Samstag, 20. Oktober 2018

Gemeinderat stimmt fĂŒr Einzug von Musikschule, Stadtarchiv und Volkshochschule

Neues Leben an alter Karillonschule

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In der Grundstruktur soll die Karillonschule erhalten bleiben. Im Hof entsteht ein Neubau fĂŒr das Magazin des Stadtarchivs.

In der Grundstruktur soll die Karillonschule erhalten bleiben. Im Hof entsteht ein Neubau fĂŒr das Magazin des Stadtarchivs. Quelle: Stadt Weinheim

 

Weinheim, 21. November 2013. (red/ld) Der Gemeinderat hat gestern einstimmig beschlossen, dass die Musikschule und die Volkshochschule in das leerstehende GebĂ€ude der Karillonschule ziehen werden. Zuvor sind Umbau- und Sanierungsmaßnahmen in Höhe von 6 Millionen Euro vorgesehen. FĂŒr Diskussionen sorgte vor allem der Umzug des Stadtarchivs, fĂŒr dessen Magazin ein Neubau im Hof des SchulgebĂ€udes entstehen soll. Dies wurde bei sechs Enthaltungen beschlossen. Seit 1992 sind die BĂŒros als „Zwischenlösung“ im GebĂ€ude der Pestalozzi-Grundschule untergebracht. Die Magazine haben bereits SchimmelschĂ€den erlitten.

Von Lydia Dartsch

Sechs Millionen Euro ohne eine Darlegung der Finanzierbarkeit und fĂŒnf Wochen vor den Haushaltsberatungen? Das wollte CDU-GemeinderĂ€tin Dr. Elke König nicht ohne Weiteres beschließen und beantragte – abweichend vom Verwaltungsantrag – ĂŒber den Einzug des Stadtarchivs in die alte Karillonschule gesondert abzustimmen:

Wir fĂŒhlen uns wie Getriebene.

Dagegen zeigten sich die anderen Fraktionen zustimmend. Sehr ehrgeizige Ziele seien das, sagte Elisabeth Kramer (GAL). Gerhard Mackert (Freie WĂ€hler) sagte, er hoffe darauf, dass beantragte Förderungen bewilligt wĂŒrden. Dann erhalte man gĂŒnstig eine Immobilie mit vielfĂ€ltiger Nutzung. Rolf Emenlauer (SPD) sagte, er sei froh ĂŒber die Lösung, da man schon seit Jahren nach möglichen Standorten gesucht und nichts passendes gefunden habe. Linke-Stadtrat Carsten Labudda kritisierte den Antrag von Dr. König scharf, vor allem im Hinblick auf die derzeitige Situation des Stadtarchivs und der Magazine:

Wenn man diesem Punkt nicht zustimmt, befĂŒrwortet man, dass das Archivmaterial weiterhin in der Pestalozzischule vor sich hin schimmelt!

Dr. Wolfgang Wetzel (FDP) bat um die PrĂŒfung fĂŒr die weitere Unterbringung von Archivmaterial und stimmte allen drei Antragspunkten zu. WeinheimPlus stimmte ebenfalls zu.

Bei den Fraktionen der SPD und GAL stieß zudem die angestrebte Fassadenerneuerung durch eine Trespa-Fassade auf Kritik: Auch eine WĂ€rmeverbundfassade sei ĂŒber viele Jahre bestĂ€ndig, gaben Rolf Emenlauer (SPD) und Elisabeth Kramer (GAL) zu bedenken. Architekt Steffen Seiferheld sagte, bei Schulfassaden mĂŒsse berĂŒcksichtigt werden, dass dort BĂ€lle an die Fassade gespielt werden. Um das unbeschadet zu bestehen, sei eine Trespa-Fassade besser geeignet als WĂ€rmeverbundfassaden.

 

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Schließlich beschloss der Gemeinderat einstimmig, den Umzug von Musikschule und Volkshochschule in das GebĂ€ude der ehemaligen Karillonschule. Der Umzug des Stadtarchivs wurde mit sechs Enthaltungen beschlossen. Die Verwaltung wurde einstimmig beauftragt, das vorgelegte Raumkonzept weiter zu optimieren. Der Stadtrugendring wird die dort bereits von seinem Teen-Club genutzten RĂ€ume behalten und einen zusĂ€tzlichen Raum im Untergeschoss bekommen. Dem Antrag fĂŒr die Bereitstellung von 53.000 Euro zur Umsetzung des Konzepts des „Carillonian Teen Club“ stimmte der Gemeinderat einen Tagesordnungspunkt spĂ€ter zu.

Das Stadtarchiv wird im Erdgeschoss des WestflĂŒgels untergebracht. FĂŒr das Archivmagazin wird ein Neubau auf der ehemaligen SchulhofflĂ€che enstehen. Die Musikschule wird den OstflĂŒgel und das Obergeschoss des WestflĂŒgels belegen. Die Volkshochschule erhĂ€lt RĂ€ume im Untergeschoss des WestflĂŒgels. Außerdem sind im Obergeschoss des WestflĂŒgels RĂ€ume fĂŒr die gemeinsame Nutzung durch Musik- und Volkshochschule vorgesehen.

Barrierefreiheit und Sanierung des bestehnden GebÀudes

Das von der Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Weinheimer Architekten Steffen Seiferheld, dem FachplanungsbĂŒro fĂŒr Elektrotechnik Klotz HSE und dem ITG – IngenieurbĂŒro fĂŒr GebĂ€udetechnik erarbeitete Raumprogramm sieht umfangreiche Sanierungsmaßnahmen vor. Diese sollen dafĂŒr sorgen, dass alle drei Institutionen getrennt voneinander agieren können und hauptsĂ€chlich die nichttragenden WĂ€nde betreffen. Außerdem sollen das Dach und die Fassade saniert werden. Die Fenster sollen ausgetauscht werden. Dazu soll durch den Einbau eines hydraulischen Aufzugs und eine entsprechende Gestaltung der EingĂ€nge und Toiletten eine Barrierefreiheit in allen drei Geschossen hergestellt werden. In der mittelfristigen Investitionsplanung sind fĂŒr das kommende Jahr 450.000 Euro dafĂŒr vorgesehen.

Laut Vorlage sind die von dem Umzug betroffenen Institutionen einverstanden. Seit dem Umzug der Werkrealschule steht das GebĂ€ude der Karillonschule weitgehend leer. Das Stadtarchiv, das seit 1992 provisorisch in einem Zwischengeschoss des Pestalozzi-TurnhallengebĂ€udes in der Schulstraße untergebracht ist, klagt seit lĂ€ngerem ĂŒber zu wenig und ungeeigneten Platz fĂŒr die Unterbringung des Magazins im Untergeschoss des GebĂ€udes sowie im Untergeschoss des Rolf-Engelbrecht-Hauses. Erste SchimmelschĂ€den sind bereits eingetreten, weitere werden erwartet.

Die Musikschule befindet sich seit 1977 in einem GebĂ€ude der Firma Freudenberg in der Bismarckstraße 13, fĂŒr das eine jĂ€hrliche Miete von derzeit 31.000 Euro anfĂ€llt. Dazu kommen jĂ€hrliche Betriebskosten von durchschnittlich 75.600 Euro. Die Stadt ist außerdem dazu verpflichtet, fĂŒr die Instandhaltung des GebĂ€udes aufzukommen. FĂŒr die vergangenen fĂŒnf Jahre beliefen sich die Gesamtkosten dafĂŒr auf 54.021 Euro. In den kommenden Jahren stehen zudem Maßnahmen in Höhe von geschĂ€tzt 350.000 Euro an.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.