Donnerstag, 16. August 2018

Akademie Deutsches Bäckerhandwerk feiert 75-jähriges Bestehen

Nachwuchssorgen, trotz voller Schulungs-Backstuben

Print Friendly, PDF & Email

Back-Akademie_Weinheim_004-14

Weinheim, 21. Juni 2013. (red/aw) Weinheim ist in der Backbranche eine gro√üe Nummer: Denn hier wird das traditionelle deutsche B√§ckerhandwerk gelehrt. Die Sch√ľler kommen aus der ganzen Welt, um im Waldschl√∂sschen ihre Meisterpr√ľfung abzulegen. Der hohe Standard der deutschen Ausbildung wird international gesch√§tzt. Mit immer neuen, innovativen Produkt- und Fortbildungsideen lockt die Fachschule pro Jahr √ľber 3.000 B√§cker, Verk√§ufer und Manager in die Stadt. Dieses Jahr feiert die Akademie ihr 75-j√§hriges Bestehen und Direktor Bernd K√ľtscher erz√§hlte uns, wie es um das B√§ckerhandwerk steht und welche Herausforderungen es zu bew√§ltigen gibt.

Von Alexandra Weichbrodt

Bernd K√ľtscher hat 14.000 Chefs. Obwohl er selbst Direktor der zentralen Bildungseinrichtung aller B√§cker-Landesinnungsverb√§nde und des Zentralverbands des Deutschen B√§ckerhandwerks ist, sind die deutschen B√§cker √ľber die Verb√§nde Tr√§ger der Fachschule. In ganz Deutschland arbeiten B√§ckermeister, die in Weinheim einmal ihre Meisterpr√ľfung absolviert haben.

Die Akademie Deutsches B√§ckerhandwerk, bis 2006 „Bundesfachschule des Deutschen B√§ckerhandwerks“, wurde 1938 er√∂ffnet und feiert in diesem Jahr ihr 75-j√§hriges Bestehen. Bernd K√ľtscher ist seit sieben Jahren Direktor. Ein Mann der Praxis, hoch dekoriert mit zahlreichen, renommierten Preisen der Back-Branche. Bernd K√ľtscher engagiert sich f√ľr sein Handwerk. Wahrscheinlich liegt der Ursprung daf√ľr in der v√§terlichen B√§ckerei, einem kleinen Familienbetrieb in der Eifel. Den √ľbernahm er, obwohl er eigentlich lieber Musiker geworden w√§re.

Nach dem Verkauf seiner eigenen B√§ckerei war er lange Jahre als Berater in der Branche t√§tig. Er hat viele Erfahrungen im Marketing gesammelt und √ľberall auf der Welt gearbeitet. Bis der Anruf aus der Akademie kam. Die Ausbildungsst√§tte in Weinheim kannte er nat√ľrlich. Hier hatte er selbst 1990 seine Meisterpr√ľfung gemacht.

Back-Akademie_Weinheim_004-6

Bernd K√ľtscher liebt sein Handwerk, auch wenn er es als Direktor der Akademie Deutsches B√§ckerhandwerk nicht mehr oft in die Backstube schafft.

 

„F√ľr das B√§ckerhandwerk muss man k√§mpfen!“

Das Handwerk hat sich seit der Er√∂ffnung der Schule vor 75 Jahren¬†ver√§ndert. Die Zahl der Betriebe ist deutlich zur√ľckgegangen: Vor 50 Jahren gab es¬†in Deutschland¬†rund 50.000 B√§ckereien – ¬†jetzt sind es nur noch knapp 14.000. „Kein B√§ckersterben, wie gerne von der Presse formuliert, sondern eine Konsequenz der Marktver√§nderung“, sagt Herr K√ľtscher:

Die Marktveränderungen, Widerstände, Image-Probleme sind immer wieder eine Herausforderung,

In Zeiten, in denen Tiefk√ľhl-Produkte jeden Discounter mit Backofen zum B√§cker macht, hat es das Handwerk nicht leicht. Der Verbraucher erwarte heute nicht mehr nur frische Ware, er erwarte warme Ware. Woher das Aufbackbr√∂tchen stammt, wie lange es tiefgek√ľhlt bereits gelagert wurde, interessiere den Verbraucher selten, sagt er:

Das macht den Bäckereien schon zu schaffen.

B√§ckereien m√ľssen sich also mitentwickeln. Sie werden immer gastronomischer, bieten Snacks und Coffee to go an. Auch dieses Gesch√§ftsmodell kann man in der Akademie „erlernen“. Gefragt sind vor allem F√§higkeiten, die ein heutiger B√§ckermeister braucht, aber nicht in der Ausbildung lernt. „Da besteht ein Bildungsbedarf“, sagt Herr K√ľtscher.

Vollpension mit Sternek√ľche

Die Akademie im Weinheimer Waldschl√∂sschen bietet Ihren Sch√ľlern das Rundum-Sorglos-Programm an: Unterkunft, Ausbildung, Vollverpflegung. Und die von echten Sterne-K√∂chen.

Wir haben hier eine hervorragende K√ľchenmannschaft. Zuweilen nehmen die Meisterkurs-Sch√ľler in zwanzig Wochen zehn Kilo zu. Das spricht f√ľr die Qualit√§t unserer Versorgung,

sagt Herr K√ľtscher und grinst. Mittlerweile habe man die Anzahl der Kursteilnehmer pro Jahr von zuvor 600 auf √ľber 3.000 gesteigert. Auch das Drumherum wurde aufpoliert. Die historischen Geb√§udeteile des Waldschl√∂sschens saniert, funktionelle R√§ume geschaffen. Statt f√ľnf Mitarbeitern besch√§ftigt die Akademie heute 28. Auch hier soll noch ausgebaut werden.

Wir haben eine deutlich größere Nachfrage, als wir Angebote machen können,

sagt der Direktor. Das internationale Interesse trägt seinen Teil dazu bei. Deutschland habe definitiv die größte Auswahl an Backwaren weltweit, die beste Back-Kultur und den besten Ausbildungsstandard. Das werde gesucht:

Ausländer schätzen das deutsche Bäckerhandwerk und beneiden die Ausbildungsform hier in Deutschland,

sagt er. Reiche in Spanien ein Tageskurs, um eine eigene B√§ckerei zu er√∂ffnen, m√ľsse man in Deutschland erstmal eine Menge lernen: Drei Jahre duale Ausbildung im Betrieb und in der Schule, zus√§tzliche B√§cker-Schulungen. Dann braucht man Berufserfahrung und anschlie√üend muss man die Meisterschule besuchen. „Allein diese Schritte dauern mindestens vier Jahre“, sagt er:

Das deutsche Bäckerhandwerk ist allein aufgrund der Ausbildung sehr vielfältig, aber auch wegen der deutschen Getreidevielfalt.

freundeskreis_610

Kennen Sie schon unseren Freundeskreis? Hier finden Sie Informationen, wie Sie uns unterst√ľtzen k√∂nnen.

Akademie Weinheim als Trendschmiede

Weltweit suche man deutsche B√§cker. Arbeitsm√∂glichkeiten in Dubai, Neuseeland oder Mexiko st√ľnden gut ausgebildeten B√§ckern offen. Dementsprechend suche man weltweit nach dem gewissen Know-How. „Und das findet man hier bei uns“, sagt Herr K√ľtscher. Die Vielfalt und das Qualit√§tsverst√§ndnis von Backwaren in Deutschland sei mit keinem auf der ganzen Welt vergleichbar:

Weinheim ist in der Branche bekannt, immer mehr nutzen unser Angebot.

