Montag, 11. Dezember 2017

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Rekord: 1.010 Einsätze sind eine beachtliche Leistung

„2013 war ein Brandjahr“

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Der Dachstuhl brannte völlig aus

Brand in der Breslauer Straße im Mai 2013. Der Dachstuhl brannte völlig aus.

 

Weinheim, 16. Januar 2014. (red) Es ist ein Rekordjahr – ob man sich aber dar√ľber freuen sollte? Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht hat heute die Einsatzstatistik f√ľr das Jahr 2013 vorgestellt: 1.010 Eins√§tze. Gegen√ľber 2012 mit 706 Eins√§tzen gibt es eine damit fast eine Steigerung um 50 Prozent.

Von Hardy Prothmann

Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht kann vor allem eins sein: Stolz auf die Leistungsbereitschaft und Einsatzfreude seiner 330 aktiven Feuerwehrleute. Und das ist er auch:

Wir sind eine schlagkräftige Mannschaft Рaber die Belastungen waren 2013 schon sehr hoch. Die Feuerwehr zählt sieben Mitglieder im Feuerwehrseelsorgeteam, die eine erste psychsoziale Notfallversorgung anbieten.

Insbesondere die Brände Breslauer Straße und im GRN-Zentrum haben die Feuerwehr sehr gefordert. Sie sind körperlich anstrengend, aber auch psychisch. Es geht oft um Leben oder Tod. Mit insgesamt neun Todesfällen waren die ehrenamtlichen Kräfte 2013 konfrontiert.

Die positive Nachricht: 223 Menschen konnten gerettet werden. In der Sturmnacht, als die Wachenburg und ein Zug evakuiert werden mussten beispielsweise. 35 Verletzte hat es √ľbers Jahr gegeben, denen die Feuerwehr aus misslichen Lagen geholfen hat. 13.594 Einsatzstunden wurden geleistet. Das ist sehr beachtlich.

Die Freiwillige Feuerwehr Weinheim stellt auch hier besondere Zahlen vor. Gut 12 Prozent der Feuerwehrleute sind Frauen, der Bundesdurchschnitt liegt unter zehn Prozent:

Unsere Frauen sind vollwertige Kameradinnen und stehen den M√§nnern in nichts nach. Die wollen und k√∂nnen „hinlangen“,

lobt der Chef das √ľberhaupt nicht „schwache Geschlecht“. Mit 140 Mitgliedern in der Altersmannschaft und 145 in der Jugendfeuerwehr gibt es traditionell einen hohen R√ľckhalt und einen Nachwuchs, mit dem die Wehr auch zuk√ľnftig gut aufgestellt sein wird. Und in der Kinderfeuerwehr lernen schon 40 Kinder spielerisch den Umgang mit Gefahrensituationen.

120 Br√§nde gab es 2013 – 25 mehr als im Vorjahr. Eine Erkl√§rung hat der Stadtbrandmeister daf√ľr nicht:

Ich konnte keine gehäuften Leichtsinn ausmachen oder unhaltbare Zustände. Es waren einfach mehr Brände als sonst. Es gibt immer wieder solche Jahre. 2013 war ein Brandjahr.

Die Eins√§tze teilen sich in 874 Feuerwehreins√§tze und 136 Brandsicherheitswachen auf. Bei den Eins√§tzen dominieren die „Technischen Hilfeleistungen“ mit 387. Besonders hervorzuheben sind die 90 Notfalleins√§tze. Seit geraumer Zeit erwerben Feuerwehrleute Zusatzqualifikationen als Ersthelfer und wie sinnvoll das ist, zeigt die hohe Zahl der Eins√§tze.

Die Zahl der Fehlalarme, ob mutwillig ausgelöst oder durch Fehler der Brandmeldeanlagen liegt mit 107 Fällen im normalen Durchschnitt.

Und die Feuerwehr ist fix: Im Durchschnitt erreicht sie in 4,61 Minuten die Einsatzorte.

Rund die H√§lfte der Eins√§tze geht auf das Konto der Abteilung Stadt. Wer sich mit der Feuerwehr auskennt, wei√ü, dass das ein sensibles Thema ist – denn die Belastung der Angeh√∂rigen dieser Abteilung ist im Vergleich sehr viel h√∂her. Gleichzeitig ist die Leistungsbereitschaft ungebrochen und „abgeben“ an andere Abteilungen wie Sulzbach oder Hohensachsen wird intern durchaus kontrovers diskutiert. In den kleineren Abteilungen gibt es aber viele Kameraden, die gerne ihre F√§higkeiten mit einbringen wollen.

 

feuerwehr weinheim-1

(von links) Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht, Stellvertreter Volker Jäger, Stellvertreter Andreas Schmitt.

 

Eine durchaus sensible Konstellation – die Konkurrenz entsteht durch Leistungswillen. Trotzdem ist es eine Debatte, die gef√ľhrt werden muss und wird, auch wenn sich Reinhold Albrecht zur√ľckhaltend gibt:

Ich kann Ihnen best√§tigen, dass √ľber „Neuordnungen“ nachgedacht wird – aber dazu will, muss und werde ich erstmal viele Gespr√§che f√ľhren, um am Ende gemeinsam optimale L√∂sungen zu finden.

Es geht hierbei sicher um ein kleines Dilemma, dass Herr Albrecht l√∂sen muss. Er ist verantwortlich f√ľr seine Kameraden, verlangt ihnen viel ab, muss aber auch darauf achten, dass er sie nicht √ľberfordert und niemand eine „Neuverteilung“ als „Abwertung“ versteht. Das Ziel muss immer einer optimale Einsatzf√§higkeit sein. Und auch engagierte Feuerwehrleute sind nur Menschen mit Grenzen.

Erweitert wird die Arbeit der Weinheimer Feuerwehr durch die Kooperationen mit anderen. Stadtbrandmeister Albrecht lobte denn auch insbesondere die Zusammenarbeit mit den Werksfeuerwehren von Freudenberg und Naturin, aber auch Nachbarn wie Viernheim und nat√ľrlich alle Wehren im Raum, die in vielerlei Hinsicht miteinander kooperieren.

Von unserer Seite aus gibt es ein Extra-Lob an die Feuerwehr Weinheim. Die √Ėffentlichkeitsarbeit ist vorbildlich – was wir auch bei anderen Wehren in unserem Berichtsgebiet merken. Hier orientiert man sich mehr und mehr am Vorbild Weinheim, was den Wehren in den Gemeinden, den Menschen und vor allem der √∂ffentlichen Wertsch√§tzung nutzt.

In diesem Jahr sind die bekannten Herausforderungen die Kerwe, der Segelflugtag, die Konzerte im Schlosspark und nat√ľrlich das Stadtjubil√§um.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.