Freitag, 18. August 2017

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„Hexenturm“ denkmalgerecht saniert

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Nach der Sanierung kommt der "Hexenturm" seinem Aussehen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts wohl am nÀchsten. Foto: Stadt Weinheim

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Weinheim, 17. Mai 2011 (red/pm) Der alte Wehrturm am Rand der östlichen Weinheimer Altstadt, vom Volksmund „Hexenturm“ genannt, wurde denkmalgerecht saniert. 120 000 Euro kosteten die Arbeiten,-  finanziert ĂŒberwiegend vom Land und der Denkmalstiftung Baden-WĂŒrttemberg. Jetzt ist das „neue“ alte Wahrzeichen der Stadt Weinheim wieder fit fĂŒr die nĂ€chsten Jahrzehnte.

Von Roland Kern

Hexen waren dort nie. Es ist auch nicht zweifelsfrei ĂŒberliefert, dass im Mittelalter Frauen, die man fĂŒr Hexen hielt, darin eingesperrt waren. Und doch hat sich der Name „Hexenturm“ ĂŒber viele Jahre im Volksmund gehalten. So haftet durchaus etwas Mysthisches an dem alten Wehrturm am östlichen Rande der Weinheimer Altstadt, der vermutlich im 15. Jahrhundert erbaut wurde. Er steht im ehemaligen Zwinger und hatte frĂŒher einen „Bruder“. Beide TĂŒrme waren mit einem BrĂŒckchen verbunden, das wohl auf der heute im Obergeschoss noch erkennbaren Sandsteinplatte endete.

Der „Hexenturm“, wenige Meter vom unteren Schlosspark-Ausgang an der Grundelbachstraße entfernt, ist jetzt wieder „fit“ fĂŒr mindestens die nĂ€chsten Jahrzehnte, so schĂ€tzt es jedenfalls Christian Szillinsky, Architekt im Weinheimer Rathausamt fĂŒr Immobilienwirtschaft.

Im Laufe der letzten zwei Jahre wurde der Turm gesichert und in Absprache mit dem Referat Denkmalpflege des Karlsruher RegierungsprĂ€sidiums denkmalgerecht saniert. Zuvor hatteAchim Wendt vom Heidelberger BĂŒro fĂŒr Bauforschung eine ausfĂŒhrliche Dokumentation ĂŒber die Bausubtanz des Turmes angefertigt. Die Gesamtkosten in Höhe von knapp 120 000 Euro werden wegen der historischen Wertigkeit des Turms ĂŒberwiegend durch das Land und die Denkmalstiftung Baden-WĂŒrttemberg finanziert. AusgefĂŒhrt wurden die Arbeiten durch die Gernsheimer Fachfirma „bst“, die im letzten Jahr auch schon Teile der Schlossparkmauer saniert hatte.

Wichtigste Sanierungsmaßnahme: Der „Hexenturm“ wurde quasi trockengelegt, so dass durch die obere Plattform kein Wasser mehr eindringen kann. Diese wurde mit einer Abdeckhaube geschlossen, das Regenwasser wird nun ĂŒber einen Wasserspeier in die GrĂŒnflĂ€che abgeleitet. Außerdem wurde das Mauerwerk saniert, so dass sich nun keine Feuchtigkeit mehr darin ansammeln kann.

Vor der Sanierung konnte das Wasser durch die wohl anfangs des 20. Jahrhunderts aufgebrachte Mauerkrone in das Gestein eindringen, so dass Risse und sogar GrĂŒnbewuchs in den Furchen und Fugen entstanden. Wegen einer GefĂ€hrdung durch möglicherweise herabfallende Steine war der „Hexenturm“ schon 2008 eingerĂŒstet und mit einem provisorischen Dach versehen worden. Die Mauerkrone musste komplett abgetragen werden.

Nach den Förderzusagen im Juli 2010 und einem Gemeinderats-Beschluss im November begannen die Sanierungsarbeiten. Mittlerweile ist das GerĂŒst entfernt und die Abnahme durch die Behörden erfolgt. Weinheim hat ein neues altes Wahrzeichen.

Es war ĂŒbrigens nicht einfach, das „echte“ historische Aussehen des „Hexenturms“ nachzuvollziehen, denn es hat sich im Laufe der Jahrhunderte ein paar Mal verĂ€ndert. Auf dem bekannten Merianstich (um 1610) ist der Turm mit einem Dach abgebildet, auf einer Zeichnung von 1815 sind beide HexentĂŒrme als Ruinen zu sehen, auf Fotografien vor 1870 sind noch keine grĂ¶ĂŸeren Fensteröffnungen zu erkennen. Der „neue Hexenturm“ kommt jetzt wohl seinem Aussehen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts am nĂ€chsten.

Anmerkung der Redaktion:
Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim.