Dienstag, 24. Oktober 2017

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Unternehmer-Geschichten: Das Miramar und die Familie Steinhart

„Wir sind ein Familienbad“

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Weinheim, 11. August 2014. (red/pro) Wir starten unsere neue Serie „Unternehmer-Geschichten“ mit einem Weinheimer Traditionsunternehmen. Im vergangenen Jahr ist das Miramar 40 Jahre alt geworden. Das Spaß- und Freizeitbad hat sich im Laufe der Zeit gewandelt – zuletzt kam eine Millioneninvestition in neue Rutschen dazu. GeschĂ€ftsfĂŒhrer Marcus Steinhart erklĂ€rt im Interview, was das Erfolgsrezept des Familienbetriebs ist.

Interview: Hardy Prothmann

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Seit 15 Jahren GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Miramar: Marcus Steinhart

 

Herr Steinhart, im vergangenen Jahr haben Sie 40 Jahre Miramar gefeiert. Eine stolze Zeit. Und alles fing mit einer Mark an?

Marcus Steinhart: Nicht ganz. Das Bad war damals stÀdtisch und die gestiegenen Energiekosten hatten die Wirtschaftlichkeitsberechnung so kaputt gemacht, dass die Stadt dringend eine Lösung suchte. Meine Familie ist dann Ende 1987 eingestiegen. Mit einem symbolischen Kaufpreis von einer Mark.

Und dann war alles super?

Steinhart (lacht): Nein. Es hat fĂŒr uns lange gedauert, bis es sich gerechnet hat. Seit einigen Jahren lĂ€uft es super, aber das war ein harter Einsatz, um so weit zu kommen.

Wie kamen Sie damals auf die Idee die BĂ€der zu richten?

Steinhart: Initiator war mein Vater. Ich hatte BWL studiert und in einer WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft gearbeitet. Nach drei Jahren habe ich dort aufgehört. Es hat mir zwar gut gefallen, aber die vielen Reisen und dazu oft Arbeit am Wochenende – das war abtrĂ€glich fĂŒr die Familienplanung. Ich habe dann bei meinem Vater gelernt und bin 1999 in die GeschĂ€ftsfĂŒhrung eingetreten. Meine Mutter war von Anfang an GeschĂ€ftsfĂŒhrerin und ist es bis heute.

Bad, Shop, Massage, Gastronomie

Ist Brigitte Steinhart auch heute noch operativ im AlltagsgeschÀft?

Steinhart: Ja, Sie hĂ€tte schon lĂ€ngst in Pension gehen können und ist dennoch fast tĂ€glich im Betrieb unterwegs. Das ist wichtig, denn unsere GĂ€ste möchten sich im Bad wohlfĂŒhlen und dazu muss man vor Ort sein. Ist es sauber? Ist alles in Ordnung? Sind die GĂ€ste zufrieden? Da ist meine Mutter sehr aktiv.

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Das Miramar bietet mehrere Rutschen an, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Das Miramar ist ja nicht nur ein Bad. Sie haben ja auch eine Gastronomie, Massage, einen Shop. TrÀgt sich das?

Steinhart: Die Angebote befruchten sich gegenseitig. Shop und Massage sind verpachtet. Die Gastronomie machen wir hier selbst, in anderen BĂ€dern haben wir sie auch verpachtet. Die Gastronomie ist eben sehr wichtig fĂŒr das Wohlbefinden, aber auch ein schweres GeschĂ€ft, denn die Kunden sind sehr anspruchsvoll. Andererseits bedeutet eine gute Gastronomie eine Steigerung des Erfolgsfaktors.

Also sind Sie auch Gastronom?

Steinhart (lacht): Ja, schon. Mit einem kleinen Vorteil des festen Feierabends. Wenn unser Bad schließt, ist die Gastronomie auch zu. Also um 22 Uhr.

Die vielfÀltigen Angebote steigern also die AttraktivitÀt?

Steinhart: Absolut. Wir bieten auch Physiotherapie an. Da ist es schwierig, positive BeitrĂ€ge zu erwirtschaften, weil die Kassenleistung fĂŒr bestimmte Behandlungsformen nicht auskömmlich sind, obwohl der Service sehr gut ausgelastet ist. In Kombination mit dem Thermalbecken ergibt sich hier ein besonderes Angebot.

