Dienstag, 12. Dezember 2017

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Die Betroffenen des Feuers in der Breslauer Straße brauchen dringend Hilfe - Spendenkonte eingerichtet

Traumatisiert und vor einer ungewissen Zukunft

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Die Opfer des Hausebrandes in der Breslauer Straße haben sich gestern mit Vertretern der Wohungsbaugesellschaft, der Stadt Weinheim und der Feuerwehr getroffen

Die Opfer des Hausbrandes in der Breslauer Straße haben sich gestern mit Vertretern der Wohungsbaugesellschaft, der Stadt Weinheim und der Feuerwehr getroffen.

 

Weinheim, 20. August 2013. (red/ch) Am vergangenen Sonntag brach in einem Mehrfamilenhaus in der Breslauer Straße in Weinheim ein Feuer aus. Eine brennende Zigarette setzte letzlich das gesamte Obergeschoss in Brand. Durch das Feuer und die Löscharbeiten ist das gesamte Haus nun fĂŒr lĂ€ngere Zeit nicht bewohnbar. Die 20 betroffenen Mieter sind solange in einem Hotel oder bei Verwandten untergebracht. Neben den schrecklichen Erlebnissen sind sie nun vor allem mit der Frage beschĂ€ftigt, wer fĂŒr den Schaden in Höhe von rund 500.000 Euro aufkommt. Das Problem: Der Brandverursacher ist nicht versichert.

Von Christopher Horn

Vor gut einer Woche wurde die Feuerwehr Weinheim nachts gegen 4.30 Uhr zu einem Großbrand in die Breslauer Straße gerufen. Einer der Mieter war mit einer brennenden Zigarette eingeschlafen und löste dadurch einen Wohnungsbrand aus, der sich schnell ausbreitete. Als die Feuerwehr wenig spĂ€ter vor Ort eintraf, stand bereits das gesamte Obergeschoss in Flammen. Zur BrandbekĂ€mpfung waren insgesamt zehn Fahrzeugen und 55 Personen vor Ort.

Massiver Wasserschaden durch enorme Hitze des Feuers

Erst nach und nach gelang es den EinsatzkrÀften, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Durch den massiven Wassereinsatz sind nun selbst die Wohnungen im Erdgeschoss nicht mehr bewohnbar.

Normalerweise löschen wir einen solchen Brand mit Hochdruckschaum, um solche WasserschĂ€den zu vermeiden. Hier hatten wir es aber mit Temperaturen von ĂŒber 1.200 Grad Celsius zu tun, da verpufft der Schaum und man hat nur noch die Chance, das Feuer mit massiven Wassereinsatz zu löschen,

erklĂ€rte der Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht den Betroffenen am gestrigen Abend das Vorgehen in der Breslauer Straße. Das Problem: Erst vor wenigen Jahren war das Haus energetisch saniert und die Betondecke mit nicht-brennbarem Material isoliert worden. So staute sich die WĂ€rme und die hohen Temperaturen kamen zu Stande. Durch die Brandeinwirkung wurde das betroffene Wohnhaus und ein NachbargebĂ€ude in Mitleidenschaft gezogen.

Meist unverletzt, aber traumatisiert

Der Brand riss die meisten Mieter aus dem Schlaf, glĂŒcklicherweise konnten sie unverletzt aus ihren Wohnungen fliehen. Nur der 52-jĂ€hrige Brandverursacher musste mit einer Rauchvergiftung und Brandwunden in ein Krankenhaus nach Ludwigshafen gebracht werden. Die insgesamt 14 betroffenen Personen wurden mittlerweile in einem Weinheimer Hotel oder bei Bekannten untergebracht. Auch eine Woche nach dem Brand sind viele von ihnen noch immer traumatisiert.

Ich wache nachts auf und habe diese schrecklichen Bilder vor Augen, es ist schlimm,

erzĂ€hlt eine Mieterin gestern auf Nachfrage. Neben den traumatischen Erlebnissen macht vielen auch die ungewisse Zukunft zu schaffen. Wer kommt fĂŒr den entstandenen Schaden am GebĂ€ude auf und wer ersetzt uns unser Hab und Gut? Diese Fragen beschĂ€ftigen die Bewohner des Hauses in der Breslauer Straße zur Zeit.

Wer kommt fĂŒr den Schaden auf?

Um diese und andere Fragen zu klĂ€ren, trafen sich die Mieter gestern mit dem HauseigentĂŒmer, sowie Vertretern der Stadt Weinheim, der Feuerwehr und des Roten Kreuzes in einem Weinheimer Hotel.

