Freitag, 23. August 2019

Entwurfsskizze sorgt fĂŒr Diskussion ĂŒber Bebauungsplan in der LĂŒtzelsachsener Straße

Planlos irritiert

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Weinheim, 11. April 2013. (red/ld) Im Ausschuss fĂŒr Technik und Umwelt (ATU) sorgte gestern ein Plan fĂŒr Irritationen. Eineinhalb Stunden vor der Sitzung ging den Mitgliedern des Ausschusses gestern eine email mit ziemlich konkreten PlĂ€nen fĂŒr die LĂŒtzelsachsener Straße 38 zu: Die dort skizzierte Villa war einigen StadtrĂ€ten zu hoch, rĂŒcke zu dicht an NachbargrundstĂŒcke heran und FlachdĂ€cher wollten sie gar nicht. Stadtrat Peter LautenschlĂ€ger beantragte den Abbruch des Verfahrens. Ihm war die Zustellung der PlĂ€ne zu kurzfristig. StadtrĂ€tin Susanne Tröscher bezeichnete den Entwurf als „faschistoid.“ OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard platzte der Kragen. Derzeit gebe es weder konkrete PlĂ€ne fĂŒr die Bebauung des GrundstĂŒcks, noch einen Bauantrag, sagte der OberbĂŒrgermeister.

Das „Anwesen Harder“ – wuchtige Villa im Rahmen des Bebauungsplans möglich. Man beachte das Entwurfsdatum. Quelle: Stadt Weinheim

 

Von Lydia Dartsch

Frau Tröscher, achten Sie auf Ihre Wortwahl!

donnerte OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard auf die Aussage von Susanne Tröscher (CDU), das im Plan skizzierte Haus sei ihrer Meinung nach „faschistoid“: Zehn Meter hohe WĂ€nde ohne optische Unterteilung und ein Flachdach machten den Eindruck des GebĂ€udes zu massiv.

So hat man schon vor zweihundert Jahren gebaut. Schon im Bauhaus-Stil hat man so gebaut. Das war lange bevor an faschistoide Bauweise zu denken war. Fahren Sie mal nach Karlsruhe und schauen sich die GebÀude dort an. Dann sehen Sie den Unterschied zu faschistoider Bauweise.

sagte der erste BĂŒrgermeister Dr. Torsten Fetzner.

Eigentlich ging es beim Tagesordnungspunkt (TOP 2) lediglich darum, die Offenlage des Bebauungsplans zu beschließen. Die PlĂ€ne sorgten dabei fĂŒr reichlich Verwirrung. FĂŒr Peter LautenschlĂ€ger (WeinheimPlus) kamen die PlĂ€ne, eineinhalb Stunden vor der Sitzung, viel zu knapp. Sein Antrag, das Offenlageverfahren abzubrechen, fand im Ausschuss dennoch keine Mehrheit.

Wir haben Ihnen die PlĂ€ne nur deshalb so kurzfristig zugeschickt, weil wir wollten, dass Sie auf dem gleichen Informationsstand sind. Wir hĂ€tten Sie Ihnen frĂŒher zugeschickt, wenn wir sie frĂŒher gehabt hĂ€tten,

sagte Heiner Bernhard erklÀrend. Eine erstaunliche Aussage, denn nach unseren Informationen hatte zumindest die CDU-Fraktion die PlÀne schon am Montagabend.

Dass sich die Stadt ein Villenviertel leisten könne und sollte, darin waren sich zwar alle einig, auch darĂŒber, den Villencharakter des Viertels zu erhalten. Das zukĂŒnftige Aussehen des Viertels lieferte aber allerhand Stoff fĂŒr Diskussionen. FlachdĂ€cher sollten dort nicht zugelassen werden, fanden Tassilo Eckerle (FDP) und Dr. Alexander Boguslawski (GAL). Gerhard Mackert (Freie WĂ€hler) sprach sich dafĂŒr aus, die zulĂ€ssige GebĂ€udehöhe doch wieder auf acht Meter zu begrenzen, statt wie in der Skizze auf 8,70 Meter zu erhöhen.

Lex Harder?

