Samstag, 26. Mai 2018

Feuerwehr Weinheim erhĂ€lt Hebeplane zur Rettung großer Tiere

Und mit einem Mal hing Calypso in der Luft

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Weinheim/Rhein-Neckar, 17. September 2014. (red/pro) Vergangenen Freitag prĂ€sentierte die Feuerwehr Weinheim eine Rettungsplane, mit der man Pferde oder andere große Tiere aus misslichen Situationen retten kann. Erfunden hat die Plane Michael Puhl, der sie an seinem Wallach Calypso vorstellte.

Von Hardy Prothmann

Anfang April 2012 musste die Feuerwehr ein Pferd aus der Atzelbach retten – drei Tiere waren entlaufen, zwei konnten eingefangen werden und eins hing im Bachlauf fest. (Hier unser damaliger Bericht.) Die Feuerwehr improvisierte und hob das Pferd mit Gurten an – eine kniffelige Angelegenheit und gefĂ€hrlich fĂŒr das Tier, weil die Gurte quetschen konnten. Es ging gut, aber befriedigend war die Lösung nicht.

 

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Bislang musste man bei großen Tieren improvisieren – jetzt sollen Rettungen komfortabler werden. Siehe unsere Fotostrecke unten.

 

-Das soll die Hebeplane von Michael Puhl Ă€ndern. Der Hufschmid und Maschinenbauer hat im Pferde-Rehazentrum BertleinsbrĂŒcke einen speziellen Schwinglifter installiert, der die Pferde anheben kann – nicht vollstĂ€ndig, sondern so, dass es eine Gewichtsentlastung auf die LĂ€ufe gibt. Dadurch können die Pferde schonender auf LaufbĂ€ndern trainiert werden. Wenn man ein Pferd ein wenig anheben kann – warum nicht vollstĂ€ndig?

Die Hebeplane bietet eine breite AuflageflĂ€che fĂŒr den Rumpf des Pferdes. Zudem wird es mit weiteren Planen vor der Brust und an den HinterlĂ€ufen fixiert, damit es nicht verrutschen kann. Über eine Traverse wird das Pferd in der Plane dann angehoben.

Bis 1.500 Kilogramm können gehoben werden – damit auch KĂŒhe und Stiere, die es locker auf ĂŒber eine Tonne bringen, wĂ€hrend Pferde zwischen 400 und 800 Kilogramm auf die Waage bringen. Was bei der VorfĂŒhrung alles einfach aussah, dĂŒrfte in der Praxis schwieriger werden, wenn ein Tier auf der Seite liegt und das GelĂ€nde matschig und rutschig ist. Aber allemal besser als die bislang improvisierte Seiltechnik.

Zur VorfĂŒhrung hat Herr Puhl sein ungarisches Halbblut Calypso mitgebracht. Der lĂ€sst sich die Plane anlegen und wird durch den Wechsellader der Feuerwehr dann rund einen halben Meter angehoben. Seine Mimik verriet ein gewisses Erstaunen, aber insgesamt blieb das Pferd ruhig und ließ sich problemlos wieder absetzen. Mit einem Hengst hĂ€tte man das nicht machen können. Bei einem echten Einsatz wĂŒrden die Tiere vorher sediert, also betĂ€ubt, werden, damit sie sich durch Panikreaktionen nicht selbst verletzen und natĂŒrlich auch nicht die Retter.

1.200 Euro kostet die Hebeplane, die durch Spenden finanziert worden und der Feuerwehr ĂŒbergeben worden ist. In den meisten FĂ€llen wird es nicht darum gehen, ein Tier tatsĂ€chlich hochzuheben – meist reicht es, beim Aufstehen zu helfen. Ist das Tier erstmal auf allen vier Beinen, kann es kontrolliert gefĂŒhrt werden.

Die Feuerwehr Weinheim wird die Hebeplane auch anderen Wehren zur VerfĂŒgung stellen: „Man kann die Plane einfach transportieren, so dass wir da sehr flexibel sind. Wir sie gebraucht, kann sie schnell an Ort und Stelle gefahren werden, vor Ort braucht es dann noch ein Fahrzeug mit einer Hebeeinrichtung“, sagt Stadt-Kommandant Ralf Mittelbach.

 

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.