Dienstag, 22. August 2017

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Neujahrsempfang: OB Bernhard „optimistisch aber ohne Euphorie“

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Guten Tag!

Weinheim, 10. Januar 2011. Irgendwelche VorsĂ€tze an Neujahr zu fassen ist insgesamt betrachtet ziemlich albern. Denn was unterscheidet den 31. Dezember des alten Jahres vom 1. Januar des Neuen Jahres? NĂŒchtern betrachtet nur ein Sprung des Sekundenzeigers – meint Gabi.

Von Roland Kern

„Was die Kommunalfinanzen betrifft, so erkennen wir einen Silberstreif am Horizont, aber die See bleibt weiter rau.“ Mit diesem Bild beschrieb Weinheims OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard beim traditionellen Neujahrsempfang der Stadt am Sonntag die aktuelle Lage Weinheims. Bernhard blickte vor zahlreichen Honoratioren der Stadt und den Karnevalisten der „BlĂŒten“ zuversichtlich aber ohne Euphorie in die Zukunft.

Auch wenn sich die Konjunktur im Land erhole, in den StÀdten wie Weinheim sei der Aufschwung noch lÀngst nicht angekommen

Alles Gute wĂŒnscht sich und anderen OB Bernhard. Bild: Stadt Weinheim

Dennoch sei es gelungen, die Zweiburgenstadt gut fĂŒr die Zukunft aufzustellen. „Wir haben in unserer Stadt in den letzten Jahren gute Voraussetzungen fĂŒr eine nachhaltig positive Entwicklung geschaffen“, bekrĂ€ftigte der OB im großen Sitzungssaal des Rathauses. 2010 sei ein ereignisreiches, ein bewegtes Jahr gewesen. Bernhard: „Herausfordernd, aber fĂŒr Weinheim unterm Strich sehr erfolgreich – ja auf manchen Gebieten zukunftsweisend.“

Die Entwicklung bleibe also energisch und er sei sehr froh, „dass ich in dieser Stadt eine engagierte BĂŒrgerschaft und kreative Partner habe“.

So habe sich Weinheim – inmitten dieser ĂŒberaus ernsten kommunalen Finanzkrise – bei den Themen Kinderbetreuung und Familienfreundlichkeit deutlich weiterentwickelt. 80 neu geschaffene PlĂ€tze in Kinderkrippen seien ein Beispiel hierfĂŒr. Parallel dazu sei beim Baugebiet LĂŒtzelsachsen Ebene der Durchbruch geschafft worden. Jetzt werden dort Familien mit Kindern gĂŒnstigen Wohnraum in einem modernen ökologischen Umfeld finden.

Bei der Belebung der Innenstadt, ein seit Jahren angestrebtes Ziel, sei die Stadt in 2010 ebenfalls deutlich vorangekommen. Durch die Ansiedlung der VerbrauchermÀrkte in der Grundelbachstrasse stimme nun auch wieder die Nahversorgung in der Innenstadt. Nach der Frostphase werde es mit der Fertigstellung des Windeckplatzes und der Schlossbergterrasse rasch weitergehen. Die neuen Bewohner des Burgenviertels werde Weinheim mit offenen Armen empfangen.

Die Gestaltung des DĂŒrreplatzes, die S-Bahn, den Ausbau des Weinheimer Bahnhofes und den zentralen Omnibusbahnhof nannte er als weitere Aufgaben der aktuellen Stadtentwicklung. Bernhard: „Wir können froh darĂŒber sein und auch stolz darauf, dass wir in den letzten Jahren – trotz der krisenhaften Zeit – Standards aufgebaut haben, die uns mit der jetzigen Situation umgehen lassen.“

Heiner Bernhard bezog sich erneut auf die drei Themen, die er bei der EinfĂŒhrung in seine zweite Amtszeit im September genannt hatte: Integration, Demographischer Wandel und BĂŒrgerschaftliches Engagement. Integration werde eine Aufgabe bleiben, die nicht in den Kommunen entstanden ist, aber – wie so vieles – dort bewĂ€ltigt werden mĂŒsse. Vor allem mĂŒsse man begreifen, dass Integration lĂ€ngst nicht mehr nur eine soziale Dimension hat, sondern auch eine volkswirtschaftliche. Der OB: „Wir brauchen diese Menschen, ihre Arbeits- und Gestaltungskraft, um unseren – gemeinsamen – Wohlstand zu bewahren.“ Weinheim werde sich des Themas ab 2011 in einem besonderen Projekt annehmen.