Wie viele Menschen beschÀftigen Sie?

Steinhart: Insgesamt rund 150 Mitarbeiter, davon ein Drittel in der Gastronomie. Die anderen arbeiten in den Bereichen Verwaltung und Kasse, Kabinendienst, BÀderdienst, Technik. Hinzu kommt die Reinigung. Das sind nochmal 20 BeschÀftigte.

Ein Bad ist natĂŒrlich ein sehr sensibler Betrieb, da ja sehr viele Menschen zusammen sind. Gibt es da irgendwelche besonderen Herausforderungen?

Steinhart: Wir haben eine Hausordnung, aber die ist immer auslegebedĂŒrftig und wenn sich jetzt ein PĂ€rchen besonders nahe kommt, ist immer die Frage: Ist das noch erlaubt, oder ist das nicht mehr erlaubt. Das erfordert schon FingerspitzengefĂŒhl.

Haben Sie einen Sicherheitsdienst?

Steinhart: Den brauchen wir nicht. Sollte es mal Probleme geben, setzen wir Mitarbeiter ein, die nicht als solche zu erkennen sind. Wir arbeiten gut mit der Polizei zusammen und wir haben natĂŒrlich auch eine KameraĂŒberwachung.

Sie meinen DiebstÀhle?

Steinhart: Ja, die kommen ab und an vor, wie ĂŒberall, wo viele Menschen zusammen sind. Wir sind aber sehr achtsam im Sinne unserer GĂ€ste.

Millionen investiert und dann ein schwerer Unfall

Die manchmal nicht so achtsam sind und sich verletzen – im Bad kann man leicht ausrutschen und die Rutschen sind ja SportgerĂ€te.

Steinhart: Die Hauptursache bei UnfĂ€llen liegt an unangepasstem Verhalten der GĂ€ste – das ist leider so. Die Bademeister passen zwar sehr gut auf, aber wenn wir hier mehrere tausend Menschen als GĂ€ste haben, passieren schon mal kleine UnfĂ€lle.

Vor einem Jahr gab es einen besonders schweren – ausgerechnet in einer der neuen Rutschen. Wie ist das fĂŒr die Frau und Sie ausgegangen?

Steinhart: Der Frau geht es nach der Behandlung trotz der schweren Verletzung gut und Wirbelverletzung konnte ausgeheilt werden. DarĂŒber sind wir natĂŒrlich sehr froh.

 

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Überall auf dem weitlĂ€ufigen GelĂ€nde des Miramar gibt es Kunst zu sehen – Kultur als zusĂ€tzlicher WohlfĂŒhlfaktor fĂŒr die GĂ€ste.

 

Nach unserem Exklusivbericht haben dutzende Medien, auch viele Fernsehsender berichtet. Hatte das negative Folgen?

Steinhart: Dieser Unfall war ohne Wenn und Aber einer der Tiefpunkte seit ich hier GeschĂ€ftsfĂŒhrer bin. Das hĂ€tte nicht passieren dĂŒrfen. Wir stehen hier schließlich in der Verantwortung und die GĂ€ste vertrauen uns. Wir hatten aus unserer Sicht alles richtig gemacht, der TÜV hatte die Rutschen abgenommen, entscheidend war der Faktor Mensch und ein Fehler eines Mitarbeiters. Die konsequente Umsetzung weiterer Sicherheitsfaktoren und eine offene Kommunikation haben geholfen, das Vertrauen zu erhalten.

Ich erlebe das selten als Journalist, deshalb gerne an dieser Stelle: Ihr Krisenmanagement war tatsÀchlich sehr gut, Sie haben sich den Medien offen gestellt. Sind denn UnfÀlle nun ausgeschlossen?

Steinhart: Ausgeschlossen ist nichts im Leben. Aber Sie können davon ausgehen, dass wir ĂŒber das hinaus, was fĂŒr den Betrieb der Rutschen verlangt wird, alles getan haben, damit die GĂ€ste sicher sind.

FĂŒhren Sie zu den Unfallzahlen Statistik?

Steinhart: Nein, das lösen wir im tĂ€glichen Betrieb ĂŒber die Unfallprotokolle. Am hĂ€ufigsten rutschen GĂ€ste aus, sollte es zu Blessuren kommen, regelt das die Versicherung. Wenn ich aber beispielsweise ĂŒber die Unfallprotokolle sehe, dass kurz hintereinander GĂ€ste in einer Rutsche vom Reifen fallen, dann greife ich sofort ein und wir regulieren zum Beispiel die Wassermenge.

