Freitag, 13. Dezember 2019

Wann ist das Ende der Peinlichkeiten für die CDU erreicht?

Biergarten-Video: Scheißdreck-Humor und HJ-Scheitel als Geschmacksach

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cdu proehl

Gekicher, Blödeleien, Beleidigungen und Hitlerjugend-Seitenscheitel – der junge Union-Vorsitzende Sascha Pröhl kandidiert auf Listenplatz vier und hat überall dort, wo es Probleme gibt, seine Finger im Spiel. Quelle: CDU Weinheim

 

Weinheim, 17. April 2014. (red) Ein durchgedrehtes Video des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Roger Schäfer unter Mitwirkung des CDU-Pressesprechers Dr. Thomas Ott und des CDU-Stadtrats Sascha Pröhl hat für Aufregung gesorgt. Ohne Sinn und Verstand beschädigen Teile der CDU im Kommunalwahlkampf die eigene Partei im Alleingang. Die Forderung nach Rücktritten stellt noch keiner – warum eigentlich nicht? Aktualisierung: Dr. Thomas Ott ist, wie er uns per email mitteilt, „unabhängig von unserem Bericht“, heute als Pressesprecher zurückgetreten. Von Hardy Prothmann Wir haben als erstes Medium auf Facebook die Sache kurz nach Auftauchen des Biergarten-Videos auf den Punkt gebracht:

Darf man Scheißdreck Scheißdreck nennen? Die CDU ist auf dem besten Weg sich vollständig zu verblödeln.

Worum geht es? Um ein vollständig sinnfrei zusammengeschnittenes Video aus „Schnipsel“ von Szenen, die im Laufe von Videodrehs mit CDU-Kandidaten „verunglückt“ seien. Darin wird auf „Onkel Peter“, also Weinheim Plus-Stadtrat Peter Lautenschläger angespielt und dessen Forderung nach Transparenz zum Vergabeverfahren einer möglichen Biergartenlizenz am Blauen Hut als „Scheißdreck“ bezeichnet. Dazu kichern der Stadtrat Sascha Pröhl und der CDU-Sprecher Dr. Thomas Ott. Drei Minuten Nonsens inklusive Beleidigung.

Kein CDU-Video?

Produzent ist der Stadtverbandsvorsitzende Roger Schäfer. Nachdem es viel Aufregung innerhalb der CDU gegeben hat, wurde das Video verändert und ist jetzt mehr oder weniger nur noch ein Standbild. Herr Schäfer betont in einem Facebook-Kommentar zu unserer Facebook-Meldung:

Und was ganz wichtig ist: Es ist kein Wahlkampfvideo der CDU. Deswegen kommt weder die CDU darin vor, noch wurde es durch die CDU auf der Website oder FB veröffentlicht. Ebenso bestand nie die Absicht, jemanden zu beleidigen oder zu verunglimpfen.

Kein Wahlkampfvideo der CDU? Es treten zwei CDU-Kandidaten auf, der eine Stadtrat, der andere Pressesprecher, produziert vom CDU-Stadtverbandschef zu einem kommunalpolitischen Thema „Biergarten im Schlosspark“, an dem ein anderer CDU-Kandidat und früherer Wirtschaftsförderer Manfred Müller-Jehle beteiligt sein soll? Es waren also nur ganz zufällig nur CDU-Leute daran beteiligt und ganz zufällig ist das Video zwar in Wahlkampfzeiten veröffentlicht worden? Und überhaupt – versteht man den gar keinen Spaß mehr? Warum regt man sich eigentlich so auf? Roger Schäfer:

Die ganze Welt scheint verrückt nach diesem „Blödelvideo“ zu sein. Das war gar nicht geplant, sondern hat sich aus der Situation ergeben, sozusagen als „Schnipsel aus dem Papierkorb“.

Die ganze Welt? Herr Schäfer, Herr Dr. Ott und Herr Pröhl agieren also als „Blödel“ und planlos? Kann das wirklich sein? Erst das Nominierungsdesaster, das zur neuen Weinheimer Liste führte, bei der viele CDU-Mitglieder kandidieren. Dann ein 15-Jahre-Programm „Weinheim 2030 (selbst Kommunisten machen nur 5-Jahres-Pläne), dann ein Blödelvideo mit persönlichen Beleidigungen gegen einen anderen Stadtrat.

Geschmacksach und Hitlerjugend-Frisur (HJ-Scheitel)

Während die Grünen mit einem überfraktionellen Quorum von 25 Prozent einen Eintrag einbrachten, dass die „Biergarten-Entscheidung“ in den Gemeinderat gehört und letztlich auch die Verwaltung von der Haltung „Geschäft der laufenden Verwaltung für Probe-Betrieb“ auf „Sache des Gemeinderats“ umschwenken musste, weil der Antragsteller Kay Gottuck aus Investitionsgründen einen fünfjährigen Pachtvertrag haben möchte, blödelt die CDU also geschmacklos rum, während Herr Gottuck und CDU-Kandidat Jehle schon in der Vergangenheit zusammen eine Kerwe-Strauswirtschaft namens „Geschmacksach“ betreiben. Im Video präsentiert sich zudem der „wilde“ Junge-Union-Vorsitzende Sascha Pröhl mit Hitler-Jugend-Frisur – ausgerechnet Herr Pröhl, der immer gerne mal mit „rechten Tendenzen“ provoziert, trägt nun die Haare kurzgeschoren (Undercut) mit streng seitlich gescheiteltem Haupthaar. Andernorts mag das als „modische Provokation“ durchgehen – aber bei einem, der tendenziell schon häufiger mit bedenklicher Rechtstendenzen aufgefallen ist und überall aggressiv fragt, „wo denn der Rechtsruck in der CDU zu erkennen sei“ auch? Ganz sicher muss Herr Pröhl nicht einfach mal in den Spiegel schauen – ganz sicher scheitelt er sich täglich die Hitlerjugend-Frisur in vollem Bewusstsein, wie er seine Haare zur Schau trägt.

Droht der CDU ein massiver Gesamtschaden?

Viele unserer Kontakte in der CDU sind nicht mehr nur genervt und erschrocken über so viele „Peinlichkeiten“ und „Geschmacklosigkeiten“, sondern befürchten mittlerweile einen massiven Gesamtschaden für die CDU bei der Kommunalwahl. Ein Sulzbacher CDU-Mitglied meinte auf Nachfrage:

Wir in Sulzbach haben mit dem, was „die“ da treiben, nichts zu tun und wollen damit auch nicht zu tun haben. Trotzdem werden wir alle, vor allem in den Stadtteilen, durch solche sinnlosen Aktionen beschädigt.

Die Weinheimer Wähler/innen werden aufmerksam verfolgen, ob die „Kreativ-Truppe der CDU“ noch mehr Späße auf Lager hat. Vielen ist das Lachen schon vergangen und sollte es noch einen Fehltritt geben, muss man davon ausgehen, dass die beteiligten Personen die einzig respektable Konsequenz ziehen und sich möglichst ohne Blödelei, dafür aber mit einem Rest Achtung aus dem politischen Geschäft zurückziehen.