Freitag, 28. Juli 2017

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Giftanschlag auf Hund nicht festellbar

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Auf Hunde müssen die Halter achten wie auf ihre Kinder. Die meisten Vergiftungen passieren im Haushalt. Gezielte Giftköderanschläge gab es in den vergangenen Jahren keine.

Hunde an die Leine!, rät die Polizei. Auf sie müssen „Herrchen“ und „Frauchen“ achten wie auf ihre Kinder. Foto: Wikimedia CC-BY-SA-2.0

 

Viernheim, 19. Juni 2013. (red/ld) Es ist ein Horrorszenario für Hundebesitzer, das sich vor knapp zwei Wochen so abgespielt hat: Ein Mann aus Viernheim ist verzweifelt. Seinem Hund – ein elf Jahre alter Huskie-Mischling – geht es nicht gut: In der Nacht hatte dieser sich mehrfach erbrochen, hatte Magenkrämpfe. Was ist mit ihm los? Die Diagnose des Tierarztes ist niederschmetternd: Der Hund ist vergiftet! Der Tierarzt muss ihn einschläfern.

Von Lydia Dartsch

Auf dem Autobahndamm zwischen der Landauer und der Dürkheimer Straße muss es passiert sein. Beim Gassi gehen hatte der Hund etwas Essbares gefunden. Seinem Frauchen war plötzlich aufgefallen, dass ihr Hund etwas kaute. Was es genau war, konnte sie nicht mehr feststellen. Ehe sie ihren Vierbeiner davon abhalten konnte, hatte er seinen „Snack“ bereits herunter geschluckt.

Am Abend bahnte sich die Katastrophe an: Der Husky-Mischling, der sonst noch agil für sein Alter war, wurde mit einem mal sehr träge, wirkte benommen und erbrach sich auf den Teppichboden. Über Nacht erbrach er sich immer wieder.

Am darauffolgenden Morgen beschloss das Herrchen des Hundes, den Husky zum Tierarzt zu bringen. Dieser konnte den beiden nicht mehr helfen. Der Hund wurde eingeschläfert. Es war eine Vergiftung!

Keine vergifteten Köder in den letzten Jahren

Geschichten über vergiftete Köder, die Hundehasser auf den Spazierwegen hinterlassen, um Tiere gezielt zu töten gibt es immer wieder. Und meistens sind sie falsch: In den vergangenen zwei Jahren habe es keinen einzigen Fall von gezielten Vergiftungen an Hunden im Bereich Viernheim gegeben, sagt Stephen Nickel, Pressesprecher der Polizei Südhessen. Da stünde die Polizei in engem Kontakt zu den Tierärzten.

Wahrscheinlich hatte er etwas verdorbenes gefressen. Wenn man danach merkt, dass es dem Hund schlecht geht, sollte man so schnell wie möglich, den Hund zum Tierarzt bringen,

sagt er. Das gelte nach der Devise „Lieber einmal zu viel, als zu spät“. Auf jeden Fall sollten Hundehalter ihr Tier anleinen und es im Auge behalten, um solchen Fällen vorzubeugen.

Im Zweifelsfall soll man seinen Hund zum Tierarzt bringen, rät auch Tierärztin Annette Straub-Holz aus Viernheim. Ihr sind in letzter Zeit keine Fälle von Giftködern bekannt geworden. Die Zeichen für eine Vergiftung sind meist gut erkennbar:

Es fängt an mit Krämpfen, vermehrtem Speichelfluss und Erbrechen. Später können noch innere Blutungen dazu kommen,

sagt sie. Dann sei es aber meistens zu spät.

Das Gift lauert im Haushalt

Was viele nicht wissen: Viele Vergiftungen sind von Hundehaltern selbst „provoziert“ durch herumliegende Medikamente wie Schmerztabletten, Schlaftabletten oder die Antibabypille, die auf dem Nachttisch liegt:

Die darin enthaltenen Östrogene sind tödlich für Hunde,

sagt Frau Straub-Holz. Deshalb rät sie, Medikamente außerhalb der Reichweite der Tiere aufzubewahren:

Das ist wie mit kleinen Kindern: Die Hunde fressen die Pillen aus der Packung, weil sie sehen, dass Frauchen und Herrchen das auch tun.

Zu den gefährlichen Stoffen gehören außerdem Pflanzenschutzmittel im Garten oder Kunstdünger, der mit Hornspänen versetzt ist. Der rieche für die Hunde besonders lecker wegen der Späne.

Solche Mittel gehören unter Verschluss,

sagt die Tierärztin. Wenn der Dünger frisch ausgestreut ist, darf der Hund auch nicht in den Garten.

Sollte der Hund dennoch einmal etwas gefressen haben, das ihm nicht bekommt, rät sie dazu, ihn sofort zum Tierarzt zu bringen:

Die Hunde bekommen dann ein Mittel, das ihnen den Magen entleert und Kohletabletten, um ihn zu reinigen,

sagt sie.

Schön hört sich das nicht an, aber immer noch besser, als den liebsten Freund des Menschen zu verlieren.

Ob der Husky-Mischlung durch eine gezielte Vergiftung mit Ködern getötet worden ist oder der Hund auf andere Art das Gift zu sich genommen hat: Dazu wollte sich der Tierarzt nicht festlegen, weil der Mageninhalt nur auf Giftstoffe schließen ließ, aber nicht auf die Form.

Giftanschläge auf Hunde hat es gegeben und sind nie auszuschließen, in den meisten Fällen aber falsche Gerüchte. Anfang Mai wurde über Facebook in Heddesheim behauptet, entlang des OEG-Bahnhofs seien Giftköder ausgelegt worden. Angeblich sei ein Welpe eingegangen. Die Polizei hatte jedoch keine Meldung durch einen Tierarzt erhalten und zur Sicherheit suchte die Hundestaffel aus Straßenheim das Gelände ab – ohne Ergebnis.

Die Polizei nimmt Warnungen ernst – bevor man Gerüchte in die Welt setzt oder „Gehörtes“ weitererzählt, sollte man überlegen, ob man verantwortlich handelt.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.