Donnerstag, 14. Dezember 2017

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Prozess gegen Einbrecherbande aus Weinheim und Hemsbach

„Da gibt’s was zu holen“

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Gelcih zweimal brach die Bande in das selbe Haus ein und stahlen Schmuck, M├╝nzen und auch eine Waffe. Heute wurde der Prozess fortgesetzt,

Gleich zweimal brach die Bande in das selbe Haus in Weinheim ein. Die T├Ąter stahlen Schmuck, M├╝nzen und auch eine Waffe. Heute wurde der Prozess fortgesetzt,

 

Mannheim/Weinheim/Hemsbach/Viernheim, 19. Juli 2013. (red/ld) Am Landgericht Mannheim wurde heute der Prozess gegen eine mutma├čliche Einbrecherbande fortgef├╝hrt, die zwischen April und November 2012 mehrfach in Weinheim und Hemsbach eingebrochen waren – vor allem in Firmen. Dabei ging es immer darum, Geld zu beschaffen, um Drogen zu kaufen (wir berichteten). Heute ging die Vernehmung der Angeklagten weiter.

Von Lydia Dartsch

Unter anderem sagte heute der Angeklagte Ali G. aus. Bis Juni 2012 hatte er eine f├╝nfmonatige Haftstrafe verb├╝├čt. Erst danach sei er zu der Bande gekommen. Nach der Entlassung aus der Haft habe er bei einer Freundin gewohnt, danach ein Zimmer bei der Caritas gehabt. Er war arbeitslos, mittellos und zu seinen Eltern zu gehen, hatte er sich nicht getraut.

Die h├Ątten mich bestimmt bei sich aufgenommen,

sagte er Richterin Bettina Krenz. Die befragte den 1983 geborenen Angeklagten, welche Rolle er bei dem Einbruch bei den Eltern seiner damaligen Freundin gespielt habe. Der Angeklagte Sebastian B. hatte ihn zuvor belastet und ausgesagt, Ali G. sei dabei gewesen und habe den Einbruch vorgeschlagen.

Spannungsverh├Ąltnis: T├╝rke und Griechin

Das sei frei erfunden, sagte G. Er habe nichts davon gewusst und sei ├╝ber die zerw├╝hlte Wohnung sehr ├╝berrascht gewesen, die er und seine Freundin nach einem Spaziergang aufgefunden hatten.

Richterin Krenz fragte nach einem Motiv f├╝r den Einbruch. Das habe er nicht gehabt. Zwar habe er immer das Gef├╝hl gehabt, dass die Mutter seiner Freundin als Griechin etwas gegen die Verbindung ihrer Tochter mit einem T├╝rken habe, jedoch habe sich das Verh├Ąltnis ├╝ber die Jahre, die die Beziehung gedauert hat, entspannt. Man sei gemeinsam Essen gewesen und habe sich an Geburtstagen Geschenke gemacht.

Nach der Haftentlassung sei er clean gewesen. Erst als im September seine Mutter schwer krank wurde, habe er wieder Marihuana geraucht. Mit Sebastian B. habe er kaum Kontakt gehabt. Dieser habe sich auf „Hallo“ und „Tsch├╝ss“ beschr├Ąnkt. Sp├Ąter wurden sie Komplizen.

Beute in Bettlaken transportiert

Die Idee zu einem Einbruch in ein Weinheimer Haus hatte Ali G. und weihte Sebastian B. ein. Warum? Wollte Richterin Krenz wissen.

Das Haus sah so aus, als g├Ąbe da drinnen etwas zu holen,

sagte Ali G. aus. Was genau es zu holen gab, wollte die Richterin wissen. Er sagte, das wisse er nicht.

Gemeinsam seien er, Sebastian B. und ein dritter Mitangeklagter┬á in das Haus eingestiegen. Die T├╝r stand offen. Taschen h├Ątten sie keine dabei gehabt, um das Diebesgut zu transportieren. Deswegen packten sie es in Bettlaken: Schmuck, M├╝nzen, Wertgegenst├Ąnde und eine Pistole.

Niemand rechnet mit zweitem Einbruch ins selbe Haus

Diese habe Sebastian B. besonders gut gefallen. Er habe damit einem Bekannten von sich ins Fenster schie├čen wollen, um ihn zu erschrecken. Das habe Ali G. verhindern wollen und ihm deshalb die Pistole abgenommen. Er habe Sebastian B. vor Schlimmerem bewahren wollen. Er habe die Waffe anschlie├čend auseinandergenommen, um sie unsch├Ądlich zu machen.

Warum er sie nicht entsorgt oder verkauft habe, wie alle anderen Dinge auch, wollte die Richterin wissen.

Wo h├Ątte ich sie verkaufen oder entsorgen sollen? Ich kann doch nicht drau├čen mit einer Waffe herumlaufen. Wenn ich von der Polizei kontrolliert werde …

sagte er. Einige Zeit sp├Ąter seien sie erneut in dasselbe Haus eingebrochen. Wieder brauchten die jungen M├Ąnner Geld f├╝r Drogen. Niemand rechne damit, habe Sebastian B. damals gesagt. Richterin Krenz best├Ątigte, dass das wirklich sehr „dreist“ sei und von krimineller Energie zeuge.

Beute in Frankfurt zu Geld gemacht

Beim zweiten Einbruch h├Ątten sie wieder keine Taschen dabei gehabt und f├╝r den Transport des Diebesguts einen Rollstuhl gestohlen, der der Hausbesitzerin geh├Ârt hatte – diese war bei beiden Einbr├╝chen aber nicht im Haus. Ein Bekannter holte die M├Ąnner anschlie├čend ein St├╝ck vom Tatort entfernt ab. Von der Tat h├Ątter der aber nichts gewusst, sagte Ali G.

Am n├Ąchsten Morgen h├Ątten er und Sebsatian B. sich bereits fr├╝h auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Um 08:00 Uhr seien sie angekommen. Dort wollten sie ihr Diebesgut vom Vorabend – haupts├Ąchlich M├╝nzen – verkaufen. Sie nahmen ein Taxi. F├╝r 100 Euro. Richterin Krenz wollte wissen, ob es nicht g├╝nstiger gewesen w├Ąre, mit der S-Bahn zu fahren. Sie h├Ątten doch Geld gebraucht. Ali G. sagte:

Ich hatte zu dem Zeitpunkt einen gro├čen Bart, wie ein Terrorist. Wie h├Ątte ich da mit einer Sporttasche voller M├╝nzen unentdeckt durch den Bahnhof kommen sollen?

Die Antwort soll auf Vorsicht schlie├čen lassen. Richterin Krenz mutma├čte, dass es vielleicht auch bequemer gewesen sei, mit dem Taxi zu fahren.

4.000 Euro habe der Verkauf der Beute erbracht, sagte Ali G. Das Geld h├Ątten sie aufgeteilt: 1.000 Euro f├╝r jeden von ihnen. Sebastian B. habe sich davon „Klamotten“ gekauft. Er selbst habe keine passenden gefunden. Den Rest des Geldes wollten sie f├╝r Drogen ausgeben. Ihren Dealer erreichten sie jedoch nicht. Richterin Krenz fragte, ob sie auch noch in den „Puff“ h├Ątten gehen wollen. Ali G. sagte:

Gut w├Ąr’s gewesen, aber darauf sind wir nicht gekommen.

Der Prozess wird am Montag, 22. Juli, fortgesetzt.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.