Mittwoch, 20. September 2017

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Dr. Torsten Fetzner als Erster B├╝rgermeister wiedergew├Ąhlt

Der alte ist der neue Erste

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Weinheim, 18. September 2013. (red) Aktualisiert. Dr. Torsten Fetzner ist und bleibt Erster B├╝rgermeister in Weinheim. In der heutigen Gemeinderatssitzung ist der 54-j├Ąhrige Bauingenieur erneut gew├Ąhlt worden und ist nun weitere acht Jahre als technischer Dezernent f├╝r „alles mit Bau“ zust├Ąndig.

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Viel Respekt – wenig Liebe. Die Wiederwahl von Dr. Torsten Fetzner hat auch etwas mit Schicksal zu tun.

 

Aktualisierung, 19. September 2013, 17:00 Uhr: Der Gemeinderat hat 44 Stimmen, 43 von Stadtr├Ąt/innen sowie die Stimme des Oberb├╝rgermeisters. 40 waren bei der Wahl anwesend. 36 Stimmen entfielen auf Dr. Fetzner, vier Stadtr├Ąt/innen stimmten gegen ihn. Das entspricht einer Zustimmung von 90 Prozent.

Von Hardy Prothmann

Die Wiederwahl kommt nicht ├╝berraschend – es gab keinen Gegenkandidaten. Aus den Reihen der Fraktionen sowieso nicht und von au├čerhalb auch nicht.

Denn Dr. Torsten Fetzner hat sich den Respekt der Fraktionen „erarbeitet“, wie reihum betont wurde. Bis auf eine Ausnahme. Denn er hat sich auch Respekt verspielt: Ausgerechnet bei der Gr├╝n-Alternativen-Liste (GAL), f├╝r die er selbst zuvor lange Jahre Stadtrat war, bevor er sich „├╝berraschend“ vor acht Jahren zum Ersten B├╝rgermeister gleich im ersten Wahlgang gegen einen favorisierten CDU-Kandidaten durchsetzen konnte.

Verlorene Liebe

Die gr├╝ne Stadtr├Ątin Elisabeth Kramer verlangte eine geheime Abstimmung und sagte zuvor bei den Stellungnahmen:

Wir wissen, dass er Lobeshymnen nicht mag, deswegen halten wir uns zur├╝ck.

Sie h├Ątte auch sagen k├Ânnen: „Ich gebe Dir eine Ohrfeige.“ Wer die politischen Verh├Ąltnisse verfolgt, wei├č, dass die GAL den Ersten B├╝rgermeister am kritischsten sieht. Man ist entt├Ąuscht von ihm. Von seinem, wie er selbst sagt, „Einsatz f├╝r Breitwiesen, um den Hammelsbrunnen zu sch├╝tzen“. Im gr├╝n-alternativen Lager glaubt ihm das niemand mehr.

Als er vergangene Woche Donnerstag in der Stadthalle bei einer Podiumsdiskussion zum Thema sagte, jeder wisse, dass er den Gr├╝nen verbunden sei, rief jemand aus dem Publikum: „Aber wir nicht mehr mit Dir.“ Ein paar klatschten und tuschelten. Dr. Torsten Fetzner ist bei den Gr├╝nen in Ungnade gefallen. Der Bruch ist nicht endg├╝ltig, aber die Risse sind tief.

Breitwiesen oder Hammelsbrunnen sind sein Schicksal

Und der Hauptgrund daf├╝r ist der bevorstehende B├╝rgerentscheid mit der Frage, ob Breitwiesen im Tausch mit Hammelsbrunnen Gewerbegebiet wird oder nicht.

Seine Argumentation, dass er immer den Hammelsbrunnen (auch als Naherholungsgebiet vor allem f├╝r die Weststadt) sch├╝tzen wollte, ist glaubw├╝rdig. Sein leidenschaftlicher Einsatz ist belegt. Ob bei Veranstaltungen, in Gespr├Ąchen auch mit unserer Redaktion und sogar auf Facebook. Dr. Torsten Fetzner sucht den Kontakt und die Kommunikation. Diese N├Ąhe macht ihn zu einem der herausragendsten B├╝rgermeister in der Region.

