Dienstag, 22. August 2017

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Gabis Kolumne

Landleben – Fluch oder Idyll?

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Guten Tag

Rhein-Neckar, 23. Mai 2011. Irgendwann in meinem Leben, ich kann nur noch vermuten, es wurde verursacht von dem Hormonschub nach der Geburt des ersten Kindes, beschlossen wir unsere wunderschöne stadtnahe Wohnung durch ein Einfamilienhaus mit Garten auf dem Lande auszutauschen. LĂ€ngst sind die Kinder dem „wir spielen im Garten“-Alter entwachsen, fahren stundenlang mit Öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt zur Schule und verfluchen das Landidyll.

Immer wieder bete ich ihnen und mir die offenkundigen Vorteile des Dorlebens vor: Die lĂ€stige Parkplatzsuche fĂ€llt weg, die Rush-Hour, wir haben einen Garten, an lauen Sommerabenden riecht es ĂŒberall nach Gegrilltem, wir kennen die Nachbarn, wir haben viel Platz – also pure Idylle.

Doch das Landleben hat so seine TĂŒcken

Auf die richtige Zeit und Höhe kommt es an.

Wie gesagt, wir haben ein Einfamilienhaus mit Garten und Hecke und Gehweg. Im Winter muss der Schnee – wenn möglich schon vor 8 Uhr in der FrĂŒh – weggeschaufelt werden und kaum scheint die erste FrĂŒhlingssonne, sprießt das Unkraut zwischen den Pflastersteinen hervor und die Hecke schießt in die Höhe.

Haben sie schon mal Unkraut auf den Knien kriechend mit der Hacke entfernt? Das ist ein endloses Unterfangen, vor allem, wenn sich die Pfahlwurzeln nicht aus den Ritzen zwischen den Steinen entfernen lassen. NatĂŒrlich gibt es die Methode mit der Giftspritze, aber lassen Sie sich nur nicht dabei erwischen, denn schließlich gelangt das Gift ins Grundwasser und das kann eine ordentliche Dorfgemeinschaft nicht zulassen.

Einmal Heckenschnitt, bitte!

Aber auch der Heckenschnitt bringt seine eigene Problematik mit. Sprießt die Hecke ins Unendliche steht der Gemeindebedienstete vor der TĂŒr – alles schon erlebt – und weist darauf hin, dass die Hecke eine verkehrsgefĂ€hrdende Höhe erreicht habe. Folglich wird man spĂ€testens am nĂ€chsten Samstag die Heckenschere hervorholen, um Abhilfe zu schaffen.

So weit, so gut denken Sie! Aber was tun, wenn ein aufmerksamer Dorfmitbewohner vorbei kommt und Sie eher un- als freundlich darauf hinweist, dass die Heckenschnitt-Periode vorbei sei und sich jetzt die Vögel ans BrĂŒten machen.

In diesem FrĂŒhjahr wollten wir dem allem vorbeugen. Im Internet haben wir uns kundgetan und meine Freundin und Nachbarin und ich beschlossen, da unsere beiden MĂ€nner auf GeschĂ€ftsreise waren, selbst Hand anzulegen. Es blieb uns nur noch das eine Wochenende, um die Hecke auf Sicherheitsmaß zu stutzen und dennoch das Brutverhalten der Vögel nicht negativ zu beeinflussen.

Mit Heckenschere und Leiter und viel guter Laune nahmen wir den Schnitt in Angriff. Und siehe da, wir waren erfolgreich, wir kamen mit dem Werkzeug zurecht, hielten die Höhe und einigermaßen die Linie ein.

Alles bestens, dachten wir. Doch zugegebenermaßen liegt unser GrundstĂŒck in exponierter Lage, sprich man konnte uns von allen Seiten beobachten. „Na MĂ€dels, das macht ihr ja gut, ich hĂ€tte auch noch ’ne Hecke zu schneiden“, war einer der freundlichen Kommentare. „Habt ihr denn keine MĂ€nner“, war dann schon etwas plumper. Heckenschnitt ist nichts fĂŒr Frauen, war der allgemeine Tenor. Aber so ist nun mal auf dem Land. Ordentliche Frauen haben ordentliche MĂ€nner, die samstags fĂŒr die schwere Gartenarbeit verantwortlich sind. Dem weiblichen Geschlecht bleibt das Eintopfen von Pflanzen und das Entfernen von Unkraut, auf Knien, versteht sich.

MĂ€hen ja, aber zur richtigen Zeit

Zu einem gepflegten Anwesen gehört selbstverstĂ€ndlich auch ein gepflegter Rasen. Also MĂ€hen und Vertikutieren. Aber auch das bitte zur richtigen Zeit. Doch musste ich mich kĂŒrzlich darĂŒber aufklĂ€ren lassen, dass zwischen 12 und 15 Uhr die Ruhezeit eingehalten werden muss. Sagt das bitte auch mal jemand den Lastern, die ungebremst an unserem GrundstĂŒck vorbeirasen!

Im Kampf gegen die LĂ€use.

Und ist das alles nicht genug, ĂŒberfallen Ungeziefer die Gartenidylle. An die jĂ€hrlichen BlattlĂ€use haben wir uns schon gewöhnt, aber wenn sie so massiv auftreten, dass die PflanzenstĂ€ngel geradezu schwarz sind, hört der Spaß eindeutig auf.

Nach etlichen Behandlungen mit alternativen Methoden wie SpĂŒli, griff ich dann doch zur Giftkeule. Doch kaum hatten wir die LĂ€useplage einigermaßen im Griff, begegnete mir im Garten eine Ratte. Ganz in der NĂ€he machten wir zwei Löcher im Boden aus, die in ein unterirdisches Höhlensystem zu fĂŒhren schienen.

Die Methode Gift musste hier schon nach kurzem Nachdenken ausgeschlossen werden, sind wir doch glĂŒckliche Besitzer von glĂŒcklichen Katzen, die zwar, so erklĂ€rte mir der Fachmann in der Gartenabteilung, an das Rattengift nicht, aber an die vergiftete Ratte gehen.

Ebenso untauglich sind Rattenfallen, denn der Speck in der Falle lockt gleichermaßen Ratten wie Katzen an und die Verletzungsgefahr ist dementsprechend fĂŒr beide Tierarten gegeben.

Wer fÀngt die Ratte?

Dieses Problem löste sich jedoch zeitnah, als ein Nachbar uns darĂŒber informierte, dass er eine Ratte am Rande unseres GrundstĂŒcks, mit der Schaufel erschlagen habe, als sie in seinen Garten rennen wollte. Jetzt hoffe ich natĂŒrlich nur, dass es sich dabei um dasselbe Nagetier handelt und sich dahinter nicht eine ganze Nagetierfamilie versteckt.

Bitte tauschen!

Am vergangenen Samstag besuchten uns Freunde. Wir grillten und saßen auf Terrasse. „Ach, beneide ich euch, um den Garten und das Dorfleben“, erklĂ€rte meine Freundin, die selbst in einer schicke Altbauwohnung mitten in der Stadt mit großem Balkon lebt.

„Willst du tauschen?“ brach es da ungebremst aus mir hervor.

gabi

  • Ralf Volkmer

    Danke! Mitten aus dem (unserem) Leben!!