Dienstag, 23. Mai 2017

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Unternehmer-Geschichten: Das Miramar und die Familie Steinhart

„Wir sind ein Familienbad“

Weinheim, 11. August¬†2014. (red/pro) Wir starten unsere neue Serie „Unternehmer-Geschichten“ mit einem Weinheimer Traditionsunternehmen. Im vergangenen Jahr ist das Miramar 40 Jahre alt geworden. Das Spa√ü- und Freizeitbad hat sich im Laufe der Zeit gewandelt – zuletzt¬†kam eine¬†Millioneninvestition in neue Rutschen dazu. Gesch√§ftsf√ľhrer Marcus Steinhart erkl√§rt im Interview, was das Erfolgsrezept des Familienbetriebs ist.

Interview: Hardy Prothmann

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Seit 15 Jahren Gesch√§ftsf√ľhrer des Miramar: Marcus Steinhart

 

Herr Steinhart, im vergangenen Jahr haben Sie 40 Jahre Miramar gefeiert. Eine stolze Zeit. Und alles fing mit einer Mark an?

Marcus Steinhart: Nicht ganz. Das Bad war damals städtisch und die gestiegenen Energiekosten hatten die Wirtschaftlichkeitsberechnung so kaputt gemacht, dass die Stadt dringend eine Lösung suchte. Meine Familie ist dann Ende 1987 eingestiegen. Mit einem symbolischen Kaufpreis von einer Mark.

Und dann war alles super?

Steinhart (lacht): Nein. Es hat f√ľr uns lange gedauert, bis es sich gerechnet hat. Seit einigen Jahren l√§uft es super, aber das war ein harter Einsatz, um so weit zu kommen.

Wie kamen Sie damals auf die Idee die Bäder zu richten?

Steinhart: Initiator war mein Vater. Ich hatte BWL studiert und in einer¬†Wirtschaftspr√ľfungsgesellschaft gearbeitet. Nach drei Jahren habe ich dort aufgeh√∂rt. Es hat¬†mir zwar gut gefallen, aber die vielen Reisen und dazu oft Arbeit am Wochenende – das war¬†abtr√§glich f√ľr die Familienplanung. Ich habe dann bei meinem Vater gelernt und bin 1999 in die¬†Gesch√§ftsf√ľhrung eingetreten. Meine Mutter war von Anfang an Gesch√§ftsf√ľhrerin und ist es bis¬†heute.

Bad, Shop, Massage, Gastronomie

Ist Brigitte Steinhart auch heute noch operativ im Alltagsgeschäft?

Steinhart: Ja, Sie h√§tte schon l√§ngst in Pension gehen k√∂nnen und ist dennoch fast t√§glich im¬†Betrieb unterwegs. Das ist wichtig, denn unsere G√§ste m√∂chten sich im Bad wohlf√ľhlen und dazu¬†muss man vor Ort sein. Ist es sauber? Ist alles in Ordnung? Sind die G√§ste zufrieden? Da ist meine¬†Mutter sehr aktiv.

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Das Miramar bietet mehrere Rutschen an, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Das Miramar ist ja nicht nur ein Bad. Sie haben ja auch eine Gastronomie, Massage, einen Shop. Trägt sich das?

Steinhart: Die Angebote befruchten sich gegenseitig. Shop und Massage sind verpachtet. Die¬†Gastronomie machen wir hier selbst, in anderen B√§dern haben wir sie auch verpachtet. Die¬†Gastronomie ist eben sehr wichtig f√ľr das Wohlbefinden, aber auch ein schweres Gesch√§ft, denn die¬†Kunden sind sehr anspruchsvoll. Andererseits bedeutet eine gute Gastronomie eine Steigerung des¬†Erfolgsfaktors.

Also sind Sie auch Gastronom?

Steinhart (lacht): Ja, schon. Mit einem kleinen Vorteil des festen Feierabends. Wenn unser Bad schließt, ist die Gastronomie auch zu. Also um 22 Uhr.

Die vielfältigen Angebote steigern also die Attraktivität?

Steinhart: Absolut. Wir bieten auch Physiotherapie an. Da ist es schwierig, positive Beitr√§ge zu¬†erwirtschaften, weil die Kassenleistung f√ľr bestimmte Behandlungsformen nicht ausk√∂mmlich sind,¬†obwohl der Service sehr gut ausgelastet ist. In Kombination mit dem Thermalbecken ergibt sich¬†hier ein besonderes Angebot.