Doch die vorgelegte Skizze war gar nicht Gegenstand der Beschlussvorlage. Diese sollte lediglich einen Bebauungsplan voran bringen, den es fĂŒr das Gebiet der LĂŒtzelsachsener Straße bisher nicht gibt. Dieser soll den Villencharakter des Wohngebiets festschreiben und festsetzen, dass die dort bebauten GrundstĂŒcke mindestens 450 Quadratmeter groß sein sollen. In dem Gebiet sollten außerdem nur EinzelhĂ€user mit maximal zwei Wohneinheiten entstehen. Zudem sollten die GebĂ€ude einheitlich hoch sein, auch mit der Möglichkeit, dort FlachdĂ€cher zu bauen, wie sie auf anderen GrundstĂŒcken in der Umgebung bereits vorhanden sind.

In vielen der HĂ€user, die dort stehen, steht in den kommenden Jahren ein Generationenwechsel und damit auch Besitzerwechsel an. Mit dem Bebauungsplan wollen wir lediglich dafĂŒr sorgen, dass dort keine MehrfamilienhĂ€user gebaut werden können. DarĂŒber herrschte ja auch Einigkeit,

sagte der stĂ€dtische Pressesprecher Roland Kern auf Anfrage. Den Bebauungsplan hatte der ATU bereits am 09. Januar 2013 mit dem Beschluss der Aufstellung im beschleunigten Verfahren fĂŒr den Bereich LĂŒtzelsachsener Straße-SĂŒd auf den Weg gebracht. Die Öffentlichkeit war zwischen dem 14. Januar und dem 08. Februar davon unterrichtet, einschließlich einer Informationsveranstaltung fĂŒr die Anlieger des Gebiets am 30. Januar. Die 22 schriftlichen Stellungnahmen der Privatleute seien dann in den Bebauungsplan eingeflossen. In der vierwöchigen Offenlagezeit, die voraussichtlich Ende April beginnt, kann die Öffentlichkeit Eingaben machen, die dann in den Satzungsbeschluss fließen werden.

Roland Kern erklĂ€rte zudem, dass die im Ausschuss diskutierten PlĂ€ne fĂŒr die LĂŒtzelsachsener Straße 38 bereits im Vorfeld in der Nachbarschaft verbreitet worden seien:

Wir wollten einfach, dass alle die gleichen Informationen haben,

sagte er. Zwar stehe auf dem GrundstĂŒck noch ein Haus. Der Investor, dem es gehöre, möchte dort aber neu bauen. Das habe die besorgten Nachbarn auf den Plan gerufen. Mit dem Bebauungsplan habe die Skizze fĂŒr das GrundstĂŒck aber nichts zu tun. Derzeit liege kein konkreter Bauantrag vor. Der Architekt könne den Entwurf jederzeit verĂ€ndern, so Roland Kern.

TatsĂ€chlich wird hinter vorgehaltener Hand schon lĂ€ngst von der „Lex Harder“ gesprochen – der Bebauungsplan komme den WĂŒnschen des Investors erheblich entgegen. Vor allem die wohlbetuchte Nachbarschaft war mit den ersten PlĂ€nen nicht einverstanden. Vielleicht waren die auch besonders „massiv“, um die eigentliche PlĂ€ne, die immer noch „wuchtig“ sind, bei „Verhandlungen“ durchzubekommen.

WĂ€hrend viele StadtrĂ€te erst rund drei Stunden vor der ATU-Sitzung die PlanungsentwĂŒrfe per email erhalten hatten, soll nach unseren Informationen Herr Harder bereits seit lĂ€ngerem mit dem OberbĂŒrgermeister „im GesprĂ€ch“ sein. Und der planende Architekt Constantin Görtz ist Stadtrat und wie OB Bernhard in der SPD. Soll man wirklich glauben, dass der OB ebenfalls erst kurz vor dem Versand der email mit den „EntwĂŒrfen“ von diesen Kenntnis erlangt hat? Also zwei Tage spĂ€ter als die CDU-Fraktion? Wohl kaum. Die Aussage: „Wir hĂ€tten Sie Ihnen frĂŒher geschickt, wenn…“ ist, mit Verlaub, sehr unglaubwĂŒrdig.

FĂŒr den Bebauungsplan stimmten 14 StadtrĂ€te, einer stimmte dagegen, drei enthielten sich.

Das Planungsgebiet fĂŒr den Bebauungsplan. Quelle: Stadt Weinheim

 

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.