Mittwoch, 20. November 2019

Stadtverwaltung will lieber SouvenirgeschÀft

Altstadtgalerie: Kunst oder weg?

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Weinheim, 17. Juli 2014. (red/ld) Um ihre Nachfolge in der Altstadtgalerie hat sich GrĂŒnderin Helga Tritschler bereits gekĂŒmmert. Trotzdem steht sie jetzt vor dem Aus. Der Grund: Nach dem Beschluss des Gemeinderats, das Stadtmarketing in ihren LagerrĂ€umen unterzubringen, will ihr die Stadt nun den Mietvertrag fĂŒr ihren Laden nebenan nicht verlĂ€ngern. Dort soll ein SouvenirgeschĂ€ft eröffnen. Nun kĂ€mpfen Helga Tritschler und ihre Kunden um den Erhalt des Ladens und von vier ArbeitsplĂ€tzen.

Helga Tritschler kÀmpft um den Erhalt ihrer Altstadtgalerie, in der sie Kunsthandwerk und Schmuck verkauft.

Helga Tritschler kÀmpft um den Erhalt ihrer Altstadtgalerie, in der sie Kunsthandwerk und Schmuck verkauft.

Von Lydia Dartsch

Helga Tritschler steht in dem, was man als ihr Lebenswerk bezeichnen könnte: Seit knapp 30 Jahren ist sie Inhaberin der Altstadtgalerie – zuerst in Hemsbach, seit vielen Jahren am Marktplatz, direkt am Brunnen. Frau Tritschler steht in dem hellen Verkaufsraum mit den weißen Regalen und kunstvollen Schmuck- und Goldschmiedearbeiten. Gerade kommen Kunden zur TĂŒr herein, die von ihr und ihren Angestellten beraten werden möchten. „Das ist alles sehr schön hier“, sagt eine und bedauert, dass ihr Geldbeutel ihren Schmuckinvestitionen manchmal ein Ende bereitet. Sie wĂŒrde eigentlich gerne mehr kaufen. Der Laden, in dem Frau Tritschler steht, macht einen ruhigen, freundlichen Eindruck. Trotzdem steht sie vor dem Aus.

Noch werden am Marktplatz Kunsthandwerk und Schmuck verkauft. Bald soilen es Souvenirs sein.

Noch werden am Marktplatz Kunsthandwerk und Schmuck verkauft. Bald soilen es Souvenirs sein.

Denn wenn es nach der Stadtverwaltung geht, eröffnet hier im kommenden Jahr ein GeschĂ€ft fĂŒr Souvenirs und regionale Produkte. Frau Tritschlers Mietvertrag mit der Stadt lĂ€uft Ende April 2015 aus und wird nicht mehr verlĂ€ngert. Im Haus nebenan, in dem sie ihr Lager hat, wird das Stadtmarketing einziehen. Das hatte der Gemeinderat im November vergangenen Jahres beschlossen.

Dass ihr Mietvertrag fĂŒr das Lager gekĂŒndigt wĂŒrde, habe sie zuerst in den Medien gelesen. „Kurz danach rief mich jemand vom Liegenschaftsamt an, um mich davon zu unterrichten“, sagt sie. Von ihrem LadengeschĂ€ft in der Hausnummer 3 sei dabei nicht die Rede gewesen. Davon habe sie erst im Januar erfahren, nachdem sie sich an OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard mit einem Brief gewandt hat, in dem sie deutlich machte, dass an den LagerrĂ€umen auch ihr Betrieb und vier ArbeitsplĂ€tze hingen. Die Antwort aus dem Rathaus traf sie:

Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, endet der mit Ihnen geschlossene Mietvertrag fĂŒr die GeschĂ€ftsrĂ€ume Marktplatz 3 zum 30. April 2015.

Seit 1985 gibt es die Altstadtgalerie. Zuerst in Hemsbach. Seit den neunziger Jahren am Weinheimer Marktplatz.

Seit 1985 gibt es die Altstadtgalerie. Zuerst in Hemsbach. Seit den neunziger Jahren am Weinheimer Marktplatz.

Dass sie nun auch ihren Laden verlieren sollte – damit habe sie nicht gerechnet, sagt sie. Dieses Schreiben sei die erste Mitteilung ĂŒber das Auslaufen ihres Mietvertrags gewesen. Helga Tritschler schrieb zurĂŒck. Suchte neue RĂ€ume, sei sich mit den Vermietern fast schon einig gewesen, bis diese dann doch absagten. Sie schrieb wieder. Der OberbĂŒrgermeister hielt an seinem Vorhaben fest. Dabei habe sie fest damit gerechnet, am Marktplatz bleiben zu können: Die nĂ€chsten Ausstellungen sind geplant. In einem Flyer kĂŒndigt sie die frischgebackene Goldschmiedemeisterin an, die ab August die Werkstatt leiten und spĂ€ter auch die Altstadtgalerie ĂŒbernehmen sollte. „Sie ist die beste ihres Jahrgangs“, sagt Frau Tritschler.

Ans Aufgeben denkt Frau Tritschler nicht. Über 1.400 Unterschriften hat sie seit April gegen die Schließung ihres Ladens gesammelt. Die Listen liegen im Laden aus. Sie selbst sammelt Unterschriften auf der Straße. Ihre Kunden, die an diesem Tag in den Laden kommen, unterschreiben ebenfalls. Eine Kundin sagt, sie finde es unglaublich, dass die Stadt so einfach die RĂ€ume kĂŒndigt und den Mietvertrag nicht verlĂ€ngert. Viele ihrer Kunden und Freunde haben schon Briefe ans Rathaus geschrieben, in denen sie darum bitten, OberbĂŒrgermeister Bernhard möge seine Entscheidung noch einmal ĂŒberdenken.

„Wo soll ich denn hin?“

Weitere UnterstĂŒtzung sucht sie nun bei den Gemeinderatsfraktionen, deren Vorsitzende sie angeschrieben habe, sagt sie. Reaktionen kam von GĂŒnter Breiling (FDP), der in einem offenen Brief fĂŒr den Erhalt des Ladens plĂ€dierte. Dr. Elke König (Weinheimer Liste) fragte beim OberbĂŒrgermeister nach den HintergrĂŒnden der Entscheidung. DemnĂ€chst will sie auch alle GemeinderĂ€te einzeln um deren UnterstĂŒtzung bitten, damit das Vorhaben, in ihrem Laden ein SouvenirgeschĂ€ft unterzubringen, noch einmal beraten wird.

Dass sie in den letzten Monaten ihres Mietvertrags noch einen neuen Laden findet, damit sei nicht zu rechnen, sagt sie: „Wo soll ich denn hin? In den Randlagen brauche ich es gar nicht erst zu versuchen“, sagt sie. Auch ihre Mitarbeiterinnen sind verunsichert: „Ich arbeite sehr gerne hier“, sagt eine von ihnen. Es wĂ€re schade, wenn die Galerie ausziehen mĂŒsse, sagt sie.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.