Aber: Niemand ist ohne Fehler und Herr Dr. Fetzner hat eine Menge davon gemacht. Er hat sich zu sehr vor den Karren spannen lassen oder das selbst entschieden. Wie auch immer. Seine Auftritte, bei denen er wie der Oberb├╝rgermeister zuletzt das Blaue vom Himmel herunter versprochen hat, haben zum ├ärger mit seiner politischen Heimat gef├╝hrt. Auch ich musste ihn, trotz aller Wertsch├Ątzung, daf├╝r massiv kritisieren.

Das Leiden des Torsten F.

Und der Sch├Ângeist Fetzner leidet darunter. Der musikbegeisterte T├Ąnzer m├╝sste allerdings auch wissen, dass man nur harmonisch miteinander tanzen kann, wenn beide wissen, welche Schritte zu tun sind. ├ťberraschende Ausfallschritte st├Âren die Harmonie.

Nun hat ein Erster B├╝rgermeister vielleicht eine gr├╝ne Seele – muss aber im Amt auch andere Anspr├╝che bedenken, ber├╝cksichtigen und entscheiden. Da kann ein frisches Gr├╝n schon mal moosig werden.

Sehr gut gef├Ąllt Herr Dr. Fetzner ganz ├╝berwiegend im Gemeinderat als Gegenentwurf zum Oberb├╝rgermeister. W├Ąhrend der mal zornig poltert oder hemds├Ąrmelig charmiert oder kumpelhaft scherzt, ist der Erste B├╝rgermeister immer leise, korrekt, sehr zugewandt und konzentriert. Er ist der Feine, der andere der grobschl├Ąchtige.

Insbesondere in Sachen Breitwiesen ist er zunehmend zart besaitet. Er leidet unter den Angriffen, die er aber teils selbst herausfordert. Er leidet unter dem Streit. Denn er w├╝rde es gerne Allen recht machen. Das kann er aber nicht. Am Sonntag entscheidet das Volk, was er zu tun hat.

Umgekehrt muss man ihm seine Ehrlichkeit anrechnen. Von seiner Bekenntnis, lieber Breitwiesen als den Hammelsbrunnen zu entwickeln, ist er nicht abgewichen, hat sich geduldig mit allen beteiligten Personen auseinandergesetzt. Auch beim Thema Windenergie ist das so. Eigentlich bei allen Themen, die ihn angehen. Mangelndes Engagement mag ihm niemand vorwerfen. Der GAL muss man mangelnde Gr├Â├če vorwerfen, dass es nicht ein lobendes Wort gab, auch wenn sich der B├╝rgermeister dabei ziert. Soviel „Zumutung“ w├Ąre angebracht gewesen.

Er wird es fortan bei der GAL schwer haben. Dort sind einige sehr entt├Ąuscht von ihm. Dieser Liebeskummer verst├Ârt den empfindsamen B├╝rgermeister schon heute. Wer ihn gut kennt, sieht ihm erste Spuren der Auseinandersetzung an.

Sicherheiten vs. Unsicherheiten

Die Weinheimer/innen d├╝rfen davon ausgehen, dass ihr Erster B├╝rgermeister genau zugeh├Ârt hat. Er wei├č, was argumentiert wurde und welche Anspr├╝che es gibt. Der Baub├╝rgermeister wird das ber├╝cksichtigen.

Es wird nicht ├╝berraschend sein, dass er auch hier viele Menschen entt├Ąuschen wird, weil er andere Positionen vertritt, als die, die man sich von ihm w├╝nscht.

Mit der erneuten Wahl hat Herr Dr. Fetzner seine vollen Rentenanspr├╝che sicher. Mit sp├Ąter 62 Jahren hat er erstens zwei Amtsperioden und ist ├╝ber 55 Jahre alt.

Jeder B├╝rgermeister einer Kommune geht – mal mehr, mal weniger – in die Geschichte der betreffenden Gemeinde ein. Man darf gespannt sein, wie Herr Dr. Fetzner die kommenden acht Jahre ausf├╝llt.

