Mittwoch, 20. September 2017

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Gut 600 Weinheimer demonstrieren gegen die Pl├Ąne der Stadtverwaltung f├╝r die Mehrzweckhalle Hohensachsen

„Wir brauchen nur ein neues Dach“

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├ťber 600 Menschen aus Hohen- und L├╝tzelsachsen hatten sich gestern nachmittag am Marktplatz versammelt und hatten gegen die Pl├Ąne der Stadt demonstriert, die Mehrzweckhalle in Hohensachsen abzurei├čen und das Viktor-Dulger-Hallenbad zu schlie├čen. Sie warfen der Verwaltung Intransparenz vor.

├ťber 600 Menschen aus Hohen- und L├╝tzelsachsen hatten sich gestern nachmittag am Marktplatz versammelt und hatten gegen die Pl├Ąne der Stadt demonstriert, die Mehrzweckhalle in Hohensachsen abzurei├čen und das Viktor-Dulger-Hallenbad zu schlie├čen. Sie warfen der Verwaltung Intransparenz vor.

 

Weinheim, 18. Juni 2013. (red/ld) Die Hohensachsener sind sauer. Die Stadtverwaltung will ihre Mehrzweckhalle mit Schwimmbad platt machen und als Fl├Ąche f├╝r Wohnbebauung verkaufen. Als Ersatz daf├╝r sollen sich Hohensachsen und L├╝tzelsachsen eine neue Halle teilen, die zwischen den beiden Ortsteilen entstehen soll. Ein neues Viktor-Dulger-Hallenbad wird es nicht geben. Eigentlich sollte das morgen in der Gemeinderatsitzung beschlossen werden. Nach ersten Protesten ist dieser Punkt erstmal von der Tagesordnung. Ein kleiner Erfolg f├╝r die Hohensachsener, aber noch nicht das gew├╝nschte Ergebnis. Was sie von der Stadtverwaltung wollen, taten gestern weit mehr als 600 Menschen – von jungen Familien bis zu Senioren – lautstark kund.

Von Lydia Dartsch

Schon von weitem h├Ârte man die Trillerpfeifen und Pfiffe der Demonstranten am Marktplatz. Dort hatten sich am sp├Ąten Nachmittag weit mehr als 600 Hohensachsener und L├╝tzelsachsener versammelt. Die B├╝rgerinitiative Hohensachsen sowie die Sport- und Wassersportvereine hatten zu der Demonstration aufgerufen. Gemeinsam zogen sie lautstark vor das Rathaus:

Wir brauchen keine neue Halle. Wir brauchen nur ein neues Dach!

riefen sie. Viele hatten Taucherbrillen, Schwimmringe und Flossen mitgebracht.

Die Menschen f├╝rchten um ihre Mehrzweckhalle mit Viktor-Dulger-Hallenbad. Beide m├╝ssen saniert werden. Das wollen die Hohensachsener. Die Stadtverwaltung will sie abrei├čen und eine neue gemeinsame Halle f├╝r Hohensachsen und L├╝tzelsachsen n├Ârdlich der Muckensturmer Stra├če bauen.

Vor allem Wassersportler, Senioren und Kinderg├Ąrten nutzen das Viktor-Dulger-Hallenbad. Insgesamt verzeichnen die Betreiber jedes Jahr 26.000 Besucher.

Vor allem Wassersportler, junge Familien, Senioren und Kinderg├Ąrten nutzen das Viktor-Dulger-Hallenbad. Insgesamt verzeichnen die Betreiber jedes Jahr 26.000 Besucher.

 

Die Hohensachsener f├╝rchten dadurch Einbu├čen in ihrer Lebensqualit├Ąt:

Wenn uns das Hallenbad genommen wird, wissen wir nicht mehr wohin,

sagte Eveline Brandis aus Hohensachsen. Die 70-j├Ąhrige Rentnerin kommt allw├Âchentlich zum Aquajogging ins Viktor-Dulger-Hallenbad. Weinheim habe keinen Platz f├╝r sie, sagte die Frau, die neben ihrer Sportst├Ątte um den Arbeitsplatz ihrer Trainerin bangt.

26.000 Menschen nutzen das Viktor-Dulger-Hallenbad jedes Jahr. F├╝r Vereine wie Aqua-Fun, dem Tauchverein Hohensachsen und dem TC Aqua w├Ąre der Abriss das Aus:

Wir brauchen die Halle, um unseren Nachwuchs dort auszubilden,

sagte Gerhard Himmel, erster Vorsitzender des Tauchclub Aqua.

Auch Peter Horner ist ratlos. Seine beiden Kinder nutzen die Mehrzweckhalle mit dem Kindergarten.