Auch im Demographischen Wandel sehe er nicht nur das Risiko, sondern auch die Chance. Die Stadt mache dabei derzeit mit dem Programm „Aktiv im Alter“ wertvolle Erfahrungen, die einen Weg in die Zukunft weisen. 2011 soll das Jahr sein, in dem das Potential einer immer aktiveren Generation von jungen Alten in bĂŒrgerschaftliches Engagement umgemĂŒnzt werde. Mit dem Gemeinderat werde man sich ĂŒber vielleicht neue Wege und Instrumente der Information, Kommunikation, der Beteiligung von BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bei der politischen Willensbildung beraten.

Mit Freude sieht der OB dem Beginn des Projektes „Bildungsregion“ entgegen, zu der Weinheim seit dem Jahreswechsel gezĂ€hlt wird. In den nĂ€chsten Wochen werde die Stadt – gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern – die Strukturen festlegen. Bernhard: „Hier haben wir die große Chance, die ErfĂŒllung der zentralen Querschnittsaufgabe unserer Zeit, die optimale Gestaltung von Bildung noch stĂ€rker als bisher kommunal zu koordinieren.“

Zuvor – und nach drei BöllerschĂŒssen aus der Kanone des Heimat- und Kerwevereins – hatte Bernhard die weiteren Akteure des Neujahrsempfangs begrĂŒĂŸt, allen voran Manuela Albrecht als erste weibliche Vorsitzende der „BlĂŒten“ sowie Faschingsprinzessin Lisa Knapp, die LĂŒtzelsachsener Weinprinzessin Ina Baier, die Vertreter des Heimat- und Kerwevereins und natĂŒrlich „Bas Gret und Vetter Philp“, die in lustigen Versen das Jahr Revue passieren ließen. Die Vertreter der Weinheimer Handwerksinnungen ĂŒberreichten traditionsgemĂ€ĂŸ Brot, Wurst und (prozenthaltiges) Wasser.

Das Jahr 2011 sei von einer „enormen ThemenfĂŒlle unserer Arbeit in Gemeinderat und Verwaltung“ geprĂ€gt gewesen, so der OB. Und das, obwohl die Rezession der Weltwirtschaftskrise bei der Stadt Weinheim zu einer erheblichen Verringerung insbesondere des Gewerbesteueraufkommens und damit zur Senkung einer der Haupteinnahmequellen gefĂŒhrt hatte. Seit Beginn des letzten Jahres suchten Gemeinderat und Verwaltung in einer Haushaltsstruktur-kommission deshalb erneut nach Wegen, den Etat zu sichern und zu stabilisieren. Der Gemeinderat habe dann schließlich ein Haushaltskonsolidierungskonzept beschlossen, das vom RegierungsprĂ€sidium Karlsruhe akzeptiert wurde.

Die unterschiedlichsten Möglichkeiten und VorschlĂ€ge zur Haushaltsverbesserung neben den weiter laufenden nicht eben wenigen anderen Projekten und zusĂ€tzlich zu den alltĂ€glichen Aufgaben habe Gemeinderat und Verwaltung 2010 stark strapaziert. Es sei – auch deshalb – ein ĂŒberaus arbeitsreiches Jahr gewesen. Bernhard: „Die Schlagzahl musste nochmals erhöht werden.“ Dies alles habe das interne Klima im Rathaus, in der Galerie, im Bauhof, bei der Feuerwehr und den Verwaltungsstellen nicht gerade zum Positiven verĂ€ndert. Immer wieder mussten und mĂŒssen Arbeitsverdichtungen aufgefangen werden.

In diesem Zusammenhang forderte Heiner Bernhard eine bessere WertschÀtzungskultur, wie man sie zum Beispiel in der Erziehungswissenschaft kennt.

Auch in den Amtsstuben brauche man angemessene gegenseitige WertschĂ€tzung zwischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Denn, so der OB: „Wir werden auch weiterhin hoch motiviertes Personal benötigen, um die vor uns liegenden Aufgaben zu bewĂ€ltigen. Die schweren Zeiten fĂŒr die Kommunen sind nĂ€mlich noch nicht zu Ende.“

Anmerkung der Redaktion:
Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim