Freitag, 21. September 2018

Feuerwehr nicht fĂŒr Beseitigung von Nestern zustĂ€ndig

Wen rufen wenn die Wespen drohen?

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Weinheim, 16. Juni 2014. (red/fw) Die Sonne brennt, die Temperaturen klettern ĂŒber 30 Grad: Ein Eis oder eine kalte Limo sollen AbkĂŒhlung bringen. Doch plötzlich ist man umringt von ungebetenen GĂ€sten: Hornissen, Bienen, Hummeln und Wespen werden von zuckerhaltigen Speisen und GetrĂ€nken angezogen. Damit kommt man vielleicht noch klar. Was aber wenn sich der Insektenschwarm in GrundstĂŒcksnĂ€he oder sogar den eigenen Vier WĂ€nden niederlĂ€sst?

Die Feuerwehr wird gerufen, wenn sich Insektenvölker niederlassen. Ihre Aufgabe ist es aber nicht. Foto: Feuerwehr Weinheim

Die Feuerwehr wird gerufen, wenn sich Insektenvölker niederlassen. Ihre Aufgabe ist es aber nicht. Foto: Feuerwehr Weinheim

Information der Feuerwehr Weinheim:

„Viele Menschen rufen in dieser Situation zunĂ€chst einmal die Feuerwehr an. Diese ist aber, solange keine akute GefĂ€hrdung von Menschenleben besteht (z.B. Hornissennest im Kindergarten) nicht zustĂ€ndig. Dies betonte die Weinheimer Feuerwehr in einer kĂŒrzlich erschienen Pressemitteilung, in der sie sich ĂŒber eine FĂŒlle von Anrufern aus Weinheim und Umgebung zu diesem Thema beklagt.
Wer mit einem Wespennest im trauten Heim zu kÀmpfen hat, sollte sich viel eher an den örtlichen SchÀdlingsbekÀmpfer wenden, welcher leicht in den Gelben Seiten zu finden ist.
Dieser tötet die Insekten, entgegen der allgemeinen Vorstellung in den allermeisten FÀllen nicht, sondern versucht vielmehr die Tiere in einen ungestörten Lebensraum umzusiedeln.
Nur wenn technische oder praktische GrĂŒnde die Umsiedlung unmöglich machen kommen doch nochmal die giftigen Gase zum Einsatz.
Wer Geld fĂŒr die SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung sparen will und sich fĂŒr Imstande hĂ€lt ein Nest selbst zu beseitigen sollte sich ĂŒber mehrere Aspekte im klaren sein;
Laut dem Naturschutzgesetz von Baden – WĂŒrttemberg gilt fĂŒr alle Insektenarten der „Allgemeine Schutz wildlebender Tiere“ laut dem es untersagt ist, sie mutwillig zu beunruhigen, bzw. sie ohne vernĂŒnftigen Grund zu töten oder zu verletzen. DarĂŒber hinaus zĂ€hlen Hummeln, Hornissen und Bienenarten zu den „Besonders geschĂŒtzten Arten“, was bedeutet, dass neben der Spezies an sich auch Lebensraum, Entwicklungsformen, sowie Fortpflanzungs- und RuhestĂ€tten gesetzlich geschĂŒtzt sind.
Sollte man Probleme mit eine besonders geschĂŒtzten Art haben, gilt es auf jeden Fall sich mit der regionalen Naturschutzbehörde abzusprechen. Die fĂŒr Weinheim und Umgebung zustĂ€ndige Behörde ist die „Untere Naturschutzbehörde“ in Sinsheim und ist erreichbar unter der Telefonnummer 07261/ 94 66 53 07
Wer es mit einer nicht besonders geschĂŒtzten Spezies zu tun hat, und sich entscheidet auf eigene Faust zu handeln sollte drei wesentliche Aspekte im Auge behalten;
1. Entscheidung: Wenn man es mit einer nicht besonders gefÀhrdeten Spezies zu tun hat, liegt es an einem selbst zu entscheiden, ob eine Umsiedlung bzw. Beseitigung notwendig ist. Hierbei ist fachliche Beratung nicht verpflichtend, aber ratsam.
2. Verantwortung: Man muss die Entscheidung die man trifft nachvollziehbar begrĂŒnden können und kann dafĂŒr zur Verantwortung gezogen werden
3. DurchfĂŒhrung: Wer keine SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung bezahlen will muss sich selbst um das Entfernen des Nestes kĂŒmmern und bewusst sein ĂŒber mögliche Gefahren wie Stiche, Panikreaktionen oder Stolpern

Was passiert jedoch wenn man trotz all der Vorsorge doch mal gestochen wird? Nun, in der in der Regel hat ein Wespen, Bienen- oder Hornissenstich keine ernsthaften Folgen. Zwar hat man 2-3 Tage unter Schmerzen bei der Einstichstelle zu leiden, bleibt jedoch von gesundheitlichen SchÀden weitgehend verschont.
Ganz anders sieht das wiederum aus, bei den 5% der Menschen, die auf Wespen, Bienen- oder andere Insektenstiche allergisch reagieren. FĂŒr diese bedeutet ein Stich eine lebensbedrohliche Gefahr, die von HautausschlĂ€gen ĂŒber Atemnot bis hin zu einem akut lebensgefĂ€hrlichen allergischen Schockzustand alle möglichen Folgen haben kann. Das Problem hierbei ist, das viele Allergiker gar nichts wissen von ihrem Problem, obwohl sich dies durch ein paar einfache medizinische Tests feststellen lĂ€sst.
Wer diese nie ĂŒber sich ergehen lassen hat, erfĂ€hrt von seiner Allergie womöglich erst bei seinem erstem Stich.
Die Anfangssymptome fĂŒr eine Allergie sind starke Schwellungen im Bereich der Eintrittsstelle, starker Juckreiz, Rötungen und Quaddelbildung am gesamten Körper, sowie Schwellungen im Gesichts- und Halsbereich. Wer diese schon nach wenigen Sekunden auftretenden Symptome an sich feststellt sollte sich unverzĂŒglich in Ă€rztliche Behandlung geben.
FĂŒr besonders schwere AllergiefĂ€lle gibt es immer noch die Möglichkeit der Hyposensibilisierung, bei der ĂŒber mehrere Jahre tĂ€glich ein geringe Dosis des Giftes gespritzt wird, die den Patienten auf Dauer Immun gegen das Insektengift macht.
Wer all diese Aspekte beachtet sollte seinen Sommer trotz der summenden Insekten genießen können, und wer nicht kann die WM ja immer noch in luftdicht verriegelten RĂ€umen schauen.“

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.