Wie viele Menschen beschäftigen Sie?

Steinhart: Insgesamt rund 150 Mitarbeiter, davon ein Drittel in der Gastronomie. Die anderen arbeiten in den Bereichen Verwaltung und Kasse, Kabinendienst, Bäderdienst, Technik. Hinzu kommt die Reinigung. Das sind nochmal 20 Beschäftigte.

Ein Bad ist nat√ľrlich ein sehr sensibler Betrieb, da ja sehr viele Menschen zusammen sind. Gibt es¬†da irgendwelche besonderen Herausforderungen?

Steinhart: Wir haben eine Hausordnung, aber die ist immer auslegebed√ľrftig und wenn sich jetzt ein¬†P√§rchen besonders nahe kommt, ist immer die Frage: Ist das noch erlaubt, oder ist das nicht mehr¬†erlaubt. Das erfordert schon Fingerspitzengef√ľhl.

Haben Sie einen Sicherheitsdienst?

Steinhart: Den brauchen wir nicht. Sollte es mal Probleme geben, setzen wir Mitarbeiter ein,¬†die nicht als solche zu erkennen sind. Wir arbeiten gut mit der Polizei zusammen und wir haben¬†nat√ľrlich auch eine Kamera√ľberwachung.

Sie meinen Diebstähle?

Steinhart: Ja, die kommen ab und an vor, wie √ľberall, wo viele Menschen zusammen sind. Wir sind¬†aber sehr achtsam im Sinne unserer G√§ste.

Millionen investiert und dann ein schwerer Unfall

Die manchmal nicht so achtsam sind und sich verletzen ‚Äď im Bad kann man leicht ausrutschen und¬†die Rutschen sind ja Sportger√§te.

Steinhart: Die Hauptursache bei Unf√§llen liegt an unangepasstem Verhalten der G√§ste ‚Äď das ist¬†leider so. Die Bademeister passen zwar sehr gut auf, aber wenn wir hier mehrere tausend Menschen¬†als G√§ste haben, passieren schon mal kleine Unf√§lle.

Vor einem Jahr gab es einen besonders schweren ‚Äď ausgerechnet in einer der neuen Rutschen. Wie¬†ist das f√ľr die Frau und Sie ausgegangen?

Steinhart:¬†Der Frau geht es nach der Behandlung trotz der schweren Verletzung gut und Wirbelverletzung¬†konnte ausgeheilt werden. Dar√ľber sind wir nat√ľrlich sehr froh.

 

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√úberall auf dem weitl√§ufigen Gel√§nde des Miramar gibt es Kunst zu sehen – Kultur als zus√§tzlicher Wohlf√ľhlfaktor f√ľr die G√§ste.

 

Nach unserem Exklusivbericht haben dutzende Medien, auch viele Fernsehsender berichtet. Hatte das negative Folgen?

Steinhart: Dieser Unfall war ohne Wenn und Aber einer der Tiefpunkte seit ich hier Gesch√§ftsf√ľhrer¬†bin. Das h√§tte nicht passieren d√ľrfen. Wir stehen hier schlie√ülich in der Verantwortung und¬†die G√§ste vertrauen uns. Wir hatten aus unserer Sicht alles richtig gemacht, der T√úV hatte die¬†Rutschen abgenommen, entscheidend war der Faktor Mensch und ein Fehler eines Mitarbeiters.¬†Die konsequente Umsetzung weiterer Sicherheitsfaktoren und eine offene Kommunikation haben¬†geholfen, das Vertrauen zu erhalten.

Ich erlebe das selten als Journalist, deshalb gerne an dieser Stelle: Ihr Krisenmanagement war tatsächlich sehr gut, Sie haben sich den Medien offen gestellt. Sind denn Unfälle nun ausgeschlossen?

Steinhart: Ausgeschlossen ist nichts im Leben. Aber Sie k√∂nnen davon ausgehen, dass wir √ľber das¬†hinaus, was f√ľr den Betrieb der Rutschen verlangt wird, alles getan haben, damit die G√§ste sicher¬†sind.

F√ľhren Sie zu den Unfallzahlen Statistik?

