Freitag, 28. Juli 2017

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In Mannheim ermittelt jetzt Olivia von Sassen

Wut im Quadrat

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Mannheim/Weinheim, 13. Dezember 2013. (red) Die Heidelberger haben ihren Krimi um den Ermittler Alexander Gerlach schon länger und jetzt gibt es auch in Mannheim ein Ermittlerteam. Mit seinem Erstling „Wut im Quadrat“ hat Alexander Emmerich den Mannheimern endlich einen Tatort verpasst, spielt der doch normalerweise jenseits des Rheins in Ludwigshafen. (Wir verlosen drei Exemplare).

Von Sabine Prothmann

Die junge Kommissarin Olivia von Sassen wird von Berlin nach Mannheim versetzt – der Grund wird im ersten Krimi nicht aufgedeckt – und beobachtet bei der Anreise aus dem Fenster ihres rollenden ICE einen Mord in einer stehenden S-Bahn auf dem Nachbargleis auf dem Mannheimer Rangierbahnhof.

Daraus entwickelt sich – nach ersten Zweifeln der neuen Kollegen, denn es gibt zunächst keine Leiche – schnell ihr erster Fall in Mannheim. Und gemeinsam mit der Ermittlerin entdeckt der Mannheim unkundige Leser die Stadt und der Mannheim-Kenner kann sich über vertraute Schauplätze freuen.

Viel Lokalkolorit

Wut-KrimiDer Roman ist mit viel Lokalkolorit angereichert und nebenbei erfährt man, dass das Spaghettieis in Mannheim erfunden wurde und wie prächtig die Stadt mal gewesen ist und vor allem die Besonderheit der Quadrate wird immer wieder thematisiert – „Mannheim ist wie New York – nur flacher“ twittert Olivia so auch nach ihrer ersten Nacht.

Mit Olivia fährt man zum Strandbad, geht zum Poetry Slam in die Feuerwache, an den City Beach, entdeckt den Jungbusch, die Neckarstadt und die Schwetzinger Vorstadt. Als Historiker lässt es sich Emmerich auch nicht nehmen, zu erwähnen, dass Mannheim Ende des 18. Jahrhunderts neben Wien das Zentrum klassischer Musik war und dass 1967 die Universität gegründet wurde.

Die Handlung entwickelt sich recht spannend und an die Seite der jungen Berlinerin stellt der Autor den Urmannheimer Moritz Martin einen sympathischen Ermittler, der anders als Olivia – die ein absoluter Technikfreak und ständig online ist – zwar wenig von Technik aber viel von Autos versteht und sich als Morgenmuffel halb schlafend durch die Stadt kutschieren lässt. In der Beziehung der beiden steckt eindeutig Entwicklungspotential und eine Liebesbeziehung in einem nächsten Krimi scheint nicht ausgeschlossen.

So ermitteln die beiden fleißig durch die unterschiedlichsten Mannheimer Milieus. Sie besuchen einen Tattoo-Shop auf dem Waldhof und Olivia bekommt nebenbei eine kleine Einführung in die Geschichte des Mannheimer Fußballs. Die Entführung eines kleinen Jungens führt die beiden Kommissare auch nach Weinheim, in ein Wohngebiet „in bester Hanglage“.

sassen

1.271 Follower sind ordentlich.

Aktuelle lokale Themen wie die geplante Bundesgartenschau 2023 oder das Hochwasser am Rhein verankern die Handlung in Ort und Zeit.

SchlĂĽssige Story – ungelenke Sprache

Die Story ist schlĂĽssig und sorgt zum Ende auch fĂĽr einige Ăśberraschungen, da hat Alexander Emmerich seine Hausaufgaben gemacht.

Die Sprache dagegen ist oft ungelenk, Aussagen der Protagonisten wie „Frauen stehen auf Ordnung“ wimmeln von Allgemeinplätzen und die kursiv gesetzten Gedanken Olivias stören den Lesefluss und machen die Figur nicht, wie vermutlich beabsichtigt, lebendiger. Dazu bleiben die Charaktere leider recht blass und wenig vielschichtig.

Dass er anders kann, zeigt Emmerich im Prolog. Akribisch und detailliert beschreibt er Wut, die Entstehung und deren Folgen. Dabei entwickelt er emotionale Tiefe und hinterlässt verstörende Beklemmung.

Bild Emmerich 2

Alexander Emmerich. Foto: G. Braun Verlag

Bis zum Ende erfährt der Leser nicht, warum Olivia nach Mannheim (straf?)versetzt wurde, das macht natürlich neugierig und Lust auf die Fortsetzung.

Auch die AnkĂĽndigung des Verlags, dass man Olivia auf Twitter und in Facebook weiter folgen kann, versucht den Leser zu binden und in Zeiten von Web 2.0 ist das ein netter Versuch die Verbindung zwischen Buch und Internet zu schaffen. Aber will der Leser wirklich wissen, was eine fiktive Figur twittert?

Gute Krimi-Unterhaltung

Alles in allem ist „Wut im Quadrat“ ein unterhaltsames Buch für Krimi- und Mannheim-Fans und durchaus lesenswert. Eine Fortsetzung könnte die Chance bieten, die Figuren der beiden Ermittler besser auszubauen und die Frage beantworten, warum Olivia von Sassen nach Mannheim gekommen ist.

Info: Alexander Emmerich, Jahrgang 1974, lebt in Mannheim und Paris. Während er im Zug zwischen beiden Städten pendelt, schreibt er Kriminalliteratur, Sachbücher, Drehbücher und Hörbücher. Darüber hinaus arbeitet er im Bereich der digitalen Kommunikation. Der nächste Krimi um Olivia von Sassen und Moritz Martin ist in der Mache.

Wut im Quadrat
G. Braun Verlag
Erscheinungsjahr 2013.
256 Seiten.
Preis: 12,95 Euro.
ISBN: 9783765088001.

Wir verlosen 3×1 Exemplar. Wie viele Follower auf Twitter hatte Olivia von Sassen, als dieser Artikel erschienen ist? Kriminologen finden das schnell raus.

Sie schreiben uns eine email an redaktion (at) rheinneckarblog.de, Betreff: Verlosung Wut im Quadrat. Wir benötigen Ihre vollständige Anschrift, da wir die Gewinner-Adressen an den Verlag übermitteln. Einsendeschluss: 17. Dezember 2013, 12:00 Uhr. Den Gewinnern wünschen wir jetzt schon eine spannende Lektüre. 🙂

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!

Ăśber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.