Falls die B├╝rger/innen sich f├╝r die Entwicklung von Breitwiesen entscheiden, ist das geschichtstr├Ąchtig. ├ťber 40 Hektar freies Gel├Ąnde zu entwickeln, ist eine gro├če Herausforderung. Vor allem nach den aktuellen „Zusagen“, dass man Ansiedlungen zwischen 1-5 Hektar plane. Das sind also (Ausgleichsfl├Ąchen!) vier bis 20 Bauplanverfahren, die hier erarbeitet werden m├╝ssten. Jede Menge Arbeit.

Falls die B├╝rger/innen sich dagegen entscheiden, wird es das gro├če pers├Ânliche Dilemma f├╝r Dr. Torsten Fetzner werden. Dann muss er sich fragen lassen, ob er den Hammelsbrunnen tats├Ąchlich weiter sch├╝tzen will oder ob er ihn als zust├Ąndiger B├╝rgermeister gnadenlos bebauen l├Ąsst. Eine Schicksalsfrage.

Dilemma vs. L├Âsung

Die Gewissensentscheidung w├Ąre dann unausweichlich. Eine L├Âsung des Dilemmas k├Ânnten erheblichste Anstrengungen sein, vielleicht nur einen Teil von Hammelsbrunnen zu bebauen, den gr├Â├čten Teil zu sch├╝tzen und daf├╝r andere L├Âsungen zu finden.

Der Sonntag wird entscheiden, ob die historische Zukunft des Herrn Dr. Torsten Fetzner die eines Trabanten-Oberaufsehers oder die eines gewieften „Innenentwicklers“ sein wird.

Ich pers├Ânlich w├╝rde ihm die zweite Herausforderung w├╝nschen. Freie Fl├Ąchen zubetonieren kann jeder. Die Seele und den Rhythmus einer Stadt verstehen und bewegen, das ist eine ganz besondere Aufgabe. Auch f├╝r den Gemeinderat. Auf meine Einwendungen hin hat Herr Dr. Fetzner eindeutig und glaubhaft versichert, dass er sich f├╝r eine „kleinteilige“ Bebauung der Breitwiesen einsetzen w├╝rde und nat├╝rlich der Souver├Ąn, also der Gemeinderat, die Planungs- und Entscheidungshoheit habe.

Eigentlich ist es schade, wenn man h├Ârt, dass viele Stadtr├Ąt/innen sich wenig eigene Gedanken machen und die Verwaltung zu Vorschl├Ągen auffordern. Wenn man das aber wei├č, dann ist der Ball bei Herrn Dr. Fetzner. Er hat viel Macht. Und man wird ihn daran messen, wie┬á er damit umgeht.

Auch hier hat er noch viel Arbeit vor sich.

Unsere Bildergeschichte:

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├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • Hans-Ulrich Sckerl

    Lieber Herr Prothmann, Ihre Spekulation ├╝ber die „erkaltete Liebe“
    zwischen den Gr├╝nen/GAL und Torsten Fetzner in Ehren. Aber wir reden von
    v├Âllig normalen Vorg├Ąngen.

    Von „Entt├Ąuschung“ kann keine Rede sein.

    Niemand erwartet von einem Ersten Beigeordneten zu 100% Parteipolitik;
    er ist vielmehr dem Gemeinwohl und den Mehrheitsbeschl├╝ssen des
    Gemeinderats verpflichtet. Das schlie├čt selbstverst├Ąndlich Konflikte
    zwischen der GAL-Fraktion und Fetzner ein, die es nat├╝rlich gegeben hat
    und auch in Zukunft geben wird.

    Wir reden da nicht um den hei├čen Brei herum, sondern machen das transparent. Es gibt (mehr) Themen, da unterst├╝tzt die GAL-Fraktion Fetzner, z.B. bei der Energiewende, es gibt(weniger) Themen, da haben wir unterschiedliche Positionen.

    So what?

    Die geheime Abstimmung bei seiner Wiederwahl entsprach vollauf dem
    Wunsch von Fetzner selbst. Sie k├Ânnen ihn dazu gerne befragen. Die freie
    und geheime Wahl ist eine demokratische Errungenschaft, die auch kein
    „Gruppenzwang“, wie er in diesem Gemeinderat gerne mal auszu├╝ben
    versucht wird, aushebeln kann. Wir leben schlie├člich nicht in einer
    Bananenrepublik.

    Mit besten Gr├╝├čen
    Ihr Uli Sckerl