Montag, 24. Juli 2017

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Gemeinderat beschließt, Planung Nordanbindung Freudenberg fortzusetzen

OB Bernhard: „Hände hoch!“

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Wenn es nach der Stadtverwaltung geht gelangen Traktoren und Erntemaschinen künftig entweder über Sulzbach oder die B38 auf die Felder nördlich der Freudenberg.

Wie kommen Traktoren und Erntemaschinen künftig auf die Felder nördlich der Freudenberg? Die Langmaasbrücke soll durch eine Geh- und Radwegbrücke ersetzt werden.

 

Weinheim, 16. Januar 2013. (red/ld) Die Nordanbindung an das Freudenberg-Werksgelände wird für die Stadt mit 778.000 Euro mehr als doppelt so teuer wie bisher angenommen. Trotzdem soll die Verwaltung das Planungsvorhaben weiter vorantreiben, beschloss gestern der Gemeinderat nach langer Debatte mehrheitlich. Hauptkritikpunkte sind die Kostenbeteiligung der Stadt und der Ersatz für die Langmaasbrücke.

Von Lydia Dartsch

Der Feldweg zwischen B38 und dem Freudenberg-Werksgelände muss für die Nordanbindung bis zur Flächennutzungsplangrenze von der Stadt für Schwerlastverkehr ausgebaut werden. Die Aufstellung des Bebauungsplans dafür hatte der Ausschuss für Technik und Umwelt bereits im vergangenen Mai beschlossen. Im Zuge des Ausbaus muss die Fahrbahn der Zufahrt auf 7 Meter verbreitert werden. Außerdem seien weitere Bankette, ein landwirtschaftlicher Wendeweg sowie ein Sonderaufwand für die Entwässerung erforderlich, heißt es dazu in der Vorlage.

Die Stadtverwaltung hatte dem Gemeinderat vorgeschlagen, der Weiterführung der Planung für die Nordanbindung zuzustimmen. Man erwarte eine Entlastung des Stadtverkehrs auf der Viernheimer Straße um täglich 440 Lkw. Dadurch würde die Straße in Zukunft weniger beansprucht und der Lärmpegel in der Stadt sinken. Zudem würde über diesen Weg auch der Personalverkehr abgewickelt, so dass Mitarbeiter der Freudenberg direkt von der B38 zu ihrem Arbeitsplatz gelangen. Dadurch erhoffe man sich auch eine Entlastung der Situation vor dem Kindergarten „Nordlicht“ heißt es in der Vorlage.

Die Vorplanungen des beauftragten Planungsbüros hatten ergeben, dass diese Arbeiten die Stadt 778.000 Euro kosten werden. Mehr als doppelt so viel, als bislang angenommen: 340.000 Euro. Nachdem die CDU-Fraktion, die Freien Wähler und die SPD-Fraktion in ihren Stellungnahmen sowohl der Nordanbindung sowie dem Ersatz der Langmaasbrücke durch eine Geh- und Radwegbrücke einwandlos zugestimmt hatten, schoss die GAL dagegen. Fraktionsvorsitzende Elisabeth Kramer sagte:

Es wundert mich schon, wie einfach Sie das abnicken. Allein die Firma Freudenberg profitiert von der Nordanbindung.

Diese übergroße Kostenbeteiligung seitens der Stadt sei nur dann für sinnvoll, wenn man im Zuge der Nordanbindung das Tiefgewann für die gewerbliche Nutzung erschließen würde, sagte Frau Kramer. Weil dies nicht der Fall sei, beantragte sie die Änderung des Beschlussantrags dahingehend, dass die Planung fortgesetzt werde unter dem Vorbehalt, dass sich die Stadt nur mit der Hälfte der genannten Kosten an der Tresse beteilige, bekam dafür aber keine Mehrheit.

Ein weiterer Baustein der Nordanbindung ist der Abriss der Langmaasbrücke, die durch eine Radfahrer- und Fußgängerbrücke unter Beteiligung der Deutschen Bahn ersetzt werden soll, gleichzeitig soll geprüft werden, was der Bau einer einspurigen Brücke kostet. Wegen der langen Vorlaufzeiten bei Anträgen bei der Bahn würde die Ersatzbrücke erst 2018 fertiggestellt, heißt es in der Vorlage.

Traktoren über Sulzbach oder B38?

Mit einer Geh- und Radwegbrücke würde die Zufahrtsmöglichkeit für den landwirtschaftlichen Verkehr über die Langmaasbrücke abgeschnitten. Um dies zu lösen hatte die Verwaltung gemeinsam mit der Polizeidirektion Heidelberg vorgeschlagen, dass Traktoren und Erntemaschinen den 150 Meter langen Abschnitt der B38 bis zur Zufahrt auf die Felder nutzen könnten. Eine Erhebung im August ergab, dass „in der Saison“ durchschnittlich acht Fahrzeuge am Tag diese Zufahrt benötigten.

Die angestrebte Lösung der Stadt sorgte für weitere Diskussion: Zum einen gibt es derzeit noch keine positive Rückmeldung vom Regierungspräsidium Karlsruhe zur Umleitung des landwirtschaftlichen Verkehrs über die B38. Eine Umleitung über Sulzbach sei außerdem zu weit, bemängelten die Fraktionen. Zum Anderen führe eine Geh- und Radwegbrücke nicht zur gewünschten Entlastung der Parksituation in der Nordstadt, sagte Carsten Labudda.

