Samstag, 26. Mai 2018

Langsam wird es auf den Schlossbergterrassen ĂŒbergriffig

Abteilungskommandant stinkesauer

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Weinheim, 22. MĂ€rz 2014. (red) Saufende Jugendliche. Ruhestörung. VermĂŒllung. Die Schlossbergterrassen waren erst ein politischer Zankapfel und sind seit langem ein Ärgernis – oder vielmehr Jugendliche, die sich hier treffen, sorgen zunehmend fĂŒr Ärger bei den Anwohner und bei Kunden der GeschĂ€fte. Aktuell ist der Abteilungskommandant Stadt, Ralf Mittelbach, stinksauer – stellvertretend fĂŒr seine Kamerad/innen. Denn heute gab es einen böswilligen Alarm – ausgelöst durch Jugendliche.

Kommentar: Hardy Prothmann

Hardy Prothmann ist Chefredakteur von Weinheimblog.de. Er macht sich echte Sorgen um Sulzbach, denn die Ereignisse verdichten sich. Foto: sap

Hardy Prothmann ist Chefredakteur von Weinheimblog.de. Er meint, dass der böswillige Alarm nun das Zeichen ist, dass die Stadt sich um die Situation an den Schlossbergterrassen endlich kĂŒmmern muss. Foto: sap

Die Freiwillige Feuerwehr ist wie immer bereit. Der Brandmeldealarm geht um 21:30 Uhr ein: „Tiefgarage Schlossbergterrasse“. Dann lĂ€uft ab, was immer ablĂ€uft, wenn ein Alarm kommt. MĂ€nner und Frauen verlassen ihre Familien, die Freundesrunde, den Sport – egal was und wo sie gerade sind. Der Piepser schlĂ€gt an und wer kann, macht sich auf den Weg, um zu helfen.

Ein RĂ€dchen greift ins andere. Fahrzeuge werden besetzt. Motoren angeworfen. Tore geöffnet. Sirenen heulen. Die Feuerwehr rĂŒckt aus. Die Rettungsmaschinerie lĂ€uft.

Es herrscht Alarm. Brandmeldealarm. Es herrscht höchste Konzentration. Adrenalin pulsiert in den Adern. Trotzdem heißt es kĂŒhlen Kopf bewahren. Niemand weiß, was ihn erwartet.

Vor Ort stellt sicher heraus, dass irgendwelche „Scherzkekse“ einen Handdruckmelder im Parkhaus eingeschlagen haben. Einfach so. Weil ihnen langweilig war. Weil sie nichts besseres mit sich anzufangen wussten, als Blödsinn zu machen.

Ralf Mittelbach schreibt in einer Pressemitteilung:

Das Motto der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim lautet „unsere Freizeit fĂŒr ihre Sicherheit“ und nicht „unsere Freizeit fĂŒr eure Mutproben“.

Ein Wachdienst hat eine Gruppe Jugendlicher weglaufen sehen. Sie haben einen „böswilligen Alarm“ ausgelöst. Und das klingt anders als „Mutprobe“.

Respektlose DappschÀdel

Das ist kein „Dumme-Jungen-Streich“, dass ist eine vorsĂ€tzliche Straftat, die nach Paragraf 145 Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe geahndet wird. Dazu kommen die Kosten fĂŒr den Feuerwehr- und Rettungsdienste-Einsatz. VollumfĂ€nglich.

Es ist aber vor allem unsĂ€glich dumm und respektlos. GegenĂŒber den Rettern und gegenĂŒber den Opfern. Denn die Retter mĂŒssen ihre Moral hoch halten und jeden Einsatz mit voller Leistung bringen – egal, wie viele Fehlalarme es gibt. Es darf niemals das „Peter und der Wolf“-Prinzip greifen, sonst kostet das Menschenleben. Fehlalarme gibt es sowieso genug. „GlĂŒckliche“ EinsĂ€tze, weil Alarme frĂŒhzeitig eingegangen sind, auch. Umso besser, wenn SchĂ€den gering gehalten und Gefahren frĂŒhzeitig gebannt werden können. Umso schlechter, wenn jemand diese Einsatzbereitschaft mutwillig „auf die Probe stellt“.

Am Samstag ĂŒbt die Feuerwehr ĂŒbrigens im 3-Glocken-Center. FĂŒr den Ernstfall. Nicht fĂŒr böswillige Alarmierungen.

Wer die „böswilligen“ Alarmauslöser kennt und anzeigt, der macht nichts „Böses“, sondern der macht etwas besonders gut: So jemand ĂŒbernimmt Verantwortung und lĂ€sst nicht zu, dass ein paar DappschĂ€del aus Jux und Dollerei „Alarm“ machen. So jemand erkennt die wichtige und selbstlose Aufgabe der RettungskrĂ€fte an und hat genug Fantasie sich vorzustellen, wie dankbar er sein wird, wenn er oder sie oder jemand aus der Familie oder dem Freundeskreis schnelle und professionelle Hilfe benötigt.

Und so jemand sorgt dafĂŒr, dass die, die verantwortungslos sind, sich der Verantwortung stellen mĂŒssen.

Ihrer Verantwortung muss sich auch die Stadt endlich stellen. Seit langem gibt es ein Problem mit Jugendlichen an den Schlossbergterrassen. Der Erste BĂŒrgermeister Dr. Torsten Fetzner wollte sich schon im Januar ein Bild vor Ort machen – soweit wir wissen, ist das noch nicht geschehen.

SpĂ€testens jetzt sollten auch er und die Jugendsozialarbeit „alarmiert“ sein, dass es dort ĂŒbergriffig wird. Nicht durch „die Jugend“, aber sehr wohl durch eine gewisse Zahl von Jugendlichen.