Steinhart: Nein, das l√∂sen wir im t√§glichen Betrieb √ľber die Unfallprotokolle. Am h√§ufigsten¬†rutschen G√§ste aus, sollte es zu Blessuren kommen, regelt das die Versicherung. Wenn ich aber¬†beispielsweise √ľber die Unfallprotokolle sehe, dass kurz hintereinander G√§ste in einer Rutsche vom¬†Reifen fallen, dann greife ich sofort ein und wir regulieren zum Beispiel die Wassermenge.

Diese Anlagen m√ľssen also dauernd reguliert werden?

Steinhart: Ja, permanent. Das Material wird st√§ndig belastet und warme Tage bieten andere¬†Bedingungen als kalte. Die √úberg√§nge der Rutschenteile haben beispielsweise Silikonfugen. Die¬†werden jedes Jahr erneuert. Es kann aber passieren, dass eine fr√ľher ausrei√üt, die dann sofort¬†ersetzt werden muss. Wir lassen zum Beispiel jeden Morgen einen Sack durch die Rutschen, um zu¬†schauen, ob der Spuren hat, weil sich irgendwo eine Fuge gel√∂st hat.

650.000 Besucher im Jahr

Haben Sie auch einen Sanitätsdienst?

Steinhart: Jeder Bademeister muss einmal im Jahr eine Erste-Hilfe-Schulung durchlaufen. Wenn es zu ernsten Beschwerden wie Kreislaufproblemen kommt, rufen wir den Krankenwagen.

Haben Sie eine Statistik √ľber die Bereiche und das Alter der Besucher?

Steinhart: Von den 650.000 Besuchern haben wir ca. 50 % Saunabesucher. Von den √ľbrigen G√§sten¬†sind rund die H√§lfte Kinder und Jugendliche.

Die Sauna hat keine Altersbeschränkung und es gibt auch FKK im ganzen Bad?

Steinhart: Richtig. Aber wir haben den FKK-Betrieb eingeschränkt, den gibt es noch am Dienstag.

Warum das?

Steinhart: Aus verschiedenen Gr√ľnden: Unser Saunagel√§nde ist so gro√ü und sch√∂n, dass meiner¬†Meinung nach FKK im ganzen Bad einfach nicht notwendig ist. Gerade am Wochenende trafen¬†FKK-Freunde auf Familien, die gerade am Gehen waren. Das hat manche einfach zu sehr gest√∂rt.¬†Wir sind nach wie vor ein Familienbad und wollen f√ľr alle – Saunafreunde oder nicht ‚Äď attraktiv¬†bleiben.

 

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Das Miramar veranstaltet immer wieder Events wie hier eine Brasilianische Nacht.

 

Beispielsweise mit den Rutschen. Vier Millionen Euro sind eine stattliche Investition. Wir rechnet sich das?

Steinhart: Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Gesch√§ft und es gibt andere B√§der in der Region.¬†Wir investieren in die Attraktivit√§t des Bades f√ľr die G√§ste. Das n√§chste Projekt wird eine weitere¬†Aufgusssauna sein, wir werden au√üerdem mehr Ruhe- und Liegefl√§chen schaffen. Das w√ľnschen¬†sich unsere G√§ste und das setzen wir um.

Hurricane Loop – Adrenalin pur

Wichtig ist die Erreichbarkeit. Wie viele Parkplätze bieten Sie?

Steinhart: Aktuell wurden 58 Parkplätze neu gebaut, insgesamt sind das jetzt rund 400. Kostenlos und direkt am Bad.

Das ist nat√ľrlich auch ein Argument, dass man daf√ľr keine Geb√ľhren zahlen muss. Hat sich ihr¬†Einzugsgebiet durch die Rutschen vergr√∂√üert?

Steinhart: Das war ja davor schon recht groß und hat einen Radius von etwa 100 Kilometern. Die meisten Gäste kommen aus der Region, manche aber auch aus Frankfurt oder Pforzheim.

Die Rutschen sind aber eher ein Angebot an Jugendliche. Sind Sie die auch schon gerutscht?

Steinhart (lacht): Na klar, ein paar Mal, ich muss ja wissen, wie das ist. Und der in Deutschland¬†einmalige Hurricane Loop ist Adrenalin pur. Klar, dass den Jugendlichen das ordentlich Spa√ü macht¬†‚Äď daf√ľr sind die Rutschen in unserem Erlebnisbad ja da. Aber ganz ehrlich? Mir ist das zu aufregend¬†– in meinem Alter ist eher baden und saunieren angesagt.

 

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Besondere Attraktion – die Laser-Shows im Freizeitbad.

√úber Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.