Die Bedenken richten sich auf die Besucher der Moschee, die für ihre Besuche den Freudenberg-Parkplatz nutzen können. Die CDU-Fraktion geht davon aus, dass bei den Autofahrern eine Art „Lerneffekt“ eintreten werde und sie vorsichtshalber gleich den Freudenberg-Parkplatz anfahren und über die Brücke laufen, weil es zu Stoßzeiten kaum möglich sei, direkt vor der Moschee zu parken.

Dem widersprach Carsten Labudda (Die Linke) und sagte, das entspreche nicht der Denkweise eines Autofahrers:

Man fährt zuerst zur Moschee und schaut, ob man dort einen Parkplatz findet und parkt dann irgendwo in der Nähe.

Es mache auch keinen Sinn, die Planung einer Geh- und Radwegbrücke zu beschließen und gleichzeitig zu schauen, was eine einspurige Brücke koste, sagte Stadtrat Labudda weiter. Eine Entscheidung müsse aber jetzt getroffen werden, sagte Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner. Die Brücke bröckele. Er könne einen Aufschub des Abrisses nicht länger verantworten. Tiefbauamtsleiter Karl-Heinz Bernhardt merkte an, dass er eine Planungsgrundlage benötige, die er bei der Deutschen Bahn einreichen könne. Jede Verzögerung eines Beschlusses bedeute, dass der Neubau der Brücke um ein halbes Jahr nach hinten verschoben werde.

Daraufhin wurde die Sitzung für einige Minuten unterbrochen. Die Fraktionen brachten Änderungsanträge vor. Dann rief Oberbürgermeister Heiner Bernhard zur Abstimmung der einzelnen Punkte und auf: „Hände hoch!“ Mehrheitlich einigen konnten sich die Fraktionen zum Schluss dennoch nur auf den Beschlussantrag der Stadtverwaltung: Bei zwei Enthaltungen wurde beschlossen, die Planung der Nordanbindung weiterzuführen. Einstimmig erging der Beschluss zum Abriss der Langmaasbrücke und der Ersatz durch eine Geh- und Radwegbrücke erging mehrheitlich.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.

  • Thomas Ott

    Von wem stammt das zweite hervorgehobene Zitat?

    • hardyprothmann

      Danke für den Hinweis. Von Stadtrat Labudda – haben wir eingefügt, da das nicht scharf genug zur Sicht der CDU abgegrenzt war.

  • RA Peter Lautenschlaeger

    Hallo liebe Leute,
    Hallo WeinheimBlog,

    die Planungen der Kreisverbindungsstraße – u.a. des erst kürzlich eröffneten „Südohrs“ oder der Südrampe und der neuen B38A (man hört ein dreipuriger ausbau sei im Gespräch) „Westtangente“, sind Voraussetzungen für die Firmengrupper Freudenberg und den auf ihren Gelände ansässigen Firmen deren Nordanbindung zu planen.

    Die Planungen insgesamt (bei verschiedenen Zuständigkeiten und z.B: Straßenbaulasten sind auf unserer Website dargestellt :

    http://www.weinheimplus.de/?p=1223

    Die Nordanbindung Freudenbergs erfolgt durch das sog. Tiefgewann, welches nicht erst seit dem für den OB und den Mehrheitstsfraktionenen verlorenen Bürgerentscheid Breitwiesen (2013), als künftige Gewerbefläche im Gespräch ist. Tatsächlich hat Freudenberg dort im Norden des riesigen Geländes noch reichlich Platz. Die Nordanbindung erschliesst aber nicht nur Freudenberg, sondern weitere Flächenpotentiale östlich der sog. „Westtangente“/B38A.

    „Eher wird der Waidsee Wüste, als das es beim Freudenberg im Tiefgewann Hochwasser gibt“. Meine Bemerkung im Gemeinderat gestern hat den Hintergrund, dass angeblich Hochwasserrückhalteflächen eine Erschliesungd des Tiefgewanns – bis auf Freudenberg ?!? – verunmöglichen sollen. Das ist – und hier sind wir uns mit der GAL einnig grober Unfug.

    Die Stadt Weinheim muß Synergieen nutzen, wenn sie es sich schon nicht leisten kann selbst Gewerbeflächen zu erschliessen die unweit im Gewerbegebiet schlafen.
    http://www.weinheim.de/servlet/PB/menu/1333421/index.html

    Die Diskussion um die Langmaaswegbrücke steht im Zusammenhang mit der Schließung der Ost-West Achse durch Freudenberg, und der neuen Nordanbindung, die eben ermöglicht eine Brücke über die Bahn nur noch als Fuß- und Radwegbrücke (aus Holz ?) zu bauen. Wer eine 1,5 Millionen teurere Brücke (für Lastverkehre oder Traktoren) im Wahlkampf fordert, muß sagen womit er die bezahlen will.
    Ich kann und muss mit dem Beschluss leben, weil m.E. bei utopischen Forderungen droht, das garkeine Brücke kommt.
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    Peter Lautenschläger
    Stadtrat WeinheimPlus