Ich freue mich, dass sie heute alle gesund hier sitzen und kann mir vorstellen, was sie in der letzten Woche durchgemacht haben. Ich habe gehört, dass es in einigen Punkten noch GesprÀchsbedarf gibt, deshalb sind wir heute hier,

sagte der Erste BĂŒrgermeister Dr. Torsten Fetzner.

Unter uns gibt es sieben Mieter, die keine Hausratversicherung haben, gerade fĂŒr die ist der Dialog mit dem WohnungseigentĂŒmer sehr schwierig,

erklĂ€rt eine der anwesenden Mieterinnen. EigentĂŒmer des Hauses in der Breslauer Straße ist die Familienheim Rhein-Neckar eG, eine Wohnungsbaugesellschaft mit Sitz in Mannheim. Dort ist man derzeit damit beschĂ€ftigt, die Wohnungen so schnell wie möglich auszurĂ€umen.

Durch das viele Wasser haben wir eine erhebliche Schimmelgefahr im GebĂ€ude, wir mĂŒssen daher die Wohnungen so schnell wie möglich rĂ€umen und trocken legen. Aber natĂŒrlich wollen wir auch die Betroffenen nicht im Regen stehen lassen,

betonte Stefan Bullinger, GebĂ€udemanager bei der Familienheim. So zahlt der GebĂ€udeversicherer der Familienheim derzeit fĂŒr die Unterbringung der Mieter in einem Hotel pro Tag 100 Euro pro Person. Auch die RĂ€umung der Wohnungen ist im Gange. FĂŒr die RĂ€umung der Wohnung kommt die Hausratsversicherung der Betroffenen auf. Die sieben Mieter ohne eine solche Versicherung waren aber zunĂ€chst auf sich alleine gestellt und brauchen auch heute noch Hilfe.

In diesen FÀllen fehlt es uns derzeit an Personen. Wir können jede Hilfe gebrauchen, um die Wohnungen auszurÀumen,

sagte Stefan Bullinger. Bereits am 12. August, einen Tag nach dem Brand, habe er daher die Verantwortlichen der Stadt Weinheim um Hilfe gebeten, betont Bullinger. Nach Informationen der Stadt Weinheim fand aber erst heute das erste Treffen im Bauhof statt; dort wurden die ersten EinsÀtze koordiniert. Dr. Fetzner:

Ich bitte hier um VerstÀndnis, wir befinden uns in der Ferienzeit und daher braucht es einige Tage um eine solche Aktion zu organsisieren. Die Mitarbeiter können ja auch ihre eigentlichen Aufgaben nicht von einer Sekunde auf die andere liegen lassen.

Jetzt laufe die Aktion in Zusammenarbeit mit der Kolpingfamilie aber an, betonte der stÀdtische Pressesprecher Roland Kern heute auf Nachfrage.

Das Haus in der Breslauerstraße wird noch einige Zeit nicht bewohnbar sein

Derzeit mĂŒssen alle Wohnugen in dem Haus gerĂ€umt werden

 

Die Betroffenen, die auf Kosten der GebĂ€udeversicherung der Familienheim derzeit im Hotel untergebracht sind, mĂŒssen zudem auch weiterhin ihre Miete bezahlen:

Wir sprechen hier von einem Quadratmeterpreis von 3.90 Euro, das dient der Versicherung auch dazu, die enstehenden Kosten von 100 Euro am Tag pro Person zu rechtfertigen,

erklĂ€rt Stefan Bullinger. Die Opfer, die derzeit bei Bekannten oder Verwandten unterkommen, mĂŒssen ihre Miete hingegen nicht weiter begleichen.

Stadt und Kolpingfamilie wollen helfen

Hier signalisierten die Stadt Weinheim und das Kolpingwerk gestern bereits ihre UnterstĂŒtzung.

Wir werden Mitarbeiter des Bauhofs abstellen, um ein zĂŒgiges AusrĂ€umen der Wohnungen zu ermöglichen,

betonte der Erste BĂŒrgermeister. Auch Feuerwehrseelsorger Thomas Knapp sagte gestern seine Hilfe zu:

Sagen sie mir, vieviele Personen sie wann und wo brauchen.

Er regte zudem an, dass alle Betorffenen einmal pro Woche zusammen kommen, um ĂŒber die Erlebnisse und Sorgen zu sprechen und diese gemeinsam mit einem Seelsorger zu verarbeiten.

Nichtsdestotrotz ist derzeit jedoch unklar, wer fĂŒr das zerstörte Hab und Gut der Mieter aufkommt.

Verursacher ist nicht versichert

Unsere GebĂ€udeversicherung deckt nur den Schaden am GebĂ€ude und die Unterbringung im Hotel ab. FĂŒr den darĂŒberhinaus entstandenen Schaden haftet alleine der Verursacher,

stellte Stefan Bullinger nochmals klar. Wie sich mittlerweile heraus gestellt hat, ist der 52-jÀhrige Mann, der den Brand durch seine brennende Zigarette ausgelöst hat, nicht versichert.