Aufgabe der Akademie sei es, dem B√§ckerhandwerk zu helfen. „Wir sind ein gemeinn√ľtziger Verein. Wir arbeiten kostendeckend, machen keinen Cent Gewinn“, erkl√§rt Bernd K√ľtscher. Helfen k√∂nne man sowohl dem kleinen Familienbetrieb mit nur einer Filiale, als auch der gr√∂√üten B√§ckerei-Kette Deutschlands. Auch, wenn die Aus- und Weiterbildungsm√∂glichkeiten individuell anzupassen sind.

Bei großen Betrieben geht es mehr um Strukturen und Prozesse. Wie kommt die unternehmerische Entscheidung bei den Verkäuferinnen in den Filialen an?

Bei den Familienbetrieben ginge es hingegen um die Marktaufstellung, Standortanalyse und fachliche Themen, so K√ľtscher.

Kein popul√§rer Beruf f√ľr den Nachwuchs

Die Herausforderungen abseits der Marktver√§nderungen sieht K√ľtscher vor allem an der Basis des Handwerks: Dem Nachwuchs.

Wir haben ganz massive Image-Probleme im Nachwuchsbereich.

Auf die Frage, was Schulabg√§nger denn vom B√§ckerberuf wissen, komme „ausnahmslos immer“ als Antwort: „Fr√ľh aufstehen!“ Doch, dass man dann meist schon am fr√ľhen Vormittag Feierabend habe, bedenken nur die Wenigsten, sagt K√ľtscher.

Die Arbeitszeiten, die so häufig als schlimm empfunden werden, sind extrem familienfreundlich.

Was auch niemand wisse, seien die „unglaublichen Karrierechancen als B√§cker“, sagt der Direktor. Ein Studium sei als B√§ckermeister gar kein Problem, „ohne Abitur“. Egal, ob Betriebswirtschaftslehre, Ern√§hrungswissenschaft oder Getreide-Technologie. Der einzige Unterschied zu den Kommilitonen sei die praktische Ausbildung vorher.

Und die ist auch noch von gro√üem Vorteil. Jeder Professor freut sich √ľber Studenten aus der Praxis,

sagt er, der selbst als Dozent und Referent an verschiedenen Hochschulen t√§tig war. „Studenten mit einem solchen Lebenslauf werden in der Regel direkt von der Uni weggekauft.“ Es gebe viele Aspekte des Berufs und der Branche, von denen die jungen Menschen heute nichts wissen. Daher habe das B√§ckerhandwerk Nachwuchssorgen:

Da fehlt einfach die Information und Kommunikation.

Open Air Party am 13. Juli

Eine gute Möglichkeit, in die Arbeit und Räumlichkeiten der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Weinheim reinzuschnuppern und vielleicht auch interessante Erkenntnisse zum Beruf des Bäckers zu gewinnen, bietet die Open Air Party anlässlich des Jubiläums. Am 13. Juli ab 19:00 Uhr wird auf dem Gelände am Waldschloss im Gorxheimer Tal, bei Musik und Snacks aus dem Holzofen, gefeiert. Alle Infos dazu finden Sie auch unter www.akademie-weinheim.de. Am 08. Dezember, dem Tag der Eröffnung vor 75 Jahren, soll außerdem ein offizieller Festakt stattfinden.

Wer √ľber aktuelle Aktionen und Angebote der Akademie zeitnah und aktuell informiert werden will, sollte die Facebook-Seite anklicken oder ab und zu den youtube-Kanal der Akademie Deutsches B√§ckerhandwerk besuchen. Die Social-Media Kan√§le bedient der Direktor √ľbrigens zum Gro√üteil selbst: „Um junge Menschen zu informieren“. Bernd K√ľtscher: Engagement und Leidenschaft f√ľr das Handwerk.

Wir haben f√ľr Sie ein paar Bilder der Akademie zusammengestellt und w√ľnschen viel Vergn√ľgen beim Durchschauen!

[nggallery id=60]