Mittwoch, 20. September 2017

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Fachanwalt Otto Grote √ľber die Gefahren beim Ver√∂ffentlichen und Teilen von Fotos

„Private Fahndungen bergen erhebliche Risiken“

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Fachanwalt Grote rät zum vorsichtigen Umgang mit der Bilder-Teilen-Funktion bei sozialen Medien. Foto: wbs-law.de

Weinheim/Rhein-Neckar/K√∂ln, 22. Mai 2013. (red) Der tragische Unfall eines 37 Jahre alten Weinheimers macht die Menschen fassungslos: Wer kommt auf die Idee, eine Holzpalette nachts auf eine Stra√üe zu legen?, fragen sich die Menschen. Und es wird nicht an Fl√ľchen √ľber den/diejenigen gespart, der/die einen anderen und dessen Familie sinnlos ins Ungl√ľck gest√ľrzt hat/haben.¬†Tausende Menschen nehmen Anteil und teilen auch tausendfach ein Foto des Opfers mit seiner Familie. Doch das kann weiteres Unheil nach sich ziehen – f√ľr das Opfer, die Kinder, die Frau, aber auch f√ľr Personen, die mit dem Teilen des Fotos eigentlich nur helfen wollten. Der Fachanwalt Otto Freiherr Grote von der auf Internet- und Medienrecht spezialisierten Kanzlei Wilde, Beuger, Solmecke erkl√§rt im Interview m√∂gliche Problemlagen.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Grote, vermutlich hat der Bruder ein Bild des Unfallopfers und dessen Familie veröffentlicht. Darf er das?
Otto Freiherr Grote: Nicht ohne eine entsprechende Einwilligung. Entscheiden kann das nur die abgebildete Person selbst oder deren gesetzlicher Vertreter. Wenn diese nicht entscheidungsf√§hig ist, k√∂nnte das vorliegend vielleicht die Ehefrau/Mutter. Ein Onkel hat jedenfalls kein automatisches Recht, √ľber die Abbildung seiner Nichten und Neffen zu entscheiden ‚Äď auch hier braucht er die Zustimmung eines Elternteils.

Gehen wir mal davon aus, die Zustimmung liegt vor. Bleibt es trotzdem heikel?
Grote: Ja. Pers√∂nlichkeitsrechte sind nicht ohne Grund stark gesch√ľtzt. Nat√ľrlich k√∂nnen die Eltern dar√ľber entscheiden, welche √Ėffentlichkeit sie in Bezug auf ihre Kinder herstellen ‚Äď doch sollte man dabei beachten, dass man √ľber das √∂ffentliche Bild der Kinder bestimmt und sie vor vollendete Tatsachen stellt. Das ist eine pers√∂nliche Einsch√§tzung: Ich finde, die Kinder sollten √ľber ihre √∂ffentliche Wahrnehmung selbst bestimmen k√∂nnen, wenn sie erwachsen sind.

Warum sehen Sie das problematisch?
Grote: Fotos, die einmal im Internet verbreitet sind, insbesondere bei Sozialen Medien, sind kaum noch zu kontrollieren. Hier kann sich eine Eigendynamik entwickeln, die ein enormes Risiko in sich trägt. Was, wenn ein negativer Kontext hergestellt wird? Klar, man kann versuchen, rechtlich gegen einzelne oder viele Personen vorzugehen, aber die öffentliche Wahrnehmung bekommt man oftmals nicht mehr in den Griff.

W√ľrden Sie dazu raten, f√ľr eine private ‚ÄěFahndung‚Äú Fotos zu ver√∂ffentlichen?

Grote: Davon kann ich aufgrund der damit verbundenen Risiken nur abraten. Sehr wichtig ist jedenfalls, dass solche Maßnahmen klar mit den Ermittlungsbehörden abgesprochen werden, um einen polizeilichen Ermittlungserfolg nicht zu gefährden.

Die Familie handelt doch unter Druck ‚Äď k√∂nnen Sie nicht verstehen, dass man da alles versucht?
Grote: Selbstverst√§ndlich ist das nachvollziehbar. Entscheidungen wie diese erfolgen aus einer Extremsituation und oft nicht mit klarem Kalk√ľl ‚Äď deswegen ist es gut auf externe Experten zu vertrauen, wie die Ermittlungsbeh√∂rden oder anwaltlichen Rat.

Das vom Bruder der Familie veröffentlichte Foto ist gut 20.000 Mal geteilt worden. Welches Risiko gehen die Menschen ein, die helfen wollen, indem sie das Bild teilen?
Grote: Sie gehen ein sehr gro√ües Risiko ein, weil sie nicht √ľberpr√ľfen k√∂nnen, ob derjenige, der das Foto und andere Informationen ver√∂ffentlicht hat, auch dazu berechtigt ist.

Aber die Leute handeln doch aus einer ehrbaren Absicht heraus?

Grote: Dieses ehrbare Motiv spielt im Zweifel keine Rolle, wenn jemandem dadurch ein Schaden entsteht und dieser Schaden juristisch geltend gemacht wird. Es gibt hier insbesondere zwei Gefahren f√ľr Personen, die fremde Fotos teilen: Das Teilen eines Fotos kann gegen das Urheberrecht des Fotografen und das Pers√∂nlichkeitsrecht der abgebildeten Personen versto√üen.

Was kann das f√ľr negative Folgen haben?

Grote: Man muss mit einer unter Umständen sehr teuren Abmahnung rechnen. Die Höhe und der Umfang hängen immer vom Einzelfall ab.

Dann sollte man gar nichts teilen?
Grote: Diese Entscheidung trifft mit allen möglichen Konsequenzen jeder selbst. Das Risiko verkleinert sich, je seriöser die Quelle ist und man annehmen kann, dass hier zuvor entsprechende Abwägungsprozesse stattgefunden haben. Aber auch seriöse Quellen machen Fehler. Das Risiko bleibt also.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.