Die Halle ist jetzt schon gut ausgelastet. Wenn es eine gemeinsame Halle f├╝r zwei Stadtteile gibt, wird das schon eng. Ich wei├č nicht, wie das funktionieren soll,

sagte er. Mit seiner Familie habe er schon mehrfach Veranstaltungen dort besucht.

„Es ist sehr beeindruckend“

Der Erste B├╝rgermeister, Dr. Torsten Fetzner, war stellvertretend f├╝r die Stadtverwaltung vor das Rathaus gekommen, um den Protest der B├╝rgerinnen und B├╝rger anzuh├Âren. Oberb├╝rgermeister Heiner Bernhard war durch einen ausw├Ąrtigen Termin verhindert. Aus dem Gemeinderat war nur Elisabeth Kramer (GAL) vertreten, um sich den Protest der Menschen anzuh├Âren.

Es ist beeindruckend, wie viele Menschen heute her gekommen sind. Ich glaube, dass jeder in der Politik begriffen hat, dass Entscheidungen ohne die B├╝rger nicht funktionieren k├Ânnen. Das haben Sie heute zum Ausdruck gebracht,

sagte Dr. Fetzner den aufgebrachten Demonstranten.

"Wir wollten am Anfang mit allen reden. Wir wollten einen Moderationsprozess. Der Ortschaftsrat hat auf eine schnelle Einigung gedr├Ąngt." sagte uns Dr. Torsten Fetzner.

„Wir wollten am Anfang mit allen reden. Wir wollten einen Moderationsprozess. Der Ortschaftsrat hat auf eine schnelle Einigung gedr├Ąngt“, sagte uns Dr. Torsten Fetzner.

 

Der Vorwurf der Weinheimer: Die Stadtverwaltung will den Wunsch der drei Stadtteile Hohensachsen, L├╝tzelsachsen und Oberflockenbach nach Sport- und Veranstaltungshallen┬áin einem Hau-Ruck-Verfahren l├Âsen, ohne die Beteiligung der B├╝rger. Das stinkt den Hohensachsenern gewaltig.

F├╝r drei neue Hallen sei kein Geld vorhanden, sagt die Stadtverwaltung. Den Vorwurf, eine B├╝rgerbeteiligung abgelehnt zu haben, weist Dr. Torsten Fetzner von sich. Seiner Aussage nach h├Ątten die Ortschaftsr├Ąte diesen Vorgang abgelehnt.

Ein kleiner Teilsieg

Die Entscheidung ├╝ber die Hallenl├Âsung wird morgen erst einmal nicht gef├Ąllt. Das hatten die Hohensachsener bereits in der vergangenen Woche erreicht. Sie fordern mehr Transparenz und die M├Âglichkeit, sich einzubringen:

Wir versprechen, dass wir uns die Zeit nehmen werden, um L├Âsungen zu finden, die dem B├╝rgerwillen entsprechen,

sagte Dr. Fetzner den Demonstranten. Die GAL-Stadtr├Ątin Elisabeth Kramer sagte:

Eine Denkpause ist keine Pause vom Denken und sie wird nicht nur zum Nachdenken genutzt. Wir werden Gespr├Ąche f├╝hren mit Experten, mit Ihnen. Bitte haben Sie Verst├Ąndnis, dass noch keine Versprechungen gemacht werden k├Ânnen.

Daf├╝r wurde sie ausgebuht, erntete w├╝tende Pfiffe.┬áBereits am Sonntag hatte sie eine Gespr├Ąchsrunde der B├╝rger mit der GAL in der Mehrzweckhalle moderiert (wir berichteten).

"Wir wollen zu einem Gesamtkonzept kommen, um das Hallenproblem f├╝r alle B├╝rger zufriedenstellend zu l├Âsen", sagte Dr. Torsten Fetzner. Die Zeichnungen von den Kindern und 2.139 Unterschriften der Hohensachsenern nahm er gerne an.

„Wir wollen zu einem Gesamtkonzept kommen, um das Hallenproblem f├╝r alle B├╝rger zufriedenstellend zu l├Âsen“, sagte Dr. Torsten Fetzner. Die Zeichnungen von den Kindern und 2.139 Unterschriften der Hohensachsenern nahm er gerne an.

 

├ťber eine Stunde dauerte die Demonstration vor dem Weinheimer Rathaus. Die Kinder hatten Bilder gemalt, in denen sie ihre W├╝nsche f├╝r die Politiker festgehalten hatten. Eine Unterschriftenliste von 2.139 B├╝rgerinnen und B├╝rger wurde Dr. Torsten Fetzner ├╝bergeben. Der nahm beide – Zeichnungen und Unterschriften – entgegen und war schwer beeindruckt vom demonstrierten B├╝rger(un)willen.

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├ťber Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.