Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Stadtverwaltung will lieber Souvenirgeschäft

Altstadtgalerie: Kunst oder weg?

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Weinheim, 17. Juli 2014. (red/ld) Um ihre Nachfolge in der Altstadtgalerie hat sich Gr√ľnderin Helga Tritschler bereits gek√ľmmert. Trotzdem steht sie jetzt vor dem Aus. Der Grund: Nach dem Beschluss des Gemeinderats, das Stadtmarketing in ihren Lagerr√§umen unterzubringen, will ihr die Stadt nun den Mietvertrag f√ľr ihren Laden nebenan nicht verl√§ngern. Dort soll ein Souvenirgesch√§ft er√∂ffnen. Nun k√§mpfen Helga Tritschler und ihre Kunden um den Erhalt des Ladens und von vier Arbeitspl√§tzen.

Helga Tritschler kämpft um den Erhalt ihrer Altstadtgalerie, in der sie Kunsthandwerk und Schmuck verkauft.

Helga Tritschler kämpft um den Erhalt ihrer Altstadtgalerie, in der sie Kunsthandwerk und Schmuck verkauft.

Von Lydia Dartsch

Helga Tritschler steht in dem, was man als ihr Lebenswerk bezeichnen k√∂nnte: Seit knapp 30 Jahren ist sie Inhaberin der Altstadtgalerie – zuerst in Hemsbach, seit vielen Jahren am Marktplatz, direkt am Brunnen. Frau Tritschler steht in dem hellen Verkaufsraum mit den wei√üen Regalen und kunstvollen Schmuck- und Goldschmiedearbeiten. Gerade kommen Kunden zur T√ľr herein, die von ihr und ihren Angestellten beraten werden m√∂chten. „Das ist alles sehr sch√∂n hier“, sagt eine und bedauert, dass ihr Geldbeutel ihren Schmuckinvestitionen manchmal ein Ende bereitet. Sie w√ľrde eigentlich gerne mehr kaufen. Der Laden, in dem Frau Tritschler steht, macht einen ruhigen, freundlichen Eindruck. Trotzdem steht sie vor dem Aus.

Noch werden am Marktplatz Kunsthandwerk und Schmuck verkauft. Bald soilen es Souvenirs sein.

Noch werden am Marktplatz Kunsthandwerk und Schmuck verkauft. Bald soilen es Souvenirs sein.

Denn wenn es nach der Stadtverwaltung geht, er√∂ffnet hier im kommenden Jahr ein Gesch√§ft f√ľr Souvenirs und regionale Produkte. Frau Tritschlers Mietvertrag mit der Stadt l√§uft Ende April 2015 aus und wird nicht mehr verl√§ngert. Im Haus nebenan, in dem sie ihr Lager hat, wird das Stadtmarketing einziehen. Das hatte der Gemeinderat im November vergangenen Jahres beschlossen.

Dass ihr Mietvertrag f√ľr das Lager gek√ľndigt w√ľrde, habe sie zuerst in den Medien¬†gelesen. „Kurz danach rief mich jemand vom Liegenschaftsamt an, um mich davon zu unterrichten“, sagt sie. Von ihrem Ladengesch√§ft in der Hausnummer 3 sei dabei nicht die Rede gewesen. Davon habe sie erst im Januar erfahren, nachdem sie sich an Oberb√ľrgermeister Heiner Bernhard mit einem Brief gewandt hat, in dem sie deutlich machte, dass an den Lagerr√§umen auch ihr Betrieb und vier Arbeitspl√§tze hingen. Die Antwort aus dem Rathaus traf sie:

Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, endet der mit Ihnen geschlossene Mietvertrag f√ľr die Gesch√§ftsr√§ume Marktplatz 3 zum 30. April 2015.

Seit 1985 gibt es die Altstadtgalerie. Zuerst in Hemsbach. Seit den neunziger Jahren am Weinheimer Marktplatz.

Seit 1985 gibt es die Altstadtgalerie. Zuerst in Hemsbach. Seit den neunziger Jahren am Weinheimer Marktplatz.

Dass sie nun auch ihren Laden verlieren sollte – damit habe sie nicht gerechnet, sagt sie. Dieses Schreiben sei die erste Mitteilung √ľber das Auslaufen ihres Mietvertrags gewesen. Helga Tritschler schrieb zur√ľck. Suchte neue R√§ume, sei sich mit den Vermietern fast schon einig gewesen, bis diese dann doch absagten. Sie schrieb wieder. Der Oberb√ľrgermeister hielt an seinem Vorhaben fest. Dabei habe sie fest damit gerechnet, am Marktplatz bleiben zu k√∂nnen: Die n√§chsten Ausstellungen sind geplant. In einem Flyer k√ľndigt sie die frischgebackene Goldschmiedemeisterin an, die ab August die Werkstatt leiten und sp√§ter auch die Altstadtgalerie √ľbernehmen sollte. „Sie ist die beste ihres Jahrgangs“, sagt Frau Tritschler.

Ans Aufgeben denkt Frau Tritschler nicht. √úber 1.400 Unterschriften hat sie seit April gegen die Schlie√üung ihres Ladens gesammelt. Die Listen liegen im Laden aus. Sie selbst sammelt Unterschriften auf der Stra√üe. Ihre Kunden, die an diesem Tag in den Laden kommen, unterschreiben ebenfalls. Eine Kundin sagt, sie finde es unglaublich, dass die Stadt so einfach die R√§ume k√ľndigt und den Mietvertrag nicht verl√§ngert. Viele ihrer Kunden und Freunde haben schon Briefe ans Rathaus geschrieben, in denen sie darum bitten, Oberb√ľrgermeister Bernhard m√∂ge seine Entscheidung noch einmal √ľberdenken.

„Wo soll ich denn hin?“

Weitere Unterst√ľtzung sucht sie nun bei den Gemeinderatsfraktionen, deren Vorsitzende sie angeschrieben habe, sagt sie. Reaktionen kam von G√ľnter Breiling (FDP), der in einem offenen Brief f√ľr den Erhalt des Ladens pl√§dierte. Dr. Elke K√∂nig (Weinheimer Liste) fragte beim Oberb√ľrgermeister nach den Hintergr√ľnden der Entscheidung. Demn√§chst will sie auch alle Gemeinder√§te einzeln um deren Unterst√ľtzung bitten, damit das Vorhaben, in ihrem Laden ein Souvenirgesch√§ft unterzubringen, noch einmal beraten wird.

Dass sie in den letzten Monaten ihres Mietvertrags noch einen neuen Laden findet, damit sei nicht zu rechnen, sagt sie: „Wo soll ich denn hin? In den Randlagen brauche ich es gar nicht erst zu versuchen“, sagt sie. Auch ihre Mitarbeiterinnen sind verunsichert: „Ich arbeite sehr gerne hier“, sagt eine von ihnen. Es w√§re schade, wenn die Galerie ausziehen m√ľsse, sagt sie.

√úber Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.