Donnerstag, 14. Dezember 2017

Error, no Ad ID set! Check your syntax!
Tausende Menschen sind auf Lebensmittelspenden angewiesen

Schwierige Lage der Tafeln in der Region

Print Friendly, PDF & Email
Betriebe, die den Tafeln Lebensmittel spenden, mĂŒssen keien Umsatzsteuer auf die Sachspende mehr zahlen. Foto: Bundesverband der Tafeln e.V.

Betriebe, die den Tafeln Lebensmittel spenden, mĂŒssen keien Umsatzsteuer auf die Sachspende mehr zahlen. Foto: Bundesverband der Tafeln e.V.

 

Mannheim/Rhein-Neckar, 14. Oktober 2013 (red/ld) Eine Steuer auf Lebensmittelspenden schlug im vergangenen Jahr bei der Mannheimer Tafel ein wie eine Bombe. Ein Dresdner GroßbĂ€cker, der die Tafeln versorgte, sollte plötzlich Steuern zahlen. Ein kleiner Trick hĂ€tte genĂŒgt, um auf Lebensmittelspenden keine Umsatzsteuer bezahlen zu mĂŒssen. Inzwischen hat aber das Finanzministerium reagiert und die Regelung gekippt. Die Mannheimer Tafel versorgt zentral 24 LĂ€den in der Region mit Lebensmitteln, die die abgebenden EinzelhĂ€ndler sonst wegwerfen mĂŒssten. Stattdessen werden sie an bedĂŒrftige Menschen zu gĂŒnstigeren Preisen verkauft. Doch die Lage ist kritisch.

Von Lydia Dartsch

Die Nachricht kam unerwartet im Sommer 2012 und sorgte bei den Lebensmittelspendern des DRK-Kreisverbands Mannheim fĂŒr klingelnde Telefone. Viele EinzelhĂ€ndler und Lebensmittelerzeuger, die ablaufende Waren an die Tafeln spenden, fragten bei Uwe Mauch, Leiter der Tafeln Mannheim, Edingen-Neckarhausen und Hockenheim, nach. Die BefĂŒrchtung der Spender:

Wenn wir Steuern auf unsere Lebensmittelspenden bezahlen sollen, mĂŒssen wir die Waren wegwerfen.

Der Fall eines Dresdner BĂ€ckers hatte die Spender aufschrecken lassen: Jahrelang hatte dieser ĂŒbrig gebliebene Backwaren an die Dresdner Tafel gespendet, anstatt sie wegzuwerfen. Den Wert der Spende hatte er sich mit Spendenquittungen bescheinigen lassen. Das Finanzamt forderte darauf Umsatzsteuer fĂŒr die gespendeten Brötchen. HĂ€tte der BĂ€cker sich die Quittungen nicht ausstellen lassen, wĂ€re das nicht passiert, sagte uns Herr Mauch:

Ohne Spendenquittung wÀre der Wert der Spende gleich Null gewesen und es wÀre keine Steuer fÀllig gewesen.

Mit dieser ErklĂ€rung konnte Herr Mauch seine Lieferanten auch beruhigen. Abgesprungen sind ihm dadurch bisher keine Zulieferer. Herr Mauch ist zustĂ€ndig fĂŒr 24 Tafeln, darunter Mannheim, Weinheim und Edingen-Neckarhausen.

TÀglich holen er und seine Mitarbeiter rund 23 Tonnen Lebensmittel bei 180 Betrieben in der Region ab. Die Waren stehen kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums und können im Einzelhandel nicht mehr verkauft werden. Nur rund zehn Tonnen kann Herr Mauch nach der Vorsortierung noch in den Tafeln verkaufen:

Rund 13 Tonnen mĂŒssen wir tĂ€glich wegwerfen, weil sie gar nicht mehr geeignet sind, verkauft zu werden.

Eigentlich ist die Ware, die die Tafeln verteilen, MĂŒll. So bezeichnet es auch Uwe Mauch:

WĂŒrden die LebensmittelhĂ€ndler sie nicht spenden, mĂŒssten sie sie wegwerfen.

Das Bundesfinanzministerium hatte gegengesteuert und sich „darauf verstĂ€ndigt, auf Lebensmittelspenden an Tafeln oder sonstige Einrichtungen fĂŒr BedĂŒrftige keine Mehrwertsteuer zu erheben. Bei begrenzt haltbaren Lebensmitteln soll der Wert nach Ladenschluss regelmĂ€ĂŸig null Euro betragen.“ So falle keine Umsatzsteuer an, heißt es dazu beim Ministerium.

Eine Änderung, die den Tafeln zu Gute kommt. Denn sie sind auf die Lebensmittelspenden angewiesen. So können allein nur in Mannheim 10.000 Menschen versorgt werden – nur ein Viertel derer, die in der Stadt unterhalb der Armutsgrenze leben. Herr Mauch kann die Zahl von 40.000 bedĂŒrftigen Menschen nur schĂ€tzen – die Stadt Mannheim zĂ€hlt 27.381 Menschen, die Hartz-IV beziehen. Darunter Arbeitslose, sogenannte Aufstocker und Kinder. Dazu kommen weitere zehntausende BedĂŒrftige in der Region.

FĂŒr Herrn Mauch könnte sich die Politik aber noch weiter bewegen: Trotz der Einnahmen durch den Verkauf der verbilligten Lebensmittel hĂ€ufen sich 170.000 Euro Schulden im Jahr bei der Mannheimer Tafel an. Der Großteil der Kosten fĂ€llt fĂŒr die Vorsortierung der Lebensmittel, die VerkaufsrĂ€ume und das Personal an. Dazu kommen die MĂŒllgebĂŒhren fĂŒr die 13 Tonnen Lebensmittel tĂ€glich, die Herr Mauch nicht mehr verkaufen kann. Noch wird der Fehlbetrag durch FördermitgliedsbeitrĂ€ge gedeckt. Wie lange das so weiter gehen kann, weiß er nicht.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.