Sonntag, 17. Dezember 2017

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Gut 50.000 Besucher feierten am Wochenende unter den Burgen

Optimale Kerwe

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Die Schlosspark-Illumination ist ein echtes Erlebnis.

 

Weinheim/Rhein-Neckar, 12. August 2012. (red/pro/Aktualisiert) Die Weinheimer Kerwe ist nicht nur das grĂ¶ĂŸte Fest an der Bergstraße, sondern auch das vielseitigste. Gut 50.000 Besucher feierten ĂŒbers Wochenende – und das vor allem friedlich und gut gelaunt. Die Kerwe bietet weitlĂ€ufig fĂŒr jeden Geschmack etwas und zeichnet sich durch eine hervorragende Organisation aus.

Von Hardy Prothmann

FĂŒr meine Frau ist die Weinheimer Kerwe eine Kindheitserinnerung – kein Wunder, ist sie doch in Weinheim aufgewachsen. Gemeinsam schlendern wir durch die Gassen – tagsĂŒber und am frĂŒhen Abend ist das noch möglich. Ab 20 Uhr fĂŒllt sich die wunderschöne Altstadt mehr und mehr und gerade am Marktplatz und in den Gassen des Gerberbachviertels geht es nur noch langsam voran. Hier hat es auch niemand eilig.

Ein Fest fĂŒr alle Generationen

Freunde und Bekannte treffen sich. Es wird gegrĂŒĂŸt, geschwĂ€tzt, gescherzt und natĂŒrlich immer wieder eingekehrt. In den Straußenwirtschaften der Gassen, auf dem Hutplatz, dem Marktplatz oder bei Hutter im Schloss. Die Jugend sammelt sich am Auto-Scooter, junge Erwachsene, Mittelalter und gehobenes Alter finden sich gut durchmischt ĂŒberall zusammen.

Treffpunkt Kerwe.

 

Ich gebe zu: Es ist tatsĂ€chlich meine erste Weinheimer Kerwe. Das Weinheimblog.de ist ja auch erst Ende 2010 gestartet und im vergangenen Sommer haben wir wegen der Betriebsferien auf einen Bericht verzichtet. Ein Fehler, wie ich heuer feststellen muss. Außerdem berichten wir zurĂŒckhaltend ĂŒber FestivitĂ€ten, weil sie journalistisch hĂ€ufig nicht mehr zu bieten haben, als die Tageszeitungen in schwĂŒlstigen Artikel beschreiben: „Der Wettergott meinte es gut mit den GĂ€sten, der kĂŒhle Gerstensaft floss in Strömen und die Luft war erfĂŒllt vom Duft leckerer BratwĂŒrste.“ Wir nennen das „Bratwurstjournalismus“ – Berichte ohne jede journalistische Relevanz.

Ich gebe auch zu: Ich habe mich in die Weinheimer Kerwe „verliebt“. Auch, weil meine Frau mir zu allen PlĂ€tzen Geschichten aus ihrer Jugend erzĂ€hlt, zum Beispiel solche:

Mein erster Freund hatte mich 14 mal zum Auto-Scooter eingeladen. Damit hatte er mich ĂŒberzeugt, dass er es „ernst“ meint.

Wir ziehen lachend weiter. Wir treffen viele Freunde und Bekannte aus Mannheim, Ladenburg, Heddesheim und anderen umliegenden Gemeinden und verbringen zusammen eine schöne, entspannte Zeit in herrlicher FestatmosphÀre.

Viele Attraktionen

Sie zeigt mir die Rutsche an der Höllenstaffel, auf der sie als Kind schon gerutscht ist. Seit vier Jahren gibt es das Angebot als Nachbau der historischen Rutsche wieder und ist eine echte Attraktion. Ebenso das Riesenrad. Aus 34 Metern Höhe hat man tagsĂŒber oder abends einen eindrucksvollen Blick ĂŒber die Stadt und das Kerwetreiben. Das historische Karussel daneben, die „Reitschule“, ist wunderschön und weckt nostalgische GefĂŒhle. AuffĂ€llig ist die hohe QualitĂ€t der StĂ€nde und des Angebots: Klar gibt es auch „Bratwurst“ und „Steakbrötchen“, aber darĂŒber hinaus sehr viele kulinarische Leckerbissen. Empfehlenswert: Der Flammkuchenstand vor dem Rathaus.