Diese Anlagen mĂŒssen also dauernd reguliert werden?

Steinhart: Ja, permanent. Das Material wird stĂ€ndig belastet und warme Tage bieten andere Bedingungen als kalte. Die ÜbergĂ€nge der Rutschenteile haben beispielsweise Silikonfugen. Die werden jedes Jahr erneuert. Es kann aber passieren, dass eine frĂŒher ausreißt, die dann sofort ersetzt werden muss. Wir lassen zum Beispiel jeden Morgen einen Sack durch die Rutschen, um zu schauen, ob der Spuren hat, weil sich irgendwo eine Fuge gelöst hat.

650.000 Besucher im Jahr

Haben Sie auch einen SanitÀtsdienst?

Steinhart: Jeder Bademeister muss einmal im Jahr eine Erste-Hilfe-Schulung durchlaufen. Wenn es zu ernsten Beschwerden wie Kreislaufproblemen kommt, rufen wir den Krankenwagen.

Haben Sie eine Statistik ĂŒber die Bereiche und das Alter der Besucher?

Steinhart: Von den 650.000 Besuchern haben wir ca. 50 % Saunabesucher. Von den ĂŒbrigen GĂ€sten sind rund die HĂ€lfte Kinder und Jugendliche.

Die Sauna hat keine AltersbeschrÀnkung und es gibt auch FKK im ganzen Bad?

Steinhart: Richtig. Aber wir haben den FKK-Betrieb eingeschrÀnkt, den gibt es noch am Dienstag.

Warum das?

Steinhart: Aus verschiedenen GrĂŒnden: Unser SaunagelĂ€nde ist so groß und schön, dass meiner Meinung nach FKK im ganzen Bad einfach nicht notwendig ist. Gerade am Wochenende trafen FKK-Freunde auf Familien, die gerade am Gehen waren. Das hat manche einfach zu sehr gestört. Wir sind nach wie vor ein Familienbad und wollen fĂŒr alle – Saunafreunde oder nicht – attraktiv bleiben.

 

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Das Miramar veranstaltet immer wieder Events wie hier eine Brasilianische Nacht.

 

Beispielsweise mit den Rutschen. Vier Millionen Euro sind eine stattliche Investition. Wir rechnet sich das?

Steinhart: Konkurrenz belebt ja bekanntlich das GeschĂ€ft und es gibt andere BĂ€der in der Region. Wir investieren in die AttraktivitĂ€t des Bades fĂŒr die GĂ€ste. Das nĂ€chste Projekt wird eine weitere Aufgusssauna sein, wir werden außerdem mehr Ruhe- und LiegeflĂ€chen schaffen. Das wĂŒnschen sich unsere GĂ€ste und das setzen wir um.

Hurricane Loop – Adrenalin pur

Wichtig ist die Erreichbarkeit. Wie viele ParkplÀtze bieten Sie?

Steinhart: Aktuell wurden 58 ParkplÀtze neu gebaut, insgesamt sind das jetzt rund 400. Kostenlos und direkt am Bad.

Das ist natĂŒrlich auch ein Argument, dass man dafĂŒr keine GebĂŒhren zahlen muss. Hat sich ihr Einzugsgebiet durch die Rutschen vergrĂ¶ĂŸert?

Steinhart: Das war ja davor schon recht groß und hat einen Radius von etwa 100 Kilometern. Die meisten GĂ€ste kommen aus der Region, manche aber auch aus Frankfurt oder Pforzheim.

Die Rutschen sind aber eher ein Angebot an Jugendliche. Sind Sie die auch schon gerutscht?

Steinhart (lacht): Na klar, ein paar Mal, ich muss ja wissen, wie das ist. Und der in Deutschland einmalige Hurricane Loop ist Adrenalin pur. Klar, dass den Jugendlichen das ordentlich Spaß macht – dafĂŒr sind die Rutschen in unserem Erlebnisbad ja da. Aber ganz ehrlich? Mir ist das zu aufregend – in meinem Alter ist eher baden und saunieren angesagt.

 

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Besondere Attraktion – die Laser-Shows im Freizeitbad.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.