Freitag, 28. Juli 2017

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Gemeinderat verdreifacht Investition in Stra├čenbeleuchtung

Debatte erhellt kaum – Beschluss umso mehr

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Damit den Weinheimern das Licht nicht ausgeht, beschloss der Gemeinderat gestern eine Verdreifachung der Mittel f├╝r Stra├čenlaternen.

Damit den Weinheimern das Licht nicht ausgeht, beschloss der Gemeinderat gestern eine Verdreifachung der Mittel f├╝r Stra├čenlaternen.

 

Weinheim, 21. November 2013. (red/ld) In Weinheim soll es heller werden – finden Verwaltung und Gemeinderat und beschlossen einstimmig dreimal so viel Geld f├╝r die Umr├╝stung der Stra├čenbeleuchtung auszugeben. Dadurch wird es dann halt d├╝sterer im Geldbeutel.┬á Die Debatte ├╝ber Licht und Schatten hingegen war nicht erhellend, am├╝sierte aber durch Wortspiele.

Von Lydias Taschenlampe

Ich bin eine gro├če Leuchte. Naja, um ehrlich zu sein, eine Taschenlampe. Und ich freue mich immer auf Weinheim. Den meistens friste ich mein Dasein in Lydias Handtasche. In Weinheim aber leuchte ich ihr immer den Weg. Hier gibt es so viele d├╝stere Ecken. Und dann strahle ich, was das Zeug h├Ąlt. Vermutlich bin ich die strahlenste Taschenlampe der Welt, also mindestens im Rhein-Neckar-Kreis.

Gestern Abend bin ich vor Stress beinahe durchgebrannt. F├╝r sage und schreibe j├Ąhrlich 470.000 Euro soll die Stra├čenbeleuchtung in den kommenden sieben Jahren erneuert und durch energieeffiziente Leuchtmittel ersetzt werden. Diese Verdreifachung der j├Ąhrlichen Investitionsmittel beschloss der Gemeinderat gestern einstimmig.┬á Hat auch nur irgendeiner dieser Blitzlichter mal ├╝berlegt, was das f├╝r mich bedeutet? Ich werde nicht mehr gebraucht. Lydia wird mich nie mehr in die Hand nehmen und mit ein gutes Gef├╝hl geben, so wie ich ihr ein gutes Gef├╝hl gebe.

F├╝r insgesamt 3,29 Millionen Euro werden 1.000 Leuchten inklusive Mast ausgetauscht. 1.540 Leuchten bekommen einen neuen Leuchtkopf. Zudem r├╝stet die Stadt bei 1.040 Lampen auf LEDs um und erwartet daraus eine j├Ąhrliche Stromersparnis von 50 Euro pro Lampe und Jahr. Au├čerdem werden derzeit Hochdruckentladungslampen auf ihre Tauglichkeit getestet.

Der Ortsteil Ritschweier ist bereits ausgestattet sowie der Kastanienweg und der Buchenweg in Weinheim. Seitdem nimmt mich Lydia dahin nicht mehr mit. Die Umr├╝stung war wegen des schlechten Zustands mancher Laterne notwendig geworden. So ein Quatsch. Ich habe immer gut geleuchtet. Was hei├čt gut? Blendend sogar. Au├čerdem werden die bisher h├Ąufig verwendeten Quecksilberdampf-Hochdrucklampen (HQL) nicht mehr hergestellt. Mir und meinen Taschenlampenkolleg/innen geht das bald auch so. Einfach eingestellt. Saft abgeschaltet. Ende. Aus. F├╝r immer dunkel.

„Zu viele tr├╝be Funzeln“

Angst vor der Dunkelheit ├Ąu├čerte Dr. G├╝nter B├Ąro (Freie W├Ąhler) in seiner Stellungnahme. Kann der sich keine Taschenlampe leisten, oder was? Im Finstern werde kriminellem Handeln T├╝r und Tor ge├Âffnet. Fehlte nur noch, dass ich als Taschenlampe kriminalisiert werden, weil das Diebespack ab und an uns missbraucht. Dabei sind wir nur Opfer. FDP-Stadtrat Dr. Wolfgang Wetzel beklagte „zu viele tr├╝be Funzeln“ – keiner verstand, wen er meinte. Ich kann ihm nur empfehlen: Taschenlampe kaufen und neues Lebensgl├╝ck entdecken.

Carsten Labudda (Linke) versuchte wie immer ganz besonders helle zu sein und wenigstens f├╝r ein bisschen Erleuchtung zu sorgen, als er fragte, was denn bittesch├Ân „Contracting“ sei? Diese Form der Finanzierung hatte die Verwaltung in der Vorlage dargelegt und abgelehnt. Doch auch die m├╝ndliche Erkl├Ąrung schaffte es nicht, Licht ins Dunkel zu bringen. Zappeduster. Keinem ging bei dem Gestotter ein Licht auf. H├Ątte mich mal einer gefragt. Aber ich werde ja nur an- und ausgeknipst. Und bald nicht mal mehr das.

Ich habe wie immer der Lydia den Weg geleuchtet. Zuverl├Ąssig und flexibel einsetzbar. Hinter uns blieb das Schloss zur├╝ck. Fr├╝her fand ich es h├╝bsch. Jetzt ist es f├╝r mich die Burg des Grauens. Und der mit den wenigen Haaren ist der F├╝rst der Erleuchtung Finsternis. Eine graue Katze kreuzte. Ich warf meine Leuchtkegel in dunkle Geb├╝sche. Nur auf dem Weg am Diebsloch vorbei, wo die Gauner ihren Coup gegen mich feierten, hatte ich einen ganz kleinen kurzen Aussetzer. Vielleicht hat mich diese Debatte und die grausige Entscheidung doch mehr Energie gekostet, als meine (umweltfreundlicher!!!!) Akku hergibt.

├ťber Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.