Samstag, 19. Oktober 2019

Der Gemeinderat beschlie├čt Ausbau der Kindertageseinrichtungen

Wird die Betreuungsquote erreicht?

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Weinheim, 18. April 2013. (red/ld) Ab dem 01. August tritt der Rechtsanspruch auf fr├╝hkindliche F├Ârderung in Kraft. Kinder ab einem Jahr haben dann bis zur Einschulung einen gesetzlichen Anspruch auf einen Platz in einer Tageseinrichtung. F├╝r Weinheim wird die Zeit knapp, die von der Landesregierung vorgeschriebene Betreuungsquote von 34 Prozent zu erreichen. Daf├╝r fehlen noch 40 Pl├Ątze. Der Gemeinderat hat heute Ausbauma├čnahmen in H├Âhe von knapp 6,5 Millionen Euro beschlossen.

Von Lydia Dartsch

Der August kommt mit schnellen Schritten und der Ausbau der Kindertagesst├Ątten braucht seine Zeit. Deshalb wird die Stadt den Vorgaben des Landes nicht rechtzeitig nachkommen k├Ânnen. Die sieht eine Betreuungsquote von 34 Prozent vor. Der Gemeinderat rechnet damit, dass im August etwa 1.750 Kinder in Weinheim leben werden und f├╝r jedes dritte Kind wird ein Platz beantragt wird. Von den 375 ben├Âtigten Kindergarten- und Krippenpl├Ątzen fehlen momentan noch vierzig, also knapp zehn Prozent. Bis 2015 sollen 64 weitere Pl├Ątze geschaffen werden. F├╝r die Gemeinde ist das allerdings eine immense finanzielle Belastung: Allein um ├Âffentliche Tr├Ąger zu bezuschussen, wurden dieses Jahr im Haushaltsplan knapp 6,5 Millionen Euro veranschlagt. Wie viele Eltern tats├Ąchlich einen Kindergartenplatz beantragen werden, ist noch nicht bekannt. Die Stadtverwaltung rechnet aber damit, dass die angestrebte Quote von 34 Prozent nicht ausreichen wird.

Wir teilen diese Auffassung und werden den Ausbau der Kinderbetreuung uneingeschr├Ąnkt unterst├╝tzen,

sagte Christina Eitenm├╝ller (CDU). Nach ihrer Ansicht geben die Planzahlen Anlass zur Hoffnung, dass die Messlatte von 34 Prozent nur knapp verfehlt werde. Nach Christian Mayer (Freie W├Ąhler) fehlten rein rechnerisch 354 Pl├Ątze.

Ob die Stadt den Richtwert erf├╝llt oder nicht ist ein Zahlenspiel. Oberb├╝rgermeister Bernhard rechnete gestern aus, dass zwar weniger Pl├Ątze geben wird als die gesetzlich geforderten 34 Prozent f├╝r Kinder unter drei Jahren. Da Kinder aber erst ab einem Jahr in Krippen betreut w├╝rden, ergebe das eine Betreuungsquote von derzeit 45 Prozent bei den Kindern zwischen einem und drei Jahren. Bis 2015 rechne er mit 53 Prozent nach den derzeit geplanten Ma├čnahmen.

Bis zu 30 Ganztagspl├Ątze in L├╝tzelsachsen

Der evangelische Kindergarten in L├╝tzelsachsen plant zwischen 25 und 30 Ganztagspl├Ątze mit einer ├ľffnungszeit bis 17:00 Uhr. Daf├╝r sind umfangreiche Sanierungs- und Erweiterungsma├čnahmen erforderlich: Nach den Pl├Ąnen der Kirchengemeinde soll der Kindergarten einen neuen Anbau erhalten, in dem ein Ruheraum, ein Personalraum und ein Bewegungsraum f├╝r ein Sportangebot untergebracht werden sollen. Au├čerdem soll ein neuer Zugangsbereich entstehen, ein Windfang gebaut und der Essbereich ausgebaut werden. Der Essbereich soll zusammen mit einer neuen K├╝che, einem B├╝ro und einem Elternzimmer in die R├Ąume des bisherigen Pfarrb├╝ros ziehen. Das B├╝ro soll in andere R├Ąume umziehen. Die bestehende K├╝che wird k├╝nftig als Lager- und Abstellraum sowie als Hauswirtschaftsraum genutzt werden.

F├╝r diese Umbauten hat die Kirchengemeinde 776.523 Euro veranschlagt. Die Stadt bezuschusst den Bau mit 70 Prozent der Investitionssumme, insgesamt 543.000 Euro. Die werden der Kirchengemeinde in den kommenden drei Jahren in Raten ausgezahlt. Die Kosten f├╝r den von der Kirchengemeinde gew├╝nschte Umzug des Pfarrb├╝ros tr├Ągt diese selbst. Neue Kindergartenpl├Ątze werden durch den Umbau aber nicht entstehen. Der Gemeinderat stimmte einstimmig f├╝r die Zusch├╝sse an den evangelischen Kindergarten.

Neue Pl├Ątze noch im laufenden Kindergartenjahr

Die Bedarfsplanung der Kinderbetreuungspl├Ątze h├Ątte Oberb├╝rgermeister Heiner Bernhard gerne einfacher gehabt, sagte er. Das sei aber nicht m├Âglich:

Wir haben beachtliche Fortschritte gemacht. Ich hoffe, dass wir in Zukunft auch gen├╝gend Personen finden, um alle Gruppen zu betreuen,

sagte er. Besonderes Augenmerk wolle er auf die Ausbildung und das gesellschaftliche Ansehen der Erzieherinnen und Erzieher:

Unsere Kinder und Jugendliche sind darauf angewiesen, dass sie von Menschen ausgebildet und betreut werden, denen der Beruf Spa├č macht.

