Freitag, 14. Dezember 2018

Das zweite Leben der Jenny Knorra

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Weinheim, 15. September 2011. (red/pm) Stadt und Polizei ehrten Lebensretter.-  Der Weinheimer OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard sagte: „Die ganze Stadt ist dankbar.“

Jenny Knorra mit ihren Lebensrettern,- Polizeichef JĂŒrgen Helfrich (ganz links) und OB Bernhard.

Information der Stadt Weinheim:

„Auf den Kuverts, die Jenny Knorra in dieser Woche mit ins Rathaus brachte, war eine Sonnenblume gemalt. Und fĂŒnf Sonnenblumen hatte die junge Frau auch in der Hand. „Danke fĂŒr ein zweites Leben“, stand auf den Briefen. Deren Adressaten waren fĂŒnf MĂ€nner aus Weinheim und Umgebung: zwei Polizisten des Weinheimer Reviers und drei BĂŒrger, die Weinheims Polizeichef JĂŒrgen Helfrich und OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard fĂŒr den Verein kommunale KriminalprĂ€vention als „Lebensretter“ auszeichneten – völlig zu Recht.

Es geschah im Juni dieses Jahres. Die heute 31-jĂ€hrige Weinheimerin Jenny Knorra, Mutter von drei Kindern und damals in einem psychisch labilen Zustand, wollte sich das Leben nehmen. Wie in Trance begab sie sich auf die Schnellstraße B 38 und dort zur BrĂŒcke, die ĂŒber einen Feldweg und die Eisenbahnstrecke fĂŒhrt. Dort saß sie eine Weile, irgendwo zwischen Himmel und Hölle.

Hunderte von Autofahrern rauschten und schauten vorbei. Aber einer wurde stutzig: Andreas Jeck aus Laudenbach. Er alarmierte die Weinheimer Polizei, die sofort die Dramatik der Lage erkannte und zwei Beamte rausschickte: den routinierten Schutzmann Peter Demel und den 23-jĂ€hrigen Auszubildenden Sebastian Keil. Es war höchste Eisenbahn: Sie bekamen die lebensmĂŒde Frau quasi in letzter Sekunde zu fassen, also sie von der BrĂŒcke in den Tod springen wollte. Aber beide schafften es nicht alleine, sie wieder nach oben zu ziehen. Da kamen zwei Motorradfahrer vorbei: der 40-jĂ€hrige Stephan Jakob aus Mörlenbach und der 49-jĂ€hrige Dieter SchlĂŒter aus Rimbach, zwei Arbeitskollegen. Sie eilten der Polizei zu Hilfe – und kurz darauf war Jenny Knorra am Leben.

Damals wollte die Frau im Zustand der Verzweiflung sterben. Heute ist sie lebensfroh, dass sie daran gehindert wurde. Deshalb ihre Geste der Dankbarkeit: „Danke fĂŒr ein zweites Leben.“ Eine Monate lange Therapie hat ihr neuen Lebensmut verliehen.

Dieses Verhalten brachte Weinheims OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard jetzt dazu, sich nicht nur bei den Lebensrettern, sondern auch bei der Geretteten zu bedanken. „Die sehr eindrĂŒckliche Art und Weise, wie Sie dieses Erlebnis verarbeiten, weckt bei mir großen Respekt“, gestand der Rathauschef. Aber vor allem gegenĂŒber den beherzten Helfern bekannte der OB: „Sie haben ein Menschenleben gerettet, die gesamte Stadtgesellschaft Weinheim bedankt sich bei Ihnen.“

FĂŒr Polizeichef JĂŒrgen Helfrich war der Vorfall ein Beispiel dafĂŒr, „dass die Polizei immer auf bĂŒrgerschaftliche UnterstĂŒtzung angewiesen ist“. Besonders erkannte er an, dass die Lebensretter sogar „mit eigener GefĂ€hrdung“ die Situation erkannt, richtig eingeschĂ€tzt und geistengegenwĂ€rtig gehandelt haben. Allerdings trĂŒbte ein Wermutstropfen auch die Freude. „Bevor Sie reagiert haben“, bemerkte Helfrich, „sind vorher Tausend andere vorbeigefahren und haben weggesehen“.