Sieger ist eindeutig die Seite von Herrn Skerl, der starkt auf Stuttgart21 setzt, was bei Herrn Kleinböck nicht vorkommt.

Die Angebote von CDU und FDP sind inhaltlich nicht weiter erwĂ€hnenswert, bis auf die Tatsache, dass Herr Wacker den Regierungsbonus voll ausspielt. NatĂŒrlich ist MinisterprĂ€sident Mappus prĂ€sent. Eigentlich ist die Seite „optisch“ am klarsten – sie ist aber inhaltlich am schwĂ€chsten.

Insgesamt ist es erstaunlich, dass sich die Kandidaten hier nicht mehr anstrengen. Im Vergleich zu klassischen „Werbemitteln“ kann eine Website viel mehr leisten – rund um die Uhr. Doch wirklich ausspielen tut das keiner, wenn auch Herr Sckerl das umfangreichste Angebot hat und am „aktuellsten“ ist, was die thematischen Schwerpunkte aus seiner Sicht angeht.

Was Web 2.0-QualitĂ€ten betrifft, ist keine der Parteien ĂŒberzeugend am Start. Und alle Layouts lassen sich noch deutlich verbessern, wenngleich die CDU hier die Nase vorne hat. Den Vorsprung gibt sie inhaltlich aber sofort ab.

Niemand erwartet, dass hier höchste „Design-KĂŒnste“ umgesetzt sind. Aber Standards sollten es doch sein. Und vor allem wĂŒnscht man sich mehr Inhalte. Den bieten die GrĂŒnen – aber auch die nicht „vorbildhaft“. Beispiel: Eine „BegrĂŒĂŸung“, die immer gleich bleibt, braucht kein Mensch. Das gilt auch fĂŒr die FDP-Seite.

Aktuelle Texte und andere Informationen und Termine mĂŒssen nach vorne. Politische Inhalte eben.