Dem stimmte auch Stella Kirgiane-Efremidis (SPD) zu:

Generell muss der Beruf der Erzieher attraktiver werden, damit auch mehr M├Ąnner ihn ergreifen wollen und Vorbildfunktionen ├╝bernehmen k├Ânnen.

Neue Kindergartenpl├Ątze werden noch im laufenden Kindergartenjahr entstehen. Im katholischen Kindergarten „St. Marien“ wurden 20 neue Ganztagspl├Ątze geschaffen. Noch im April wird der evangelischen Kindergarten „Kindernest“ eine dritte altersgemischte Gruppe von 20 Pl├Ątzen in Betrieb nehmen. 18 Ganztagspl├Ątze wurden im evangelischen „Wurzelkindergarten“ in Sulzbach geschaffen. Au├čerdem wurde bereits zum Anfang diesen Jahres eine weitere Krippengruppe im „Wichtelst├╝bchen“ der Arbeiterwohlfahrt in L├╝tzelsachsen er├Âffnet. Im Waldorf-Kindergarten in der Kurt-Schumacher-Stra├če wurde im Januar eine Krippengruppe mit zehn Pl├Ątzen eingerichtet.

F├╝r das Kindergartenjahr 2013/14 ist vorgesehen, dass Kinder zwischen einem und zwei Jahren bevorzugt in Kinderkrippen untergebracht werden. Ab zwei Jahren sollen sie in altersgemischten Gruppen versorgt werden. Vor allem Ganztagspl├Ątze fehlen. Die Wartelisten sind lang. Im evangelischen Kindergarten „L├Âwenzahn“ in Oberflockenbach wird seit Februar eine Ganztagsbetreuung an drei Tagen angeboten. Das Angebot l├Ąuft derzeit probeweise f├╝r sechs Monate. Stadtr├Ątin Dr. Helene Eggert (GAL) lobte die Entscheidung der Verwaltung, die Kinderbetreuung der Unter-Dreij├Ąhrigen in Krippen und altersgemischte Gruppen zu teilen.

Einbindung der Freudenbergkita entscheidet sich noch dieses Jahr

Im Kindergarten „Baumhaus“ m├Âchte die evangelische Kirchengemeinde eine altersgemischte Gruppen einf├╝hren. Das h├Ąlt die Stadtverwaltung aber derzeit nicht f├╝r vertretbar, da sie dadurch hohe Platzverluste erwartet. Im Juli 2013 will das Pilgerhaus eine Krippe mit zwei Gruppen im Dienstleistungszentrum am Kreiskrankenhaus er├Âffnen. F├╝r den 01. M├Ąrz 2014 hat zudem der Postillon e.V. beantragt, mit dem sechsgruppigen Kindergarten auf dem Betriebsgel├Ąnde der Firma Freudenberg in die Bedarfsplanung der Stadt einbezogen zu werden. Dar├╝ber wird der Gemeinderat noch in diesem Jahr abstimmen. Bereits gestern waren sich die Stadtr├Ąte darin einig, diese Entwicklung zu unterst├╝zen:

Wir freuen uns ├╝ber das Angebot der Firma Freudenberg,

sagte Stadtr├Ątin Kirgiane-Efremidis (SPD).

Eine zus├Ątzliche Ganztragsgruppe k├Ânnte im kommenden Kindergartenjahr in der Kindertagesst├Ątte B├╝rgerpark eingerichtet werden, in den R├Ąumen des Stadtseniorenrats. Allerdings m├╝ssen f├╝r diesen zun├Ąchst neue R├Ąume gefunden werden.

Zentrales Vergabeverfahren f├╝r st├Ądtische Einrichtungen

Die Platzvergabe wird in den konfessionellen und st├Ądtischen Einrichtungen jeweils zum 15. April vorgenommen. Bei der Vergabe werden vorrangig Kinder ber├╝cksichtigt, die in Weinheim gemeldet oder in Dauerpflege sind. Ein Rechtsanspruch auf die Aufnahme in einer bestimmten Einrichtung besteht nicht. Peter Lautenschl├Ąger (Weinheim Plus) regte an, neben den Betreuungseinrichtungen auch auf das Angebot der Tagesm├╝tter und -v├Ąter hinzuweisen.

Erst f├╝r das Kindergartenjahr 2014/15 strebt die Stadtverwaltung ein zentrales Vergabeverfahren f├╝r alle Einrichtungen an. Bis dahin vergeben die konfessionellen und freien Tr├Ąger die Pl├Ątze in eigener Regie. Die Kriterien f├╝r die Vergabe der st├Ądtischen Pl├Ątze im derzeitigen zentralen, einrichtungs├╝bergreifenden Anmeldeverfahren sind die Besch├Ąftigung und der Besch├Ąftigungsumfang der Eltern und die Wohnortsn├Ąhe der Einrichtung. Au├čerdem wird ber├╝cksichtigt, ob Geschwisterkinder bereits in der Einrichtung aufgenommen sind. Der Gemeinderat verabschiedete die Bedarfsplanung einstimmig.

 

 

├ťber Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.