Donnerstag, 25. Mai 2017

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Elfi Rentrop und Albrecht LohrbĂ€cher nahmen fĂŒr den AK Asyl den Rolf- Engelbrecht-Preis fĂŒr Verdienste um die Integration entgegen

30 Jahre gelebte Empathie

Weinheim, 17. November 2014. (red/pm) Es war eine Preisverleihung mit großer Symbolkraft. Ein Jahr bevor die ersten von 240 FlĂŒchtlingen aus den Kriegsgebieten dieser Welt auch in Weinheim aufgenommen werden, wurde der Rolf-Engelbrecht-Preis fĂŒr Integration jetzt an den Arbeitskreis Asyl vergeben, der schon vor fast 30 Jahren begonnen hat, FlĂŒchtlinge in Weinheim zu betreuen.

Information der Stadtverwaltung Weinheim:

„Die beiden GrĂŒnder Elfi Rentrop und Albrecht LohrbĂ€cher nahmen den Preis stellvertretend entgegen. Der Rolf-Engelbrecht-Preis, der nach dem frĂŒheren Weinheimer OberbĂŒrgermeister benannt ist, wird fĂŒr ein kulturell vielfĂ€ltiges und demokratisches Miteinander in Weinheim verliehen. Preisgeber und Jury sind neben der Stadt die Freudenberg-Stiftung und die BĂŒrgerstiftung.

OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard ging in seiner BegrĂŒĂŸung und Laudatio auf die aktuelle Lage ein und beschrieb: „Deutschland und andere europĂ€ische LĂ€nder erleben derzeit einen enormen FlĂŒchtlingsandrang. Allein in der Bundesrepublik könnte die Zahl der Asylbewerber in diesem Jahr auf 200.000 steigen – ein Plus von 70.000 gegenĂŒber dem Vorjahr. Doch dies ist erst der Anfang.“ Allein wegen des BĂŒrgerkriegs seien in den vergangenen Jahren bis zu fĂŒnf Millionen Syrer in die Nachbarstaaten geflĂŒchtet.

Die beiden GrĂŒnder Elfi Rentrop und Albrecht LohrbĂ€cher nahmen den Preis stellvertretend entgegen. Foto: Stadt Weinheim

Die beiden GrĂŒnder Elfi Rentrop und Albrecht LohrbĂ€cher nahmen den Preis stellvertretend entgegen. Foto: Stadt Weinheim

Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen fĂŒhre auch das enorme WohlstandsgefĂ€lle zwischen Europa und Afrika zu einer Sogwirkung: Unter den Asylbewerbern seien somit auch viele, die oft als WirtschaftsflĂŒchtlinge bezeichnet werden. Bernhard: „Aber dieser Begriff spielt die Not herunter, die die Menschen aus ihrer Heimat vertreibt.“

Er erinnerte daran, dass Weinheim bereits seit Mitte der 80er-Jahre FlĂŒchtlinge aufnimmt. Seit dieser Zeit gebe es auch ein Netzwerk, das diese Menschen unterstĂŒtzt und betreut, ihnen dabei hilft, sich in den inneren und Ă€ußeren VerhĂ€ltnissen ihres Aufenthaltsortes zurechtzufinden. 1985 grĂŒndeten Pfarrerin Elfi Rentrop und Pfarrer Albrecht LohrbĂ€cher diesen Arbeitskreis Asyl.

Der Preis sollte laut Beschreibung auch der Ermutigung dienen, betonte der OB und erklĂ€rte: „Diese Ermutigung ist in diesen Tagen besonders wichtig. Durch die Arbeit des Arbeitskreises Asyl gibt es in Weinheim eine in drei Jahrzehnten entwickelte Struktur und Erfahrung, aber auch eine gelebte Empathie, eine echte Willkommenskultur als Grundlage fĂŒr die BewĂ€ltigung kĂŒnftiger Aufgaben. In den vergangenen Wochen hat sich der Arbeitskreis Asyl mit seiner Erfahrung und Kompetenz engagiert in die Diskussion eingebracht. Davon können wir alle profitieren.“

OberbĂŒrgermeister Rolf Engelbrecht

Bernhard hatte zuvor auch erklĂ€rt, wie es zu dem Preis gekommen ist. Der Lebensweg Rolf Engelbrechts spiegle einen bedeutenden, einen schicksalhaften Abschnitt deutscher und europĂ€ischer Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts wider. Nach dem Jurastudium wurde er 1932 als Rechtsanwalt zugelassen. Im Mai 1933 wurde seine Zulassung bei der Rechtsanwaltskammer rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Einziger Grund: Seine Mutter stammte aus einer jĂŒdischen Familie.

1948 wurde Rolf Engelbrecht zum OberbĂŒrgermeister Weinheims gewĂ€hlt. Es war die erste Volkswahl, die erste OberbĂŒrgermeisterwahl durch die GemeindebĂŒrger. Die Entwicklung der Stadt war rasant in seiner Amtszeit, die 1966 endete, als Rolf Engelbrecht viel zu frĂŒh an den Folgen eines Verkehrsunfalles verstarb. Doch das allein sei nicht entscheidend gewesen fĂŒr die Wirkung, die von Rolf Engelbrecht ausging, so der OB. „Denn er prĂ€gte diese Zeit, er prĂ€gte Weinheim mit den Eigenschaften Menschlichkeit, Toleranz, Warmherzigkeit.“

Rolf Engelbrechts Sohn Christoph ĂŒberreichte den Preis an die beiden Asyl-VorkĂ€mpfer persönlich. „Ich bin mir sicher“, erklĂ€rte er, „mein Vater wĂ€re heute sehr stolz gewesen.“ In einem ZwiegesprĂ€ch erlĂ€uterten Rentrop und LohrbĂ€cher ihre Arbeit, die vor 30 Jahren „etwas naiv“ (LohrbĂ€cher) begonnen habe. Die beiden Theologen betonten auch, dass es fĂŒr sie eine Aufgabe christlicher NĂ€chstenliebe sei, Menschen in Not aufzunehmen.

Erinnerungen

Elfi Rentrop schilderte bewegende Erinnerungen aus dieser Zeit. Gleichzeitig machten beide aber auch Mut, den im nĂ€chsten Jahr eintreffenden Menschen mit offenen Armen und Herzen zu begegnen. In den vergangenen Wochen seien rund 30 neue ehrenamtliche Helfer zum AK Asyl gestoßen. Auch das Preisgeld werde gleich in weitere FlĂŒchtlingsprojekte fließen. Albrecht LohrbĂ€cher rief bei der Verleihung im Alten Rathaus dazu auf, die Ankunft der Menschen positiv zu sehen.

Im Zuge der letzten 30 Jahre habe es immer wieder Menschen gegeben, die in Weinheim ansĂ€ssig geworden sind und die Stadt sogar wirtschaftlich und gesellschaftlich vorangebracht haben.“