Freitag, 28. Juli 2017

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Prozess gegen Einbrecherbande aus Weinheim und Hemsbach

„Da gibt’s was zu holen“

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Gelcih zweimal brach die Bande in das selbe Haus ein und stahlen Schmuck, MĂŒnzen und auch eine Waffe. Heute wurde der Prozess fortgesetzt,

Gleich zweimal brach die Bande in das selbe Haus in Weinheim ein. Die TĂ€ter stahlen Schmuck, MĂŒnzen und auch eine Waffe. Heute wurde der Prozess fortgesetzt,

 

Mannheim/Weinheim/Hemsbach/Viernheim, 19. Juli 2013. (red/ld) Am Landgericht Mannheim wurde heute der Prozess gegen eine mutmaßliche Einbrecherbande fortgefĂŒhrt, die zwischen April und November 2012 mehrfach in Weinheim und Hemsbach eingebrochen waren – vor allem in Firmen. Dabei ging es immer darum, Geld zu beschaffen, um Drogen zu kaufen (wir berichteten). Heute ging die Vernehmung der Angeklagten weiter.

Von Lydia Dartsch

Unter anderem sagte heute der Angeklagte Ali G. aus. Bis Juni 2012 hatte er eine fĂŒnfmonatige Haftstrafe verbĂŒĂŸt. Erst danach sei er zu der Bande gekommen. Nach der Entlassung aus der Haft habe er bei einer Freundin gewohnt, danach ein Zimmer bei der Caritas gehabt. Er war arbeitslos, mittellos und zu seinen Eltern zu gehen, hatte er sich nicht getraut.

Die hÀtten mich bestimmt bei sich aufgenommen,

sagte er Richterin Bettina Krenz. Die befragte den 1983 geborenen Angeklagten, welche Rolle er bei dem Einbruch bei den Eltern seiner damaligen Freundin gespielt habe. Der Angeklagte Sebastian B. hatte ihn zuvor belastet und ausgesagt, Ali G. sei dabei gewesen und habe den Einbruch vorgeschlagen.

SpannungsverhĂ€ltnis: TĂŒrke und Griechin

Das sei frei erfunden, sagte G. Er habe nichts davon gewusst und sei ĂŒber die zerwĂŒhlte Wohnung sehr ĂŒberrascht gewesen, die er und seine Freundin nach einem Spaziergang aufgefunden hatten.

Richterin Krenz fragte nach einem Motiv fĂŒr den Einbruch. Das habe er nicht gehabt. Zwar habe er immer das GefĂŒhl gehabt, dass die Mutter seiner Freundin als Griechin etwas gegen die Verbindung ihrer Tochter mit einem TĂŒrken habe, jedoch habe sich das VerhĂ€ltnis ĂŒber die Jahre, die die Beziehung gedauert hat, entspannt. Man sei gemeinsam Essen gewesen und habe sich an Geburtstagen Geschenke gemacht.

Nach der Haftentlassung sei er clean gewesen. Erst als im September seine Mutter schwer krank wurde, habe er wieder Marihuana geraucht. Mit Sebastian B. habe er kaum Kontakt gehabt. Dieser habe sich auf „Hallo“ und „TschĂŒss“ beschrĂ€nkt. SpĂ€ter wurden sie Komplizen.

Beute in Bettlaken transportiert

Die Idee zu einem Einbruch in ein Weinheimer Haus hatte Ali G. und weihte Sebastian B. ein. Warum? Wollte Richterin Krenz wissen.

Das Haus sah so aus, als gÀbe da drinnen etwas zu holen,

sagte Ali G. aus. Was genau es zu holen gab, wollte die Richterin wissen. Er sagte, das wisse er nicht.

Gemeinsam seien er, Sebastian B. und ein dritter Mitangeklagter  in das Haus eingestiegen. Die TĂŒr stand offen. Taschen hĂ€tten sie keine dabei gehabt, um das Diebesgut zu transportieren. Deswegen packten sie es in Bettlaken: Schmuck, MĂŒnzen, WertgegenstĂ€nde und eine Pistole.

Niemand rechnet mit zweitem Einbruch ins selbe Haus

Diese habe Sebastian B. besonders gut gefallen. Er habe damit einem Bekannten von sich ins Fenster schießen wollen, um ihn zu erschrecken. Das habe Ali G. verhindern wollen und ihm deshalb die Pistole abgenommen. Er habe Sebastian B. vor Schlimmerem bewahren wollen. Er habe die Waffe anschließend auseinandergenommen, um sie unschĂ€dlich zu machen.

Warum er sie nicht entsorgt oder verkauft habe, wie alle anderen Dinge auch, wollte die Richterin wissen.

Wo hĂ€tte ich sie verkaufen oder entsorgen sollen? Ich kann doch nicht draußen mit einer Waffe herumlaufen. Wenn ich von der Polizei kontrolliert werde …

sagte er. Einige Zeit spĂ€ter seien sie erneut in dasselbe Haus eingebrochen. Wieder brauchten die jungen MĂ€nner Geld fĂŒr Drogen. Niemand rechne damit, habe Sebastian B. damals gesagt. Richterin Krenz bestĂ€tigte, dass das wirklich sehr „dreist“ sei und von krimineller Energie zeuge.

Beute in Frankfurt zu Geld gemacht

Beim zweiten Einbruch hĂ€tten sie wieder keine Taschen dabei gehabt und fĂŒr den Transport des Diebesguts einen Rollstuhl gestohlen, der der Hausbesitzerin gehört hatte – diese war bei beiden EinbrĂŒchen aber nicht im Haus. Ein Bekannter holte die MĂ€nner anschließend ein StĂŒck vom Tatort entfernt ab. Von der Tat hĂ€tter der aber nichts gewusst, sagte Ali G.

Am nĂ€chsten Morgen hĂ€tten er und Sebsatian B. sich bereits frĂŒh auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Um 08:00 Uhr seien sie angekommen. Dort wollten sie ihr Diebesgut vom Vorabend – hauptsĂ€chlich MĂŒnzen – verkaufen. Sie nahmen ein Taxi. FĂŒr 100 Euro. Richterin Krenz wollte wissen, ob es nicht gĂŒnstiger gewesen wĂ€re, mit der S-Bahn zu fahren. Sie hĂ€tten doch Geld gebraucht. Ali G. sagte:

Ich hatte zu dem Zeitpunkt einen großen Bart, wie ein Terrorist. Wie hĂ€tte ich da mit einer Sporttasche voller MĂŒnzen unentdeckt durch den Bahnhof kommen sollen?

Die Antwort soll auf Vorsicht schließen lassen. Richterin Krenz mutmaßte, dass es vielleicht auch bequemer gewesen sei, mit dem Taxi zu fahren.

4.000 Euro habe der Verkauf der Beute erbracht, sagte Ali G. Das Geld hĂ€tten sie aufgeteilt: 1.000 Euro fĂŒr jeden von ihnen. Sebastian B. habe sich davon „Klamotten“ gekauft. Er selbst habe keine passenden gefunden. Den Rest des Geldes wollten sie fĂŒr Drogen ausgeben. Ihren Dealer erreichten sie jedoch nicht. Richterin Krenz fragte, ob sie auch noch in den „Puff“ hĂ€tten gehen wollen. Ali G. sagte:

Gut wĂ€r’s gewesen, aber darauf sind wir nicht gekommen.

Der Prozess wird am Montag, 22. Juli, fortgesetzt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.