Herrliche Illumination im Schlosspark.

Das Musikangebot ist reichhaltig, die Musiker von Corpo Bandistico brachten italienischen Flair auf den Marktplatz. Rund 60 Kneipen, Restaurants und vor allem zahlreiche, urige Straußwirtschaften in den Hinterhöfen der Altstadt laden zum Verweilen und Feiern ein, vom gemĂŒtlichen „Hock“ bis zur discoĂ€hnlichen Sause oder einem Besuch des Handwerkermarkts im Gerberbachviertel ist das Angebot tatsĂ€chlich vielfĂ€ltig. In der MĂŒnzgasse befindet sich das Kerwehaus als Keimzelle des großen Festes mit einer Reihe von Veranstaltungen.

Ein absolutes Erlebnis ist die Illumination des Schlossparks, die „Nacht der tausend Lichter“. Wer das am Samstagabend nicht erlebt hat, hat tatsĂ€chlich etwas verpasst. Ein begehbares Lichtermeer, das, wo man auch steht, immer eindrucksvoll ist.

Die Oberaufsicht hat „Marktmeister“ Stefan Grabinger. Er ist beim Ordnungsamt fĂŒr die Organisation der Kerwe zustĂ€ndig ist. 70 Anbieter mieten sich zur Kerwe ein, davon 15 „FahrgeschĂ€fte“. Wenn die Kerwe 2012 vorbei sein wird, geht es mit der Kerwe 2013 fĂŒr Herrn Grabinger ab September los. Dann wird ausgeschrieben, bis Ende Dezember können sich Anbieter bewerben, bis MĂ€rz wird dann unter 700 Bewerbern ausgewĂ€hlt:

Ich mache das erst im zweiten Jahr – aber es ist klar, dass die Weinheimer Kerwe einen tollen Ruf bei den Anbietern hat, deswegen bekommen wir qualitativ sehr hochwertige Anbieter.

Die neue (historische) Rutsche ist eine Attraktion fĂŒr Kinder.

 

Zwanzig Prozent der PlĂ€tze werden jedes Jahr neu vergeben – das sorgt fĂŒr immer neue Angebote. Wer auf die Kerwe kommt, bestimmt allerdings die Stadt und zeigt dabei ein gutes HĂ€ndchen. Hat aber auch viel Arbeit damit – die StĂ€nde mĂŒssen genau positioniert werden, damit die Sicherheitsvorgaben eingehalten werden. DarĂŒber wacht Platzmeister Michael Schrödelsecker, der die Standbetreiber auch im teils „schwierigen“, weil abschĂŒssigen GelĂ€nde einweist. Vor dem Fest gibt es Abnahmen durch den TÜV und zusammen mit dem VeterinĂ€ramt des Landratsamts prĂŒft das Ordnungsamt die StĂ€nde auf eine ordentliche Hygiene. Und die Kerwe ist auch Chefsache: Am Freitag und Samstag schaut Herr Grabinger nach dem Rechten, am Sonntag Abteilungsleiter Walter Stegmann und am Montag Amtsleiter Markus Böhm.

Jugendliche dieses Jahr unauffÀllig

Die Polizisten Flemming und Hutter kontrollieren Jugendliche.

Am Abend treffe ich Polizeihauptkommissar Albrecht Flemming und seinen Kollegen Oberkommissar Helmut Hutter vom Posten Schriesheim. Flemming ist beim Weinheimer Revier fĂŒr KriminalprĂ€vention zustĂ€ndig und die beiden kontrollieren in Zivil Jugendliche in Sachen Alkohol. Kurz vor 22 Uhr gibt es lange Schlangen im Rewe-Markt – fast ausschließlich Jugendliche und junge Erwachsene, die sich mit Alkohol eindecken. Die beiden Polizisten beobachten das Treiben und ziehen sich Personen heraus, kontrollieren die Ausweise. Und schnell mĂŒssen einige Bier, Wein und Schnaps abgeben. Ein 18-JĂ€hriger, der fĂŒr jĂŒngere „eingekauft“ hat, wird ermahnt. Der krasseste Fall ist ein 14-JĂ€hriger, dem die Beamten eine Flasche Wodka abnehmen mĂŒssen.

