Samstag, 26. Mai 2018

Mach mal’n Kreuz – nur wo?

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Ob bei Andrea Nahles (SPD) auch die richtige Partei raus kam? In 90 Prozent der F├Ąlle stimmt die eigene Einsch├Ątzung der Parteilinie. Foto: bpb

Ob bei Andrea Nahles (SPD) auch die richtige Partei raus kam? In 90 Prozent der F├Ąlle stimmt die eigene Einsch├Ątzung der Parteilinie. Foto: bpb

 

Rhein-Neckar, 21. September 2013. (red/ld) Die Unsicherheit unter den W├Ąhlern ist gro├č. Mehr als zehn Millionen Menschen haben in den vergangenen Wochen den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale f├╝r politische Bildung benutzt – fast doppelt so viele wie vor vier Jahren. Das Online-Tool soll die Wahlentscheidung erleichtern.

Von Lydia Dartsch

„Wenn am Sonntag Bundestagswahl w├Ąre …“ Moment! Am Sonntag ist Bundestagswahl! Noch ein Tag Zeit, um sich zu ├╝berlegen, wo man morgen das Kreuz setzt. Ein Tag, um die Wahlprogramme aller 29 zugelassenen Parteien zu lesen und miteinander zu vergleichen – v├Âllig utopisch!

├ťber zehn Millionen Nutzer

Anstatt das W├Ąhlen bleiben zu lassen, kann man seit elf Jahren den kostenfreien Wahl-O-Mat der Bundeszentrale f├╝r politische Bildung (BPB) nutzen. Gestartet war das Projekt im September 2002 zur Bundestagswahl. Seitdem informiert das Tool ├╝ber die Standpunkte der Parteien zu Bundestags-, Landtags- und Europawahlen und bietet die M├Âglichkeit, diese mit den eigenen Ansichten zu vergleichen. In diesem Jahr nutzten ├╝ber zehn Millionen Menschen das Programm – vier Millionen mehr als 2009.

Draufklicken, los gehts!

Foto: bpb

Foto: bpb

Den Wahl-O-Mat zu benutzen dauert keine f├╝nf Minuten. Die Nutzung ist kostenfrei. Es werden keine Daten abgefragt und Werbung gibt es auch nicht. Draufklicken, los gehts: Zuerst werden dem Nutzer verschiedene S├Ątze, einer nach dem anderen, pr├Ąsentiert. Das sind die Standpunkte der Parteien, die sich beteiligt haben. Man soll dann klicken, ob man den S├Ątzen zustimmt, sie ablehnt oder keine Meinung dazu hat. Dann w├Ąhlt man neutral.

Ist man damit fertig, zeigt das Programm noch einmal alle Standpunkte und wie man dazu steht. Themen, die einem besonders wichtig sind, kann man nun mit einem Sternchen versehen. Diese werden in der Auswertung doppelt gewertet. Jetzt muss man nur noch die Parteien ausw├Ąhlen, mit denen man sich vergleichen m├Âchte und der Wahl-O-Mat pr├Ąsentiert die Partei, deren Thesen man am meisten zustimmt.

Pfr├╝fen Sie ihre Einstellung

Was bedeutet der gro├če Zuwachs an Aufrufen? Sind die Menschen unsicher, ob ihrer Parteirichtung? Die eigene Einstellung zu ├╝berpr├╝fen ist ein Versuch wert und f├╝hrt zu interessanten Ansichten, wie bei einer Bekannten gestern. Unsicher dar├╝ber, wen sie am Sonntag w├Ąhlen soll, klickte sie sich durch das Programm. Das Ergebnis: Die Linke! Die Frau war ├╝berrascht. Das war ihr dann doch zu radikal. Ihre Entscheidung beeinflusst die Erkenntnis trotzdem: Sie f├╝hlt sich best├Ątigt. „Linke“ Politik fehlt dem Land. Aber Die Linke als Partei ist ihr fremd, sagt sie. Deshalb wird Sie am Sonntag SPD w├Ąhlen, weil ihr soziale Themen wichtig sind.

Wie ist das bei Ihnen? Wenn Sie tats├Ąchlich unsicher sind, machen Sie den Wahl-O-Mat. Sie erhalten nach den Antworten ein Ergebnis. Und gehen Sie w├Ąhlen. Die Parteien achten sehr genau auf die Ergebnisse.

W├Ąhlen oder nicht-W├Ąhlen hat immer Folgen

Wenn Sie denken: Ist doch egal, ob ich w├Ąhle oder nicht, liegen Sie falsch. Denn ob Sie w├Ąhlen oder nicht, erzeugt auf alle F├Ąlle Ergebnisse. Je gr├Â├čer die Wahlbeteiligung ist, umso mehr profitieren etablierte Parteien. Aber umso mehr m├╝ssen sich diese auch verpflichtet f├╝hlen. Um so geringer die Wahlbeteiligung ist, umso mehr profitieren kleinere Parteien und die gro├čen m├╝ssen sich anstrengen. W├Ąhlen oder nicht-W├Ąhlen erzeugt so oder so eine Wirkung. Je mehr Menschen w├Ąhlen, umso mehr f├╝hlen sich Parteien „verpflichtet“ durch Ihre Stimme. Die Angst zu entt├Ąuschen und diese zu verlieren, motiviert. Das ist wie in der Liebe oder beim Sport oder bei der Arbeit. Also: ­čÖé

Probieren Sie es aus – egal, ob sie wissen, wen Sie w├Ąhlen wollen. Dann werden Sie best├Ątigt. Wenn Sie es nicht wissen, werden Sie motiviert.

Es gibt leider viel zu viele L├Ąnder auf dieser Welt, in denen demokratische Wahlen nicht m├Âglich sind. Ihr „kleines“ Kreuz zeigt Wirkung. Garantiert.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.