Montag, 24. Juli 2017

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Das Miramar nutzt auch regenerative Energiequellen

Enormer Energiebedarf

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Weinheim, 11. August¬†2014. (red/pro) Geothermie ist auch f√ľr die Stadt Weinheim ein m√∂gliches Thema – nach den Erfahrungen des Miramar aber kein einfaches. Jede Anlage ist nach Ansicht von Gesch√§ftsf√ľhrer Marcus Steinhart ein „Pilot-Projekt“. Welche Erfahrungen der Unternehmer damit gemacht hat, erz√§hlt er im Interview.

Von Hardy Prothmann

Das Erlebnis- und Familienbad Miramar hat einen enormen Energiebedarf. Die Kostenfaktoren¬†Wasser, Heizung, Strom, die jeder Haushalt hat, bietet der Betrieb f√ľr durchschnittlich rund 1.800¬†G√§ste am Tag. Rechnet man eine vierk√∂pfige Familie sind das 450 Haushalte. Im Jahr verbraucht¬†das Bad 5,5 Millionen Kilowattstunden Strom, 13 Millionen Kilowattstunden W√§rme und 80.000¬†Kubikmeter Wasser.

Da liegt es auf der Hand, in Sachen Energiemanagement innovativ zu sein. Vor 13 Jahren¬†beantragte die Betreiberfamilie Steinhart eine Bohrerlaubnis f√ľr Geothermie. 2002 ging die Anlage,¬†die aus einer Tiefe von 1.050 Meter hei√ües Wasser f√ľr die W√§rmegewinnung f√∂rdert, in Betrieb.

Marcus Steinhart sagt heute:

Es ist gut und richtig, dass wir das gemacht haben. Aber das hat auch so vielf√§ltige Probleme mit¬†sich gebracht, dass ich mir das heute vielleicht anders √ľberlegen w√ľrde.

Da war zun√§chst das wirtschaftliche Risiko. Zwei Millionen Euro hat die Bohrung gekostet, 1,5¬†Millionen Euro die Anlage an sich. Die Bohrung ging schnell ‚Äď innerhalb von 14 Tagen:

Das geht auch nicht anders. Wenn der Bohrer bohrt, dann bohrt er ohne Unterbrechung.¬†Ein riesiger Kran mit 80 Tonnen Zugkraft hielt den Bohrer und das Gest√§nge. Ohne dieses¬†Gegengewicht w√ľrde der Bohrer wie ein hei√ües Messer durch Butter irgendwo im Nichts¬†verschwinden. Das war beeindruckend.

Jede Geothermie-Anlage ist ein ‚ÄěPilot-Projekt‚Äú.

Das liegt an den unterschiedlichen Bedingungen, die nie gleich sind,

sagt Marcus Steinhart:

Wir haben hier beispielsweise eine Erderw√§rmung¬†von 3 Grad pro Hundert Meter, durchschnittlich sind es sonst 1,5 Grad. F√ľr uns ist das gut. Unser¬†Wasser kommt mit rund 65 Grad Celsius nach oben. Aber auch Schluff und Sand, der uns viele¬†Pumpen kaputt gemacht hat, bis wir die richtige L√∂sung hatte. Das war viel Feinarbeit.

Das Wasser kommt √ľber eine F√∂rderleitung nach oben, wird unter 8 Bar Druck gehalten, damit¬†es nicht ausgast und √ľber eine ‚ÄěSchluckleitung‚Äú wieder in die Tiefe geschickt. Zuvor muss es mit¬†Filtern gereinigt werden, damit die Schluckleitung nicht verstopft. Die Anlage f√∂rdert neun Liter¬†pro Sekunde. √úber einen W√§rmetauscher wird die Energie entnommen:

Im Sommer heißen wir das Bad ausschließlich mit Geothermie.

Die 3,5 Millionen Euro Investition brachte das Unternehmen hart an den Rand der Handlungsfähigkeit:

F√ľr sowas bekommen Sie kein Geld von der Bank. Wir haben uns dann mit¬†der MVV verst√§ndigt. Die hat angeboten, die Anlage zu kaufen, wenn sie l√§uft und √ľber einen¬†Contracting-Vertrag zahlen wir diese √ľber 15 Jahre ab. Das Risiko mussten wir √ľbernehmen.

Zus√§tzlich f√∂rdert das Miramar eigenes Wasser aus einem eigenen Brauchwasserbrunnen. Aber¬†auch das Abwasser wird zum Teil aufbereitet und in den M√ľhl-Bach geleitet, so dass es nicht¬†in die Kanalisation gehen muss. Dazu kommt eine gro√üe Photovoltaik-Anlage, die rund 100.000¬†Kilowattstunden Strom erzeugt:

Das machen wir gerne und f√ľhlen uns hier auch in der Pflicht, was¬†nachhaltiges Wirtschaften angeht. Tats√§chlich k√∂nnen wir damit aber nicht ansatzweise unseren¬†Bedarf decken und diese Art Stromerzeugung rechnet sich nur durch staatliche F√∂rderung.

Eine kommende Herausforderung wird die energetische Sanierung sein. Das Bad wurde am 26. Oktober 1973 in Betrieb genommen, ist also 40 Jahre alt:

Hier gibt es nat√ľrlich viel zu tun ‚Ästund das im laufenden Betrieb.

Um keine Energie zu verschwenden, werden beispielsweise die Außenbecken nachts abgedeckt und immer wieder die Technik auf den neuesten Stand gebracht. Aus seiner Erfahrung heraus sieht Marcus Steinhart die Pläne der Stadt in Sachen Geothermie kritisch:

Ein solches Projekt, das bis 3.000 Meter runtergeht, um kochendes Wasser f√ľr die¬†Stromerzeugung zu gewinnen, hat sicher eine Gr√∂√üenordnung von einer 20 Millionen Euro¬†Investition. Und damit ein noch h√∂heres Risiko als bei uns. Wenn ich eins gelernt habe, dann den¬†Bergmannsspruch: Vor der Schippe ist es dunkel. Sie wissen nie, was auf Sie zukommt.

Das Bohrfeld des Miramar ist gesch√ľtzt ‚Äď hier kann die Stadt also nicht bohren und die Investition¬†ist nur mit Risiko zu tragen:

Wir haben beispielsweise kalkuliert, dass sich die Anlage nach zehn Jahren amortisiert hat. Das ist leider nicht der Fall, es wird ein paar Jahre länger dauern. Wir hatten mit gut 300.000 Euro Ersparnis pro Jahr kalkuliert, tatsächlich sind es 250.000 Euro, denn der Betrieb der Anlage kostet ja auch.

Trotzdem ist Marcus Steinhart zufrieden:

Das Projekt ist schon klasse, weil es funktioniert.¬†Langfristig rechnet sich das, aber es braucht einen langen Atem. Vor allem in den ersten Jahren gab¬†es aber andauernd neue Probleme, kaputte Pumpen, angegriffene Rohre, dass ich davon ein paar¬†graue Haare bekommen habe. Andererseits besuchen uns oft Schulklassen, um sich √ľber das Projekt¬†zu informieren und das macht nat√ľrlich dann auch Freude.

√úber Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.