Freitag, 22. November 2019

Vortragsreihe zum Stadtjubiläum

Seit 1264 ein „novum oppidum“

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Weinheim, 15. März 2014. (red/pm) Zum Weinheimer Stadtjubiläum bieten das Stadtarchiv und das Museum eine historische Vortragsreihe an. Bei der Auftaktveranstaltung war das Interesse groß.

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Das Interesse an der Auftaktveranstaltung war groß. Foto: Stadt Weinheim

Information der Stadt Weinheim:

„Zum Auftakt reichten die Stühle im Alten Rathaus am Marktplatz nicht aus. Die Leute saßen geduldig auf dem Boden oder lehnten an der Wand. Nach Hause ging niemand. Es wurde auch niemandem langweilig. Das Interesse an der Geschichte der Stadt Weinheim ist im Jubiläumsjahr besonders groß.

Das hat jetzt der Beginn einer Vortragsreihe bewiesen, mit der Stadtarchiv und Museum das Weinheimer Jubiläumsjahr „750 Jahre Stadt Weinheim“ begleiten. Der Heppenheimer Geschichtsprofessor Dr. Karl Härter befasste sich dabei – trotz des komplexen Themas – anschaulich mit dem Thema „Das schwere Lorscher Erbe: Die Bergstraße und die Stadt Weinheim zwischen Kurmainz und Kurpfalz 1232-1650“.

Mai: Der Schiedsspruch des Jahres 1264

Pro Quartal ist jetzt immer ein weiterer Vortrag mit Themen der Weinheimer Stadtgeschichte geplant. Veranstaltungsort ist immer der Bürgersaal im Alten Rathaus am Marktplatz, der Vortrag beginnt stets um 20 Uhr und der Eintritt ist immer frei, immer dienstags ist Geschichtsstunde. Der nächste Termin ist der Dienstag, 06. Mai. Der Karlsruher Professor Dr. Volker Rödel befasst sich dann intensiv mit dem „Schiedsspruch von 1264 – Weinheim als kurpfälzische Stadt bis ans Ende des Mittelalters“.

Hintergrund: Nachdem das Kloster Lorsch 1232 seine Reichsunmittelbarkeit verloren hatte, bildete Weinheim einen Brennpunkt im Streit der Erzbischöfe von Mainz und der Pfalzgrafen bei Rhein um die Nachfolge in dessen Besitz. Dank eines 1264 in zwei Etappen zustande gekommenen Schiedsspruchs konnte sich die Siedlung zur Stadt weiterentwickeln, da Pfalzgraf Ludwig II. das bessere Recht daran zugesprochen wurde und er nun ermächtigt war, die Neustadt zu erbauen und unter gewissen Bedingungen Lorscher Eigenleute dort aufzunehmen.

Dieser durch zahlreiche Schiedsleute mühsam zustande gebrachte Vergleich ermöglicht einen guten Einblick in die Sozial- und Rechtsverhältnisse jener Zeit. Er schuf die Grundlage für die Entstehung der Stadt im Rechtssinne und ihre weitere Entwicklung im Spätmittelalter, auf die ein Ausblick gegeben wird.

Juli: Jahrhundert der Kriege

Am Dienstag 01. Juli, 20:00 Uhr, beschäftigt sich der aus Weinheim stammende Historiker Rainer Gutjahr mit dem „Jahrhundert der Kriege – Weinheim im 17. Jahrhundert“. Die Politik der reformierten Heidelberger Wittelsbacher – der Kurfürsten Friedrich IV. und Friedrich V. – führte ihr Land und damit auch ihre Weinheimer Untertanen aus einem längst löchrig gewordenen Frieden in die Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges.

Eine der ersten Folgen war die Inbesitznahme des kurpfälzischen Landes am unteren Neckar durch den katholischen Münchener Wittelsbacher, den Bayernherzog Maximilian, der auch die Pfälzer Kurwürde an sich reißt.
Erst der Westfälische Friede gibt die Kurpfalz an Karl Ludwig aus der angestammten Linie Pfalz-Simmern zurück. Dieser betreibt den Wiederaufbau des verwüsteten und entvölkerten Territoriums, setzt aber die erzielten Erfolge durch eine an Konflikten reiche Außenpolitik aufs Spiel.

Sein Versuch, durch die Verheiratung seiner Tochter Elisabeth Charlotte mit dem Bruder des „Sonnenkönigs“ sich das Wohlwollen Frankreichs zu sichern, bewirkt letztlich das Gegenteil: unter dem Vorwand von Erbansprüchen bricht Ludwig XIV. den Pfälzischen Erbfolgekrieg vom Zaun, der die Lande an Rhein und Neckar in Schutt und Asche legt.

Weinheim geht aus diesem Krieg immerhin halbwegs „aufrecht“ hervor, was den Bürgern aber die zweifelhafte Ehre einbringt, zu Ende des Jahrhunderts neben Kurpfälzer Regierungs-, Verwaltungs- und Universitätsinstanzen die Hofhaltung des Kurfürsten Johann Wilhelm aus der katholischen Wittelsbacher Linie Pfalz-Neuburg und seiner Gemahlin Anna Maria Luisa von Medici aufnehmen zu müssen.

Oktober: Der Adel in der Kurpfalz

„viele adeliche Häuser. . .“ Stadtsitze und Landschlösser des Adels in der Kurpfalz im 18. Jahrhundert – so lautet der Vortrag, der die Reihe am Dienstag, 7. Oktober, 20 Uhr, abschließt. Er wird gehalten von Dr. Harald Stockert aus Mannheim.

Das Thema: 1720 verlegt Kurfürst Karl Philipp von der Pfalz seine Residenz von Heidelberg nach Mannheim. Zahlreiche Adelsfamilien folgen ihm nach. Die Quadratestadt wird zur „Stadt des Adels“, die Kurpfalz zur „Adelslandschaft“. Denn die Region zieht viele Freiherren, Grafen und Fürsten an, die hier sesshaft werden. Und auch in der Region beheimatete Geschlechter wie die Ulner von Dieburg aus Weinheim wenden sich nun wieder der Kurpfalz zu.

In Mannheim errichten sie repräsentative Stadthäuser, die jedoch zum größten Teil die Zeiten nicht überstanden haben. Anders verhält es sich auf dem Land, wo die Adligen ebenfalls Schlösser und Herrensitze errichten. Ob Leutershausen oder Fußgönheim, Maudach oder Ilvesheim, Trippstadt und nicht zuletzt Weinheim – links wie rechts des Rheins bestehen die meisten ihrer Bauten heute noch und erinnern an die adlige Vergangenheit der Kurpfalz.“

Über Alina Eisenhardt

Alina Eisenhardt (23) ist seit 2012 freie Mitarbeiterin bei uns, macht Redaktion, schreibt Texte und ist für "Unsere Metropolregion - Newsletter" verantwortlich. Sie studiert Psychologie.