Dienstag, 12. Dezember 2017

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Mach mal’n Kreuz – nur wo?

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Ob bei Andrea Nahles (SPD) auch die richtige Partei raus kam? In 90 Prozent der Fälle stimmt die eigene Einschätzung der Parteilinie. Foto: bpb

Ob bei Andrea Nahles (SPD) auch die richtige Partei raus kam? In 90 Prozent der Fälle stimmt die eigene Einschätzung der Parteilinie. Foto: bpb

 

Rhein-Neckar, 21. September 2013. (red/ld) Die Unsicherheit unter den W√§hlern ist gro√ü. Mehr als zehn Millionen Menschen haben in den vergangenen Wochen den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale f√ľr politische Bildung benutzt – fast doppelt so viele wie vor vier Jahren. Das Online-Tool soll die Wahlentscheidung erleichtern.

Von Lydia Dartsch

„Wenn am Sonntag Bundestagswahl w√§re …“ Moment! Am Sonntag ist Bundestagswahl! Noch ein Tag Zeit, um sich zu √ľberlegen, wo man morgen das Kreuz setzt. Ein Tag, um die Wahlprogramme aller 29 zugelassenen Parteien zu lesen und miteinander zu vergleichen – v√∂llig utopisch!

√úber zehn Millionen Nutzer

Anstatt das W√§hlen bleiben zu lassen, kann man seit elf Jahren den kostenfreien Wahl-O-Mat der Bundeszentrale f√ľr politische Bildung (BPB) nutzen. Gestartet war das Projekt im September 2002 zur Bundestagswahl. Seitdem informiert das Tool √ľber die Standpunkte der Parteien zu Bundestags-, Landtags- und Europawahlen und bietet die M√∂glichkeit, diese mit den eigenen Ansichten zu vergleichen. In diesem Jahr nutzten √ľber zehn Millionen Menschen das Programm – vier Millionen mehr als 2009.

Draufklicken, los gehts!

Foto: bpb

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Den Wahl-O-Mat zu benutzen dauert keine f√ľnf Minuten. Die Nutzung ist kostenfrei. Es werden keine Daten abgefragt und Werbung gibt es auch nicht. Draufklicken, los gehts: Zuerst werden dem Nutzer verschiedene S√§tze, einer nach dem anderen, pr√§sentiert. Das sind die Standpunkte der Parteien, die sich beteiligt haben. Man soll dann klicken, ob man den S√§tzen zustimmt, sie ablehnt oder keine Meinung dazu hat. Dann w√§hlt man neutral.

Ist man damit fertig, zeigt das Programm noch einmal alle Standpunkte und wie man dazu steht. Themen, die einem besonders wichtig sind, kann man nun mit einem Sternchen versehen. Diese werden in der Auswertung doppelt gewertet. Jetzt muss man nur noch die Parteien auswählen, mit denen man sich vergleichen möchte und der Wahl-O-Mat präsentiert die Partei, deren Thesen man am meisten zustimmt.

Pfr√ľfen Sie ihre Einstellung

Was bedeutet der gro√üe Zuwachs an Aufrufen? Sind die Menschen unsicher, ob ihrer Parteirichtung? Die eigene Einstellung zu √ľberpr√ľfen ist ein Versuch wert und f√ľhrt zu interessanten Ansichten, wie bei einer Bekannten gestern. Unsicher dar√ľber, wen sie am Sonntag w√§hlen soll, klickte sie sich durch das Programm. Das Ergebnis: Die Linke! Die Frau war √ľberrascht. Das war ihr dann doch zu radikal. Ihre Entscheidung beeinflusst die Erkenntnis trotzdem: Sie f√ľhlt sich best√§tigt. „Linke“ Politik fehlt dem Land. Aber Die Linke als Partei ist ihr fremd, sagt sie. Deshalb wird Sie am Sonntag SPD w√§hlen, weil ihr soziale Themen wichtig sind.

Wie ist das bei Ihnen? Wenn Sie tatsächlich unsicher sind, machen Sie den Wahl-O-Mat. Sie erhalten nach den Antworten ein Ergebnis. Und gehen Sie wählen. Die Parteien achten sehr genau auf die Ergebnisse.

Wählen oder nicht-Wählen hat immer Folgen

Wenn Sie denken: Ist doch egal, ob ich w√§hle oder nicht, liegen Sie falsch. Denn ob Sie w√§hlen oder nicht, erzeugt auf alle F√§lle Ergebnisse. Je gr√∂√üer die Wahlbeteiligung ist, umso mehr profitieren etablierte Parteien. Aber umso mehr m√ľssen sich diese auch verpflichtet f√ľhlen. Um so geringer die Wahlbeteiligung ist, umso mehr profitieren kleinere Parteien und die gro√üen m√ľssen sich anstrengen. W√§hlen oder nicht-W√§hlen erzeugt so oder so eine Wirkung. Je mehr Menschen w√§hlen, umso mehr f√ľhlen sich Parteien „verpflichtet“ durch Ihre Stimme. Die Angst zu entt√§uschen und diese zu verlieren, motiviert. Das ist wie in der Liebe oder beim Sport oder bei der Arbeit. Also: ūüôā

Probieren Sie es aus Рegal, ob sie wissen, wen Sie wählen wollen. Dann werden Sie bestätigt. Wenn Sie es nicht wissen, werden Sie motiviert.

Es gibt leider viel zu viele L√§nder auf dieser Welt, in denen demokratische Wahlen nicht m√∂glich sind. Ihr „kleines“ Kreuz zeigt Wirkung. Garantiert.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.