Dienstag, 23. Mai 2017

Error, no Ad ID set! Check your syntax!
Oberb├╝rgermeister soll Alternative f├╝r Stadtmarketing pr├╝fen

Altstadtgalerie wird zum Politikum

Weinheim, 18. September 2014. (red/ld) Souvenirs statt handgearbeiteter Goldschmiedekunst? Das wollte sich der Ausschuss f├╝r Technik und Umwelt (ATU) am Mittwoch nicht bieten lassen. Eigentlich sollte vorberaten werden, dass das Stadt- und Tourismusmarketing ihre k├╝nftige Bleibe im Erdgeschoss am Marktplatz 1 um das Erdgeschoss am Marktplatz 3 erweitert. Gleichzeitig sollten 445.000 Euro Sanierungs- und Umbaukosten f├╝r die R├Ąume beschlossen werden – knapp das Doppelte der anfangs veranschlagten 245.000 Euro.

 

Noch werden am Marktplatz Kunsthandwerk und Schmuck verkauft. Bald soilen es Souvenirs sein.

Noch werden am Marktplatz Kunsthandwerk und Schmuck verkauft. Bald soilen es Souvenirs sein.

 

Von Lydia Dartsch

Dieses Vorhaben w├╝rde das Aus der dortigen Altstadt-Galerie von Helga Tritschler bedeuten. Die k├Ąmpft derzeit mit Unterschriftensammlungen und viel ├ľffentlichkeit f├╝r den Erhalt ihres Unternehmens, f├╝r das sie sogar schon eine Nachfolgerin gefunden hat: Die Goldschmiedin Helena Berghoff.

Doch Oberb├╝rgermeister Heiner Bernhard will das Stadt- und Tourismusmarketing, dessen erster Vereinsvorsitzende er ist, unbedingt erweitern. Daran k├Ânnen auch die gut 2.600 Unterschriften f├╝r den Erhalt der Altstadtgalerie nichts ├Ąndern. Der Mietvertrag mit Frau Tritschler l├Ąuft zum 30. April aus. Dass er nicht verl├Ąngert wird – davon hatte Frau Tritschler aus der Presse erfahren (wir berichteten). Der ATU sollte nun gem├Ą├č seines Beschlusses vom November 2013 auch die Erweiterung beschlie├čen.

Fraktionen wollen Altstadtgalerie behalten

„Wenn seitens der Verwaltung ein Optimierungspotenzial am Marktplatz 3 gesehen wird, sind wir grunds├Ątzlich daf├╝r“, sagte CDU-Stadtrat Holger Haring. Allerdings forderte die Fraktion f├╝r die Erweiterung ein umfassendes Konzept ├╝ber die Aufgaben und notwendige Ausstattung des Stadtmarketings, das diese Entscheidung rechtfertigt. In dieser Form wolle man den Vorschlag der Verwaltung nicht beschlie├čen.

Stattdessen sollte der Architekt damit beauftragt werden, die r├Ąumliche Nutzung, die f├╝r den Marktplatz 3 vorgesehen war, f├╝r den urspr├╝nglich beschlossenen Standort am Marktplatz 1 zu entwickeln. Daniel Schw├Âbel (SPD) sagte, dass es bei der Diskussion um den Standort mehrere Optionen gegeben habe, die gr├Â├čeren Raumbedarf zugelassen h├Ątten – beispielsweise einen Pavillon am Minigolf-Platz. Auf die Altstadtgalerie wolle die Fraktion nicht verzichten.

Publikum statt Schreibtische

Die vorgelegte Raumplanung sieht vor, dass in den R├Ąumen der bestehenden Altstadtgalerie eine Touristeninformation mit Verkaufsfl├Ąche entsteht. Nebenan, in der Hausnummer 1 sollen B├╝ror├Ąume entstehen. „An dieser Stelle sollen keine Schreibtische entstehen, sondern Publikumsverkehr“, sagte Dr. Elke K├Ânig (Weinheimer Liste), die ebenfalls f├╝r die Neupr├╝fung pl├Ądierte. Auch die GAL, die Linke und die FDP forderten, dass das Stadtmarketing am Marktplatz 1 belassen wird.

 

So stellt sich die Stadtverwaltung das neue Heim des Stadt- und Tourismusmarketing e.V. vor.

So stellt sich die Stadtverwaltung das neue Heim des Stadt- und Tourismusmarketing e.V. vor.

 

Unmut gab es auch ├╝ber die Kostensteigerung von 245.000 auf 445.000 Euro. „Wir haben den ersten Kosten im November zugestimmt. Jetzt sollen wir en passant das Doppelte beschlie├čen“, sagte Susanne Beate Kr├╝ger (FDP). W├Ąhrend sich die Weinheimer Liste zu den Investitionen bereit erkl├Ąrte, falls das Stadtmarketing in der Hausnummer 1 bleibe, sagte Daniel Schw├Âbel (SPD), dass man die knappe halbe Million Euro nicht in die Hand nehmen wolle.

Einstimmig beauftragte der ATU die Verwaltung, „auch“ eine Alternative pr├╝fen zu lassen, die nur die R├Ąume am Marktplatz 1 vorsieht und dort das erste Obergeschoss miteinbezieht. Bis November soll dem Gemeinderat zudem ein Konzept f├╝r den Verein Stadt- und Tourismusmarketing samt Personalkonzept und Kostenberechnung vorgelegt werden.

Alternativen „auch“ pr├╝fen

Die Anregung, auch den Keller in die Planung einzubeziehen, halte er f├╝r „illusorisch“, sagte Oberb├╝rgermeister Heiner Bernhard. Diese Ma├čnahme w├╝rde jeglichen Rahmen sprengen: „Die Sanierung sollten wir nachfolgenden Generationen vorbehalten.“

Damit ist die Altstadtgalerie noch lange nicht gerettet. Weiteres muss der Gemeinderat im November beschlie├čen. Bis dahin brauche die Verwaltung, um das geforderte Konzept vorzulegen, sagte Herr Bernhard. Au├čerdem steht in der Beschlussformulierung das Wort „auch“. Ob man dieses nicht streichen k├Ânne, wollte Dr. K├Ânig wissen. Schlie├člich h├Ątten sich alle Fraktionen gegen die Erweiterung auf Hausnummer 3 ausgesprochen. Oberb├╝rgermeister Heiner Bernhard:

Was auf der Tagesordnung steht, bestimme immer noch ich.

├ťber Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.