Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Die Partnerschafts- und Sexualberaterin Antonia Scheib-Berten

„Partnerschaft ist eine Begleiterscheinung“

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Weinheim, 22. September 2014. (red/ld) Ob alleine oder zu Zweit: Hauptsache die Menschen sind glĂŒcklich. Seit knapp 20 Jahren berĂ€t Antonia Scheib-Berten Paare und Singles in ihrer Herzwerkstatt. Im GesprĂ€ch mit ihr stellt sich heraus: Wer die große Liebe finden will, darf nicht danach suchen.

Louise Bourgeois “Couple” zeigt zwei Umschlungene unter einer Glaskuppel. Schutz versus Ausgesetztsein. Innigkeit versus einseitigem Festhalten. Foto: Archivbild aus der Ausstellung "Liebe" im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

Louise Bourgeois “Couple” zeigt zwei Umschlungene unter einer Glaskuppel. Schutz versus Ausgesetztsein. Innigkeit versus einseitigem Festhalten. Foto: Archivbild aus der Ausstellung „Liebe“ im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

Von Lydia Dartsch

Die große Liebe hĂ€lt kein ganzes Leben mehr: 36 Prozent der geschlossenen Ehen werden in den folgenden 25 Jahren geschieden. Davon geht das statistische Bundesamt aus. Dabei bedeutet jede Trennung auch die Chance, einen neuen Partner zu finden. Doch stattdessen gibt es immer mehr Singles in Deutschland: 16.472.000 Einpersonenhaushalte gab es laut Statistikamt im Jahr 2012 – knapp zwei Millionen mehr als noch im Jahr 2005.

„FrĂŒher war die Partnersuche einfacher“, sagt Antonia Scheib-Berten. Man wohnte auf dem Dorf, wo sich die Menschen kannten. Viele Möglichkeiten gab es nicht. DafĂŒr gab es eine traditionelle Rollenverteilung zwischen MĂ€nnern und Frauen. Heutzutage sei das oft anders, sagt die Partner- und Sexualberaterin, die in ihrer Herzwerkstatt in Weinheim seit elf Jahren Paare und Singles in Liebesfragen berĂ€t. Seit fast 20 Jahren bietet sie ihre Dienste jenen an, die von ihr Hilfe wollen zu Partnerschaft oder Kommunikation mit anderen Menschen.

„An den meisten Hindernissen kann man arbeiten“

Antonia Scheib-Berten berÀt in ihrer Herzwerkstatt Singles und Paare.

Antonia Scheib-Berten berÀt in ihrer Herzwerkstatt Singles und Paare.

Dass es heutzutage so schwierig ist, seinen Traummann oder die Traumfrau zu finden, liege an vielen Dingen, sagt Frau Scheib-Berten. Ein Faktor sei die Isolation, in der die Menschen im stĂ€dtischen Umfeld lebten, sagt sie. Die meisten GrĂŒnde lĂ€gen aber bei einem selbst: Das Bild von sich selbst, Erwartungen an den Partner oder eine Vergangenheit, die man noch nicht verarbeitet hat. Dinge, die man Ă€ndern kann, wenn man will. Und viele schaffen das auch.

Um den Menschen zu zeigen, wo und wie man unerwartet doch noch die große Liebe treffen kann, sammelt Frau Scheib-Berten Kennenlerngeschichten, die sie auf der Internetseite der Herzwerkstatt veröffentlicht, um den Menschen Mut zu machen. Die Geschichten sollen zeigen, dass es immer möglich ist, sich zu verlieben. Und oft passiert es unerwartet, wie beispielsweise die Geschichte von Heide Rabe, die ihren Partner auf einer Geburtstagsfeier kennenlernte.

Auf der anderen Straßenseite erschienen zwei MĂ€nner. Einer etwas grĂ¶ĂŸer: „Den nehm ich!“

schreibt sie in ihrer Geschichte. Dieser Tag sei jetzt 20 Jahre her und beide sind glĂŒcklich, schreibt sie weiter. „Es ist wichtig, Kontakt zu anderen Menschen zu suchen“, sagt Antonia Scheib-Berten. MĂ€nner könne man beispielsweise in einem Heimwerkerkurs kennenlernen, sagt sie. Viele BaumĂ€rkte bieten solche Kurse an. MĂ€nner könnten in Tanzkursen GlĂŒck haben.

Vor allem Frauen möchte sie ermutigen, die Initiative zu ergreifen: „Viele MĂ€nner fĂŒhlen sich heutzutage verunsichert und sind total begeistert, wenn sie angesprochen werden“, sagt sie. Zu groß sei die Angst vor der Reaktion. Das Selbstbewusstsein nicht ausgeprĂ€gt genug, um einen Korb zu verkraften. Und wenn der erste Kontakt hergestellt ist, könne man sich als Frau ja immer noch vom Mann erobern lassen.