Mit dabei ist auch Herr Grabinger. Zusammen mit den Polizisten entsorgt er Alkoholika in die Kanalisation. Wenn telefonisch kontaktierte Eltern die Bitte Ă€ußern, „bewahren“ die Polizisten den Alkohol auch auf – der kann dann von den Eltern auf dem Revier abgeholt werden. Die meisten geben aber das OK zum WegschĂŒtten. Flemmings Bilanz ĂŒber die ersten zwei Tage:

Insgesamt sind die Jugendlichen dieses Jahr sehr vernĂŒnftig. Wir wissen, dass die Jugend sich ĂŒber Facebook ĂŒber unsere Kontrollen ausgetauscht hat. Anscheinend hilft das.

Ganz klar können zwei Beamte nicht das ganze Fest abdecken – aber allein die Tatsache, dass kontrolliert wird, hĂ€lt wohl viele vom „Rucksacksaufen“ ab. Zu den acht Beamten, die nur fĂŒr die Kerwe Extra-Dienst schieben kommen nochmal neun Beamte der Bereitschaftspolizei aus Bruchsal. Nennenswerte EinsĂ€tze gibt es fĂŒr die Polizei nicht – fĂŒr ein Fest mit 50.000 Besuchern fast „erstaunlich“. Das freut auch den OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard:

FĂŒr mich ist das die BestĂ€tigung fĂŒr den konsequenten aber auch behutsamen Umgang mit den Themen Sicherheit und Ordnung und einem bestens organisierten Zusammenspiel der SicherheitskrĂ€fte vor Ort.

Der Marktplatz am Samstagabend – gestoppte voll.

 

Koordinierte Sicherheit

Gemeinsam mit der Feuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) haben Polizei und Mitarbeiter des Ordnungsamts im Alten Rathaus eine gemeinsame Einsatzentrale eingerichtet. Hier sind sie „mittendrin“. Martina Schwindt, Einsatzleiterin beim DRK Weinheim berichtet bis zum frĂŒhen Sonntagabend von nur 24 Versorgungen – im vergangenen Jahr seien es im selben Zeitraum bereits 40 Versorgungen gewesen. Auch die Schwere der Verletzungen sei zurĂŒckgegangen. Waren es im letzten Jahr mehr SchlĂ€gereien und stark alkoholisierte Besucher, so seien es in diesem Jahr mehr Insektenstiche und kleinere Platzwunden zu versorgen gewesen. Einen medizinischen Notfall gab es am Samstagabend – eine Frau musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht beobachtete den Rekordbesuch allerdings mit gemischten GefĂŒhlen:

Es war bisher eine sehr ruhige Kerwe, allerdings ist gerade im Gerberbachviertel in den Abendstunden in der MĂŒnzgasse und Judengasse fĂŒr RettungskrĂ€fte kaum ein Durchkommen. WĂ€re es hier zu einem Einsatz gekommen, hĂ€tte das die Feuerwehr vor grĂ¶ĂŸere Probleme gestellt.

Deswegen hat Ordnungsamtsmitarbeiter Grabinger auch ein Auge auf „illegale“ StĂ€nde. Ruckzuck bauen „fliegende StraßenhĂ€ndler“ diese auf und versperren so Rettungswege. Aktuell musste er in der Hauptstraße zwei Mal „Indios“ mit SchmuckstĂ€nden vertreiben. Ansonsten gab es kaum Probleme – der Kerwebetrieb lĂ€uft reibungslos.

Am Montag gibt es mit der „Gerberbachregatta“ fĂŒr die Kinder der Stadt ein spannendes Angebot. In der gesamten Altstadt wird auf den PlĂ€tzen und in den Höfen sowie im Schlosspark Live-Musik zum Abschluss der Kerwe geboten – es lohnt sich sicher, dieses ganz herausragende Volksfest zu besuchen. Stimmung und Angebote sind einzigartig und machen die Weinheimer Kerwe nicht nur zum grĂ¶ĂŸten Sommerfest an der Bergstraße, sondern auch zu einem der liebenswertesten.

Viel Freude mit den Fotos!

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Anm. d. Red.: Aktualisiert am 13. August 2012 mit weiteren Fotos. Mit Material der Pressestelle der Stadt Weinheim.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.