Er hat keine Haftpflichtversicherung und haftet daher privat fĂŒr die Kosten,

so Stefan Bullinger. Diese werden momentan inklusive des Inventars der Mieter auf ĂŒber 500.000 Euro beziffert. FĂŒr die anderen Mieter hat dies unterschiedliche Folgen. FĂŒr die, die selbst ĂŒber eine Hausratversicherung verfĂŒgen, springt die eigene Versicherung zunĂ€chst ein und hilft den Betroffenen wieder auf die Beine zu kommen.

Sieben der zwölf betroffenen Mieter keine eigene Hausratversicherung,

betont eine Mieterin. Sie werden nur dann entschĂ€digt, wenn der Verursacher auch finanziell fĂŒr den Schaden aufkommen kann. Aus diesem Grund sei es ratsam eine eine Hausratversicherung abzuschließen.

Zudem empfielt der Experte Stephan Schweda vom Gesamverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. dringend eine private Haftpflichtversicherung, die im Schadenfall AnsprĂŒche von Dritten deckt. „Eine Privathaftpflicht kann man ab rund 70 Euro im Jahr abschließen.“ Insgesamt hĂ€tten, so der Verband, 70 Prozent der deutschen Haushalte eine private Haftpflichtversicherung und 78 Prozent eine Hausratversicherung. Die Betroffenen, die weder eine Haftpflicht- noch eine Haushaltsversicherung haben, werden nun große Probleme haben, ihre SchadensansprĂŒche geltend zu machen.

Nach unseren Informationen hat der 52-jĂ€hrige Brandverursacher zwar ein regelmĂ€ĂŸiges Einkommen, aber keine wesentlichen RĂŒcklagen um fĂŒr den Schaden in Höhe von rund 500.000 Euro aufkommen zu können. Das bedeutet vermutlich die Privatinsolvenz fĂŒr den Schadensverursacher. Zudem könnten einige der Anwohner  daher auf ihren SchĂ€den sitzen bleiben.

Die Menschen die hier heute sitzen sind unverschuldet in Not geraten, auch hier wird die Stadt Weinheim versuchen zu helfen,

so Dr. Fetzner. Aus diesem Grund will man von Seiten der Stadt nun ein Spendenkonto einrichten, um den Menschen wieder auf die Beine zu helfen.

Weinheim hat auch viele reiche Einwohner, ich bin mir sicher, dass hier schon eine gewisse Summe zusammen kommt.

DarĂŒber hinaus könne er sich auch weitere Aktionen, wie ein Benefizkonzert vorstellen, um den Betroffenen zu helfen, so Herr Dr. Fetzner weiter.

RĂŒckkehr in Wohnugen noch offen

Wann die Mieter wieder in ihre Wohnungen zurĂŒckkehren können, ist derzeit noch offen. „Ich denke das Erdgeschoss wird frĂŒhestens in eineinhalb Monaten und das Obergeschoss in drei Monaten wieder bewohnbar sein“, gab Bullinger gestern eine erste Prognose ab.

Dabei mĂŒssen die Wohnungen neben der Trockenlegung teilweise komplett entkernt werden, um eine spĂ€tere Schimmelbildung zu vermeiden. Gleichzeitig saniert die Familienheim das GebĂ€ude und bringt es auch, was den Brandschutz anbelangt, auf den neuesten Stand. FĂŒr viele betroffene Mieter ist das allerdings nur ein schwacher Trost. Zudem wollen viele angesichts der traumatischen Erlebnisse nicht wieder in ihre alte Wohnung zurĂŒckkehren.

Ich kann hier nicht mehr leben und fĂŒhle mich nicht mehr sicher und die Erinnerungen sind einfach furchtbar,

betonte eine Mieterin gestern. Auch Stefan Bullinger zeigte dafĂŒr VerstĂ€ndnis „Ich kann ihnen die Angst natĂŒrlich nicht nehmen, versichere ihnen aber das sie in ein hochwertig saniertes GebĂ€ude zurĂŒckkehren wĂŒrden. Zudem werde man bei der Familienheim aber auch die VerfĂŒgbarkeit anderer Objekte prĂŒfen.

Spenden fĂŒr die vom Feuer betroffenen Familien in der Breslauer Straße nimmt die Stadt Weinheim auf dem Konto 630 1 5555 bei der Sparkasse Rhein Neckar Nord, Bankleitzahl 670 505 05, unter dem Verwendungszweck „Brand Breslauer Straße“ entgegen. Spenden werden in beliebiger Höhe angenommen.

 

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