Von Partnervermittlungen im Internet halte sie nicht so viel, sagt Frau Scheib-Berten: „DafĂŒr braucht man eine sehr hohe Frustrationstoleranz.“ Man mĂŒsse eben viele Kandidaten treffen, bevor jemand dabei ist, der auch passt.

Leichtigkeit des Seins statt Ernst des Lebens

Die PrĂ€misse, seinen Traumpartner finden zu mĂŒssen sei aber wenig hilfreich. Dagegen sollte man einfach offen dafĂŒr sein, was sich aus einem Kontakt ergibt – möglicherweise neue Kontakte sagt sie: „Selbst wenn eine Bekanntschaft nicht als Partner infrage kommt: Vielleicht entwickelt sich eine Freundschaft und man lernt dessen Freunde und Bekannte kennen?“ Man soll dem Schicksal eine Chance geben.

Also eher die Leichtigkeit des Seins genießen, statt die große Tragödie leben. Das mache eine Person fĂŒr andere attraktiv, sagt Antonia Scheib-Berten und beschreibt das Bild einer einsamen Frau mit hĂ€ngenden Schultern, die in der Bar ihr drittes Glas Wein bestellt:

Man muss sich selbst genĂŒgen. Partnerschaft ist eine Begleiterscheinung.

Die Frau in der Bar mache immerhin eine Sache richtig, sagt sie: „Sie geht aus.“ Schlimmer sei es bei jenen Singles, die ihre Wochenenden zuhause vor dem Fernseher verbringen. Dann werde die Frustration und Trauer mit der Zeit nur schlimmer. Ein Teufelskreis. „Man braucht doch Highlights im Leben. Und wenn ich die nicht mit einem Partner erleben kann, dann eben alleine oder mit Freunden.“

Eine Leichtigkeit rĂ€t sie auch bei der Partnersuche: „Wer nach dem Traumprinz sucht, kann nur enttĂ€uscht werden“, sagt Frau Scheib-Berten. Denn es gehe vor allem darum, Kompromisse einzugehen. An Äußerlichkeiten solle man sich nicht festhalten und realistische AnsprĂŒche stellen. Vielmehr sollten die inneren Eigenschaften und gemeinsame Lebensziele ausschlaggebend sein.

Ob allein oder zu zweit: Hauptsache zufrieden

Zwei Metronome wie zwei Liebende: Nicht immer im perfekt gleichen Rhythmus - aber Ă€hnlich. “Spezifische Toleranz” von Matthias Ströckel. Foto: Archivbild aus der Ausstellung "Liebe" im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen.

Zwei Metronome wie zwei Liebende: Nicht immer im perfekt gleichen Rhythmus – aber Ă€hnlich. “Spezifische Toleranz” von Matthias Ströckel. Foto: Archivbild aus der Ausstellung „Liebe“ im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen.

Wenn man sich entscheidet, zusammenzubleiben, sei es wichtig, sich auszutauschen und vor allem die Einstellungen des anderen ernst zu nehmen, sagt Frau Scheib-Berten. Ein wichtiges Thema seien beispielsweise Kinder: „Wenn der eine Partner Kinder haben möchte, der andere aber nicht, hilft kein Hoffen“, sagt sie. Ändern werde sich die Einstellung ohnehin nicht. „Wenn man unbedingt Kinder haben, sollte man sich einen anderen Partner suchen, bevor es nicht mehr geht“, sagt Antonia Scheib-Berten.

Und wenn man selbst deswegen verlassen wird? Dann sollte man so fair sein, den Partner gehen zu lassen, anstatt eine Entscheidung zu treffen, die man spĂ€ter bereut und die sich auf die Familienmitglieder auswirkt. „Es geht nicht darum zu zweit zu sein. Es geht darum, zufrieden zu sein“, sagt sie. Egal ob zu zweit oder allein.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.

  • Lieber Weinheimblog, liebe Lydia Dartsch,
    es wĂ€re schön, wenn Ihr Artikel Impulsgeber fĂŒr viele „Kennenlern-Geschichten“ sein könnte. Die teilweise kuriosen Situationen, in denen Menschen sich begegnen, zeigen, wie zufĂ€llig sie oft eintreten. Bindungswillige sollten diesem Zufall eine CHANCE einrĂ€umen und mit offenen Augen durch’s Leben gehen! Die herzwerkstatt veröffentlicht IHRE Kennenlerngeschichte (auch anonym)! Zuschriften an kontakt@herzwerkstatt.com * http://www.herzwerkstatt.com
    Herzlichen Gruß
    Antonia Scheib-Berten