Samstag, 26. Mai 2018

Rekord: 1.010 EinsÀtze sind eine beachtliche Leistung

„2013 war ein Brandjahr“

Print Friendly, PDF & Email
Der Dachstuhl brannte völlig aus

Brand in der Breslauer Straße im Mai 2013. Der Dachstuhl brannte völlig aus.

 

Weinheim, 16. Januar 2014. (red) Es ist ein Rekordjahr – ob man sich aber darĂŒber freuen sollte? Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht hat heute die Einsatzstatistik fĂŒr das Jahr 2013 vorgestellt: 1.010 EinsĂ€tze. GegenĂŒber 2012 mit 706 EinsĂ€tzen gibt es eine damit fast eine Steigerung um 50 Prozent.

Von Hardy Prothmann

Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht kann vor allem eins sein: Stolz auf die Leistungsbereitschaft und Einsatzfreude seiner 330 aktiven Feuerwehrleute. Und das ist er auch:

Wir sind eine schlagkrĂ€ftige Mannschaft – aber die Belastungen waren 2013 schon sehr hoch. Die Feuerwehr zĂ€hlt sieben Mitglieder im Feuerwehrseelsorgeteam, die eine erste psychsoziale Notfallversorgung anbieten.

Insbesondere die BrĂ€nde Breslauer Straße und im GRN-Zentrum haben die Feuerwehr sehr gefordert. Sie sind körperlich anstrengend, aber auch psychisch. Es geht oft um Leben oder Tod. Mit insgesamt neun TodesfĂ€llen waren die ehrenamtlichen KrĂ€fte 2013 konfrontiert.

Die positive Nachricht: 223 Menschen konnten gerettet werden. In der Sturmnacht, als die Wachenburg und ein Zug evakuiert werden mussten beispielsweise. 35 Verletzte hat es ĂŒbers Jahr gegeben, denen die Feuerwehr aus misslichen Lagen geholfen hat. 13.594 Einsatzstunden wurden geleistet. Das ist sehr beachtlich.

Die Freiwillige Feuerwehr Weinheim stellt auch hier besondere Zahlen vor. Gut 12 Prozent der Feuerwehrleute sind Frauen, der Bundesdurchschnitt liegt unter zehn Prozent:

Unsere Frauen sind vollwertige Kameradinnen und stehen den MĂ€nnern in nichts nach. Die wollen und können „hinlangen“,

lobt der Chef das ĂŒberhaupt nicht „schwache Geschlecht“. Mit 140 Mitgliedern in der Altersmannschaft und 145 in der Jugendfeuerwehr gibt es traditionell einen hohen RĂŒckhalt und einen Nachwuchs, mit dem die Wehr auch zukĂŒnftig gut aufgestellt sein wird. Und in der Kinderfeuerwehr lernen schon 40 Kinder spielerisch den Umgang mit Gefahrensituationen.

120 BrĂ€nde gab es 2013 – 25 mehr als im Vorjahr. Eine ErklĂ€rung hat der Stadtbrandmeister dafĂŒr nicht:

Ich konnte keine gehÀuften Leichtsinn ausmachen oder unhaltbare ZustÀnde. Es waren einfach mehr BrÀnde als sonst. Es gibt immer wieder solche Jahre. 2013 war ein Brandjahr.

Die EinsĂ€tze teilen sich in 874 FeuerwehreinsĂ€tze und 136 Brandsicherheitswachen auf. Bei den EinsĂ€tzen dominieren die „Technischen Hilfeleistungen“ mit 387. Besonders hervorzuheben sind die 90 NotfalleinsĂ€tze. Seit geraumer Zeit erwerben Feuerwehrleute Zusatzqualifikationen als Ersthelfer und wie sinnvoll das ist, zeigt die hohe Zahl der EinsĂ€tze.

Die Zahl der Fehlalarme, ob mutwillig ausgelöst oder durch Fehler der Brandmeldeanlagen liegt mit 107 FÀllen im normalen Durchschnitt.

Und die Feuerwehr ist fix: Im Durchschnitt erreicht sie in 4,61 Minuten die Einsatzorte.

Rund die HĂ€lfte der EinsĂ€tze geht auf das Konto der Abteilung Stadt. Wer sich mit der Feuerwehr auskennt, weiß, dass das ein sensibles Thema ist – denn die Belastung der Angehörigen dieser Abteilung ist im Vergleich sehr viel höher. Gleichzeitig ist die Leistungsbereitschaft ungebrochen und „abgeben“ an andere Abteilungen wie Sulzbach oder Hohensachsen wird intern durchaus kontrovers diskutiert. In den kleineren Abteilungen gibt es aber viele Kameraden, die gerne ihre FĂ€higkeiten mit einbringen wollen.

 

feuerwehr weinheim-1

(von links) Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht, Stellvertreter Volker JĂ€ger, Stellvertreter Andreas Schmitt.

 

Eine durchaus sensible Konstellation – die Konkurrenz entsteht durch Leistungswillen. Trotzdem ist es eine Debatte, die gefĂŒhrt werden muss und wird, auch wenn sich Reinhold Albrecht zurĂŒckhaltend gibt:

Ich kann Ihnen bestĂ€tigen, dass ĂŒber „Neuordnungen“ nachgedacht wird – aber dazu will, muss und werde ich erstmal viele GesprĂ€che fĂŒhren, um am Ende gemeinsam optimale Lösungen zu finden.

Es geht hierbei sicher um ein kleines Dilemma, dass Herr Albrecht lösen muss. Er ist verantwortlich fĂŒr seine Kameraden, verlangt ihnen viel ab, muss aber auch darauf achten, dass er sie nicht ĂŒberfordert und niemand eine „Neuverteilung“ als „Abwertung“ versteht. Das Ziel muss immer einer optimale EinsatzfĂ€higkeit sein. Und auch engagierte Feuerwehrleute sind nur Menschen mit Grenzen.

Erweitert wird die Arbeit der Weinheimer Feuerwehr durch die Kooperationen mit anderen. Stadtbrandmeister Albrecht lobte denn auch insbesondere die Zusammenarbeit mit den Werksfeuerwehren von Freudenberg und Naturin, aber auch Nachbarn wie Viernheim und natĂŒrlich alle Wehren im Raum, die in vielerlei Hinsicht miteinander kooperieren.

Von unserer Seite aus gibt es ein Extra-Lob an die Feuerwehr Weinheim. Die Öffentlichkeitsarbeit ist vorbildlich – was wir auch bei anderen Wehren in unserem Berichtsgebiet merken. Hier orientiert man sich mehr und mehr am Vorbild Weinheim, was den Wehren in den Gemeinden, den Menschen und vor allem der öffentlichen WertschĂ€tzung nutzt.

In diesem Jahr sind die bekannten Herausforderungen die Kerwe, der Segelflugtag, die Konzerte im Schlosspark und natĂŒrlich das StadtjubilĂ€um.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.