Dienstag, 20. Februar 2018

Antragstellerinnen fordern weniger Bürokratie

Weinheimer Tagesmütter unzufrieden mit Kreis

Print Friendly, PDF & Email

Weinheim/Rhein-Neckar, 20. Oktober 2014. (red/pm) 700 Stunden in „Vorleistung“, bis der Landkreis endlich zahlt? Das erzählt eine Tagesmutter – sauer über zu viel und zu schleppende Bürokratie. Eltern retteten die Tagesmütter per „Vorkasse“. Wir dokumentieren eine Mitteilung von Kreisrat Carsten Labudda.

Information von Die Linke Weinheim:

„Der Ort war passend gewählt: Am Mittwoch trafen sich die Kreistagslinken zur öffentlichen Fraktionssitzung in der Weinheimer Außenstelle des Jugendamtes. Vertreterinnen der Interessengemeinschaft Weinheimer Tagesmütter Nutzen die Gelegenheit, den Kreisräten ihre aktuelle Lage zu erläutern.

Zwei Dinge sind es, die den Frauen in den letzten Jahren schwer im Magen liegen. Zum Einen habe es eine Änderung der Bundesgesetze gegeben. Seit 2014 sollen die Eltern die Betreuung ihrer Kinder nicht mehr direkt mit den Tagesmüttern abrechnen, sondern über den Umweg des Jugendamtes. In Berlin habe die Politik von einer einheitlichen Regelung gesprochen, um damit Bürokratie abzubauen. Das Gegenteil sei jedoch eingetreten. „Von weniger Bürokratie kann keine Rede sein“, erklärte die betroffene Tagesmutter Andrea Bauer von der Kinderpflege „Frau Holle“ in Lützelsachsen. Der zwangsweise Umweg über das Amt habe das Verfahren verkompliziert anstatt es einfacher zu machen.

Doch auch der Rhein-Neckar-Kreis kommt bei den Weinheimer Tagesmüttern nicht gut weg. So dauere die Bearbeitung der Betreuungsanträge durchaus auch mal „satte vier Monate“, kritisierte Karin Kling, die in der Viernheimer Straße ihre Kinderpflege betreibt. Sie beschrieb einen Fall, in dem erst nach 700 Betreuungsstunden der erste Geldeingang zu verzeichnen war. Darüber hinaus sei ihr in diesem Fall vom Jugendamt mitgeteilt worden, dass der Fall „vorgezogen“ worden sei. Sie schilderte diese Situation stellvertrend für andere Tagesmütter in Weinheim, denen es ähnlich ergangen ist.  Das sorgte bei den Kreisräten der Linken für ungläubiges Staunen, wurde aber von den anderen Tagesmüttern bestätigt. Bei Daniela Preßler von der „Bärenhöhle“ in der Nordstadt waren in einem Fall 4.200 Euro aufgelaufen, ehe vom Amt etwas kam. „Ohne Vorkasse seitens der Eltern wäre das gar nicht möglich gewesen“, so Preßler, “ und viele Eltern könnten eine solche Belastung nicht schultern.“

Für die Weinheimer Tagesmütter hat sich die Lage seit dem Übergang des Jugendamtes von der Stadt auf den Kreis verschlechtert. Obwohl der Kreis das Personal auf zwei Voll- und eine Teilzeitstelle aufgestockt hat, sei das völlig unzureichend. „Die Tagsmütter-Kolleginnen in  Heidelberg, für die das Jugenamt Heidelberg Stadt zuständig ist,  wundern sich nur, wenn wir von unseren Problemen berichten“, erklärte Andrea Bauer. Dort seien Anträge binnen vier Wochen erledigt. Dort würden auch das Betreuungsgeld (laufende Geldleistung) und die Erstattungsbeiträge zu den Sozialversicherungen, welche jede Tagesmutter zahlen muss, getrennt aufgeführt und überwiesen, so wie es das Gesetz verlangt. Im Jugendamt Rhein-Neckar-Kreis hingegen würden „locker zehn bis zwanzig Stunden mehr Verwaltungsarbeit  für die Tagesmutter aufkommen, um die Zahlungen korrekt und steuerlich richtig zuzuordnen“, beschwerte sich Karin Kling. Laut Aussage des Kreises sei die Software der Zahlstelle zur korrekten Trennung nich im Stande.

Die Weinheimer Tagesmütter wollen eine Vereinfachung und zügige Abwicklung des Antragsverfahrens, ein Ende von geforderten Doppelbeantragungen, eine Bearbeitung der Anträge binnen vier Wochen und eine getrennte Überweisung von Betreuungsgeld und Erstattungsbeitrag zur Sozialverischerung. Zu diesem Zweck waren sie auch schon bei Oberbürgermeister Heiner Bernhard. Der habe ihnen zugesagt, sich beim Kreis dafür einzusetzen.

Die linken Kreisräte freute das. „Wir werden tun, was wir können, um den Weinheimer Tagesmüttern zu helfen“, versprach Kreisrat Carsten Labudda. Seine Fraktion werde sich darum bemühen, dass das Thema im Jugendhilfeausschuss behandelt wird. Mareike Merseburger, die von den Linken in diesen Ausschuss entsandt wird, werde die Anliegen deutlich vertreten. „Und wenn der Heiner ihnen helfen will, dann helf ich dem Heiner beim Helfen“, setzte Labudda schmunzelnd hinzu.“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.